Wort der Woche «Swiss Economic Forum»

Diesen Donnerstag und Freitag treffen sich, wie jedes Jahr um diese Zeit, 1350 Entscheidungsträger aus Politik, Medien, Wirt- und Wissenschaft im malerischen Interlaken, um die Geschicke der Schweiz – und die eigenen – heiss zu schmieden. Der Aufwand für ein solches Treffen ist enorm, und dementsprechend die Kosten. Und der Nutzen?

Am SEF networken Start-ups mit CEOs.

Am SEF trifft sich die Elite, um Trends in der Wirtschaft zu erkennen.

Ein Wellness-Weekend 4 Two im traumhaften Südtirol kostet Sie, alles inklusive, rund 1300.– Franken. Wäre da nicht die lange Heimfahrt, Sie würden sich nach zwei Tagen als Kaiser fühlen. Auch eine lange Fahrt haben und auch kaiserlich fühlen sich die Teilnehmer am SEF, dem Swiss Economic Forum – die zahlen dafür aber zwei, drei Foifliiber mehr. Ihnen wird aber auch einiges geboten: Mittagessen, «Networkingabend» und zweitägige Konferenz, auch all inclusive. Und alle sind sie da: Bundes-, Nationalrats- und Ministerpräsidenten, Kapitäne der Handelsmarine, Nobelpreis- und andere Bürdenträger/innen – und der CEO der SBB, wie überall.

Breakout Session SEF.2016

An den Weiterbildungskursen in Dialogform lernen die Entscheidungsträger, sich Entwicklungen nicht entgegenzustemmen, Erfolgsfaktoren nicht zu ignorieren – aber Trends frühzeitig zu erschnuppern. Die Kurse können, mit Fantasie, als Krimi gelesen werden: «Kill your darlings», «gestern war gut – morgen wird anders.» Oder als Sci-Fi-Utopie: «Computer wird immer intelligenter», «Vertrauen in die Cyber-Zukunft.» Wie auch immer – auch ohne viel Imagination lässt sich ausrechnen, dass die Entscheidungsträger den finanziellen Nutzen, den ihnen das Forum bietet, kaum auszuschlagen versuchen.

Jungunternehmerpreis mit Bedeutung

Unternehmerisches Gedankengut und innovative Ideen bekommen beim Swiss Economic Award nicht nur ein fundiertes Feedback von qualifizierten Experten und ein ansehnliches Preisgeld von 25‘000.– Franken, sondern ebenfalls die von Andy Warhol proklamierten «15 minutes of fame» in Web, Funk und Fernsehen. Und «eine einzigartige Motivation für das ganze Team», Zitat SEF.

Massvolles Sicherheitsdispositiv

Im Gegensatz zum WEF in Davos, das Peter Stähli, noch-CEO des SEF, als «Festung mit Stacheldraht und Maschinengewehren» tituliert, treten die Sicherheitskräfte am SEF so diskret auf, dass sich die Massentouristen weder auf dem Höheweg noch beim Stadtflanieren gestört fühlen. Und das trotz hochrangigen Teilnehmern aus dem In- und Ausland. Das übliche Dispositiv besteht aus der dorfeigenen Feuerwehr, einer Ärztin mit dreiköpfigem Team, der Kapo und der Securitas. Kostenpunkt: 50‘000.– Franken. Walter Schneeberger, Chef Sicherheit, behauptet aus Erfahrung, dass am SEF kein grosses Risiko bestehe, «da es sich um einen Anlass für KMU» und nicht um einen politischen handle. Daher würde das Forum von den Leuten als «grundsätzlich eine gute Sache» gesehen.

Medien in der Kritik

Naturgemäss ist eine Veranstaltung wie das SEF auf Partner angewiesen. Diese Partner erhalten im Gegenzug zu ihrer Unterstützung Logopräsenz in Web und Medien. Schade, wenn die Medien selber zu den Hauptpartnern gehören – das lässt an einer unabhängigen und kritischen Berichterstattung zweifeln. In einer langen, detaillierten und teils gehässigen Analyse kreidet Medienbeobachter Infosperber genau dies als Tatsache an. Er zeigt auf, wie nah sich SRG und NZZ an die Wirtschaft wagen, ihr gar ungeniert das Du anbieten. Aber glauben Sie nichts blind – gehen Sie ans SEF und fragen Sie Roger de Weck oder Veit Dengler, zwei vom Advisory Board!

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