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Wort der Woche «Schmotzig»

In drei Tagen ist es soweit: Der Donnerstag wird schmutzig und daher zum «Schmotzigen Donnerstag». Mit Schmutz in diesem Sinn hat er jedoch gar nichts zu tun, auch wenn das häufig angenommen wird.

Ob Schmotziger Dunschtich, Dicker Donnerstag, Unsinniger Donnerstag, Gumpiger Dunschtig oder einfach nur Schmotziga – der Donnerstag vor Aschermittwoch trägt vor allem in Deutschland viele Namen. In der schwäbisch-alemannischen Fasnacht und in den katholischen Orten der Schweiz ist der «Schmotzige Donnschtig» der Startschuss für die Fasnacht. Fasnacht wird übrigens nur im Schweizer Hochdeutschen geschrieben, in Deutschland heisst es «Fastnacht».

Herkunft
Entgegen der verbreiteten Annahme, dass «schmotzig» tatsächlich auf Schmutz und Dreck zurückzuführen sei, findet sich das Wort im alemannischen Begriff für Schmalz bzw. Fett wieder. Der Donnerstag vor Aschermittwoch war nämlich der letzte Schlachttag vor der Fastenzeit und somit für alle Nicht-Vegetarier – die sich damals noch in der Mehrheit befanden – die letzte Gelegenheit, um nochmals in den Genuss von Fleisch zu kommen. Da die Fastenzeit bis Ostern vierzig fleischlose Tage bedeutete, wurde nochmals geschlemmt, was das Zeug hält. So konnte man sich auch genug Fettreserven für die bevorstehende Fastenzeit anfuttern.
Die Kirche freundete sich mit dem teils ausartenden und wollüstigen Treiben vor der Fastenzeit wohl oder übel an und führte den theologisch-pädagogischen Nutzen vor Augen: Die Fasnacht stelle mit den verschiedenen Hexen-, Dämonen- und Teufelsmasken die Herrschaft des Bösen dar und zeige eine gottferne, verkehrte Welt voller Busse. Die Gläubigen seien dadurch eher gewillt für die entbehrungsreiche Fastenzeit.

Der Schmotzige Donnerstag ist auch als Schlacht- und Backtag bekannt.

Der Schmotzige Donnerstag ist auch als Schlacht- und Backtag bekannt.

In Deutschland werden die Schüler am Schmotzigen Donnerstag von der Schule «befreit», und die Narren bekommen vom Bürgermeister symbolisch den Rathausschlüssel in die Hand gedrückt. Diesen dürfen sie bis Fasnachtsdienstag behalten. Umzüge und Strassenfasnachten sind dann natürlich ein Muss. Traditionellerweise werden am Schmotzigen Donnerstag vielerorts im Fett gebackene «Fasnetsküchle» gegessen, zum Beispiel Quarkbällchen (auch bekannt unter Quarkini).

In der Schweiz wird der Schmotzige Donnschtig von Kanton zu Kanton anders gefeiert. Die Luzerner Fasnacht, die zweitgrösste der Schweiz, beginnt um fünf Uhr morgens mit dem «Urknall». Dieser gibt den Guggenmusiken und allen Fasnächtlern das Zeichen, dass nun mit dem fasnächtlichen Treiben begonnen werden darf.

Wie feiern Sie den Schmotzigen Donnerstag? Mit Ohropax im Bett, oder stehen Sie an vorderster Front?

  1. Georg Neuf
    9. Februar 2015, 15:11 | #1

    Hallo Ihr beiden, mit diesem Blog-Beitrag habe ihr ja wieder voll ins schwarze getroffen.
    Gratulation für eure Ideen und vor allem zu eurer schriftlichen Darstellung. Aber nicht nur dieser Beitrag, ist euch sehr gut gelungen, sondern auch all die anderen die ihr bisher geschrieben habt.

    Liebe Grüsse
    Georg

  2. 10. Februar 2015, 10:27 | #2

    @Georg Neuf
    Lieber Georg
    Vielen Dank für deine lieben Komplimente!
    Es freut mich, dass die Texte dir gefallen.
    Einen schönen Tag dir & bis bald!
    Treffsichere Grüsse
    Professor Tell

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