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Wort der Woche «bilateral»

Bilaterale Abkommen, bilateraler Weg, bilaterale Verträge, die Bilateralen − das Wort bilateral ist in aller Munde. Gerade aus aktuellem Anlass. Denn die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar 2014 bringt den bilateralen Weg ins Wanken, da sie im Widerspruch zur Personenfreizügigkeit steht. Die Verhandlungen und Lösungsvorschläge geben jeden Tag von Neuem zu reden und füllen die Tageszeitungen. Doch was bedeutet das Wort bilateral überhaupt?

Das Wort bilateral wird oft in Verbindung mit der EU verwendet.

Das Wort bilateral wird oft in Verbindung mit der EU verwendet.

Der Begriff bilateral ergibt sich aus den beiden Wortteilen bi (zwei) und lateral (die Seite betreffend). Zusammengesetzt bedeutet er demzufolge so viel wie «zwei Seiten betreffend» oder «von zwei Seiten ausgehend». In der Politik wird das Wort verwendet, um ein Abkommen zu beschreiben, das ausschliesslich für zwei Vertragspartner gilt, beispielsweise die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU).

Die ersten bilateralen Abkommen mit der EU wurden 1957 abgeschlossen – genau genommen ging es noch lange nicht um die EU: 1957 hiess der Zusammenschluss von gerade mal sechs Ländern noch Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion). Schon damals ging es darum, die Beziehung zwischen der Schweiz – die ja nicht dazugehörte − und der Montanunion auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene zu regeln. Diese Verträge sowie die weit wichtigeren späteren Abkommen geben der Schweiz die Möglichkeit, bei den genannten Themen mitzureden. Was für ein Privileg! Ist heute von den Bilateralen die Rede, so sind die Abkommen von 1999 («Bilaterale Abkommen I») und die Abkommen von 2004 («Bilaterale Abkommen II») gemeint. Ein zentraler Bestandteil dieser Abkommen ist die Personenfreizügigkeit, doch sie beschäftigen sich auch mit Land- und Luftverkehr, Forschung, dem öffentlichen Beschaffungswesen, «Schengen», Verbrechensaufklärung und vielen anderen wichtigen Fragen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens.

Ein Teil der bürgerlichen Parteien findet diese Verträge aber alles andere als gut. Sie sehen darin eine Bedrohung für Schweizer Werte wie Neutralität, Solidarität, Universalität und Disponibilität und befürchten eine unkontrollierte Einwanderung. Die Masseneinwanderungsinitiative soll dagegen Abhilfe schaffen.

Linke Parteien hingegen sehen die Masseneinwanderungsinitiative als Eigentor, da sie die bilateralen Verträge mit der EU massiv bedroht. Ein Austausch zwischen der EU und der Schweiz ist enorm wichtig. Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Ein Staatenbund wie die EU zeichnet sich durch Mehrsprachigkeit und verschiedene Kulturen aus. Beides sind komplexe Systeme, von denen wir sehr viel profitieren und lernen können. Denn wenn man eine Sprache in all ihren Facetten verstehen will, genügt es nicht, die Grammatik und Orthographie perfekt zu beherrschen. Hinter einer Sprache steckt immer auch eine Kultur. Und um diese kennenzulernen und zu verstehen, gibt es nichts Besseres als persönliche Begegnungen. Wie wichtig dies für uns als Übersetzungsbüro ist, müssen wir nicht betonen. Nur dies: In unserem Team von 20 Personen sind mehr als zehn Nationalitäten vertreten.

Die EU gewährt der Schweiz mit den bilateralen Verträgen also nicht nur ein Mitspracherecht, sondern ist gleichzeitig eine wichtige Plattform für Unternehmen. Die Bilateralen eröffnen Schweizer Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten und verhindern Engpässe in der Rekrutierung. Jeder dritte Arbeitsplatz lebt vom Handel mit Europa. So tragen die bilateralen Verträge schliesslich zu einem nachhaltigen Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum bei.

Es ist also nicht verwunderlich, dass das Wort bilateral mitunter Hauptthema in den Medien ist und vermutlich noch einige Zeit bleiben wird.

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