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Die Falschen unter den Wörtern

Wörter sind keineswegs unschuldig. Sie können dir schmeicheln, dich einhüllen und dich an der Nase herumführen. Sie greifen vor allem dort an, wo sie deine Unsicherheit vermuten: nämlich dann, wenn du dich ausserhalb deiner Muttersprache bewegst. Dabei erscheint es dir nur logisch, dich eines Wortes zu bedienen, das dir bekannt vorkommt, das dir vertraut ist. Und schneller, als du ahnen kannst, schlägt er zu, der falsche Freund.  

Als falscher Freund tritt ein fremdsprachiges Wort auf, das einem Wort der Muttersprache in Schrift oder Aussprache zwar sehr ähnelt, jedoch eine deutlich andere Bedeutung hat. Die Wörter können dabei entweder ursprungsverwandt sein, sich aber in eine unterschiedliche Richtung entwickelt haben, oder rein zufällig eine Ähnlichkeit aufweisen. Vor allem beim Übersetzen stellen diese falschen Freunde eine Stolperfalle dar.

falsche Freunde entsorgen

Falsche Freunde gibt es wie Sand am Meer.

Um einem solchen falschen Freund zu begegnen, muss ein Schweizer nicht lange reisen. Ein Ausflug zu unseren deutschen Nachbarn genügt. Erzählt man diesen vom momentanen «Zügeln», wird man vermutlich einen verwirrten bis leicht mitleidigen Blick ernten. Zügeln wird in Deutschland nämlich nur im Zusammenhang mit «bremsen, zurückhalten» gebraucht.

Zur Erheiterung hingegen führt, wenn man in einer rumänischen Runde auf den Geburtstag eines Kollegen anstösst und dabei laut «Prost!» ruft. Das «prost» aus dem Rumänischen heisst übersetzt nämlich so viel wie «doof».Reist man etwas weiter, nach Holland, heisst es noch mehr aufgepasst. Denn durch die enge Verwandtschaft der deutschen mit der niederländischen Sprache gibt es hier auffallend viele Wortpaare, deren Freundschaft doch nicht so aufrichtig ist. Wenn ein Holländer zum Beispiel auf seinen Kopf zeigt und «doof [dof]» sagt, will er damit andeuten, dass er taub ist.

Sehr spannend ist folgende Erkenntnis: Falsche Freunde brauchen es nicht ewig zu sein, es kann auch eine tiefe Verbundenheit entstehen. So hatte zum Beispiel «realisieren» im Deutschen bis vor einiger Zeit nur die Bedeutung von «verwirklichen, umsetzen». Heute wird «realisieren» durch die häufige und wiederholt falsche Verwendung durchaus auch im Sinne von «wahrnehmen, bemerken, erkennen» verwendet, angelehnt an das englische «to realize/realise». Sogar der Duden hat diese Bedeutung mittlerweile übernommen. Zu hoffen bleibt, dass sich diese Erkenntnis nicht auf das wahre Leben übertragen lässt. Zu erschreckend der Gedanke, man könnte sich an einen falschen Freund gewöhnen und ihn sogar den «richtigen» Freunden vorziehen.

Zwar kein falscher Freund, aber trotzdem ins Fettnäpfchen treten kann, wer etwa in Kuba eine hübsche Frau mit einem Kompliment beglücken will. So bedeutet «una chica guapa» in Havanna ein aggressives/wildes Mädchen – ganz im Gegensatz zu Spanien, wo sich dadurch durchaus einer Frau ein Lächeln aufs Gesicht zaubern lässt.

Quelle: wikipedia.org

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