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Wort der Woche «Sport»

Handstand, Elfmeter, Kraulen — in der Welt des Sports wimmelt es von Fachausdrücken und Fachjargon. Kaum ein anderes Fachgebiet hat eine so vielfältige Sprache wie dasjenige des Sports. Das ist zwar schön, stellt für Übersetzer und Dolmetscher aber eine grosse Herausforderung dar.

Das Wort «Sport» stammt ursprünglich aus dem Lateinischen «disportare», was «sich zerstreuen» bedeutet. Über das Altfranzösische (se de(s)porter) und das Englische (to disport) fand das Wort den Weg in die deutsche Sprache. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde darunter eine spezifische Form der Leibesübungen verstanden. Sie zeichneten sich durch das Leistungs-, Konkurrenz- und Rekordprinzip aus. Im Gegensatz zu anderen national orientierten Turnübungen, beispielsweise der Schwedischen Gymnastik, kannten die Leibesübungen eine übergreifende Reglementierung und Leistungsmessung.

Vom Affenschlauch und der Blutgrätsche
Die Fachterminologie im Sport ist vor allem für ihre Bildhaftigkeit bekannt. Es wimmelt von Metaphern, Vergleichen und Analogien. Nahezu jede Sportart entwickelte ihre eigenen Ausdrücke. Beispielsweise die «Blutgrätsche» im Fussball — eine besonders aggressive Form der Grätsche, bei der eine Verletzung des Gegenspielers bewusst in Kauf genommen wird. Im Radsport hingegen trifft man auf die «Affenwurst», was schlicht und einfach eine Banane ist. Die Liste solcher Begriffe ist fast unendlich, und immer wieder kommen neue Ausdrücke hinzu. Für die Übersetzer ist das eine grosse Herausforderung. Sie müssen sich in der jeweiligen Sportart bestens auskennen und die Begriffe sowohl in der Ausgangs- als auch in der Zielsprache kennen. Deshalb ist es wichtig, dass ein Fachübersetzer am Werk ist.

Stefan Kurt, Sportreporter bei Radio Top

Stefan Kurt, Sportreporter bei Radio Top

Wo bleibt die Grammatik?
Im Sport sind nicht nur Profi-Übersetzer, sondern auch Profi-Dolmetscher gefragt. Diese müssen die Fachbegriffe kennen, damit klarkommen, dass sich Sportreporter nicht immer haargenau an die sprachlichen «Spielregeln» halten. Stefan Kurt, Sportreporter beim Radiosender Radio Top, berichtet regelmässig live von Sportanlässen: «In der Live-Reportage lassen wir oftmals die Verben weg. Beispielsweise «Shaqiri rüber zu Dzemaili, der weiter zu Derdiyok». Um zu unterhalten, kreieren Sportreporter oftmals auch markige Sprüche: «Die Verteidiger wirken wie eine Horde Kühe, wenn die Klapperschlange kommt.» Besonders schwierig wird es, wenn die Reporter selber an ihre Grenzen kommen und für das, was sie sehen, keine Worte mehr finden. So zum Beispiel, wenn Roger Federer wieder einmal einen Zauberball spielt: «Diesen Schlag gibt es eigentlich gar nicht!», tönt es aus dem Fernseher. «Die Dolmetscher als Rezipienten müssen das Gehörte oftmals zuerst für sich selber deuten und übersetzen, damit sie es in die Zielsprache transportieren können», so Stefan Kurt.

Sie sehen – das Fachgebiet Sport hat einige Hürden. Unsere Übersetzer und Dolmetscher hüpfen aber leichtfüssig wie Hürdenläufer darüber hinweg. Möchten Sie mehr über das Thema Übersetzen im Bereich Sport erfahren? Dann kommen Sie am 15. Juni 2016 an unser Public Viewing!

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