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Wort der Woche «Anglizismen»

Empowerment, Goal und Helpdesk. Heutzutage werden deutsche Wörter oftmals durch englische Ausdrücke ersetzt. Klar, Fremdsprachen können die eigene Sprache bereichern, aber ist das immer notwendig? Ich habe einen Selbstversuch gestartet und versuche, in meinem Alltag nur noch deutsche oder schweizerdeutsche Ausdrücke zu gebrauchen. Gar nicht so einfach!

Anglizismen kommen der Autorin nicht mehr in die Tüte.

Anglizismen kommen der Autorin nicht mehr in die Tüte.

Ich habe kürzlich einen Wochenend-Ausflug nach Dänemark unternommen. Sofort war ich fasziniert von der Sprache. In der gesprochenen Form für mich sehr unverständlich, habe ich in der schriftlichen Form doch einiges verstanden. Fremdsprachen fesseln mich, weshalb ich meine eigene Sprache oft mit Anglizismen oder anderen fremdsprachigen Ausdrücken schmücke. Bis ich gemerkt habe, dass es eine echte Herausforderung geworden ist, nur noch deutsche oder schweizerdeutsche Ausdrücke zu verwenden. Und schon war der Selbstversuch geboren.

Ausdrücke der Empörung
Bereits nach einem Tag ist mir aufgefallen, dass ich mein Entsetzen oftmals mit Anglizismen zum Ausdruck bringe. Unschöne Äusserungen wie «What the fuck» purzeln automatisch aus meinem Mund. Sobald mir auffällt, dass ich wieder ein englisches Wort benutzt habe, kommentiere ich dies mit «Shit». Dabei ist es doch ganz einfach, ein schönes deutsches Pendant dazu zu finden: «Wieso zum Geier …?» oder «Mist» unterstreichen meine Empörung genauso gut – nur hört es sich halt nicht so fancy bzw. schick an.

Den Schlauchapfel hänseln
Speziell spannend finde ich es, bedrohten oder vergessenen Wörtern und Ausdrücken wieder Leben einzuhauchen. So bin ich in einem Gespräch mit meiner, wohlgemerkt holländischen Kollegin auf das Wort «Schlauchapfel» für Banane gestossen. Meine Recherchen im Internet haben ergeben, dass dieses Wort angeblich während der Nazizeit eingeführt wurde, in der krampfhaft eine reine deutsche Sprache geschaffen werden sollte. Das Wort steht in der 12. Auflage des Rechtschreibduden aus dem Jahr 1941. Ob tatsächlich die Nazis die Urheber davon sind ist nicht eindeutig belegt.

Als ich vor Kurzem das Wort «hänseln» anstatt bullying benutzte, brachen am Mittagstisch alle in schallendes Gelächter aus. Obwohl es eine sehr ähnliche Bedeutung hat. Das Wort «hänseln» war sogar passender, den bullying bedeutet «tyrannisieren» oder «einschüchtern», das war zu viel des Guten. Die Rede war von «sich über eine Person ohne Rücksicht auf deren Gefühle lustig zu machen, ohne dass sie sich wehren kann.» So steht es übrigens im Duden. Und der schlägt auch gleich noch andere deutsche Wörter vor, die mir gut gefallen: foppen, uzen oder anpflaumen.

Arbeitsalltag als Herausforderung
Besonders schwierig sind die Fachbegriffe im Arbeitsalltag. Benutze ich beispielsweise den Ausdruck «Stärkung der Arbeitgebermarke» anstatt «Stärkung des Employer Branding» oder «Unternehmenssprache» anstelle von «Corporate Language», gucken mich meine Kollegen mit grossen Augen an. Spannend wäre hier eine Studie, wie meine Fachkompetenzen eingeschätzt werden, wenn ich nicht die englischen Fachbegriffe, sondern deutsche Entsprechungen benutze.

Es gibt jedoch auch Verdeutschungen, die meiner Meinung nach sehr unschön klingen. So beispielsweise «Plauderstube» für «Chatroom» oder «Kennwortknacker» für «Hacker». Doch die Geschmäcker sind eben verschieden und so auch die Wünsche unserer Kunden. Deshalb legen unsere Dolmetscher, Übersetzer und Texter ein besonderes Augenmerk auf die Wortwahl.

Welche Anglizismen finden Sie total unnötig? Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Erfahrungsberichte!

  1. 17. November 2015, 13:19 | #1

    „Viertopfzerknalltreibling“

    Wer weiss, was das ist? 🙂

  2. Gerry
    18. November 2015, 22:15 | #2

    Mein Flug ist upgegradet worden!!

  3. Michael Mann
    22. Februar 2016, 00:32 | #3

    Hallo Frau Kurt,
    der „Schlauchapfel“ verfolgt mich nun schon eine Weile lang. Haben Sie verifiziert, ob dieses Wort tatsächlich „in der 12. Auflage des Rechtschreibduden aus dem Jahr 1941“ steht? In meiner 12. Duden-Auflage steht das Wort nämlich nicht – weder in der Fraktur-Ausgabe von 1941 noch in der „Normalschriftausgabe“ von 1942.

  4. 22. Februar 2016, 10:56 | #4

    Lieber Herr Mann

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Da haben Sie natürlich recht. Das Wort «Schlauchapfel» steht nicht im Duden, sondern die Banane. Bitte entschuldigen Sie diesen Fehler. Ich hoffe, der Artikel hat Ihnen trotzdem gefallen.

    Treffsichere Grüsse
    Claudia Kurt

  5. Kurt Claudius
    26. August 2016, 10:30 | #5

    Hallo Claudia

    Wusstest du das? Nur Mädchen und Babymänner sagen Shit… Das schöne deutsche Pendant gibt es schon sehr sehr lange und heisst „Scheisse“.

    Tipp: Achte dich etwas mehr auf die stilistisch unschönen Wortwiederholungen, z.T. hast du auch ungewollt (leicht störende) Stabreime produziert (…versuch, versuche; Form; deutsche oder schweizerdeutsche Ausdrücke (deutschsprachige wäre doch eine gute Alternative); 2x Präfix ge- in einem Satz etc.) Deine Recherche ist zwar gut gemeint, aber so ziemlich scheisse, und das „angeblich“ und „ob tatsächlich“ zeugen nur zusätzlich von deiner diesbezüglichen Unwissenheit. Das Wort ist schon mindestens 100 Jahre vorher belegt und ich habe gerade mal 5 Sekunden dafür gebraucht, das herauszufinden. Sprachpurismus gab es denn auch schon lange vor den Nazis, weshalb eine zeitlich ältere Verortung auch nicht weiter überraschend ist. Auf texteuelle Beobachtungen gehe ich hier nicht ein; jedenfalls gibt es sehr wohl ganz gute Passagen, juhuuuuuuuu, aber auch etwas weniger gute. Du musst noch mehr schreiben und noch selbstkritischer sein in Bezug auf Inhalt und Form. Und hör um Gottes Willen auf, dir in deinen Artikeln über wiss. Studien Gedanken zu machen. Man spürt aus jeder einzelnen Pore deines Textes, dass die Wissenschaft nicht wirklich deine grosse Leidenschaft ist. Oder glaubst du etwa ernsthaft, ein halbwegs schlauer und gebildeter Mensch würde die Fachkompetenz einer Person nur aufgrund der Verwendung von Anglizismen beurteilen? Weisst du was ein kluges Kerlchen tun würde? Das braucht nämlich – wenigstens in diesem Fall – keine weiteren Studien. Das knöpft sich ganz einfach deinen Text vor und macht sich ein Bild davon. Man munkelt sogar, diese Vögel könnten das doch tatsächlich aus den nackten Buchstabensuppen herauslesen, so wie deine ehemaligen ZHAW-Lehrerinnen und -Lehrer. Aber zum Glück ist hier kein solcher Sprachfuzzi anwesend, hast noch mal Schwein gehabt. Tschüss Hübschi.

  6. 26. August 2016, 17:01 | #6

    Lieber Claudius

    Vielen Dank für die konstruktive und lehrreiche Kritik. In vielem von dem, was Sie schreiben, steckt das berühmte Körnlein Wahrheit. Der Ton scheint mir teilweise etwas gar scharf (von den anzüglichen Ausdrücken abgesehen, die sind eher lau). Leider wird diese Kritik fruchtlos bleiben, da die Autorin unser Unternehmen schon vor Monaten verlassen hat. Wir aber, die in ihre Fussstapfen schlüpfen, sind zwar nicht annähernd so hübsch, jedoch für Kritik äusserst empfänglich.

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