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Wort der Woche «Moderation»

Wie moderiert man eine Sitzung, Diskussion oder Gesprächsrunde souverän? Wie lässt sich der Inhalt für alle verständlich zusammenfassen, und was ist ein absolutes No-Go als Moderator? Karin Frei, die Redaktionsleiterin und Moderatorin der Sendung «Club» beim SRF, verrät Ihnen ihre Geheimtipps und erklärt, was Moderieren mit Übersetzen zu tun hat.

Karin Frei studierte europäische Ethnologie, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und Völkerrecht.

Karin Frei studierte europäische Ethnologie, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und Völkerrecht.

TRANSLATION-PROBST AG: Frau Frei, was macht für Sie eine gute Moderation aus?
Karin Frei: Jemand, der ein Gespräch leitet, muss unbedingt zuhören können. Alles andere ist Übung: Innert Sekunden gilt es zu entscheiden, in welche Richtung das Gespräch weitergehen soll. Gleichzeitig muss der Fluss im Gespräch aufrechterhalten und Raum für eine spannende Diskussion gegeben werden. Meinungen herauszuschälen, zu präzisieren oder zusammenzufassen sind dabei Teil der Moderationsaufgabe.

Wie bereiten Sie sich auf eine Moderation vor?
Ich versuche, mich so schnell und so gut wie möglich bei einem Thema auf den Stand der Dinge zu bringen, damit die drängenden Fragen klar werden. Vorgespräche mit den Gästen präzisieren diese Fragen. Anschliessend halte ich in einem Konzept den idealen Ablauf fest, der mich zwar leitet, der sich aber auch jederzeit während der Moderation fliegend umstellen lässt. Wirklich vorbereiten bzw. auswendig lernen kann ich nur den Einstieg in eine Sendung, der Rest ist freier Flug. Das Schöne und gleichzeitig das Frustrierende an Live-Moderationen ist der Kick, im «Jetzt-gilt‘s»-Modus zu arbeiten. Denn es kommt immer anders, als man es sich vorstellt. Menschen funktionieren vor der Kamera oder im Zusammenspiel plötzlich nicht mehr so wie im Vorfeld. Und da ich am Ende einer Vorbereitung mehr weiss, als in 75 Minuten Platz findet, kann ich nach einer Sendung schlecht abschätzen, wie sie jetzt wirklich war. Es ist keine Seltenheit, dass sich meine Gedanken nach einer Sendung noch die ganze Nacht drehen.

Was ist für Moderatoren ein absolutes No-Go?
Für einen professionellen Moderator kommt es nicht in Frage, jemanden vorzuführen oder die Gäste lediglich für die Selbstdarstellung zu nutzen.

Wie verbinden Sie das Moderieren mit dem Übersetzen?
Übersetzen ist eine der Hauptaufgaben der Moderation. Ein Moderator muss das Zielpublikum vor Augen haben und entscheiden, wie die Information am verständlichsten vom Sender zum Empfänger gelangt. Dies beinhaltet: komplexe Zusammenhänge herunterbrechen, ohne sich im Detail zu verlieren, aber auch gewichten und die essenziellen Punkte herausschälen – kurzum: die Informationsflut übersetzen.

Worauf achten Sie, wenn Sie den Inhalt des Gesagten für die Zuschauer zusammenfassen?
Ich versuche, mich möglichst kurz zu halten, und fasse so zusammen, dass jemand in ein Gespräch einsteigen kann, auch wenn er das Vorangehende verpasst hat. Das gelingt nicht immer gleich, und ist natürlich auch Übungssache.

Was ist Ihr peinlichstes Erlebnis, das Ihnen beim Moderieren passiert ist?
Als ich selber den Faden verloren habe. Gute Gäste retten einen dann, was bei mir glücklicherweise der Fall gewesen ist und für einen Lacher gesorgt hat. Wenn es passiert, möchte man jedoch am liebsten in die Tischkante beissen.

Welchen ultimativen Tipp geben Sie Laien, die eine Diskussion moderieren müssen?
Überlegen Sie, was Sie genau möchten: Wer ist das Zielpublikum? Was soll bei der Diskussion rausschauen? Legen Sie Schwerpunkte fest, gehen Sie mit Neugier ins Gespräch und lassen Sie es laufen. Es ist besser, zuzuhören, nachzufragen und ein Gespräch weiterzuspinnen, als sich krampfhaft an einem Plan und einer Reihenfolge festzuhalten. Ein Moderator ist auch Unterhalter, und wenn er die Diskussion selbst spannend findet, ist die Chance gross, dass das Publikum das Gleiche empfindet.

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