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Wort der Woche «Welsch»

Mit dem knappsten Ergebnis aller Zeiten sind die Abstimmungsresultate des 14. Juni immer noch in aller Munde. Was auffällt: Der Röstigraben hat sich einmal mehr als eine tiefe Schlucht zwischen die deutschsprachige Schweiz und dem Welschland erwiesen. Doch wieso spricht man eigentlich vom Abstimmungsverhalten der «Welschen»?

«Welsch» bedeutet ursprünglich nichts anderes als «fremd», «andersartig». Mit dem Ausdruck «Welschland» ist zwar hauptsächlich die Romandie gemeint; früher traf die Bezeichnung jedoch auch auf Italien und Frankreich zu. In Tirol und in Südtirol betitelt man heute noch die Italiener als die «Welschen». Auch die Walnuss ist mit dem Wort in Kontakt gekommen, nämlich als «welsche Nuss», die über Frankreich oder Italien ins Deutsche gekommen ist.

Die «welsche» Nuss unter den Nüssen: die Walnuss.

Die «welsche» Nuss unter den Nüssen: die Walnuss.

Das englische «walnut», das vom altenglischen «walhnutu» («fremde Nuss») stammt, spricht ebenfalls auf diese Komponente an. «Welsch» ist ausserdem in diversen Orts- und Familiennamen enthalten, so leiten sich etwa die geographischen Bezeichnungen Wallonien, Walachei oder Wales vom Wort ab.

Das unverständliche Ufer

Wer vermutet, dass auch Walenstadt etwas mit «Welsch» zu tun haben könnte, der liegt vollkommen richtig. Walenstadt beschreibt die Entstehung ihres Namens wie folgt: «Die Sprachen der in unserem Tal lebenden Räter und der Römer, die die Räter unterworfen und lange Zeit beherrscht hatten, vermischten sich zum Rätoromanischen. In dieser Sprache wurde die kleinere, aber lokal bedeutsame Ansiedelung am oberen Ende des Walensees als ‹Riva› (Ufer) bezeichnet. Da der Walensee mit seinen steilen Ufern nur den Wasserweg offen liess, rückten die in Helvetien einwandernden Alemannen nur bis Weesen vor. Diese verstanden die Sprache der Anwohner in Riva nicht und verpassten darum Riva den Namen ‹Vualahastade›: das ‹welsche› bzw. das ‹andersartige, unverständliche› Ufer. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus das heutige Walenstadt.» Eine unverständliche Sprache wird übrigens bis heute als «Kauderwelsch» bezeichnet.

Rösti machen den Graben aus
Ebenfalls spannend ist es, dem anfangs erwähnten Röstigraben auf den Grund zu gehen. Dieser ist neben dem «Chuchichäschtli» und dem «Öpfelbütschgi» ein typisch schweizerdeutscher Ausdruck, der insbesondere das unterschiedliche Abstimmungsverhalten der Deutschschweizer und der Romands wiederspiegelt. Und zwar ist «Rösti» bekannt als klassisches Kartoffelgericht aus der Deutschschweizer Küche, wobei gemunkelt wird, dass die Westschweizer die ebenbürtigen «pommes de terre fricassées» mindestens so lange kennen. Der Einfachheit halber hätten sie sich aber der kürzeren Bezeichnung «Rösti» angepasst. In der Romandie finden übrigens – in Anlehnung an den Eisernen Vorhang – eher die Begriffe «Rideau de rösti» (Röstivorhang) oder «Barrière de rösti» (Röstizaun) Verwendung. Häufig wird der Röstigraben mit dem Lauf der Saane bei Freiburg gleichgesetzt, wofür auch der französische Ausdruck «outre-Sarine» spricht (zu Deutsch «jenseits der Saane»).

Innerhalb der Schweiz sehen die Abstimmungsresultate nicht so harmonisch aus.

Innerhalb der Schweiz sehen die Abstimmungsresultate nicht so harmonisch aus.

Interessanterweise ist der Röstigraben bei den Abstimmungen mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt: Im Bereich der Aussen- und Sozialpolitik ist die Romandie oft dem Ausland (auch der EU) und staatlichen Regulierungen wohlgesinnter als die deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit; in der Drogen-, Gesellschafts-, Verkehrs- und Umweltpolitik hingegen fallen die Unterschiede kaum ins Gewicht. Der Gegensatz zwischen der urbanen und ländlichen Bevölkerung macht dem Röstigraben in der Schweizer Politik ausserdem zunehmend Konkurrenz.

Nun sind Sie Experte, was das Wörtchen «Welsch» wie auch den Röstigraben betrifft. Falls Sie eine Übersetzung benötigen, die den Sprung über den Röstigraben ins Welschland schafft, stellt Ihnen die TRANSLATION-PROBST AG gerne den passenden, muttersprachlichen Fachübersetzer zur Verfügung.

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