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Wort der Woche «Redewendungen»

Wenn Hunde in der Pfanne verrückt werden oder Schweine nicht lesen können, wird’s Zeit, alle Register zu ziehen und Ihnen eine Erklärung für den bunten Strauss an deutschen Redewendungen zu geben. Im Wort der Woche gehen wir der Frage nach, warum wir Redewendungen so lieben und was einige davon bedeuten.

Der Mensch ist ein bequemes Tier. Darum liebt er Analogien. Und Redewendungen. Denn diese vereinfachen bestimmte Situationen und Sachverhalte, indem sie ihnen eine metaphorische Bedeutung zuweisen. Zum Beispiel, wenn Eltern ihre Kinder mit abgedroschenen Phrasen nerven wie «Wenn andere von der Brücke springen, tust du es dann auch?». Oder wenn wir bestimmte Gefühle und Emotionen ausdrücken möchten, etwa mit der Bezeichnung «Sisyphos-Arbeit» für eine mühselige, komplizierte und nie enden wollende Arbeit. Oder wenn wir uns über unser Glück freuen und sagen, wir hätten Schwein gehabt.

Pfeifende Schweine können nicht lesen

Schweine können nicht lesen, soviel steht fest. Doch woher kommt die Redensart «Das kann doch kein Schwein lesen»? Bei unseren Recherchen dazu gelangten wir in den hohen Norden Deutschlands: Vor 300 Jahren gab es noch viele Analphabeten und wenige Gelehrte, die lesen konnten. Eine der wenigen gelehrten Familien in Norddeutschland damals hiess «Swyn». Sie las den Bürgern jeweils Briefe oder Urkunden vor. Und wenn Schriftstücke komplett unlesbar waren, kreierte der Volksmund die Redewendung: «Dat kann keen Swyn lesen!» Und weil im Plattdeutschen «Swyn» Schwein bedeutet, kam das Schwein in den Literaturclub.

Menschen scheinen Schweine zu mögen. Zumindest, wenn sie Redewendungen mit ihnen erschaffen. So auch mit dem pfeifenden Schwein, das gar nicht pfeifen kann. Und genau darin liegt die Bedeutung der Redewendung: Wenn nämlich etwas Unmögliches geschieht, sagen wir: «Ich glaube, mein Schwein pfeift.» Diese Redewendung stammt jedoch nicht wie die meisten aus dem Mittelalter, sondern aus der Sponti-Bewegung der 70er- und 80er-Jahre, die aus der politisch linken Studentenbewegung der 68er entstanden ist.

Verrückte Hunde in der Pfanne

Hunde sind ebenfalls prominente Figuren unserer Redewendungen. So auch, wenn wir einen Hund in die Pfanne klopfen. Denn die Redewendung stammt aus genau dieser Situation – genauer aus einer alten Geschichte von Till Eulenspiegel, der mal bei einem Bierbrauer arbeitete. Dieser hatte einen Hund namens «Hopf». Eines Tages, als Eulenspiegel vom Bierbrauer beauftragt wurde, Bier zu brauen und dabei den Hopfen zu sieden, verstand Eulenspiegel, er solle den Hund «Hopf» in die Braupfanne hauen. Entsetzt darüber entliess ihn der Bierbrauer. Heute verwenden wir die Redensart, wenn wir über etwas Besonderes erstaunt sind. Warum der Hund nun in der Pfanne verrückt wird, wissen wir auch nicht, können es uns jedoch angesichts der Geschichte aber denken.

Ein weiterer Ausdruck, in dem sich der Hund wiederfindet, ist «der bunte Hund». Verwenden wir diese Redensart, meinen wir eine äusserst bekannte oder auffällige Person. Der Ausdruck rührt daher, dass Hunde in der Regel ein ein- oder zweifarbiges Fell haben. Wenn früher ein Hund jedoch mehrfarbig gescheckt war, galt er als eine Ausnahmeerscheinung und wurde somit zum bunten Hund. Neben auffälligen Äusserlichkeiten waren mit diesem Ausdruck früher auch auffallend negative Charaktereigenschaften gemeint.

Wenn es Ihnen nun unter den Nägeln brennt, warum wir einander manchmal auf den Keks gehen oder jemandem einen Storch braten, erfahren Sie Näheres auf GEO.de. Uns interessiert nun, was Ihre Lieblingsredewendung ist. Oder haben Sie gar eigene Kreationen? Reichen Sie uns diese ein!

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Wenn der Hund in der Pfanne verrückt wird

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