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Wort der Woche «Klischee»

Ich tauche mit Ihnen tief in die Welt der Wörter und fische eines heraus, das auf den ersten Blick unscheinbar erscheint. Durch seine vielen Facetten eignet es sich jedoch perfekt, um unseren neuen Schwerpunkt, den der Technik, einzuleiten: Klischee. Sie glauben mir nicht? Dann lesen Sie jetzt besser schnell weiter.

Klischee klingt schon sehr Französisch angehaucht, und das ist es tatsächlich auch. Das französische «cliché», von dem es abstammt, heisst übersetzt «Abklatsch». Vielleicht ein Grund dafür, dass Klischee auch abwertend gebraucht wird, um eine unschöpferische Nachbildung zu bezeichnen – jedenfalls in der Bildungssprache.

Klischee und Technik
Jetzt erkläre ich Ihnen aber zuerst mal, was Klischee mit Technik am Hut hat. In der Zeitungs- und Buchdrucktechnik definiert ein Klischee eine Drucktechnik. Genauer gesagt handelt es sich um eine fotochemische – sprich: durch das Licht in die Wege geleitete – oder maschinell hergestellte Druckplatte für das Hochdruckverfahren. Nach einer Vorbehandlung werden die nichtdruckenden Teile weggeätzt. Während es in den 1950er bis 1970er Jahren im Buchdruck Klischees aus Aluminium und Magnesium gab, bestehen die heutigen Klischees aus Zink, Kupfer, Kunststoff oder Photopolymer, einem lichtaushärtenden Kunststoff. Das Wort «Klischee» hat aber noch mehr zu zeigen als seine technische Seite. Wenn jemand zum Beispiel «in Klischees redet», benützt er abgegriffene Redensarten und -wendungen. «Gemeinplatz» ist ein anderes abwertendes, aber schönes Wort dafür, wie ich finde. Auch das steht für nichtssagende Redensarten – passen Sie also auf, dass niemand einen Grund findet, zu sagen, dass sich Ihre Rede «nur in Gemeinplätzen» bewegt hat.

Tauchen Sie mit uns in die Welt der technischen Terminologie ein.

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Klischee = Stereotyp?
Das Klischee existiert als etwas geistig bzw. sprachlich Schablonenhaftes. Das klingt zu abgehoben für Sie? Nun, stellen Sie sich ein Klischee als eine Art Schablone vor, die vor bzw. über etwas gehalten wird. Schnell wird Ihnen eine andere Bedeutung von Klischee bewusst: die einer gängigen, überkommenen Vorstellung – eines Stereotyps. Während ein Stereotyp sich ausschliesslich auf Personengruppen bezieht, greift ein Klischee weiter. Es ist vielmehr ein Nachfolger von stereotypen Annahmen, der auch eine gewisse Abnutzung des Begriffs signalisiert. Ein Beispiel für ein Klischee ist, dass Frauen nicht einparken können. Dieses Klischee ist nicht völlig an den Haaren herbeibezogen, muss ich zugeben. Klar wird aber, dass die Richtigkeit dieser generellen Behauptung nicht bewiesen werden kann – da es sich eben um ein Klischee handelt.

Auch Journalisten sind anfällig für Klischees
Klischees werden oft leichthin übernommen und entsprechen nicht unbedingt der Überzeugung der Person, die sie weiterträgt. Weitere Eigenschaften eines Klischees: Oft ist es negativer Natur, in Redensarten eingepackt, und so eher in der Umgangssprache anzutreffen. Viele Klischees lassen sich deswegen, wie bereits oben kurz erwähnt, als abgegriffene Redewendungen beschreiben, die eingefahrene Vorurteile ausdrücken. Oft bedienen sich auch Journalisten Klischees, was zwar nicht weiter schlimm ist, aber dazu führen kann, dass zum Beispiel vor allem über Gewaltdelikte gegenüber weiblichen Opfern Bericht erstattet wird – obwohl häufig Männer Gewaltdelikten zum Opfer fallen. Dies mag daran liegen, dass Beispiele, die starke Emotionen auslösen, mehr journalistischen Erfolg versprechen.

So, das war der Tauchgang in die Welt der Wörter. Auf jeden Fall vorerst. Klischees bestehen übrigens nur so lange, wie sie sprachlich oder gedanklich gebraucht werden. Vielleicht eine guter Anstoss für Sie, einige Ihrer überholten Klischees über Bord zu werfen. Wir sehen uns nächste Woche wieder.

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