Alle Blogbeiträge > Wort der Woche > Wort der Woche: Olympische Spiele

Wort der Woche: Olympische Spiele

Das bedeutungslabile Wortfeld der Olympischen Spiele

Am Freitag ist es wieder soweit: Mit der Eröffnungsfeier vom 7. Februar, die wohl noch gigantischer sein wird als alle vorherigen, werden die Olympischen Winterspiele in Sotschi offiziell begonnen. Für uns Grund genug, die olympischen Spiele zum Wort dieser Woche machen.

Es handelt sich dabei um die XXII. Spiele. Der Zeitpunkt der I. Olympischen Spiele scheint also eine leichte Rechnung zu sein. Weit gefehlt: Die Zählung bezieht sich auf die Modernen Olympischen Spiele, und diese fanden erstmals 1896 statt – allerdings nur im Sommer. Olympische Winterspiele gibt es erst seit 1924; die lautesten Fans werden jedoch erst diejenigen des Jahres 1936 gelten lassen, weil es erst da Skiwettbewerbe gab. Der Ursprung der Olympischen Spiele liegt selbstverständlich viel weiter in der Vergangenheit. Man spricht vom 2. Jahrtausend v. Chr.; Siegerlisten sind bis ins Jahr 776 v. Chr. belegt. Doch die heutigen Olympischen Spiele haben sich unendlich weit davon entfernt; geblieben ist der Name.

© Ch_Alexandr / FotoliaDessen Herkunft ist einfach: Die vor der Tür stehenden Spiele heissen «Olympische», weil sie zuerst in «Olympia» stattfanden. Olympia war das Heiligtum des Zeus in Elis, im Nordwesten der Halbinsel Peloponnes. Allerdings hätten sie auch die Pythischen (Delphi), die Nemëischen (Nemea) oder die Isthmischen (Isthmus von Korinth) Spiele heissen können. Pierre de Coubertin 1896 wählte Olympia zum Namensgeber für die Olympischen Spiele der Neuzeit, weil die entsprechenden Spiele die bekanntesten gewesen waren. Die vier griechischen Spiele bildeten zusammen eine «Olympiade», d.h. einen Zeitraum von vier Jahren.

Dennoch werden die Journalisten und Kommentatoren auch diesmal wieder von Sportlern sprechen, die bereits an der dritten «Olympiade» teilnehmen. Das sie den Begriff falsch verwenden, hängt nicht allein mit fehlender Bildung zusammen, sondern mit dem Wortfeld der Olympischen Spiele, das äusserst labil ist. Die «Olympischen Spiele» selber sind ein aufschlussreiches Beispiel für Bedeutungsverschiebungen bzw. Bedeutungsverlust. Denn mit dem Ort Olympia haben sie längst nichts mehr zu tun, die heutige Weinbauregion Olympia wäre gar nicht mehr in der Lage, Olympische Spiele zu organisieren. Die Bedeutung des Wortes hat sich vom Ort auf eine Tradition, eine Ideologie verschoben, die noch im Begriff «der olympische Gedanke» weiterlebt, der sich jedoch inzwischen fast vollständig entleert hat und nur noch den Festrednern wichtig ist. Noch deutlicher zeigt sich der Bedeutungsverlust des Begriffs «Spiele»: Was sich in nächster Zeit in Sotschi zutragen wird, hat überhaupt nichts Spielerisches an sich – es sind knallharte Wettkämpfe, bei denen es um Hundertstelsekunden, um Ehre und viel Geld geht – und hauptsächlich um den Beweis, dass Russland wieder ein mächtiger Staat und Putin ein grosser Politiker ist.

Sportler und Sportlerinnen aus über 90 Nationen werden an den Olympischen Spielen in Sotschi teilnehmen. Das gibt eine «Babylonische Sprachverwirrung», und es wird von Übersetzern und Dolmetschern wimmeln. Übrigens ist auch die TRANSLATION-PROBST AG vor Ort. Wenn Sie nicht bloss an Ranglisten und grossen Namen interessiert sind, sollten Sie unbedingt zuweilen einen Blick auf unseren Blog werfen: Die Reportagen unserer Korrespondentin sind sicher lesens- und sehenswert.