Alle Blogbeiträge > Unkategorisiert > Wort der Woche «Blechhirn»

Wort der Woche «Blechhirn»

Sie haben richtig gelesen. Unser Wort der Woche widmet sich dem «Blechhirn». Oder anders ausgedrückt: dem Computer. Einem Gerät, das uns täglich begleitet − ob in Form eines Smartphones, eines Tablets oder unserer PC-Station am Arbeitsplatz. Das Blechhirn oder auf Plattdeutsch «Bleckbrägen» (vgl. ideesamkeit.de) hat seinen Ursprung wie viele revolutionäre Dinge im Lateinischen: Das Wort Computer stammt vom Verb «computare» ab, was «berechnen» bedeutet, stellvertretend für die Funktion des Computers als «Rechner».

Längst dominiert der Computer verschiedene unserer Lebensbereiche: beim Handy, im Auto, beim E-Shopping, während der Arbeit, wenn wir die Waschmaschine einschalten oder auf die Anzeigetafel im Bahnhof blicken. Viele der alltäglichen Dinge sind computergesteuert. Und wir halten sie für selbstverständlich. Dass wir uns dabei enorm abhängig machen, ist uns nicht klar.

Was, wenn der Strom ausfällt?
Wir haben das alle schon erlebt: Wir sitzen an einer wichtigen Arbeit, und plötzlich bleibt der Computer hängen oder stürzt ab. Die Daten gehen verloren, wir können nicht weiter arbeiten und drehen Däumchen. Das sind noch die harmloseren Dinge, die uns mit Computern zustossen können.

Was aber, wenn der Strom mehrere Tage oder Wochen ausfällt?

Unser Leben hängt dann sprichwörtlich daran: Denn alle lebensnotwendigen Kanäle sind an Strom und damit an Computer und Internet geknüpft − seien es die Logistik und Warenversorgung der Detailhändler, die Stromzufuhr für Heizungen oder die Wasserzufuhr. Mit einem grösseren Blackout wären wir mit einem Mal um mehrere Jahrhunderte in unserer Zeitgeschichte zurückversetzt und komplett offline (Buchempfehlung: Thomas Grüter: Offline! Das unvermeidliche Ende des Internets und der Untergang der Informationsgesellschaft).

Ohne Strom läuft gar nichts mehr.

Ohne Strom läuft gar nichts mehr.

Mit einem Schlag müssten wir uns wieder analog verhalten und sprichwörtlich zurück zu den Wurzeln finden. Die Überschwemmung, welche 2011 Thailand heimsuchte, zeigte, wie verwundbar unsere ICT-Gesellschaft ist: Es kam zu einem weltweiten Engpass bei Festplatten. Mehrere solcher Ereignisse können unser komfortables und computergesteuertes Leben rasch aus den Bahnen werfen.

Blechhirn vs. menschliches Gehirn
Was Thomas Grüter in seinem Buch «Offline!» beschreibt, klingt wie die Situation nach der Apokalypse. Allerdings sind einige Passagen aus dem Buch durchaus realistisch und plausibel. Darum ist es notwendig, trotz unserer Blechhirne immer noch unser eigenes Gehirn zu benutzen. Denn es kann die Informationen wesentlich länger abspeichern als bestimmte digitale Speichermedien.

Wussten Sie, dass z. B. ein Buch ca. 100 Jahre lang hält? Im Vergleich dazu hat ein USB-Stick mit Flash-Speicher eine Lebensdauer von ca. zehn bis dreissig Jahren. CDs und DVDs halten im Schnitt zwanzig bis fünfzig Jahre, während Festplatten gerade mal auf maximal zehn Jahre kommen. Sie sehen schon: Unsere schöne Computerwelt ist zwar bequem, aber auch kurzlebig und anfällig. Grosse Internetkonzerne gehen sogar dazu über, wichtige Daten wieder in Printform zu sichern.

Computer früher und heute
Während in den Anfangsjahren des Computers die Rechner ganze Hallen füllten, schrumpften sie im Laufe der Zeit auf Armbanduhrgrösse. Der Computer hat sich seit seiner Erfindung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts massiv weiterentwickelt: Er fand den Weg von klobigen Geräten zu handlichen, ja fast schon menschenähnlichen Devices, die wir nun täglich benutzen und sehr nah am Körper tragen: Während wir in den 80er Jahren noch ein Monstrum als Computer auf dem Tisch hatten, nähert er sich heute gefährlich nahe unserem Gehirn. Zuerst als Laptop, dann als Smartphone und Tablet und schliesslich als Smartwatch und Google-Brille. Doch Google ging noch einen Schritt weiter und entwickelte intelligente Computerlinsen für Diabetiker, die bereits auf Tuchfühlung mit dem menschlichen Körper gehen.

Der Trend ist klar: Computer und Mensch wachsen immer mehr zusammen. Geht es nach Science-Fiction-Autoren, werden wir uns zum Cyborg weiterentwickeln − also halb Mensch, halb Maschine. Ob das positiv ist, wage ich zu bezweifeln. Doch es gibt auch positive Anwendungsbeispiele, z. B. die computergesteuerten Prothesen, die Behinderten wieder mehr Mobilität und Unabhängigkeit ermöglichen.

Bei all diesen Entwicklungen rund um den Computer wird es wichtig sein, dass sich der Mensch treu bleibt und seine Existenz nicht allzu arg auf die Maschinen abstützt. Denn sollten uns die Ressourcen mal ausgehen − und das werden sie − dann stehen wir da wie bestellt und nicht abgeholt.

Unser Wort der Woche. Wieder mal von unserem Gastautor, Texter und PR-Berater Predrag Jurisic. Wie ist Ihr Verhältnis zum Computer? Was löst die Vorstellung einer Cyborg-Gesellschaft bei Ihnen aus? Welche Aspekte − positiv oder negativ − sehen Sie in Computern? Wir wollen es wissen und darüber diskutieren. Darum sind wir über IHREN Kommentar froh. Bis nächste Woche.

  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks