E-Post: Die Sprachen Skandinaviens – kennst du eine, kennst du sie alle: Denkste!

Die ewigen Weiten Skandinaviens. Sie schenken uns romantisch geprägte Vorstellungen, in die einige von uns gerne mal abschweifen. Endlose Tundra, «You are the dancing Queen» singende, blonde Amazonen auf Rentieren und Lordi. Ihre Sprachen, so melodisch und manchmal melancholisch anmutend, verlocken viele zur Annahme, dass die Sprachen der Skandinavier ein und dasselbe sind. Nur, was sind diese Sprachen eigentlich? Woher kommen sie? Und wie vertragen sich eigentlich falsche Freunde?

Skandinavische Sprachen – TRANSLATION-PROBST AG

Skandinavische Sprachen kennen feine, aber entscheidende Unterschiede.

Drei Sprachen zum Preis von einer
Seien Sie jetzt ganz stark! Auch wenn man in schwachen Momenten dazu neigt, Dinge in die gleiche Schublade zu stopfen, so verdienen die drei Schwestern Svenska, Norsk und Dansk zumindest ihr eigenes Fach in dieser Schublade. De facto sind sich die festlandskandinavischen Sprachen aus linguistischer Sicht sehr ähnlich. Auch sprachhistorisch entspringen sie einer gemeinsamen Wurzel. Schon im Schriftbild sieht man sofort, dass diese Sprachen miteinander verwandt sein müssen: vad heter du? / hva heter du? / hvad hedder du? (Wie heisst du?). Fakt ist aber, dass Norwegisch und Dänisch keine Dialekte des Schwedischen sind.


Drei Sprachen mit einer Klatsche
Egal, ob man nun Svenska, Norsk oder Dansk spricht oder lernt, es sind dankbare Sprachen. Die Kompetenz in der einen Sprache eröffnet mit etwas Übung das Verständnis in den anderen. Das heisst aber noch lange nicht, dass Schweden und Norweger die Dänen problemlos verstehen oder vice versa. Nur einen Kötbullar-Wurf entfernt war es dank der geografischen, aber auch politischen Lage der Länder möglich, über Jahrhunderte hinweg ihr Sprachinventar auszutauschen oder durch Dominanz den Wortschatz zu prägen. Das war vor allem in Norwegen unter der Herrschaft Dänemarks möglich. Die Aussprache unterscheidet sich zwar hörbar, dennoch teilen beide Sprachen einen ähnlichen Wortschatz. Auch Schwedisch und Norwegisch nähern sich in ihrer Aussprache an, nutzen aber teils ein anderes Vokabular.
Sprachen mit einer so engen Verwandtschaft und geografischen Nähe teilen sich schwesterlich das Vokabular. Stimmt! Aber nur bedingt. «Falsche Freunde» − das sind Wörter, die gleich geschrieben und ausgesprochen werden, aber jeweils eine andere Bedeutung haben – sorgen für so manch feuchtes Auge; Bezeichnet ein Däne einen Norweger als nett, nennt er ihn rar – der Norweger wird aber recht verärgert sein, denn wer wird gern als «seltsam» bezeichnet? Möchte sich der Norweger hingegen sein kneppe, also sein Hemd, zuknöpfen, dann möchte ich lieber unkommentiert stehen lassen, woran der Däne hier denken könnte … Nun ja, interkulturelle Kommunikation birgt einige Fallen.

Was ist mit Finnisch?
Vorweg möchte ich anbringen, dass Finnisch und Schwedisch nicht dasselbe sind. Auch wenn einige hartnäckig an diesem Glauben festhalten wollen. Es lohnt sich auch hier der Vergleich: vad heter du? vs. mikä nimesi on? Grund für diese Differenz ist die Herkunft des Finnischen. Als uralische Sprache unterscheidet sich Finnisch einfach in ALLEM von den anderen Sprachen: andere Grammatik, anderer Wortschatz und viiieele Fälle – nämlich 15! Zum Vergleich: Das Deutsche kennt gerade einmal vier, wovon der Dativ dem Genitiv sein Tod ist und somit, zumindest umgangssprachlich, nur drei Fälle übrig blieben.

61!
…das ist die Anzahl der Buchstaben, die das längste Wort des Finnischen zählt. Schauen Sie mal, welche Wunder der Linguistik das Finnische bereithält und lesen Sie es für sich einmal laut vor: lentokonesuihkuturbiinimoottoriapumekaanikkoaliupseerioppilas. Na? Sie sehen das Wort vor lauter Buchstaben nicht mehr? Beschreibt dieses Wurm-Wort (in der Fachsprache auch Kompositum genannt) nun eine besondere Praxis der finnischen Sauna? Leider nein. Ganz unromantisch handelt es sich hierbei «nur» um einen «Flugzeug-Jet-Turbinenmotor-Assistenz-Mechaniker, Unteroffizier, in der Ausbildung». Sowieso lieben Finnen Komposita. Ein deutscher Satz kann im Finnischen durch nur ein Wort ausgedrückt werden … und genau das führt dazu, dass ganz Europa die Finnen für schüchtern und schweigsam hält … höpö höpö (was ein Quatsch).

Lange Wörter kurzer Sinn. Würden Abba auf Schwedisch singen, würde man sie auch in den anderen skandinavischen Ländern verstehen, solange sie sich nicht überschwänglich falscher Freunde bedienen. Die Finnen hingegen verlieren sich in ihren langen Wörtern und vergessen manchmal, wie der Satz in einem Wort beendet werden wollte.

Kippis! Trinken Sie ein Glas Bier, wenn Sie das nächste Mal mit einem Dänen reden möchten.


Ihr Kai John vom Team der TRANSLATION-PROBST AG

e-Post: Interkulturelles Vertrauen gewinnen

In der interkulturellen Kommunikation Vertrauen gewinnen

Haben Sie schon einmal von «Guanxi» oder «Ijjat» gehört? Viele westliche Unternehmen begehen im asiatischen Kulturraum den groben Fehler davon auszugehen, dass ihr Weltbild universell sei. Das dem nicht so ist und welche interkulturellen Hürden beim Netzwerken mit indischen oder chinesischen Partnern warten, weiss unser Asienexperte Christoph Rentsch.

e-Post: Interkulturelle Kommunikation in Asien – TRANSLATION-PROBST AG

Asien, geheimnisvoller Kontinent? Vermeiden Sie Fallen in der Kommunikation, denken Sie an Guanxi!

關係 Guanxi bezeichnet das persönliche Netzwerk von Beziehungen im chinesischen Kulturraum. Man kann es auch als «persönliche Verbindung» oder «Gegenseitigkeitsverhältnis» verstehen. «Guanxi aufbauen» bedeutet, mit einem Geschäftspartner eine Beziehung aufzubauen, die auf Gegenseitigkeit beruht, jedoch nicht darauf beschränkt ist. Mittels Gesten wie Geschäftsessen und symbolträchtigen Geschenken wird dem Gegenüber signalisiert, dass man ihn oder sie schätzt und deren Vertrauen gewinnen möchte. Guanxi aufzubauen dauert seine Zeit. Ohne ein Verständnis der subtilen Aspekte von Guanxi ist es unmöglich, im chinesisch-kulturellen Raum langfristig ein Geschäft zu entwickeln.

इज्जत Ijjat ist ein Begriff in Hindi/Urdu und bedeutet im weitesten Sinn «Respekt, Ehre»: Auf dem indischen Subkontinent ist man grundsätzlich jedem gegenüber, auch sich selbst, Ijjat schuldig. Man schuldet es sich selbst, der eigenen Familie sowie der eigenen «community» und den Mitarbeitern in einer Firma, das eigene Gesicht sowie die Ehre des anderen zu wahren. Dies bedeutet vor allem, im sozialen Umgang die richtigen Gepflogenheiten beizubehalten, nie allzu direkt zu werden und keine Grenze zu überschreiten, bei der die Ehre des Gegenübers in Frage gestellt würde.

In der interkulturellen Kommunikation rücken kulturelle Grundhaltungen wie Guanxi und Ijjat heute ins Zentrum und rücken auch zunehmend in den Fokus der akademischen Forschung, wo unter anderem folgende Dimensionenen im Hinblick auf unterschiedliche Kulturen der Kommunikation erkennbar geworden sind:

Direktes negatives Feedback vs. indirektes negatives Feedback

Beispielsweise spricht man im deutschsprachigen Raum und in westlichen Kulturen tendenziell direkter über geschäftliche Probleme. In asiatischen Kulturen werden Probleme hingegen eher diplomatisch und indirekt über den Kontext vermittelt.

Strukturierte Zeit vs. flexible Zeit

Ein Zeitplan wird in Deutschland oder in der Schweiz als Richtlinie (als «soll» oder gar ein «muss») gesehen, während in den meisten asiatischen Kulturen die Beziehung wichtiger ist als der Zeitplan (der Zeitplan ist ein «darf») und ein Projektverlauf muss nicht linear erfolgen.

Hohes Sicherheitsbedürfnis vs. hohe Risikobereitschaft

In westlichen Kulturen werden Geschäftsprojekte tendenziell mit einer starken sicherheitsorientierten Grundhaltung gestartet. In asiatischen Kulturen hingegen ist man viel eher bereit, etwas Neues zu versuchen, solange die Beziehungsebene stimmig ist.

Aufgaben-orientierte Netzwerke vs. Beziehungs-orientierte Netzwerke

Ein Beispiel: Der indische Departmentschef einer globalen Firma begrüsst seinen niederländischen Kollegen zum ersten Mal. Nach einem kurzen Austausch sagt der niederländische Kollege: «It was very nice speaking with you. I have heard many good things about you. But sorry, I’d love to continue this conversation later. I have a lot to do and customers to call.» Der indische Kollege ist ab diesem Verhalten eher irritiert.

Schwacher Kontextbezug («Sachebene») vs. starker Kontextbezug («durch die Blume»)

Ein Beispiel eines Dialogs zwischen einem US-amerikanischen Produktionschef Mr Taylor und seinem chinesischen Kollegen Mr Wei:

Mr Taylor: «It looks like we’re going to have to keep the production line running on Saturday.»
Mr Wei: «I see.»
Mr Taylor: «Can you come on Saturday?»
Mr Wei: «Yes, I think so.»
Mr Taylor: «That’ll be a great help.»
Mr Wei: «Yes, Saturday is a special day.»
Mr Taylor: «How do you mean?»
Mr Wei: «It’s my son’s birthday.»
Mr Taylor: «How nice, I hope you all enjoy it.»
Mr Wei: «Thank you, I appreciate your understanding.»

Ein mögliches Ergebnis dieses Dialogs: Mr Wei kommt am Samstag nicht zur Arbeit und Mr Taylor wundert sich, weshalb.

Nicht nur das Verständnis für die fremde Kultur, sondern auch ein Mass an Wissen über lokale Gepflogenheiten sind elementar, um im asiatischen Kulturraum nachhaltig Fuss zu fassen. Da die sprachlichen Hürden oft schon höher sind als erwartet, empfiehlt es sich, kulturelle Fettnäpfchen durch einen Experten oder durch entsprechende Fachliteratur schon im Vorfeld sichtbar zu machen. Es bleibt jedoch ein Balanceakt: treten Sie zu selbstsicher auf, wirken Sie rüpelhaft. Sind Sie aber vorsichtig und zurückhaltend, kann Ihnen Ihr Verhalten als Schwäche ausgelegt werden – und Sie können auch später Ihre Interessen nur mit grösserer Mühe durchsetzen.

Ihre TRANSLATION-PROBST AG

E-Post: SEO 2017

Wohin geht die Reise?

Ins Ungewisse. Denn eines wird aus einer Studie von Searchmetrics klar: Suchmaschinentricks à la carte wird es in Zukunft nicht mehr geben. Denn Googles Suchroboter können längst zwischen «Keyword-gespickten» und wirklich relevanten Inhalten unterscheiden – und rücken so das Nutzerbedürfnis und die Suchabsicht ins Zentrum. Das Ziel von Suchmaschinenoptimierung lässt sich einfach zusammenfassen: Die wichtigsten Fragen der Nutzer zu einem Produkt oder einer Dienstleistung sind mit umfassenden und informativen Inhalten zu beantworten.

Was ändert sich in der Search Engine Optimisation – TRANSLATION-PROBST AG

SEO 2017: Wohin geht die Reise?

Wikipedia zeigt exemplarisch, wie Suchmaschinenoptimierung geht. Wikipedia-Artikel umfassen nämlich reichhaltigen, kontextbezogenen und nicht berechnenden Inhalt – und steht in allen Rankings zuoberst. Anders sieht es bei den «Keyword-Königen» aus: Was bisher mit der Stichwortinfiltration in Seitentiteln, Title Tags, Google Descriptions, Lauftexten, Links und Bildern noch gut funktionierte, wird künftig erschwert, da die Suchroboter (Webcrawler) die Relevanz einer Landingpage oder Website nach anderen Kriterien beurteilen werden – und sie sind enorm lernfähig.

«Soo! muss Technik»
Was hat der Slogan eines Elektronikhändlers mit SEO zu tun? Viel, denn Websites müssen in erster Linie eines: technisch einwandfrei funktionieren. Und mobile-optimiert sein, über kurze Ladezeiten verfügen und nutzerorientiert aufgebaut sein, damit die Besucher möglichst lange auf der Seite verweilen; Ab 3 Minuten 43 wird es für Google-Bots bzw. Internetnutzer interessant – nach der Devise: «Wer länger auf der Seite verweilt, den scheint der Inhalt wohl zu interessieren.» Das wiederum hat einen Einfluss auf die inhaltliche Relevanz und somit ein besseres Ranking zur Folge.


Klicks, Klicks, Klicks
Infografik zu den wichtigsten SEO-Faktoren

Wichtigste SEO-Faktoren 2016
Screenshot: digitalmarketingphilippines.com

Ist eine Landingpage grafisch und technisch mustergültig konstruiert, bedarf es nun ausführlicher, vor allem aber ganzheitlicher Inhalte. Ab 300 Wörtern pro Seite steigt in den Augen der Algorithmen die inhaltliche Relevanz. Doch wer wiederum bloss Keywords säen will, erntet bald eine Abstrafung; Die Inhalte müssen einen Suchbegriff oder eine Suchbegriffsphrase in einem grösseren und umfassenderen Zusammenhang wiedergeben – wie bei Wikipedia. Dann verweilen die Leser zum einen länger auf den einzelnen Inhaltsseiten, zum anderen klicken sie sich vermehrt durch die Inhalte – und teilen diese im besten Fall noch in ihrem sozialen Netzwerk, was wiederum neue Klicks generiert. Und je mehr solcher Klicks aus sozialen Netzwerken oder aus Suchmaschinenergebnissen (Click-Through-Rate = CTR) zustande kommen, desto stärker verbessert sich das Ranking.


Fazit
Technik, Nutzerfreundlichkeit und Suchabsicht von Nutzern bestimmen künftig das Ranking – also werbetechnisch ganz klassisch: Wer sind meine Zielgruppen, welche Sehnsüchte oder Probleme tragen sie mit sich herum und wo suchen sie sich professionelle Hilfe, die sie mit passenden Lösungen weiterbringt? Auf gut Deutsch: Wir sollten uns vermehrt in die Nutzer hineinversetzen und unser Einfühlungsvermögen anzapfen. Gemischt mit einem guten Cocktail aus Big Data werden wir dann mit den Inhalten nicht ganz falsch liegen. Zur Not helfen uns da ein paar Tipps und Tools:

Infografik zu den wichtigsten SEO-Faktoren
Top 15 SEO-Tools
15 simple Google-Analytics-Tipps für besseres Content- und Suchmaschinenmarketing

Ihr Team der Translation-Probst AG

Vom Wandel zum Handeln – ein Ausblick für 2017

Für manch einen bedeutet der Jahreswechsel – neben dem Wiedereintritt ins Fitnessstudio – die Chance, durch eigenes Handeln einen Wandel herbeizuführen. Die Translation-Probst AG hat 2016 bereits einen Wandel vollzogen, weshalb sie nun zum Handeln übergeht. Im Ausblick für das Jahr 2017 zeigen wir Ihnen, was bei uns alles neu wird und auf welche Trends Sie in Zukunft achten sollten.

Die digitale Wandlung eines Übersetzungsbüros – TRANSLATION-PROBST AG

2017 als Jahr der Tatkraft – unser Blick in die Zukunft

Als Erstes verwandeln wir unseren Firmenblog in einen Themen- und Aktualitätenblog – als ergänzendes Medium zu unserer Unternehmenszeitung Translation-Post: Während früher das Wort der Woche den Blog prägte, setzen wir uns neu mit globalen und digitalen Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen auseinander, in denen Technologien, Sprachen und Übersetzungslösungen eine wichtige Rolle spielen. Die neue «E-Post» wird jeweils zweimal im Monat erscheinen – zunächst noch im bisherigen Kleid, ab dem Frühjahr dann in einem neuen Look.

Die Digitalisierung kommt – auch zu uns

Strategisch schreiten wir mit grossen Schritten Richtung Digitalisierung, was mit einem neuen Web- und Firmenauftritt verbunden ist. Aber nicht nur: Während sich unser Äusseres digital verändert, bauen wir intern an digitalen Sprachlösungen, die Ihnen in Zukunft Ihre internationale Kommunikation erleichtern werden. Mehr dazu erfahren Sie ebenfalls im Frühjahr/Sommer.

Im Zusammenhang mit dem Megatrend Digitalisierung nimmt der Mensch vermehrt die Rolle des Regisseurs und Ideengebers ein, während selbstlernende IT-Systeme lästige und komplexe Arbeiten in Windeseile erledigen. Ob Roboter, selbstfahrende Autos oder die Smartwatch, die Ihnen den Bewegungsmangel während der Festtage penibel aufzeigt, – all diese vernetzten und autonomen Helferlein bedingen eine Revolution unserer künftigen Arbeit und Bildung: weg vom Auswendiglernen und von repetitiven Arbeiten hin zum Kreieren, Programmieren und Erfinden.

Im Zuge unseres digitalen Umbaus werden wir uns intensiv mit Arbeits-, Bildungs- und Technologiethemen beschäftigen – die ersten Resultate dazu lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe der Translation-Post im Frühjahr, die alles um die Digitalisierung herum beleuchtet und dabei mit internen und externen Experten spricht.

Blick in die Zukunft

2017 wird für viele Unternehmen ein Jahr der technologischen Weichenstellung. Denn in Zukunft wird sich die Individualisierung der Gesellschaft weiterhin verstärken. Auf die Produkt-, Dienstleistungs- und Kommunikationsebene übertragen bedeutet dies einen Wandel vom Massen- zum selbst mitgestalteten Einzelprodukt sowie von der Massenwerbung hin zu individuellen Angeboten, die den Konsumenten aufgrund einer umfassenden Datenanalyse über die vernetzten Dinge direkt ausgespielt werden.

Die Mediabudgets werden sich ebenfalls Richtung Konsumenten bewegen, indem diese erst bestimmte Werbeangebote akzeptieren, wenn sie dafür eine Gegenleistung bekommen. Werbe- und Mediaagenturen werden sich auflösen und entweder auf der Unternehmensseite eingebettet oder direkt bei den Verbreitungsmedien angesiedelt sein. Sowohl Unternehmen als auch Verbreitungsmedien werden über eine Art «News und Content Creator» sämtliche Kommunikationsinhalte mehrsprachig über intelligente digitale Lösungen produzieren und verbreiten können. Und daran arbeiten auch wir.

Für 2017 wünschen wir Ihnen viel Mut, Tatendrang und Freude bei allem, was Sie tun und erreichen wollen.

Ihr Team der Translation-Probst AG

Wort der Woche «Familienrecht»

Bundesrätin und Justizministerin Simonetta Sommaruga sprach vor zehn Tagen mit dem Tagesanzeiger über das Familienrecht – unser Wort der Woche. Genauer über dessen Modernisierung bzw. die Anpassung an die gesellschaftlichen Verhältnisse. Das Familienrecht müsse laut Sommaruga die Realität abbilden. Dazu gehöre auch die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.

Alternative Familienmodelle sind längst keine Seltenheit mehr.

Ist die klassische Familie bedroht?

Ehe ich die «Ehe für alle» ergründe, werfe ich zuerst einen Blick auf den Begriff «Familienrecht». Was Recht ist, ist allen klar: Regeln, Verordnungen, Gesetze. Beim Begriff Familie jedoch scheinen sich die Geister in den Kommentarspalten des Tagis zu scheiden – wie übrigens jede zweite Ehe in der Schweiz, die derzeit exklusiv zwischen heterosexuellen Paaren geschlossen wird, aus deren Verbindung dann die neuzeitliche Definition der Familie – Vater, Mutter, Kind(er) – hervorgeht.

Familie – was ist das?

Entgegen der Meinung vieler Traditionalisten ist die Familie im modernen Kontext ein Konstrukt der Neuzeit, das es erst seit gut zweihundert Jahren gibt. Ursprünglich stammt das Wort Familie vom Lateinischen «famulus» bzw. «famula», was übersetzt «Hausdiener/Sklave» bzw. «Hausdienerin/Sklavin» bedeutet. Denn in der Antike war der «Pater familias» nicht etwa der biologische Miterzeuger der Kernfamilie, sondern der Gutsbesitzer, dem alle darin lebenden und arbeitenden Individuen sowie Sachen und Tiere gehörten, weil er die Herrschaft über das gesamte Gut innehatte.

Selbst im Mittelalter gab es den Begriff Familie im Alltagsgebrauch nicht. Vielmehr war damit ein Rahmenhaushalt gemeint, der wiederum selbst aus vielen unter- und übergeordneten Hausgemeinschaften bestand und damit ebenfalls eine Herrschaftsbezeichnung war und nicht das, was heute allgemein als Familie verstanden wird.

Mehr zur Begriffsgeschichte der Familie auf Wikipedia nachzulesen.

Besorgte Bürger

Weil das junge Konstrukt Familie der Meinung vieler besorgter Bürger nach zum Verschwinden verurteilt ist, wehren sie sich mit Händen und Füssen gegen die «Aufweichung der Familie» oder die «Zerstörung der Gesellschaft», die ihrer Ansicht nach anlässlich der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare samt der freien Adoption in Gang käme*. Sorgen, die gemäss einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Schwulenorganisation Pink Cross gar keine sind: 69 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer befürworten eine Ehe für alle.

* Partner gleichgeschlechtlicher Paare dürfen derzeit nur das leibliche Kind des Partners bzw. der Partnerin adoptieren, nicht aber ein gemeinsames Kind, das von der Adoptionsbehörde vermittelt wird, weil sie nur ihre Partnerschaft eintragen, aber nicht heiraten dürfen.

Dennoch möchte ich die Stimmen der besorgten Bürger aufgreifen und ihren Vorbehalten auf den Grund gehen: Da ist die These, dass die Familie geschützt werden müsse – mittels heterosexuellen Ehen, was das freie Adoptionsrecht ebenfalls einschliesst. Die Begründung: Kinder brauchen einen Vater und eine Mutter. Könnten folglich Schwule und Lesben wie heterosexuelle Paare heiraten und gemeinsam ein Kind adoptieren, würde das Kindswohl darunter leiden, weil dann ein gegengeschlechtlicher Elternteil fehlen würde.

«Die werden doch bloss selbst schwul»

Kinder von Schwulen werden auch schwul?

Auch Männer sind gute Eltern.

Manche gehen in ihren Befürchtungen so weit, dass Kinder in Regenbogenfamilien selbst schwul oder lesbisch «werden» könnten. Nun ja, dieses Argument kann ich beileibe widerlegen: Ich bin in einer heterosexuellen Familie aufgewachsen und trotzdem nicht heterosexuell «geworden», obschon ich zwei «Vorbilder» dazu hatte, die obendrein immer noch bilderbuchkonform verheiratet sind.

Warum?

Weil man(n) eben nicht schwul «wird», sondern es «ist». Und zwar von Geburt an. Daran können selbst die Umerziehungscamps diverser Freikirchen und politischer Gruppierungen nichts ändern, weil es nichts mit Erziehung zu tun hat. Das wäre so, als ob ich ein Camp für Braunäugige besuchen müsste, nur weil ich blaue Augen habe. Deswegen werden meine Augen noch lange nicht braun.

Betrachten wir darüber hinaus die Scheidungsquote des Bundesamtes für Statistik, hat sich diese seit den 1960er Jahren verdreifacht und mittlerweile bei jeder zweiten Ehe eingependelt. Analog dem Argumentarium der besorgten Bürger würde den Kindern selbst in der klassisch-bürgerlichen Ehe bzw. Familie der gegengeschlechtliche Elternpart ebenfalls fehlen.

Was also tun? Die «Ehe für alle» allen verbieten?

Wohl kaum. Aber den (bürgerlichen) Horizont erweitern: Das Kindswohl hängt am meisten davon ab, ob das Kind Liebe, Respekt und Fürsorge von Erwachsenen bekommt, und nicht davon, in welcher Geschlechts- oder Partnerschaftskonstellation seine Erzieher bzw. Erzeuger zueinander stehen. Zudem gibt es auch glückliche Kinder von alleinerziehenden Vätern und Müttern, nicht verheirateten Paaren oder aus Patchwork- und Regenbogenfamilien.

Vielmehr brauchen Kinder den Rückhalt ihres gesamten sozialen Umfelds: (Schwule) Göttis, Gotte, Oma, Opa, (lesbische) Tanten, Onkel, (bisexuelle) Cousins, Freunde, Lehrpersonen und Bezugspersonen in Vereinen – alle diese Personen haben Einfluss auf das Kindswohl und stützen die Kernfamilie, indem sie die Aufgaben und Pflichten der biologischen Erzeuger bzw. Erziehungsberechtigten auffangen – wie das unsere Ahnen seit der Steinzeit gemacht haben. Bis das Bürgertum kam …

Das bürgerliche Ideal der Kernfamilie scheint gerade aus Sicht der Kinder nicht zukunftsfähig zu sein, weil es in seinen engen Grenzen zur Überforderung der Elternteile führt und dem Kind Einfalt statt Vielfalt bietet, was wiederum der Zukunft des Kindes nicht zuträglich ist.

Darum freue ich mich als Götti in spe, einen wertvollen Beitrag zur Familie UND Gesellschaft zu leisten, indem ich meinem Göttimeitli oder -bub (ist noch geheim) vielseitige Erfahrungen bieten möchte. Und darauf, dass wir die Ehe künftig für alle öffnen, zumal ich meine eingetragene Partnerschaft gerne «upgraden» möchte, was nach Artikel 8, Absatz 1 der Bundesverfassung nur fair und (geltendes) «Recht» wäre – denn: «Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.»
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Liebsten besinnliche Festtage, beste Gesundheit und einen besonders gelungenen Start ins neue Jahr. Es leben die Familien! Egal, welcher aller Art.

Predrag Jurisic mit dem Team der bunten TRANSLATION-PROBST-Familie