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Wort der Woche: «Sprachen»

Haben Sie sich noch nie gefragt, warum die Menschheit bis zu 7000 Sprachen spricht? In unserer Rubrik «Wort der Woche» gehen wir diesem Phänomen nach und zeigen auch, warum Säuglinge zu Beginn die Fähigkeit haben, jede Sprache der Welt zu erlernen.

Zur Sprachentstehung gibt es verschiedene Theorien: Von biblischen, nach denen Gott die Menschen wegen ihrer Überheblichkeit beim Bau des Turms von Babel bestrafte und ihnen allen eine eigene Sprache gab, bis hin zu evolutionsbedingten Theorien. Letztere gehen davon aus, dass es sich bei den ersten Sprachen um lautliche Äusserungen handelte, die eine Gesamtsituation beschrieben, z. B. «Gehen wir auf die Jagd.» Diese Äusserungen konnten nicht wie in den heutigen Sprachen in kleinere Elemente wie Wort- oder Satzteile aufgegliedert werden. Der dänische Linguist Otto Jespersen ging davon aus, dass es sich bei den ersten menschlichen Äusserungen um Gesänge handelte, die sich auf bestimmte Orte, Personen und Situationen bezogen. Daraus sollen dann die ersten Eigennamen für bestimmte Dinge entstanden sein. Gesang, Betonung und Artikulation haben auch heute noch eine grosse Wichtigkeit in den asiatischen Sprachen, bei denen eine andere Betonung zugleich etwas anderes bedeutet.

Kinder sind besonders begabt im Erlernen einer Sprache.

Kinder sind besonders begabt im Erlernen einer Sprache.

Sprachen wachsen mit dem Fortschritt
Je mehr sich die Urmenschen bewegten und mit anderen Gruppen und ihrer Umwelt in Kontakt traten, umso stärker verfeinerten sie ihre Sprache. Den grossen sprachlichen Sprung machte die Menschheit, als sie sesshaft wurde und neue Technologien entwickelte, z. B. die Schrift. Unterschiedliche Umwelteinflüsse prägten die Sprachentwicklung ebenso wie die Interaktion verschiedener Völkergruppen untereinander, die durch die zahlreichen Völkerwanderungen begünstigt wurden. Mit jedem technologischen Fortschritt kamen neue Gegenstände und Situationen zustande, für die es ebenfalls eigene Begriffe oder Definitionen brauchte. Die Sprachen wurden damit Ausdruck des Wahrnehmens, Denkens und Handelns mit der Umwelt der einzelnen Individuen. Je komplexer sich die Lebenswelt der Menschen gestaltete, desto komplexer entwickelten sich auch die einzelnen Sprachen.

Babys können alle Sprachen der Welt
Zumindest zu Beginn ihres Lebens. Betrachten wir die Entwicklung eines Säuglings zum Kleinkind, können wir bestimmte Sprachentwicklungsprozesse, wie sie in den verschiedenen Theorien beschrieben werden, nachvollziehen: Während ein Baby zu Beginn nur Laute von sich gibt und Äusserungen auf Gegenstände, Personen oder Situationen bezieht, entwickelt es im Kleinkindalter ein Vokabular, das es später um ein grammatikalisches System erweitert, bis es schliesslich die Muttersprache spricht. Und dieser Mechanismus ist den Babys von Natur aus angelegt. Darum sind Säuglinge auch in der Lage, im frühen Alter durch die entsprechenden Umwelteinflüsse jede Sprache der Welt zu erfahren und zu erlernen.

Später in der Schule wird es schwieriger, weil das Sprachenlernen dann gegen die Natur erfolgt: Während wir als Kleinkind die Muttersprache aus dem Kontext heraus lernen, erlernen wir Fremdsprachen über die einzelnen Sprachelemente wie Vokabular und Grammatik. Und genau das macht uns das Sprachenlernen so schwer, weil wir nicht in der Sprache denken, fühlen und handeln, sondern aus der Ausgangssprache Wort für Wort übersetzen. Deshalb sind muttersprachliche Übersetzer wichtig, wenn es darum geht, einen Ausgangstext optimal in die Zielsprache zu transferieren. Diese fühlen, denken und handeln im Kontext der Zielsprache und übertragen damit den ausgangssprachlichen Inhalt samt Botschaften folgerichtig in die zu übersetzende Sprache.

Dolmetscher und Übersetzer haben gute Aussichten
Dank der Globalisierung rückt die Welt näher zusammen. Stärker denn je ist es wichtig, seine Produkte und Dienstleistungen auf die globalen Märkte auszurichten. Und dafür braucht es Übersetzungen, die einigen Anforderungen standhalten müssen: Neben der semantischen Übertragung von Inhalten und Botschaften braucht es auch das Fachvokabular sowie das Kommunikationsfachwissen, das die Bedürfnisse und kulturellen Gegebenheiten der Zielgruppen optimal erfasst.

Für Dolmetscher und Übersetzer sind das gute Aussichten. Auch die Sprachenvielfalt der globalen Kommunikation nimmt zu: Während vor dreissig Jahren hauptsächlich mit Englisch, Spanisch und Französisch weltweit kommuniziert wurde, sind es heute zusätzlich Chinesisch, Indisch, Russisch und Portugiesisch. Ausserdem haben sich teils Sprachen untereinander vermischt, z. B. das Spanglish oder Englisch-Hindi. Im Deutschen findet diese Vermischung ebenfalls mit dem Englischen statt. Ebenso mit den Einflüssen vom Balkan. Auch die aktuelle Flüchtlingswelle wird neues Vokabular in die europäischen Sprachen bringen.

Technologien prägen die Sprachen
Neben kulturellen Einflüssen unterliegen Sprachen besonders auch technologischen Veränderungen: Im Zeitalter der digitalen Kommunikation sind neue Kommunikationsmuster der Digital Natives (=Digital Eingeborenen=Generation, die in der digitalen Welt aufgewachsen ist) hervorgegangen. Zum einen ist ein Trend zur Verknappung und Reduktion der Kommunikation feststellbar: Die Jungen verwenden im «Schweizerdeutschen» Abkürzungen wie «thx» für «thanks» oder «sh» für «sch», z. B. bei Fragen wie «wo bish?». Zum anderen unterlassen sie komplett Anreden und Grossschreibung.

Im Deutschen halten neben solchen Phänomenen zunehmend Anglizismen Einzug in die Sprache, nicht zuletzt wegen der computertechnischen Fortschritte. Aber auch die Fachsprache des Marketings etwa bürgern Begriffe wie «Sales», «Claim» oder «Product Placement» in die deutsche Sprache ein.

Die Menschen sind − was ihre Sprache angeht − schon immer kreativ gewesen, und sie sind es auch heute noch: Paare beispielsweise geben sich die unglaublichsten Kosenamen, und zwar aus bekannten Begriffen in einer neuen Wortkombination oder ganz und gar herbeifantasiert. Achten Sie mal im Alltag darauf, welche Wortkombinationen Sie selbst erschaffen. Dann werden Sie sehen, dass Ihre Sprache von heute nicht mehr derjenigen von vor zehn oder zwanzig Jahren gleicht, weil Sie sie täglich weiterentwickeln.

Unser Wort der Woche von unserem Gastautor, Texter und PR-Berater Predrag Jurisic. Welche Sprachen haben Sie gelernt? Bei welchen fiel Ihnen das Lernen leicht, bei welchen nicht? Worauf achten Sie bei Übersetzungen besonders? Schreiben Sie uns. Bis nächste Woche.

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