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Wort der Woche: «Software»

Bei Übersetzungen von Softwares, ERP-Systemen oder anderen technischen Texten ist es wichtig, dass jedes Wort stimmt. Nur so werden fehlerhafte Bedienungen vermieden und Kunden begeistert. Unsere Mitarbeiterin Doris Martin, Stv. Leiterin Projektmanagement, hat selber 10 Jahre lang Softwares übersetzt und weiss genau, worauf es ankommt.

Doris Martin ist unsere Expertin wenn es um technische Übersetzungen geht.

Doris Martin ist unsere Expertin wenn es um technische Übersetzungen geht.

TRANSLATION-PROBST AG: Weshalb muss man eine Software übersetzen? Es können doch fast alle Englisch …
Doris Martin: Für die Lokalisierung von Softwareprogrammen und Websites waren anfangs Marketingstrategien ausschlaggebend. So wollte man Kunden mit bescheidenen oder keinen Englischkenntnissen erreichen. Denn es ist ein Mythos, dass alle Englisch können. Man muss die Sprache des Kunden sprechen. Im Sinne der Globalisierung kommt man heute nicht um eine professionelle Lokalisierung herum. Wer sich heutzutage weltweit «positionieren» und seinen Umsatz steigern möchte, passt seine Produkte auch sprachlich an. Mit der Zeit sind weitere Faktoren dazugekommen. Zum Beispiel verlangen Bestrebungen der EU oder von einzelnen Ländern eine sprachliche Anpassung der Produkte an den jeweiligen Wirtschaftsmarkt. Nehmen wir unsere frankophonen Nachbarn als Beispiel. In Frankreich wurden Sprachgesetze geschaffen, gemäss derer u.a. importierte Software für den französischen Markt vollumfänglich lokalisiert werden soll. Und Frankreich ist nicht das einzige Land mit einer «extremen» Sprachpolitik, die auch dem Schutz der eigenen Sprache dienen soll.

Was ist bei der Übersetzung einer Software wichtig?
Für eine erfolgreiche globale Produkteinführung ist eine frühzeitige Planung der Software wichtig. Eine Software oder App sollte von Anfang an «lokalisierungsfreundlich» entwickelt werden, d.h., es muss von Anfang an klar sein, welche Inhalte, Codes etc. wie exportiert werden, damit diese übersetzt werden. Die zu übersetzenden «Inhalte», auch Strings genannt, werden in einer String-Datei externalisiert und vom Übersetzer wenn immer möglich anhand eines CAT-Tools übersetzt. Wir sprechen hier nicht von maschineller Übersetzung. Diese CAT-Tools unterstützen den Übersetzer bei seiner Arbeit beispielsweise anhand von Translation-Memorys und Terminologie-Datenbanken, was die sprachliche und terminologische Konsistenz gewährleistet. Vom technischen Aspekt her gibt es bei der Entwicklung einer Software, die in der Zukunft übersetzt wird, Verschiedenes im Auge zu behalten. Nicht alle Sprachen lesen sich von links nach rechts und nicht alle Datums- und Zeitformate werden gleich geschrieben, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auch die Zeichencodierung muss beachtet werden, wobei UTF-8 in 99 Prozent der Fälle die richtige Wahl ist. Empfehlenswert ist auch ein enger Austausch zwischen Entwicklern und Übersetzern. Dies ist vor allem in der Testphase der Software wichtig. Wie oft haben sich Benutzer einer lokalisierten Software aufgeregt oder das Programm amüsiert belächelt, weil der Text in einem Dialogfenster abgeschnitten erscheint oder überhaupt keinen Sinn macht. Bei der Lokalisierung sollte man nicht knausrig sein und ein nettes Budget einplanen.

Was unterscheidet die Übersetzung im Bereich Technik von anderen Übersetzungen?
Im Gegensatz zu allgemeinen Übersetzungen wird bei einer technischen Übersetzung (Maschinenbau, Medizin, Computer usw.) vom Übersetzer ein gewisses technisches Know-how vorausgesetzt. Der Übersetzer ist nicht nur ein Sprachvermittler, sondern auch ein «Kenner» der Materie, der die richtige Terminologie am richtigen Ort einsetzt und sich bei technischen Dokumentationen auch bei den erforderlichen ISO-Normen für die Übersetzung auskennt. Ungenaue oder unfachmännische Übersetzungen können zum Beispiel zu einer falschen Handhabung eines Produkts führen und schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Bei der Software-Lokalisierung kann die Übersetzung auch komplexe Aufgabengebiete umfassen, die weit über eine «herkömmliche» Übersetzung hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise die Bearbeitung von Grafiken und diversen Dateiformaten, das Testen der Software und das Desktop Publishing (DTP).

Warum sollte die Übersetzung von einem professionellen Übersetzer gemacht werden?
Würden Sie einem Schreiner eine Herztransplantation anvertrauen? Oder würden Sie Ihren Hausarzt zu Rate ziehen, wenn Ihre Waschmaschine den Geist aufgegeben hat? Für eine hochwertige Übersetzung genügt es nicht, dass man eine Fremdsprache beherrscht. Neben einer umfänglichen sprachlichen und fachlichen Ausbildung verfügt ein professioneller (Fach-) Übersetzer als Muttersprachler auch über das erforderliche Sprachgefühl, um einen Text so in der anderen Sprache wiederzugeben, dass er nicht nach «Übersetzung riecht». Ein Text wird vorab analysiert (Intention des Verfassers, Textsorte, Tonalität/Stil, sprachliche und kulturelle Aspekte des Zielpublikums etc.) und danach fachspezifisch übersetzt. Wenn vom Kunden keine Terminologie-Listen oder Referenztexte vorliegen, muss der Übersetzer selbstständig Recherchen anstellen, damit das Wording und die Corporate Language des Kunden in der Übersetzung reflektiert werden und diese nicht nur als eine «wörtliche Wiedergabe» des Ausgangstextes daherkommt.

Wie wichtig ist ein einheitliches Wording bei Übersetzungen?
Ein einheitliches Corporate Design prägt das Image einer Marke nach aussen. Aber auch Texte beeinflussen das Erscheinungsbild, und oft wird das Corporate Wording als Teil der Corporate Identity vernachlässigt. Ein einheitliches Wording erhöht den Wiedererkennungswert eines Unternehmens oder einer Marke und vermittelt Professionalität und ist daher unverzichtbar. Eine einheitliche, widerspruchsfreie und klare Sprache erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt, eine Marke oder eine Dienstleistung gekauft wird. Und dies sollte sich wie ein roter Faden durch die gesamte Unternehmenskommunikation ziehen, von den E-Mails, Geschäftsbriefen, PR-Texten über Broschüren, technische Dokumentation bis hin zu den Texten für die Website und die Social Media. Für treffsichere Übersetzungen, die technische Fachausdrücke oder die Corporate Language einhalten, setzt dies eine methodische und regelmässige Terminologie-Arbeit und -pflege voraus. Heutzutage gibt es professionelle Terminologie-Management-Systeme, die mit Translation-Memory-Systemen zusammenarbeiten und so den Übersetzern bei ihrer täglichen Arbeit hilfreich zur Seite stehen.

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