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Interview mit einer Fachdolmetscherin aus dem Medizinbereich

Anna M. dolmetscht schon seit vier Jahren für uns im Medizin- und Pharmabereich. Sie lässt uns hinter die Kulissen blicken und erzählt, auf welch originelle Art ein Professor für Urologie das Publikum über Testosteron aufgeklärt hat.

Anna, was ist das Besondere bei der Verdolmetschung eines Arzt-Patient-Gesprächs?
Bei der Verdolmetschung eines Arzt-Patient-Gesprächs achte ich einerseits auf die sprachlichen und kulturellen Unterschiede und andererseits auf eine klare Wiedergabe des Gesagten, damit keine Missverständnisse aufkommen. Gefühle und persönliche Ansichten haben da keinen Platz – ich bin lediglich das Sprachrohr zwischen den beiden Parteien und versuche, mich neutral zu verhalten. Ausserdem passe ich mich situativ der Ausbildung und dem Wissensstand des Patienten an, je nachdem kann es durchaus hilfreich sein, wenn ich «einfache» Begriffe statt des medizinischen Fachjargons bei der Verdolmetschung benutze. Besonders wichtig ist zudem, dass die Schweigepflicht respektiert wird.

Anna M. passt sich bei der Verdolmetschung dem Vorwissen des Patienten an.

Anna M. passt sich bei der Verdolmetschung dem Vorwissen des Patienten an.

Wäre es nicht praktischer, wenn ein Verwandter des Patienten die Verdolmetschung übernehmen würde?
Wie ich vorher bereits erwähnt habe, ist die emotionale Distanz zum Patienten von hoher Bedeutung. Übernimmt ein Verwandter des Patienten die mündliche Übersetzung des Gesprächs, kann dies zu mehreren Problemen führen. Erstens könnte sich der Verwandte von Vorurteilen, Gefühlen oder persönlichen Einstellungen gegenüber dem Arzt oder den vorgeschlagenen Operationen leiten lassen. Ob absichtlich oder ungewollt: Der Verwandte könnte dem Patienten seine eigene Interpretation des Gesagten rüberbringen. Ferner weiss der Verwandte wohl über die Krankheit oder die Probleme des Patienten Bescheid, kennt aber weder die Fachausdrücke noch die Materie. Muss ihm der Arzt zuerst alles erklären, entstehen grosse zeitliche Lücken, in denen der Patient nichts versteht und eventuell ungeduldig oder entmutigt wird. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass der Verwandte aufgrund fehlender Professionalität nicht alles verdolmetscht, was gesagt wird, worauf der Patient jedoch das Recht hat.

Kannst du dich an ein spezielles Erlebnis während des Dolmetschens erinnern?
Nun, Empathie für das Fachpublikum ist nicht nur bei der Verdolmetschung gefragt. Anlässlich eines Workshops im Ausland durfte ich fürs Medizinpersonal mehrere Stunden lang dolmetschen. Was niemand wusste: Der Gastgeber hatte als Überraschung einen Professor für Urologie eingeladen. Und zwar nicht einen älteren Herrn mit Brille und weissem Kittel, wie man denken würde, sondern einen Rockertyp mit zusammengebundenen Haaren à la Karl Lagerfeld. Sogar eine Gitarre hatte er dabei. Zuerst erklärte er mit viel Humor den Einfluss von Testosteron auf das männliche Wesen – in allen Details und mit einer Vielfalt von Bildern. Im Anschluss daran bat er das Publikum, mit ihm zusammen Lieder der Beatles zu singen. Das war sehr ungewohnt, aber eine willkommene Abwechslung zur eher trocken vorgetragenen Materie während des übrigen Workshops, die das Publikum mit einer Standing Ovation honoriert hat!

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