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Wort der Woche «Alternativmedizin»

Schul- oder Alternativmedizin? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister wie bei der Frage, ob Sie ein «Migros-» oder «Coop-Chind» sind. Damit Sie besser Bescheid wissen, stelle ich Ihnen drei alternativmedizinische Ansätze vor.

Für viele ist «Homöopathie» ein Stolperwort. Der Name dieser alternativmedizinischen Behandlungsmethode bedeutet, aus dem Altgriechischen übersetzt, in etwa «ähnliches Leiden». Die Methode beruht auf dem «Ähnlichkeitsprinzip», das der deutsche Arzt Samuel Hahnemann Ende des 18. Jahrhunderts formuliert hat: «Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden.» Das heisst, dass homöopathische Arzneimittel in unverdünntem Zustand genau die Symptome auslösen, die sie im verdünnten Zustand heilen. Wenn beispielsweise jemand allergisch gegen Bienengift ist, wird ihm dieses in hohem Masse verdünnt verabreicht. Womit wir gleich bei der Herstellung von homöopathischen Heilmitteln sind: «Potenzierung» (aus dem Lateinischen «potentia» – die Kraft). Das Prinzip der Potenzierung besteht in der schrittweisen Bearbeitung der Grundsubstanzen, deren es mittlerweile über 3000 aus der Welt der Pflanzen, Tiere oder Mineralien gibt. Rein chemisch erfolgt eine zunehmende Verdünnung in einem definierten Mischungsverhältnis. Es ist jedoch genau diese Verdünnung des Wirkstoffes, wegen der die Homöopathie schon vor einiger Zeit ins Feuer der Kritik geraten ist: «Tausendmal gerührt» titelte in etwa Spiegel Online 2010.

«Globuli» – in der Homöopathie am bekanntesten – sind mit der potenzierten Lösung besprühte Milchzuckerkügelchen.

«Globuli» – in der Homöopathie am bekanntesten – sind mit der potenzierten Lösung besprühte Milchzuckerkügelchen.

Im Einklang mit Ying und Yang
Ein weiterer bekannter Vertreter der Naturheilmedizin ist Akupunktur (lat. acus – «Nadel» und punctio – «Stechen») – die traditionelle chinesische Medizin. Sie basiert auf einem System von Akupunkturpunkten und Meridianen (Energiebahnen) im Körper, auf denen die Energie fliesst. Ein gestörter Energiefluss, der zu Erkrankungen führe, soll durch Stiche in Akupunkturpunkte behoben werden, die sich auf den Meridianen befinden. Nach altchinesischer Auffassung fliesst in den Meridianen die Lebensenergie mit ihren Anteilen Ying und Yang. Die Akupressur und die Moxibustion verfolgen das gleiche Therapieziel, nur wird zur Behandlung stumpfer Druck bzw. Wärme eingesetzt. Ist Akupunktur mehr als der vielfach mit alternativer Medizin in Verbindung gebrachte Placebo-Effekt? Nun, viele Patienten mit chronischen Schmerzen sind sich sicher: Akupunktur hilft. So belegen klinische Studien die Wirksamkeit der Akupunktur wie auch der Scheinakupunktur (bei der beliebige Stellen gestochen werden), z. B. bei chronischen Rückenschmerzen oder bei der Vorbeugung von Migräneattacken. In vielen anderen Fällen wurde die Wirksamkeit jedoch noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen.

Sanfter Druck durch die Hände soll Spannungsdifferenzen und Bewegungseinschränkungen korrigieren.

Sanfter Druck durch die Hände soll Spannungsdifferenzen und Bewegungseinschränkungen korrigieren.

Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren
In Deutschland schon länger von den Krankenkassen anerkannt ist die Osteopathie (gr. ostéon «Knochen» und páthos «Leiden»). Die therapeutischen Verfahren, die der Behandler mit blossen Händen ausführt, werden auch in der Schweiz immer beliebter. Die Osteopathie basiert auf fundierten Kenntnissen der Anatomie, Neurologie, Physiologie, Pathologie und Embryologie und geht von der Annahme aus, dass der Mensch sowohl über die Fähigkeit zur Selbstregulation als auch über ein Heilungspotenzial verfügt. Dabei betrachtet der Behandler den Körper ganzheitlich, sprich: er versteht alle Gewebe in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit und ihrem Zusammenwirken. Dazu gehören zum Beispiel Probleme der Organe, des Nervensystems, der Lymphen oder der Blutzirkulation. Die Hände als Werkzeug dienen dazu, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu fördern, so dass der Organismus heilen kann. Bei schweren oder akuten Krankheiten, Brüchen, vor oder nach Operationen reicht dies jedoch nicht aus – eine osteopathische Begleitung als Ergänzung zur Schulmedizin oder anderen Therapieformen ist jedoch häufig sinnvoll.

Bioresonanztherapie, Bachblüten, Fussreflexzonenmassage – die Liste an alternativen Heilverfahren ist noch nicht vollständig. In der Schweiz geht mittlerweile jeder Zweite zum klassischen Arzt und zugleich zu Alternativmedizinern, was in vielen Fällen auch durchaus sinnvoll ist. Manchmal lohnt es sich eben durchaus, einen Abstecher in den Coop bzw. in die Migros zu machen.

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