Wort der Woche «Akzent»

Er ist ein Verräter, der Akzent. Denn auch wenn Sie eine Fremdsprache noch so gut beherrschen, an Ihrem Akzent erkennt man sofort, dass es nicht Ihre Muttersprache ist. Wir servieren Ihnen einige spannende Fakten zu Akzenten, damit Sie Ihrem eigenen einen Feinschliff verpassen können.

Ein Akzent ist die Betonung einer Silbe, eines Wortes oder eines Satzes. Es ist die bestimmte Sprachmelodie, der Tonfall, den man einer Aussage verleiht. Daher rührt vermutlich auch die Redewendung «einen Akzent setzen», denn mit einem Akzent kann man eine Aussage stärker gewichten oder betonen. Und natürlich ist auch ein Zeichen über einem Buchstaben, das die Aussprache oder die Betonung angibt, wie es im Französischen häufig der Fall ist, ein Akzent. Doch jetzt widmen wir uns erst einmal der Aussprache.

Akzente setzen kann man nicht nur beim Schreiben, sondern auch in der Aussprache.

Akzente setzen kann man nicht nur beim Schreiben, sondern auch in der Aussprache.

Übung macht den Meister
Haben Sie gewusst, dass Sport und Sprache einiges gemeinsam haben? Es braucht viel Übung, Motivation und Durchhaltevermögen, um darin erfolgreich zu sein. Bis Denise Bielmann ihre berühmte Pirouette perfekt beherrschte, investierte sie bestimmt viele Jahre Fleiss und Schweiss. Und auch Lionel Messi dribbelt nicht einfach so wie ein Meister. Um ein richtiges Gefühl für eine Fremdsprache zu entwickeln, braucht es ungefähr 15 Jahre Übung. Und natürlich gehört wie im Sport auch eine gehörige Portion Talent dazu. Eine Studie besagt, dass Menschen, die gegenüber Neuem und Veränderungen aufgeschlossen sind, eher zu einem Sprachtalent neigen. Gründe dafür könnten sein, dass sie weniger Hemmungen haben und eine hohe Motivation mitbringen.

Der Muskelaufbau
Wie beim Sport müssen auch bei der Sprache Muskeln aufgebaut werden. Und damit wir auch noch ein Klischee bedienen können: In der Übersetzungsbranche gibt es viele Frauen. Möglicherweise weil sie gerne reden? Denn wer viel redet, baut automatisch die notwendigen Muskeln auf. Aber Achtung: Nicht für jede Sprache braucht es die gleichen Muskeln. Während die deutsche Sprache eher in der Mitte des Mundes artikuliert wird, sprechen Franzosen sehr weit vorne und Engländer sehr weit hinten. Dies verursacht einen unterschiedlichen Klang. Kinder entwickeln bereits beim Erlernen des Sprechens die richtigen Muskeln. Sie hören ihren Mitmenschen zu und üben die Aussprache, bis sie sie einwandfrei beherrschen. Weil nicht die richtigen Muskeln trainiert wurden, haben beispielsweise viele Deutschsprachige Mühe mit der Aussprache des englischen «th». Viele nehmen dann einen Umweg und machen aus dem th ein s oder ein f. Wer aber hemmungslos und mit viel Geduld übt, wird irgendwann die richtigen Muskeln aktivieren können, um das th korrekt auszusprechen. Also liebe Frauen. Jetzt kann niemand mehr sagen, Ihr würdet zu viel reden.

Doch vielleicht möchte man den eigenen Akzent gar nicht loswerden. Denn die Franzosen beispielsweise haben einen charmanten Akzent, der sehr sympathisch klingt. Warum also nicht behalten? Und wenn wir schon in Frankreich sind, kommen wir wieder auf unser Thema vom Anfang zurück: In der französischen Sprache gibt es auch in der Orthographie Akzente.

Der Accent grave ist gar nicht so schlimm
Nach vorne, nach hinten oder doch das Dächli? Viele tun sich mit den Accents in der französischen Sprache schwer, dabei ist es ganz einfach:

  • Der Accent aigu kommt nur über dem Buchstaben E vor und zeigt nach oben rechts. Der Buchstabe wird ausgesprochen wie ein E, wie bei uns im Wort Schneebesen.
  • Den Accent grave gibt es auf den Vokalen E, U und A. Steht er auf dem E, wird er eher wie ein Ä ausgesprochen. Wie beispielweise im deutschen Wort Fähre. Ansonsten wird er zur Unterscheidung gleichlautender Wörter (Homonyme) verwendet: ou/où, il y a/à l’heure.
  • Der Accent circonflexe sieht aus wie ein Dach, weshalb er von vielen «das Dächli» genannt wird. Er kann auf allen Vokalen vorkommen. Normalerweise zeigt der Accent circonflexe an, dass im Altfranzösischen das entsprechende Wort mit einem S geschrieben wurde (la fenêtre/fenestre). In seltenen Fällen unterscheidet er ebenfalls Homonyme: sur (auf)/sûr (sicher). Der Accent circonflexe hat nur Auswirkungen auf die Aussprache, wenn er auf einem E steht, denn dann wird dieses ebenfalls wie ein è ausgesprochen.

Übrigens: Seit Oktober 2015 haben die Regeln für die Akzentuierung bei Grossbuchstaben geändert. In der Westschweiz werden neu Akzente auch auf Grossbuchstaben am Wortanfang gesetzt. Haben Sie Fragen dazu oder sollen wir Ihre Broschüren, Ihre Website oder andere Dokumente auf den neuesten Stand bringen? Dann zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.

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