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Archiv für September, 2015

Wort der Woche «Blechhirn»

28. September 2015

Sie haben richtig gelesen. Unser Wort der Woche widmet sich dem «Blechhirn». Oder anders ausgedrückt: dem Computer. Einem Gerät, das uns täglich begleitet − ob in Form eines Smartphones, eines Tablets oder unserer PC-Station am Arbeitsplatz. Das Blechhirn oder auf Plattdeutsch «Bleckbrägen» (vgl. ideesamkeit.de) hat seinen Ursprung wie viele revolutionäre Dinge im Lateinischen: Das Wort Computer stammt vom Verb «computare» ab, was «berechnen» bedeutet, stellvertretend für die Funktion des Computers als «Rechner».

Längst dominiert der Computer verschiedene unserer Lebensbereiche: beim Handy, im Auto, beim E-Shopping, während der Arbeit, wenn wir die Waschmaschine einschalten oder auf die Anzeigetafel im Bahnhof blicken. Viele der alltäglichen Dinge sind computergesteuert. Und wir halten sie für selbstverständlich. Dass wir uns dabei enorm abhängig machen, ist uns nicht klar.

Was, wenn der Strom ausfällt?
Wir haben das alle schon erlebt: Wir sitzen an einer wichtigen Arbeit, und plötzlich bleibt der Computer hängen oder stürzt ab. Die Daten gehen verloren, wir können nicht weiter arbeiten und drehen Däumchen. Das sind noch die harmloseren Dinge, die uns mit Computern zustossen können.

Was aber, wenn der Strom mehrere Tage oder Wochen ausfällt?

Unser Leben hängt dann sprichwörtlich daran: Denn alle lebensnotwendigen Kanäle sind an Strom und damit an Computer und Internet geknüpft − seien es die Logistik und Warenversorgung der Detailhändler, die Stromzufuhr für Heizungen oder die Wasserzufuhr. Mit einem grösseren Blackout wären wir mit einem Mal um mehrere Jahrhunderte in unserer Zeitgeschichte zurückversetzt und komplett offline (Buchempfehlung: Thomas Grüter: Offline! Das unvermeidliche Ende des Internets und der Untergang der Informationsgesellschaft).

Ohne Strom läuft gar nichts mehr.

Ohne Strom läuft gar nichts mehr.

Mit einem Schlag müssten wir uns wieder analog verhalten und sprichwörtlich zurück zu den Wurzeln finden. Die Überschwemmung, welche 2011 Thailand heimsuchte, zeigte, wie verwundbar unsere ICT-Gesellschaft ist: Es kam zu einem weltweiten Engpass bei Festplatten. Mehrere solcher Ereignisse können unser komfortables und computergesteuertes Leben rasch aus den Bahnen werfen.

Blechhirn vs. menschliches Gehirn
Was Thomas Grüter in seinem Buch «Offline!» beschreibt, klingt wie die Situation nach der Apokalypse. Allerdings sind einige Passagen aus dem Buch durchaus realistisch und plausibel. Darum ist es notwendig, trotz unserer Blechhirne immer noch unser eigenes Gehirn zu benutzen. Denn es kann die Informationen wesentlich länger abspeichern als bestimmte digitale Speichermedien.

Wussten Sie, dass z. B. ein Buch ca. 100 Jahre lang hält? Im Vergleich dazu hat ein USB-Stick mit Flash-Speicher eine Lebensdauer von ca. zehn bis dreissig Jahren. CDs und DVDs halten im Schnitt zwanzig bis fünfzig Jahre, während Festplatten gerade mal auf maximal zehn Jahre kommen. Sie sehen schon: Unsere schöne Computerwelt ist zwar bequem, aber auch kurzlebig und anfällig. Grosse Internetkonzerne gehen sogar dazu über, wichtige Daten wieder in Printform zu sichern.

Computer früher und heute
Während in den Anfangsjahren des Computers die Rechner ganze Hallen füllten, schrumpften sie im Laufe der Zeit auf Armbanduhrgrösse. Der Computer hat sich seit seiner Erfindung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts massiv weiterentwickelt: Er fand den Weg von klobigen Geräten zu handlichen, ja fast schon menschenähnlichen Devices, die wir nun täglich benutzen und sehr nah am Körper tragen: Während wir in den 80er Jahren noch ein Monstrum als Computer auf dem Tisch hatten, nähert er sich heute gefährlich nahe unserem Gehirn. Zuerst als Laptop, dann als Smartphone und Tablet und schliesslich als Smartwatch und Google-Brille. Doch Google ging noch einen Schritt weiter und entwickelte intelligente Computerlinsen für Diabetiker, die bereits auf Tuchfühlung mit dem menschlichen Körper gehen.

Der Trend ist klar: Computer und Mensch wachsen immer mehr zusammen. Geht es nach Science-Fiction-Autoren, werden wir uns zum Cyborg weiterentwickeln − also halb Mensch, halb Maschine. Ob das positiv ist, wage ich zu bezweifeln. Doch es gibt auch positive Anwendungsbeispiele, z. B. die computergesteuerten Prothesen, die Behinderten wieder mehr Mobilität und Unabhängigkeit ermöglichen.

Bei all diesen Entwicklungen rund um den Computer wird es wichtig sein, dass sich der Mensch treu bleibt und seine Existenz nicht allzu arg auf die Maschinen abstützt. Denn sollten uns die Ressourcen mal ausgehen − und das werden sie − dann stehen wir da wie bestellt und nicht abgeholt.

Unser Wort der Woche. Wieder mal von unserem Gastautor, Texter und PR-Berater Predrag Jurisic. Wie ist Ihr Verhältnis zum Computer? Was löst die Vorstellung einer Cyborg-Gesellschaft bei Ihnen aus? Welche Aspekte − positiv oder negativ − sehen Sie in Computern? Wir wollen es wissen und darüber diskutieren. Darum sind wir über IHREN Kommentar froh. Bis nächste Woche.

Wort der Woche: «Sprachen»

21. September 2015

Haben Sie sich noch nie gefragt, warum die Menschheit bis zu 7000 Sprachen spricht? In unserer Rubrik «Wort der Woche» gehen wir diesem Phänomen nach und zeigen auch, warum Säuglinge zu Beginn die Fähigkeit haben, jede Sprache der Welt zu erlernen.

Zur Sprachentstehung gibt es verschiedene Theorien: Von biblischen, nach denen Gott die Menschen wegen ihrer Überheblichkeit beim Bau des Turms von Babel bestrafte und ihnen allen eine eigene Sprache gab, bis hin zu evolutionsbedingten Theorien. Letztere gehen davon aus, dass es sich bei den ersten Sprachen um lautliche Äusserungen handelte, die eine Gesamtsituation beschrieben, z. B. «Gehen wir auf die Jagd.» Diese Äusserungen konnten nicht wie in den heutigen Sprachen in kleinere Elemente wie Wort- oder Satzteile aufgegliedert werden. Der dänische Linguist Otto Jespersen ging davon aus, dass es sich bei den ersten menschlichen Äusserungen um Gesänge handelte, die sich auf bestimmte Orte, Personen und Situationen bezogen. Daraus sollen dann die ersten Eigennamen für bestimmte Dinge entstanden sein. Gesang, Betonung und Artikulation haben auch heute noch eine grosse Wichtigkeit in den asiatischen Sprachen, bei denen eine andere Betonung zugleich etwas anderes bedeutet.

Kinder sind besonders begabt im Erlernen einer Sprache.

Kinder sind besonders begabt im Erlernen einer Sprache.

Sprachen wachsen mit dem Fortschritt
Je mehr sich die Urmenschen bewegten und mit anderen Gruppen und ihrer Umwelt in Kontakt traten, umso stärker verfeinerten sie ihre Sprache. Den grossen sprachlichen Sprung machte die Menschheit, als sie sesshaft wurde und neue Technologien entwickelte, z. B. die Schrift. Unterschiedliche Umwelteinflüsse prägten die Sprachentwicklung ebenso wie die Interaktion verschiedener Völkergruppen untereinander, die durch die zahlreichen Völkerwanderungen begünstigt wurden. Mit jedem technologischen Fortschritt kamen neue Gegenstände und Situationen zustande, für die es ebenfalls eigene Begriffe oder Definitionen brauchte. Die Sprachen wurden damit Ausdruck des Wahrnehmens, Denkens und Handelns mit der Umwelt der einzelnen Individuen. Je komplexer sich die Lebenswelt der Menschen gestaltete, desto komplexer entwickelten sich auch die einzelnen Sprachen.

Babys können alle Sprachen der Welt
Zumindest zu Beginn ihres Lebens. Betrachten wir die Entwicklung eines Säuglings zum Kleinkind, können wir bestimmte Sprachentwicklungsprozesse, wie sie in den verschiedenen Theorien beschrieben werden, nachvollziehen: Während ein Baby zu Beginn nur Laute von sich gibt und Äusserungen auf Gegenstände, Personen oder Situationen bezieht, entwickelt es im Kleinkindalter ein Vokabular, das es später um ein grammatikalisches System erweitert, bis es schliesslich die Muttersprache spricht. Und dieser Mechanismus ist den Babys von Natur aus angelegt. Darum sind Säuglinge auch in der Lage, im frühen Alter durch die entsprechenden Umwelteinflüsse jede Sprache der Welt zu erfahren und zu erlernen.

Später in der Schule wird es schwieriger, weil das Sprachenlernen dann gegen die Natur erfolgt: Während wir als Kleinkind die Muttersprache aus dem Kontext heraus lernen, erlernen wir Fremdsprachen über die einzelnen Sprachelemente wie Vokabular und Grammatik. Und genau das macht uns das Sprachenlernen so schwer, weil wir nicht in der Sprache denken, fühlen und handeln, sondern aus der Ausgangssprache Wort für Wort übersetzen. Deshalb sind muttersprachliche Übersetzer wichtig, wenn es darum geht, einen Ausgangstext optimal in die Zielsprache zu transferieren. Diese fühlen, denken und handeln im Kontext der Zielsprache und übertragen damit den ausgangssprachlichen Inhalt samt Botschaften folgerichtig in die zu übersetzende Sprache.

Dolmetscher und Übersetzer haben gute Aussichten
Dank der Globalisierung rückt die Welt näher zusammen. Stärker denn je ist es wichtig, seine Produkte und Dienstleistungen auf die globalen Märkte auszurichten. Und dafür braucht es Übersetzungen, die einigen Anforderungen standhalten müssen: Neben der semantischen Übertragung von Inhalten und Botschaften braucht es auch das Fachvokabular sowie das Kommunikationsfachwissen, das die Bedürfnisse und kulturellen Gegebenheiten der Zielgruppen optimal erfasst.

Für Dolmetscher und Übersetzer sind das gute Aussichten. Auch die Sprachenvielfalt der globalen Kommunikation nimmt zu: Während vor dreissig Jahren hauptsächlich mit Englisch, Spanisch und Französisch weltweit kommuniziert wurde, sind es heute zusätzlich Chinesisch, Indisch, Russisch und Portugiesisch. Ausserdem haben sich teils Sprachen untereinander vermischt, z. B. das Spanglish oder Englisch-Hindi. Im Deutschen findet diese Vermischung ebenfalls mit dem Englischen statt. Ebenso mit den Einflüssen vom Balkan. Auch die aktuelle Flüchtlingswelle wird neues Vokabular in die europäischen Sprachen bringen.

Technologien prägen die Sprachen
Neben kulturellen Einflüssen unterliegen Sprachen besonders auch technologischen Veränderungen: Im Zeitalter der digitalen Kommunikation sind neue Kommunikationsmuster der Digital Natives (=Digital Eingeborenen=Generation, die in der digitalen Welt aufgewachsen ist) hervorgegangen. Zum einen ist ein Trend zur Verknappung und Reduktion der Kommunikation feststellbar: Die Jungen verwenden im «Schweizerdeutschen» Abkürzungen wie «thx» für «thanks» oder «sh» für «sch», z. B. bei Fragen wie «wo bish?». Zum anderen unterlassen sie komplett Anreden und Grossschreibung.

Im Deutschen halten neben solchen Phänomenen zunehmend Anglizismen Einzug in die Sprache, nicht zuletzt wegen der computertechnischen Fortschritte. Aber auch die Fachsprache des Marketings etwa bürgern Begriffe wie «Sales», «Claim» oder «Product Placement» in die deutsche Sprache ein.

Die Menschen sind − was ihre Sprache angeht − schon immer kreativ gewesen, und sie sind es auch heute noch: Paare beispielsweise geben sich die unglaublichsten Kosenamen, und zwar aus bekannten Begriffen in einer neuen Wortkombination oder ganz und gar herbeifantasiert. Achten Sie mal im Alltag darauf, welche Wortkombinationen Sie selbst erschaffen. Dann werden Sie sehen, dass Ihre Sprache von heute nicht mehr derjenigen von vor zehn oder zwanzig Jahren gleicht, weil Sie sie täglich weiterentwickeln.

Unser Wort der Woche von unserem Gastautor, Texter und PR-Berater Predrag Jurisic. Welche Sprachen haben Sie gelernt? Bei welchen fiel Ihnen das Lernen leicht, bei welchen nicht? Worauf achten Sie bei Übersetzungen besonders? Schreiben Sie uns. Bis nächste Woche.

Wort der Woche: «Software»

14. September 2015

Bei Übersetzungen von Softwares, ERP-Systemen oder anderen technischen Texten ist es wichtig, dass jedes Wort stimmt. Nur so werden fehlerhafte Bedienungen vermieden und Kunden begeistert. Unsere Mitarbeiterin Doris Martin, Stv. Leiterin Projektmanagement, hat selber 10 Jahre lang Softwares übersetzt und weiss genau, worauf es ankommt.

Doris Martin ist unsere Expertin wenn es um technische Übersetzungen geht.

Doris Martin ist unsere Expertin wenn es um technische Übersetzungen geht.

TRANSLATION-PROBST AG: Weshalb muss man eine Software übersetzen? Es können doch fast alle Englisch …
Doris Martin: Für die Lokalisierung von Softwareprogrammen und Websites waren anfangs Marketingstrategien ausschlaggebend. So wollte man Kunden mit bescheidenen oder keinen Englischkenntnissen erreichen. Denn es ist ein Mythos, dass alle Englisch können. Man muss die Sprache des Kunden sprechen. Im Sinne der Globalisierung kommt man heute nicht um eine professionelle Lokalisierung herum. Wer sich heutzutage weltweit «positionieren» und seinen Umsatz steigern möchte, passt seine Produkte auch sprachlich an. Mit der Zeit sind weitere Faktoren dazugekommen. Zum Beispiel verlangen Bestrebungen der EU oder von einzelnen Ländern eine sprachliche Anpassung der Produkte an den jeweiligen Wirtschaftsmarkt. Nehmen wir unsere frankophonen Nachbarn als Beispiel. In Frankreich wurden Sprachgesetze geschaffen, gemäss derer u.a. importierte Software für den französischen Markt vollumfänglich lokalisiert werden soll. Und Frankreich ist nicht das einzige Land mit einer «extremen» Sprachpolitik, die auch dem Schutz der eigenen Sprache dienen soll.

Was ist bei der Übersetzung einer Software wichtig?
Für eine erfolgreiche globale Produkteinführung ist eine frühzeitige Planung der Software wichtig. Eine Software oder App sollte von Anfang an «lokalisierungsfreundlich» entwickelt werden, d.h., es muss von Anfang an klar sein, welche Inhalte, Codes etc. wie exportiert werden, damit diese übersetzt werden. Die zu übersetzenden «Inhalte», auch Strings genannt, werden in einer String-Datei externalisiert und vom Übersetzer wenn immer möglich anhand eines CAT-Tools übersetzt. Wir sprechen hier nicht von maschineller Übersetzung. Diese CAT-Tools unterstützen den Übersetzer bei seiner Arbeit beispielsweise anhand von Translation-Memorys und Terminologie-Datenbanken, was die sprachliche und terminologische Konsistenz gewährleistet. Vom technischen Aspekt her gibt es bei der Entwicklung einer Software, die in der Zukunft übersetzt wird, Verschiedenes im Auge zu behalten. Nicht alle Sprachen lesen sich von links nach rechts und nicht alle Datums- und Zeitformate werden gleich geschrieben, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auch die Zeichencodierung muss beachtet werden, wobei UTF-8 in 99 Prozent der Fälle die richtige Wahl ist. Empfehlenswert ist auch ein enger Austausch zwischen Entwicklern und Übersetzern. Dies ist vor allem in der Testphase der Software wichtig. Wie oft haben sich Benutzer einer lokalisierten Software aufgeregt oder das Programm amüsiert belächelt, weil der Text in einem Dialogfenster abgeschnitten erscheint oder überhaupt keinen Sinn macht. Bei der Lokalisierung sollte man nicht knausrig sein und ein nettes Budget einplanen.

Was unterscheidet die Übersetzung im Bereich Technik von anderen Übersetzungen?
Im Gegensatz zu allgemeinen Übersetzungen wird bei einer technischen Übersetzung (Maschinenbau, Medizin, Computer usw.) vom Übersetzer ein gewisses technisches Know-how vorausgesetzt. Der Übersetzer ist nicht nur ein Sprachvermittler, sondern auch ein «Kenner» der Materie, der die richtige Terminologie am richtigen Ort einsetzt und sich bei technischen Dokumentationen auch bei den erforderlichen ISO-Normen für die Übersetzung auskennt. Ungenaue oder unfachmännische Übersetzungen können zum Beispiel zu einer falschen Handhabung eines Produkts führen und schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Bei der Software-Lokalisierung kann die Übersetzung auch komplexe Aufgabengebiete umfassen, die weit über eine «herkömmliche» Übersetzung hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise die Bearbeitung von Grafiken und diversen Dateiformaten, das Testen der Software und das Desktop Publishing (DTP).

Warum sollte die Übersetzung von einem professionellen Übersetzer gemacht werden?
Würden Sie einem Schreiner eine Herztransplantation anvertrauen? Oder würden Sie Ihren Hausarzt zu Rate ziehen, wenn Ihre Waschmaschine den Geist aufgegeben hat? Für eine hochwertige Übersetzung genügt es nicht, dass man eine Fremdsprache beherrscht. Neben einer umfänglichen sprachlichen und fachlichen Ausbildung verfügt ein professioneller (Fach-) Übersetzer als Muttersprachler auch über das erforderliche Sprachgefühl, um einen Text so in der anderen Sprache wiederzugeben, dass er nicht nach «Übersetzung riecht». Ein Text wird vorab analysiert (Intention des Verfassers, Textsorte, Tonalität/Stil, sprachliche und kulturelle Aspekte des Zielpublikums etc.) und danach fachspezifisch übersetzt. Wenn vom Kunden keine Terminologie-Listen oder Referenztexte vorliegen, muss der Übersetzer selbstständig Recherchen anstellen, damit das Wording und die Corporate Language des Kunden in der Übersetzung reflektiert werden und diese nicht nur als eine «wörtliche Wiedergabe» des Ausgangstextes daherkommt.

Wie wichtig ist ein einheitliches Wording bei Übersetzungen?
Ein einheitliches Corporate Design prägt das Image einer Marke nach aussen. Aber auch Texte beeinflussen das Erscheinungsbild, und oft wird das Corporate Wording als Teil der Corporate Identity vernachlässigt. Ein einheitliches Wording erhöht den Wiedererkennungswert eines Unternehmens oder einer Marke und vermittelt Professionalität und ist daher unverzichtbar. Eine einheitliche, widerspruchsfreie und klare Sprache erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt, eine Marke oder eine Dienstleistung gekauft wird. Und dies sollte sich wie ein roter Faden durch die gesamte Unternehmenskommunikation ziehen, von den E-Mails, Geschäftsbriefen, PR-Texten über Broschüren, technische Dokumentation bis hin zu den Texten für die Website und die Social Media. Für treffsichere Übersetzungen, die technische Fachausdrücke oder die Corporate Language einhalten, setzt dies eine methodische und regelmässige Terminologie-Arbeit und -pflege voraus. Heutzutage gibt es professionelle Terminologie-Management-Systeme, die mit Translation-Memory-Systemen zusammenarbeiten und so den Übersetzern bei ihrer täglichen Arbeit hilfreich zur Seite stehen.

Wort der Woche: «Online-Text»

7. September 2015

Diese Woche berichten wir ausnahmsweise über zwei Wörter: «Online» und «Text». Otto Waalkes würde «Online» wohl mit «an der Leine» übersetzen. Ganz Unrecht hätte er dabei nicht. Schliesslich hängen wir an der Leine oder Linie, die uns mit dem weltweiten Internet verbindet. Beim Text ist es etwas einfacher: Das Wort stammt vom lateinischen «texere» ab, was «weben» bedeutet. Ein Text ist somit ein Geflecht aus Informationen − passend zum weltweiten Gewebe namens Internet. Doch worauf gilt es bei «Online-Texten» zu achten? Auf ein Wort.

Oder Keyword. Suchmaschinenoptimierte Texte sind heute in aller Munde. Es gilt, nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Suchmaschinen zu schreiben und dabei die richtigen Stichworte oder Keywords zu treffen. Doch ist ein «Online-Text» bzw. ein Text für die digitalen Medien etwas anderes als ein «Offline-Text»? Ja und nein. Zum einen ist das Leseverhalten an Bildschirmen anders als bei Printmedien; dieser Unterschied gilt es daher zu berücksichtigen. Zum anderen gelten dennoch dieselben Regeln wie im klassischen Journalismus.

Online bis zu 30 Prozent langsamer
Lesen wir Texte online, sind wir bis zu 30 Prozent langsamer, als wenn wir ein Buch aufschlagen. Für die Autoren bedeutet dies kurze und prägnante Texte. Für die Webdesigner ansprechende Webdesigns, die den Text auflockern und den Usern gut portioniert servieren. Neben einem guten Online-Text und nutzerfreundlichen Design helfen wie im klassischen Journalismus die folgenden Elemente:

  • Aussagekräftige Titel im Schlagzeilen-Stil
  • Prägnante Überschriften und fett markierte Schlagwörter
  • Das Relevante und Wichtige zuerst: W-Fragen wie «Wer bietet was, wann, für wie viel, wo, für wen und warum an?», Nutzen, Vorteil, News gleich zu Beginn
  • Geeignete Bilder, Infografiken oder Aufzählungen
  • Ein Gedanke pro Satz
  • Leserliche Schrift
Online-Texte entscheiden über Erfolg oder Niederlage.

Online-Texte entscheiden über Erfolg oder Niederlage.

Je übersichtlicher ein Online-Text ist und je mehr Ankerpunkte wie Überschriften, fett markierte Keywords oder Infografiken und Bilder er bietet, desto leichter besteht er den «Scan Blick» der Nutzer. Denn diese schauen zunächst nur oberflächlich die relevanten Informationen an, ehe sie sich entscheiden, sich zu vertiefen. Ausserdem nehmen Online-Nutzer nur 50 Prozent aller Informationen wahr.

Wie viele Keywords dürfen es denn sein?
Etwa 4 Prozent der Gesamtzahl der Wörter in einem Text. Sonst strafen einen die Suchmaschinen ab. Die relevanten Suchbegriffe sollten auf den folgenden Ebenen eingesetzt werden:

  • URL (wenn möglich) und Browsertitel
  • Suchmaschinen-Beschreibung (bekannt auch als Google Description)
  • Überschriften
  • Am Anfang und Ende eines Abschnitts
  • In Listen oder Beschriftungen für Bilder, Infografiken, Videos oder Links

Daneben ist es ratsam, eigene Online-Texte mit weiteren ähnlichen Artikeln oder Unterseiten zu verlinken. Auch Backlinks verbessern die Suchmaschinen-Performance, sollten aber vom Inhalt her demjenigen Ihrer Website entsprechen: Es nützt Ihnen nichts, wenn Sie Schraubenschüssel verkaufen wollen und via Social Media Portale von irgendwelchen Bananenseiten empfohlen oder verlinkt werden. Alles muss also im Kontext stehen. Und bei den Keywords bedeutet dies auch, Synonyme und Umschreibungen zu verwenden, weil die Suchmaschinen kontextbezogen die Websites bewerten.

Unser SEO-Texter Pre textet Ihre Website so, dass Google und Ihre Kunden Sie gut finden.

Unser SEO-Texter Pre textet Ihre Website so, dass Google und Ihre Kunden Sie gut finden.

Relevanz entscheidet
Keywords hin oder her: Am Ende entscheidet die Relevanz Ihrer Online-Texte, ob Sie Aufträge gewinnen oder verlieren. Und Relevanz (= Bedeutung, Wichtigkeit, Gewicht) erreichen Sie nicht durch ein Sammelsurium an Keywords, sondern durch das Entdecken der Fragen, die Ihren Kunden unter den Fingernägeln brennen. Ihre Online-Texte müssen zeigen, dass Sie es sind, die die Probleme Ihrer Kunden kompetent lösen können. Sie müssen Bedürfnisse oder Sehnsüchte ansprechen. Das, was bewegt oder beunruhigt. Das Ganze unterstreichen Sie mit Belegen und Beispielen − ob mit Kundenaussagen, erfolgreichen Projekten oder Tests, z. B. vom Kassensturz oder TÜV.

Versetzen Sie sich dabei in Ihre Kunden und überlegen Sie, wie deren Tagesablauf sich gestaltet, welche Sorgen sie plagen, was sie zwischen acht und zwölf Uhr machen, welche Medien sie konsumieren oder was für Hobbys sie haben (könnten). Dann kommen Sie der Relevanz rasch näher und verstehen Ihre Kunden auch besser.

Am Ende entscheidet der Inhalt Ihres Online-Textes darüber, ob sich Ihre Kunden tatsächlich damit auseinandersetzen möchten. Wohlgemerkt freiwillig und gerne. Wenn Sie das geschafft haben, funktioniert Ihre Werbung.

Unser Wort der Woche: Dieses Mal von unserem Gastautor, Texter und PR-Berater, Predrag Jurisic. Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen im Bereich Online-Texte: Wie erleben Sie die Herausforderungen? Was können Sie unserer Community mitgeben? Was stört Sie am ganzen Suchmaschinen-Kram? Wir wollen es wissen und darüber berichten. Darum sind wir über IHREN Kommentar froh. Bis nächste Woche.