Alle Blogbeiträge > Wort der Woche > Wort der Woche «Windowdressing»

Wort der Woche «Windowdressing»

Italienisch oder Französisch? Was wie ein Salatdressing klingt, hat nur entfernt etwas mit Essen zu tun. Dann nämlich, wenn auch im Restaurant etwas schöner hergerichtet ist, als es tatsächlich schmeckt.

Bilanzkosmetik, Silvesterputz – diese Begriffe treffen ziemlich genau, was in der Bilanzpolitik mit Windowdressing gemeint ist. Um vor dem Bilanzstichtag, sprich dem letzten Tag des Wirtschaftsjahres, an dem die Jahresabschlüsse des Unternehmens aufgestellt werden, in einem möglichst günstigen Licht zu erscheinen, wird die Bilanz aufgeputzt. Die Massnahmen, die die Fondsmanager dafür durchführen, befinden sich im Grenzbereich des Zulässigen: Es handelt sich vor allem um die Umschichtung von Beständen.

Um für glückliche Gesichter bei den Anlegern zu sorgen, greift so mancher Fondsmanager in die Trickkiste.

Um für glückliche Gesichter bei den Anlegern zu sorgen, greift so mancher Fondsmanager in die Trickkiste.

Liquidität verbessern
Damit beispielsweise die mangelnde Liquidität eines Unternehmens vorübergehend nicht sichtbar wird, werden kurz vor dem Bilanzstichtag Vermögensgegenstände veräussert mit der Verpflichtung, sie wieder zurückzukaufen. Dies ist eine durchaus zulässige Liquiditätsbeschaffung. Oft veräussert eine Bank auch Devisen oder nimmt kurzfristig Geld auf. Eine andere Methode von Fondsmanagern besteht darin, kurz vor dem Ende des Quartals nochmals besonders die Aktien des von ihnen gemanagten Fonds zu kaufen, um so den eigenen Kurs hochzutreiben. Denn wie sagt man so schön? Die Hausse nährt die Hausse (mehr dazu auf unserem Blog). Langfristig wirken sich solche Käufe überteuerter Fonds jedoch negativ auf die Performance aus. Unzulässig ist diese Methode ausserdem, wenn sie von der festgelegten Anlagestrategie abweicht.

Unterschied zu früher
Interessanterweise setzte man früher Bilanztricks genau für das Gegenteil ein: Um Steuern zu sparen, wurde das Ergebnis schlechtgerechnet. Mitte der 1990er Jahre führten die Vorgaben des Shareholder Value, zu Deutsch: Aktionärswert, jedoch zu einer Beschönigung der Bilanzen. So können die Unternehmen stetige Gewinnsteigerungen präsentieren. Der Shareholder Value entspricht, vereinfacht gesagt, dem Unternehmenswert, von dem wiederum der Kurswert der jeweiligen Aktien abhängt. Und schliesslich werden Investmentfonds mit einer besseren Performance, das heisst der innerhalb eines oder mehrerer Jahre erwirtschafteten Rendite, von den Anlegern gelinde gesagt bevorzugt.

Auf Deutsch übersetzt macht das originale «window dressing» mit «Schaufensterdekoration» einen ziemlich wertneutralen Eindruck. Aber nehmen Sie sich Winston Churchills Worte zu Herzen und trauen Sie keiner Statistik, die Sie nicht selber gefälscht haben.

  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks