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Archiv für Juli, 2016

Wort der Woche «Neuromarketing»

25. Juli 2016

Weshalb brauchen Frauen beim Einkaufen länger als Männer? Warum finden wir den Neuwagengeruch so prickelnd? Und fällen wir unsere Kaufentscheidungen wirklich rational? Das Neuromarketing gibt Aufschluss über all diese Fragen und zeigt: Wir agieren unbewusster, als uns lieb ist. Unser Wort der Woche blickt den Konsumenten in den Kopf.

Danach strebt die gesamte Marketing- und Werbebranche: Endlich mal zu wissen, was im Kopf von Konsumenten vor sich geht, um die richtigen Reize und Reizbegriffe zu setzen, damit sich ROI und ROMI* am Ende des Jahres die Hände reiben können. Doch geht das so einfach? Eine interdisziplinäre Wissenschaft, die einen Blick ins Denken und Fühlen von Konsumenten wirft, ist das Neuromarketing, das biologische, ökonomische und psychologische Faktoren bei Kaufentscheidungen analysiert.

*ROI: Return on Investment, ROMI: Return on Marketing Investment

Warum Frauen anders shoppen als Männer

Wer kennt das nicht: Es ist Samstagnachmittag im Einkaufszentrum. Horden von Männern hüten Einkaufstüten in den grossen Marmorgängen des Shoppingtempels, während Scharen von Frauen Laden für Laden, Gestell für Gestell durchleuchten, um dann doch ein Kleidungsstück zu finden, das sie spätestens zu Hause wieder umtauschen wollen.

Was nach einem sexistischen Klischee klingt, ist wissenschaftlich erwiesen: Frauen- und Männergehirne funktionieren anders. Und das hat mit den unterschiedlichen biologischen Hirnstrukturen und dem Hormonhaushalt zu tun. Während die Männer in Zeiten von Feuerstein und Keule ihren Tunnelblick für die Jagd schärften und dafür Testosteron brauchten, entwickelten die Frauen beim Versorgen von Säuglingen sowie Sammeln von Nüssen und Beeren einen umsichtigen Blick für Details. Hier kam hauptsächlich das Östrogen ins Spiel.

Heute zeigt sich dieses Phänomen auch beim Shopping: Männer gehen gezielt in einen Laden, in dem sie ihr gewünschtes Produkt vermuten, schauen sich rasch zwei bis drei Vergleichsexemplare an, greifen zu, stürmen zur Kasse und dann nix wie raus. Frauen hingegen möchten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis erzielen. Entsprechend investieren sie viel Zeit, um das gesamte Angebot zu durchforsten und zu vergleichen, damit sie die bestmögliche Option herauspicken können.

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Neuromarketing-Experiment von Dr. Hans-Georg Häusel

Sex sells - Fantasie vs. Abenteuer

Sex sells – Fantasie vs. Abenteuer

«Sex sells»

Freud hätte an dieser Werbethese seine helle Freude gehabt, da seinem Credo zufolge alles menschliche Verhalten sexuell gesteuert ist. Selbst wenn die meisten Werbeagenturen es verneinen (und insgeheim doch machen): Sex sells. Das zeigt auch die Limbic Map® von Dr. Hans-Georg Häusel: Sowohl bei Frauen als auch bei Männern nimmt Sexualität einen grossen Raum ein. Allerdings bewegen sich die sexuellen Vorstellungen der beiden Geschlechter in unterschiedlichen Sphären: Während in der weiblichen Sexualität Attribute wie Sinnlichkeit, Nähe, Vertrautheit, Fantasie und Genuss im Zentrum stehen, hat die männliche Sexualität eher spontanen, impulsiven und verwegenen Charakter.

Fantasie vs. Abenteuer

Die männliche Sexualität ist abenteuerlicher Natur, die weibliche Sexualität spricht auf Fantasie an. Entsprechend sollte die Werbung gestaltet sein. Denken wir dabei an die Axe-Werbespots, in denen ein Durchschnittstyp dank seinem Deo plötzlich zum Frauenmagneten wird. Diese Werbespots wirken. Denn sie sprechen den genetischen Erfolg eines Mannes an: Dieser ist umso grösser, je mehr Sexualpartnerinnen er hat. Das erklärt auch das dominante Balz- und Konkurrenzverhalten männlicher Exemplare im Ausgang: Es gilt, seine Gene möglichst weit zu streuen und Konkurrenten zu übertrumpfen.

Liebe Frauen, verzeiht dieses Gebaren, aber hier sind Männer evolutionstechnisch ziemlich simpel gestrickt. Die Devise lautet Masse statt Klasse.

Anders dagegen sollte sexuell verführerische Werbung für Frauen aussehen: Wie weiter oben beschrieben lassen sich Frauen Zeit, ehe sie eine Entscheidung treffen − so auch bei der Partnerwahl. Denn anders als bei Männern ist es für Frauen genetisch vorteilhafter, möglichst nur das beste Exemplar für ihren Nachwuchs auszusuchen und damit den Traummann vom Tölpel zu trennen. Folglich impliziert Sex etwas sehr Wertvolles: Frauen wollen sich in solcher Werbung als wertvoll, attraktiv und geheimnisvoll wiedererkennen und nicht als plumpes Sexobjekt. Dasselbe gilt für männliche Models: Nur nackte Haut allein zieht nicht. Dafür die Fantasie, die ein solches Model auslöst − wie im berühmten Cola light Werbespot, als der Lieferant mittags in ein Büro tritt und ein paar eisgekühlte Cola-Dosen vorbeibringt. Angestrengt von der Arbeit stillt er seinen unbändigen Durst, was sein Verlangen nach etwas Wertvollem und Sinnlichem stillt. Die Cola light steht sinnbildlich dafür, wie Frauen von Männern betrachtet werden wollen − wertvoll und unersetzbar.

Und die Werbung hat funktioniert: Auch heute noch trinken hauptsächlich Frauen Cola light, während die Männer auf das abenteuerliche Cola zero zurückgreifen, das ihre Risikofreude und Heldenhaftigkeit anspricht.

Wenn der Neuwagenduft betört

Im Neuromarketing gibt es Vieles über unser Wahrnehmen, Fühlen und Handeln zu entdecken. Nach der Lektüre des Bestsellers «Brain View − Warum Kunden kaufen» von Dr. Hans-Georg Häusel wird einem bewusst, dass wir praktisch immer unbewusst entscheiden: Wir lassen uns von unseren Sinnen leiten − ob das nun der verführerische Gipfeli-Duft morgens beim Lieblingsbäcker ist, das aufgeräumte und stilvolle Ambiente im Apple-Shop oder der Neuwagenduft, der uns umströmt, wenn wir zur Probefahrt aufbrechen. Unsere Sinne registrieren alles unbewusst und bringen uns entsprechend in eine Kaufstimmung oder eben nicht.

Dr. Hans-Georg Häusel zeigt eindrücklich, wie sehr wir von unserem Autopiloten gesteuert sind und erst im Nachhinein unser Bewusstsein aktivieren, um die unbewusste, emotionale Entscheidung als bewusste, rationale zu erklären.

Das kennen Sie bestimmt von Situationen, in denen Sie sich etwas massiv Überteuertes geleistet haben, weil es den Tiger in Ihnen geweckt hat, und danach das schlechte Gewissen, das Sie mit tollen Argumenten übertönen wollten.

Beim Autokauf kommt genau dieses Phänomen zum Tragen: Das Zuschlagen der Türen muss einen bestimmten Klang auslösen, das Interieur einen technisch-sauberen Duft verströmen und der Motor einen Klang entfachen, der andere das Fürchten lehrt. So die Sicht der Männer. Frauen hingegen halten von PS, Hubraum und technischer Ausstattung wenig. Hingegen stehen Sicherheit, Stil und Wohlbefinden im Fokus. Liebe Autoverkäufer, wenn ihr Frauen ein Auto verkaufen wollt, lasst eure überpotenten Pferdestärken im Stall und geht mehr aufs Interieur ein und zeigt, in welchen Farben und Mustern es die schicke Karre sonst noch gibt und warum es gerade für die Familie gut ist.

Hans-Georg Häusel: «Brain View – Warum Kunden kaufen»

Hans-Georg Häusel: «Brain View – Warum Kunden kaufen»

Buchtipp «Brain View»

Das Neuromarketing ist nicht der heilige Gral der Werbekunst. Dennoch zeigt es hilfreiche Einsichten in Psyche und Verhalten von Konsumenten und Konsumentinnen: Wir hassen zwar Werbebotschaften, lassen uns aber dennoch von ihnen unbewusst leiten. Für Werbetreibende ist das ein Vorteil. Um diesen Vorteil auch nutzen zu können und die Konsumenten nicht zu vergraulen, ist es empfehlenswert, sich noch intensiver mit dem Denken, Fühlen und Handeln von Menschen auseinanderzusetzen, ehe ein Produkt oder eine Dienstleistung auf den Markt geschleudert wird.

Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen eine Sommerlektüre, die sich so liest, wie ein geschmeidiger Rosé Ihren Gaumen umschmeichelt – leicht, locker und lustvoll: «Brain View – Warum Kunden kaufen» von Hans-Georg Häusel.

Ihr TRANSLATION-PROBST Team

Wort der Woche «Trend(s)»

18. Juli 2016

Ob Mode, Werbung oder Digitalisierung – alles ist irgendwann irgendwelchen Trends unterworfen. Manche Menschen und Unternehmen setzen Trends, andere hecheln ihnen hinterher. Doch was hat es mit den Trends so auf sich? Und welche Trends erwarten uns künftig? Diesen und anderen Fragen gehen wir auf den Grund – in unserem Wort der Woche.

Über Trends und Sommerlöcher – unser Wort der Woche.

Über Trends und Sommerlöcher – unser Wort der Woche.

Das Wort «Trend» haben wir aus dem Englischen übernommen, nachdem es vom mittelhochdeutschen «trendeln» (= kreiseln, nach unten rollen) über den Ärmelkanal gekullert ist. Heute umschreiben wir mit Trends keine kreisförmigen Bewegungen mehr, sondern Entwicklungstendenzen – von Börsentrends über meteorologische Trends bis hin zu Zukunftstrends.

Schick bis in den Tod

Trends sind längst vorbei, sobald jeder im Bullshit-Bingo mitmacht: Da flattern einem gerne mal Begriffe wie trendig, brandaktuell oder hochmodern um die Ohren, nur um gezeigt zu bekommen, wie «up to date» etwas ist – natürlich in «Top-Qualität» und so schick, dass einen die Todessehnsucht ereilt, will man als todschick gelten. Allein schon, wenn ich das Adjektiv «brandaktuell» höre, überzieht eine Eiseskälte meine Hirnmasse, als hätte ich eine Glacé zu schnell verspachtelt: Kann denn etwas aktueller sein als die Gegenwart – also so aktuell, dass ein Inferno droht? Oder was bitteschön kann neuer sein als modern? Hochmodern? Vielmehr modert es bei manch einem hoch oben im grauen Stübchen, wenn er es nötig hat, die eigenen Lungen mit unnötigen «Buzzwords» aufzublähen. Richtige Trendsetter reden nämlich nicht darüber, sondern sie tun es und machen unsere Welt bequemer, schöner, interessanter. Aber bloss nicht todschick.

Ein paar Trends zum Sommerloch

Ein Trend, der jahrzehntelang anhält, ist das ominöse Sommerloch: In den Betrieben herrschen Betriebsferien, der Bademeister fällt fast von seinem Aufsichtsstuhl, und die Zeitungen haben keine Geschichten, die sie breittreten können, es sei denn irgendein «Grüsel» treibt sich wieder durch den Blick-Blätterwald. Darum haben wir uns nach ein paar Trends umgesehen, denen wir unsere nächsten Blogs widmen werden. Unter anderem tauchen wir ins Thema «Cognitive Computing» ein und schauen lernfähigen Computern in die Röhre. Dabei erörtern wir die Frage, ob sich dank künstlicher Intelligenz bald alle Texter und Übersetzer ins ewige Sommerloch verabschieden werden.

Ausserdem blicken wir den Konsumenten in den Kopf und finden heraus, was es mit dem Neuromarketing auf sich hat, wozu es taugt und ob wir dann endlich wissen, was Kunden wirklich wollen, oder ob wir die Werbung weiterhin durchs Dorf treiben. Zu guter Letzt machen wir einen Abstecher ins Reich des «Internets der Dinge», kurz «IoT» genannt. Und da treffen wir nicht nur auf einen intelligenten Kühlschrank, der die Glacé so herunterkühlt, dass Sie keinen Hirnfrost erleiden, sondern auch auf klitzekleine Computer, die uns vielleicht bald mitteilen können, wann wir präventiv eine Kopfschmerztablette einwerfen sollten.

Natürlich ist unsere Blogserie zu den Trends nicht abschliessend – so gross ist das Sommerloch nun auch wieder nicht. Und über Mode- und Lifestyle-Trends werden Sie ja kompetent von Frau Wintour und Herrn Lagerfeld informiert. Bei Börsentrends ist es ähnlich wie beim Wetter: Da können Sie sich gleich auf einen Ameisenhaufen setzen, um eine zuverlässige Prognose zu machen. Es kommt, wie es kommt. Und egal ob Sie Ihr Sommerloch nun in Haute Couture hüllen oder in Flipflops Ihre Aktienkurse studieren – wir wünschen Ihnen mit unserer Blogserie zu den Zukunftstrends ein erheiterndes Zwischenhoch. Denn laut Trendforschern soll in Kürze das Januarloch folgen … Und schon wieder dieser Hirnfrost.

Ihr Team von der TRANSLATION-PROBST AG

Wort der Woche «Olympia»

11. Juli 2016

166 teilnehmende Länder, mindestens so viele Sprachen und eine lange Tradition – das sind die Olympischen Spiele, die anfangs August trotz ewiger Diskussionen um Doping, Zika und Armut in Rio de Janeiro stattfinden. Bevor die Massenmedien nun wieder das Weltgeschehen zugunsten des sportlichen Grossanlasses zu ignorieren versuchen, nutzen wir die Gelegenheit, Interessantes und Kurioses zur «Olympiade» zu berichten.

Rio ruft, und Athleten aus 166 Nationen kommen – die TPAG macht Sie fit.

Rio ruft, und Athleten aus 166 Nationen kommen – die TPAG macht Sie fit für Olympia.

Der Begriff «Olympiade» bezeichnet eigentlich den Zeitraum von vier Jahren, der zwischen den jeweiligen Olympischen Spielen liegt, nicht die Spiele selbst. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich dieser falsche Ausdruck aber längst etabliert. Auch wird in den Zeitungen «Olympionike» meist synonym mit Olympiateilnehmer verwendet. Etymologisch betrachtet ist dies Nonsens, setzt sich das Wort doch aus «Olympischen Spielen» und «Sieg» zusammen und bezeichnet damit einzig den «Olympiasieger».
Seit den Spielen 1964 in Tokio leisten die Athletinnen und Athleten ein Gelöbnis, das da lautet: «Im Namen aller Teilnehmer verspreche ich, dass wir uns bei den Olympischen Spielen als loyale Wettkämpfer erweisen, ihre Regeln achten und teilnehmen im ritterlichen Geist zum Ruhme des Sports und zur Ehre unserer Mannschaften.» Es scheint aber seit Längerem, dass sich bei der Übersetzung ins Russische Fehler eingeschlichen haben. So soll Russland als Nation dieses Jahr vom Turnier ausgeschlossen werden, sollten die Verantwortlichen die staatlich verordneten Dopingmittel-Abgaben nicht geschickter zu vertuschen vermögen.

Früher war alles besser

In der Antike gab es einige kleine Auflagen, die die Athleten erfüllen mussten, um an den Spielen teilnehmen zu dürfen. Zuallererst musste man Grieche sein und unbescholten – und dann männlich. Frauen waren sowohl als Athletinnen wie auch als Zuschauerinnen von den Spielen ausgeschlossen. Die Ausnahme bildeten unverheiratete Mädchen (etwas Ansporn schadete wohl auch den jungen Griechen nicht). Überhaupt durften Frauen erst 1928 erstmals bei den Spielen in Amsterdam an Leichtathletikwettbewerben teilnehmen – aber nur in den fünf Disziplinen Hochsprung, Diskuswerfen, 100-Meter-Sprint, 800-Meter-Lauf und 4×100-Meter-Staffel. Alle anderen Wettbewerbe wurden als «unweiblich» oder «zu anstrengend» erachtet. Nachvollziehbar wird dies, wenn man bedenkt, dass die Schwimmwettbewerbe 1896 in Athen noch im offenen Meer bei 13 Grad Wassertemperatur abgehalten wurden. Immerhin gab es schon damals allerhand zu gewinnen: Der Sieger bekam eine Silbermedaille und einen Olivenzweig, der Zweitplatzierte eine Bronzemedaille und einen Lorbeerzweig, doch der Dritte ging leer aus. Gold wurde erstmals bei den Spielen 1908 in London verliehen, pardon, in die Hand gedrückt. Erst seit 1960 werden die Medaillen den Gewinnern medienwirksam am Band umgehängt (Fernsehübertragungen gibt es schon seit 1948).

Skurriles und Kurioses

Nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern auch bizarre Momente fanden zahlreich ihren Weg in die Geschichtsbücher. So soll 1908 der britische Läufer Wyndham Halswelle beim 400-Meter-Lauf die Goldmedaille ganz ohne Rivalen gewonnen haben – er trat im finalen Lauf gegen drei Amerikaner an, die unfairerweise die Ellenbogen einsetzten und ihn ins Straucheln brachten. In der Folge wurde ein Gegner disqualifiziert, und die anderen zwei wollten aus Protest nicht starten. Da lief Halswelle kurzerhand allein.
Es heisst, der US-Amerikaner Fred Lorz habe 1904 in St. Louis den Marathon mit auffallend grossem Vorsprung gewonnen. Er hatte die Strecke zwischen Kilometer 14 und Kilometer 34 mit dem Auto zurückgelegt.
Des Weiteren wurde der Schwede Ingemar Johansson im Finale des Boxwettbewerbs 1952 in Helsinki in der zweiten Runde wegen «Feigheit» disqualifiziert – seine Silbermedaille wurde ihm erst 1981 nachträglich zugesprochen.
Und schliesslich die Geschichte der britischen Judokämpferin Debbie Allan: Nachdem ihr beim Wiegen mehr als 52 kg angezeigt wurden, schnitt sie sich die Haare und schwitzte drei Stunden lang. Da dies nicht half, zog sie sich nackt aus. Doch die Waage zeigte noch immer 50 Gramm zu viel an – somit war für die Athletin Olympia vorbei.

Vergessene Sportarten

Regelmässig überprüft das Olympische Komitee die Wettbewerbe, adelt gewisse Sportarten als olympisch und entlässt andere aus dem Programm. So wurden beispielsweise Fassspringen 1904 und Seilklettern 1932 letztmals ausgetragen. Turniere in Lacrosse, einer Ballsportart, die im angelsächsischen Raum äusserst populär ist, wurden einzig an den Olympischen Spielen von 1904 und 1908 ausgefochten.
Zwischen 1912 und 1948 wurden auch Medaillen in sogenannten Kunstwettbewerben vergeben. Zu diesen gehörten Disziplinen wie «Architektonische Entwürfe», «Zeichnungen und Aquarelle», «Lyrische Werke» und «Musik».
Ich stelle mir vor, wie amüsant es wäre, diese Disziplinen mit Leichtathletik zu verbinden – verschwitzte Läufer malen mit zitternder Hand die zartesten Aquarelle. Gewichtheber, Athleten wie Baumstämme, interpretieren mit sonoren Stimmen luftige Arien. Vielleicht aber bleibt jeder besser bei seiner Disziplin: Die Sportler treiben Sport, die Texter schreiben Spott. Und alle vertrauen darauf, dass die besten Übersetzer ihre Leistungen treffsicher in alle Welt verbreiten.

Wort der Woche «Tourismus»

4. Juli 2016

Wussten Sie, dass der Begriff «Tourismus» erst seit den 1980er Jahren offiziell im deutschsprachigen Gebrauch ist? Vorher hiess der Ausdruck noch Fremdenverkehr, bei dem immer eine leichte Fremdenfeindlichkeit mitschwang. Um die Gäste aus dem Ausland nicht zu vergraulen, stellte der deutsche Sprachraum auf Tourismus um – unser Wort der Woche.

Von Massen- bis Ökotourismus – zu welcher Touristengattung gehören Sie?

Von Massen- bis Ökotourismus – zu welcher Touristengattung gehören Sie?

Bald sind Sommerferien, bald zieht es wieder Millionen von Menschen in den Süden. Und jedes Jahr aufs Neue bescheren Reiselustige der Tourismusbranche weltweit einen Umsatz von über 620 Mrd. US-Dollar und sind somit unbewusst Arbeitgeber für rund 100 Mio. Menschen. Damit die Touristen auch fassbar werden, hat die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) eigens dafür eine Definition kreiert:

«Touristen sind Personen, die zu Orten ausserhalb ihres gewöhnlichen Umfeldes reisen und sich dort für nicht mehr als ein Jahr aufhalten aus Freizeit- oder geschäftlichen Motiven, die nicht mit der Ausübung einer bezahlten Aktivität am besuchten Ort verbunden sind.»

Doch Tourist ist nicht gleich Tourist, wie ein näherer Blick in die Touristengattungen zeigt.

Touristen und ihre Untergattungen
Fast schon wie in der Tierwelt gibt es für die Gattung «Tourist» verschiedene Untergattungen. Da ist zum Beispiel der altbekannte mallorquinische Massentourist, der seinen Urlaub all inclusive zelebriert: Dabei okkupiert er jede Sonnenliege, schon bevor der Hahn kräht, und stürmt das Hotelbuffet, als gäbe es keinen Morgen mehr. Oder das gegenteilige Pendant dazu – der Individualtourist, der als Globetrotter noch unentdeckte Flecken der Erde aufspürt und sie in seinem persönlichen Blog mit konfuzianischen Zitaten gekonnt in Szene setzt.

Dazwischen gibt es die Kultur- und Bildungstouristen, die alle Museen und Sehenswürdigkeiten unsicher machen und sich jeweils im Hotel händeringend mit Ausflugstipps und Prospekten eindecken – denn die Zeit ist knapp, und es gibt noch so viel zu sehen. Eine noch nicht allzu alte Gattung sind die aktiven Sport- und Naturtouristen, die es mit jedem Berg aufnehmen, als würden sie gegen Tyson kämpfen. Zu den neueren Touristen-Gattungen zählen die Öko- und Agrotouristen, die gerne im Stroh schlafen, Weintrauben stampfen oder ihren selbst gemachten Ziegenkäse ihren Freunden zum Apéro reichen.


Turbulenzen am Tourismushimmel
Die Sonne scheint längst nicht mehr am Tourismushimmel: Die Branche sieht sich seit ein paar Jahren starken Turbulenzen ausgesetzt. Das Internet hat die Branche massgeblich verändert: Reisende suchen und buchen online, umgehen die Reisebüros und seit Neuestem auch die Hotels – dank Couchsurfing-Plattformen. Hinzu kommen Bewertungsplattformen, auf denen Touristen den «Credibility Gap»* zwischen inszenierter Hotel-Homepage und dem realen Ferienerlebnis gnadenlos enthüllen.

Neben dem neuen Buchungsverhalten über die Onlineportale spielen auch Währungsschwankungen eine grosse Rolle, wie das wegen der Frankenstärke in der Schweiz der Fall ist. Aber auch Streiks, Naturkatastrophen oder Gewaltkonflikte bringen die Branche ins Wanken. Und nicht zuletzt das Überangebot des ewig Gleichen: Die Gastronomie- und Hotelbetriebe sind sich in Angebot und Service zu ähnlich, was die ohnehin schon dünnen Margen zwangsläufig auffrisst.

*Glaubwürdigkeitslücke zwischen der Selbstdarstellung der Anbieter und der subjektiven Wahrnehmung der Touristen

Mögliche Trends
Die jetzige Form des Tourismus befindet sich in einem Strukturwandel: Couchsurfing, Vermietung von privaten Wohnungen und Häusern oder günstige Mitfahrgelegenheiten auf kürzeren Strecken haben Zukunft – Airbnb und Uber lassen grüssen. Dies wiederum bedeutet, dass die Hotel-, Gastronomie- und Transportbetriebe samt Anbietern von Sehenswürdigkeiten viel enger zusammenarbeiten und kombinierbare Pakete anbieten müssen, damit die Gäste mit einer Buchung gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen können.

Ein weiterer Trend liegt im sanften und naturnahen Tourismus, der weg von den überbelegten Stränden hin in Naturreservate führt und das Lokale betont, wo sich Touristen und Ansässige vermehrt austauschen und gegenseitig kennenlernen können. Auch die Bedeutung von Gesundheit und Erholung wird zunehmen, da es immer mehr Menschen gibt, die im Urlaub Energie tanken wollen und teils aus gesundheitlichen Gründen sogar müssen.

Eine verwegene, aber eventuell demnächst mögliche Tourismusvariante liegt im Weltraum verborgen: Projekte wie das SpaceShipTwo werden derzeit getestet und entwickelt, sodass es einen Weltraumflug bald für ein Schnäppchen von EUR 150‘000.– zu erstehen gibt.

Wir wünschen Ihnen sternenklare Nächte und sonnige Ferientage – egal, welcher Touristengattung Sie angehören. Erholen Sie sich gut und kommen Sie wieder munter zurück.

Ihr Team der TRANSLATION-PROBST AG.