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Wort der Woche «Tell»

Susanne Pfankuch und Patrick Tschirky, zwei Dozierende an der ZHAW, geben Ihnen einen Einblick in die mythische Welt von Wilhelm Tell. Wissen Sie, ob Tell beim Rütlischwur dabei war?

Susanne Pfankuch und Patrick Tschirky äussern sich zu Wilhelm Tell.

Susanne Pfankuch und Patrick Tschirky äussern sich zu Wilhelm Tell.

Was fasziniert Sie an der Geschichte von Tell?
Pfankuch:
Mich faszinieren die Nebenfiguren. Wilhelm Tell ist besonders bei Schiller in festen Strukturen verankert. Er ist Teil einer alpinen Gesellschaft, die gut funktioniert und ein Netzwerk bildet. Obwohl Schiller nie in der Schweiz gewesen ist, gelingt es ihm, den Alpenraum lebendig darzustellen. Sehr lesenswert finde ich aber auch Max Frischs «Wilhelm Tell für die Schule». Liest man diese Tell-Geschichte, dann kann man den Landvogt als doppeltes Opfer kennenlernen: Er wird von Tell ermordet, aber vorher schon wird er durch seinen Auftraggeber, Rudolf von Habsburg, mit der Aufgabe geplagt, in den wilden Schweizer Tälern Steuern einzutreiben.
Tschirky: Es gibt ja ganz verschiedene Versionen der Tell-Geschichte. Mir gefällt die älteste überlieferte Version, die wir haben. Hans Schriber hat um 1470 die Geschichte im «Weissen Buch» von Sarnen ganz knapp und trocken erzählt. Schillers Drama mit der grossartigen Inszenierung von Natur und Landschaft fasziniert mich aber auch. Vor allem spannend ist die Tatsache, dass Schiller im Stück auch die Mythisierung der Tell-Geschichte thematisiert.

Welches ist für Sie die Schlüsselszene bei der Tell-Geschichte?
Pfankuch:
Aus der politischen Perspektive ist es eindeutig der Rütlischwur am Ende des zweiten Aktes: «Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr.» Schillers Tell ist übrigens bei diesem Schwur nicht dabei. Er leistet, modern gesagt, keine konzeptionelle Arbeit, sondern ist ein Kämpfer.
Tschirky: Dramaturgisch bildet sicher die Apfelschussszene den Höhepunkt der Geschichte. Bei jeder Tell-Inszenierung interessiert deshalb auch, wie dieses Highlight auf die Bühne gebracht wird. Wird dabei mit viel Technik gearbeitet oder wird der Apfelschuss bloss erzählt und gar nicht gezeigt? Die Inszenierung hängt natürlich von der Interpretation des Stücks ab.

Niemand weiss, ob es Tell tatsächlich gegeben hat. Warum hat sich der Mythos Ihrer Meinung nach dennoch durchgesetzt?
Pfankuch: Die Tell-Erzählung hat archetypisches Potenzial. So kann die Geschichte viele Kulturen bedienen und in Varianten immer weiterleben.
Tschirky: Mythen setzen sich durch, weil sie ein narratives Potenzial besitzen. Dieses existiert ganz unabhängig von der Tatsache, ob die Geschichte faktenbasiert oder gänzlich fiktiv ist. Interessant ist, wer wann wie mit der Tell-Geschichte umgegangen ist. Die Geschichtswissenschaft spricht in diesem Zusammenhang auch von der «Gebrauchsgeschichte» von Tell.

Warum ist Tell auch heute noch so präsent?
Pfankuch: Salopp gesagt ist Tell ein Supermann. So kann er auch für alles werben.
Tschirky: Die Tell-Geschichte ist äusserst anschlussfähig. Darin stecken viele Elemente, die mit der Schweiz verknüpft werden können, vom Pochen auf Autonomie bis hin zur Präzision und Qualitätsarbeit.

Aus dem Interview mit Susanne Pfankuch und Patrick Tschirky wird klar, dass Wilhelm Tell eine ganz besondere Person ist: vielseitig wie Superman, kämpferisch wie Gandhi und treffsicher wie Cristiano Ronaldo. Deswegen passt Tell perfekt zur TRANSLATION-PROBST AG. Damit eine höchstmögliche Qualität der Übersetzungen gewährleistet ist, wird bei uns jeder Text und jede Übersetzung wenn möglich von einem Professor oder Hochschuldozenten der Zielsprache nachkorrigiert. Aus diesem Grund hat sich auch Tell bis zum Professor ausgebildet und verkörpert seither als Professor Tell unsere Qualitätsgarantie.

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