Wort der Woche «KMU»

99 Prozent aller Schweizer Unternehmen sind KMU – insgesamt 561‘619 Firmen. Zwei Drittel aller Beschäftigten arbeiten in einem KMU, im Schnitt sind es fünf Personen pro KMU, schweizweit fast drei Millionen Menschen. Interessante Zahlen und Fakten des Bundesamts für Statistik – deshalb widmen wir unser Wort der Woche den KMU.

Wort der Woche «KMU»

Mehr KMU statt Wallstreet

In den Wirtschaftsnachrichten hören wir regelmässig von Rekordumsätzen und Milliardengewinnen der Multis, staunen über manch einen Bonus-Exzess und ärgern uns, wenn eine Grossbank wieder mit Steuergeldern gerettet wird. Ganz im Versteckten dagegen, fast schon in Heinzelmännchen-Manier, agieren die vielen KMU, die es ebenfalls mal verdient hätten, erwähnt zu werden. Darum nun eine Hymne auf all die kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz und darauf, warum sie neben den Grosskonzernen sowohl für unsere Wirtschaft als auch für unsere Steuergemeinden wichtig sind.

Patron vs. Profitgier

KMU sind häufig inhabergeführt und verfolgen eine Strategie des langfristigen Unternehmenserfolgs, weil ihre eigene Existenz davon abhängt. Bei Konzernen und Grossbanken ist diese Eigenschaft zunehmend verloren gegangen – nicht zuletzt wegen ihrer Grösse und der fehlenden internen Kontrolle: Zu häufig sind die Manageretagen von kurzfristiger Profitgier getrieben, ja fast schon von ihr infiziert. Und glaubt man Suchtforschern, spielen sich im Gehirn von Spekulanten dieselben Mechanismen ab wie bei Heroin- oder Spielsüchtigen, was früher oder später zu irrationalen Handlungen führt – wie bei der Finanzkrise vor acht Jahren.

Gut, an der Wallstreet ist neben faulen Krediten auch viel Koks im Spiel, was das Ganze noch stärker als Beinahe-Suchtkrankheit wirken lässt. In Zukunft käme es die Weltwirtschaft vermutlich um einiges günstiger, ihre Manageretagen regelmässig in Entzugskliniken zu schicken. Das würde zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, weniger Wirtschaftsblasen produzieren, und so wären auch keine Rettungsschirme nötig. Aber zum Glück gibt es da noch den Patron und die Familienunternehmerin, die mit ihren Angestellten und Kunden sorgsamer umgehen, weil sie sich keinen goldenen Fallschirm besorgen können, sollten sie ihr Unternehmen mit voller Wucht gegen die Wand fahren.

Lokale und regionale Stütze

Steuergünstige Gemeinden ziehen in erster Linie grosse Unternehmen aus dem Ausland an. Nicht wegen der Infrastruktur oder der hoch qualifizierten Mitarbeiter, wie häufig behauptet wird. Es geht eher um den Stutz, der nach Panama und Co. verschifft wird, als um die lokale oder regionale Stütze. Die KMU dagegen sind auch in steuerteuren Gemeinden ansässig, weil sie mit der Region verwurzelt sind und dort ebenfalls Aufträge vergeben sowie Personal beschäftigen, das wiederum Einkommenssteuern bezahlt.

Im Übrigen bezahlen Unternehmen in der Schweiz generell wenig bis gar keine Unternehmenssteuern, wie ein Artikel der NZZ zeigt. Steueroasen-Befürworter würden an dieser Stelle einwenden, dass grosse wie kleine Firmen Arbeitsplätze schaffen, aus denen dann die interessanteren Steuererlöse aus der Einkommenssteuer hervorgehen. Oder sie investieren in die Infrastruktur, was uns allen auch zugutekommt. Doch Grossunternehmen sind in Sachen Steueroptimierung ziemlich launisch: Sie können zwar viele Arbeitsplätze in kurzer Zeit schaffen, doch vernichten sie diese noch rascher, wenn sie ihren Sitz verlagern oder Produktionen ins Ausland verlegen. KMU hingegen haben diese Möglichkeit oft nicht, was der Schweizer Volkswirtschaft mehr Stabilität verleiht, als wenn ein Big Player von der einen zur anderen Oase hüpft.

Persönlicher und familiärer

Für Arbeitnehmende können KMU sogar die interessanteren Arbeitsstellen bieten, weil man in einem KMU nicht nur ein kleines Rädchen im Getriebe eines Grossunternehmens ist, sondern auch Schlüsselpositionen besetzt und sich mit zunehmender Beschäftigungsdauer ein spezifisches Firmen- und Fachwissen aneignet, auf das ein KMU nicht verzichten will bzw. kann. So kommt das KMU in Sachen Weiterbildung oder Gratifikationen den Beschäftigten eher entgegen. Nicht, dass es das in Grossunternehmen nicht gibt. Doch oft ist ein Mitarbeiter dort bloss ein Nümmerchen. Auch ist die Arbeitsatmosphäre in KMU persönlicher und familiärer. Davon profitieren auch Kunden, weil sich die Mitarbeitenden eher mit einem KMU als mit einem Konzern identifizieren können und mit Kunden so umgehen, als wären es die eigenen.

Ein Hoch also auf die KMU. Ein Hoch aber auch auf alle Unternehmen, die mehr auf den langfristigen Erfolg fürs Gemeinwohl setzen als auf die Profitmanie einzelner Schlips- und Koksabteilungen – das bringt uns allen mehr, nicht nur dem einen Prozent mit dem 90%igen Gesamtvermögen der Welt.

Ihr Team der TRANSLATION-PROBST AG

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