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Keyword: ‘arbeit der zukunft’

Wort der Woche «Arbeit 4.0»

21. November 2016

Am Anfang sassen wir als Affen auf den Bäumen, dann kam der Homo erectus, woraus sich der Homo sapiens samt Zusatzfeature sapiens entwickelte. Und heute? Die aktuell erhältliche Version des modernen Menschen scheint erneut ein Auslaufmodell zu werden (wie so manches Smartphone): Algorithmen, Bots und Chips vernetzen sich immer mehr mit seiner Biomasse, was auch zu einer neuen Form der menschlichen Arbeit führt: der Arbeit 4.0 – unser Wort der Woche.

Arbeit der Zukunft – TRANSLATION-PROBST AG

Bringt die digitale Revolution Krieg oder Frieden?

Die US-Wahlen haben es gezeigt: Die Welt steht vor dem nächsten (R)evolutionsschritt. Das Auslaufmodell der Arbeiterklasse hat Angst davor, ausrangiert zu werden. Denn mit der klassischen Arbeit lässt sich nicht mehr wie in den 1950er und 1960er Jahren so viel Geld verdienen, dass ein Einfamilienhäuschen mit allem Drum und Dran zu finanzieren ist – trotz des Niedrigzinses. Während Kapital- und ICT-Firmen eine Hochblüte erleben, geht es der Mittel- und Unterschicht zunehmend schlechter. Darum werfen wir einen Blick auf die Chancen und Risiken der Arbeit 4.0.

Lohndumping und Praktika

Der Wert und die Bedeutung der menschlichen Arbeit haben in den vergangenen zehn Jahren stark abgenommen. Immer mehr Tätigkeiten sind der Automatisierung zum Opfer gefallen; ebenso sind die Ansprüche von Arbeitgebern an akademische Qualifikationen gestiegen – nicht zuletzt dank der Bologna-Reform, die mittlerweile zu einer Vervierfachung der Hochschulabsolventen geführt hat. Ob das allerdings für die Wirtschaft sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln: Gerade Länder ohne duales Bildungssystem wie Spanien, Portugal oder die USA zeigen, wie schwer es die Jungen haben, eine Stelle zu finden: Ein Philologe kann nun mal kein Parkett verlegen. Und ob ein Krankenpfleger mit einem Mastertitel mehr Zeit für die Pflege von kranken oder alten Menschen hat, ist ebenfalls zweifelhaft.

Während früher das Handwerk oder eine Weiterbildung auf Fachausweis- oder FH-Niveau für ein einträgliches Einkommen ausreichten, werden heute bereits für den Berufseinstieg Mastertitel verlangt – und das zu einem Praktikumslohn. Diese Praktikumswut der Unternehmen ist nichts anderes als ein verschleiertes Lohndumping und eine Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeitnehmer, nur um die Rendite auf das Investmentkapital zu steigern.

Algorithmen machen uns arbeitslos

Ok, das mag nun gar dramatisch klingen. Trotzdem bringen die fortschreitende Automatisierung, Digitalisierung und Vernetzung der Dinge immer mehr Arbeitsplätze in Gefahr: Laut einer Studie des deutschen Arbeitsministeriums werden in den nächsten zwanzig Jahren zwölf Prozent der Arbeitsplätze wegen der Automatisierung verschwinden – angefangen vom Taxifahrer, den das selbst fahrende Auto ersetzt, über den Postboten, der neu als Hightech-Drohne daherfliegt, bis hin zum Viehbauern, der sich einem 3D-Fleischdrucker geschlagen geben muss.

Was bei letzterem Beispiel einen Segen für alle Masttiere bedeutet, klingt im ersten Augenblick ziemlich bedrohlich für den Homo faber bzw. laborans: Glaubt man der Zeitung Die Welt, gehen Prognosen sogar davon aus, dass jeder zweite Job in Zukunft verloren geht. Doch es gibt auch Lichtblicke: Dank der Vernetzung und permanenten Erreichbarkeit werden unsere Arbeitszeiten nicht mehr auf die acht Stunden täglich verteilt sein, sondern über die ganze Woche anfallen, was gerade für Teilzeitarbeitskräfte und Familien nützlich sein könnte, da keine fixen Arbeitszeiten mehr nötig sind. Dies würde die Volkswirtschaft zusätzlich entlasten, weil sich damit der Pendlerverkehr samt Staus reduzieren würde.

 

Grundeinkommen und Umschulung zwingend notwendig

Alle Arbeiten, die neu Computer übernehmen, machen die klassischen Produktionsfachleute überflüssig. Damit diese künftig nicht um ihre Existenz bangen müssen, werden wir unser derzeitiges Einkommensverständnis überdenken müssen. Das Kapital weniger Menschen scheint exponentiell zu wachsen, während die Einkommen der Mittel- und Unterschicht immer kleiner werden – sei es durch den Wegfall von Jobs, die Zunahme von Start-up-Milliardären aus der ICT oder der grossen Masse im Niedriglohnsektor wie dem Einzel- und Detailhandel, Backoffice oder der Landwirtschaft, die vermehrt durch Self-Scanning, Software oder Roboter ersetzt wird. Neben dem bedingungslosen Grundeinkommen, das derzeit in Finnland einen Pilotversuch erlebt, wird es eine staatlich geförderte Umschulung brauchen, um die Mittel- und Unterschicht vor der totalen Armut zu bewahren.

Achtung, Revolutionsgefahr!

Die künstliche Intelligenz wird uns in vielen Belangen das Leben erleichtern – ob beim Einkaufen, beim Haushalten oder Produzieren und Vertreiben von Gütern. Unsere Arbeit wird sich mehr Richtung Kreativität bewegen und damit weg von der mühseligen Pflicht hin zur lustvollen Hingabe: Wir werden künftig vermehrt unsere Leidenschaften und Talente gewinnbringend einsetzen können. Dies erfordert allerdings neue Finanzierungsmethoden, da Arbeit künftig nicht immer ein Einkommen generiert – ausser in den hochbezahlten ICT-Bereichen, der Forschung oder Unternehmensführung.

Damit der grosse Rest nicht leer ausgeht und damit die digitale Revolution nicht auch noch eine moderne Wiederholung von 1789 samt Köpferollen der Oberschicht auf sich folgen lässt, sind Ideen der Einkommensverteilung zu prüfen – sei es mit dem Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens oder der Besteuerung der Leistung von Maschinen, die ja schliesslich die Arbeit für uns machen, aber gleichzeitig auch unser Einkommen wegsparen. Modelle und Denkansätze gibt es viele. Es bleibt die Hoffnung, dass wir uns dessen bewusst sind und alle auf eine faire Art und Weise von der digitalen Revolution profitieren können und nicht nur die Investoren, Aktionäre und Konzernführungen.

Wie stehen Sie zur digitalen Revolution? Macht Ihnen die Arbeit 4.0 Angst? Teilen Sie uns Ihre Meinung oder auch Ihre Lösungsansätze mit!

Nie wieder Sprachen lernen – ein Ohrstöpsel macht’s möglich

1. Mai 2017

Mit Siri sprechen wir schon ziemlich erfolgreich. Doch wenn wir uns im Ausland mit fremdsprachigen Menschen unterhalten wollten, mussten wir bis anhin die jeweilige Sprache lernen. Das könnte bald der Vergangenheit angehören – dank des Ohrstöpsels aus dem Hause Waverly Labs, der ein Gespräch zwischen zwei Fremdsprachigen fast simultan übersetzt und begleitet. Willkommen im Zeitalter des maschinellen Lernens!

Fremdsprachen verstehen dank Ohrstöpseln von Waverly Labs

Nie wieder Sprachen lernen: Ein Ohrstöpsel übersetzt für Sie. Quelle: Waverly Labs

Bereits seit Jahrzehnten beschäftigt sich das Forschungsgebiet «Natural Language Processing» mit der Verarbeitung natürlicher Sprache. Das maschinelle Lernen ist eine bemerkenswerte Entwicklung daraus. Die bekannten Formen des maschinellen Lernens sind beispielsweise die optische Zeichenerkennung (OCR), die Übersetzung unterschiedlicher Sprachen, z. B. Skype-Funktion im Live Chat, oder die Spracherkennung à la Siri.


«Deep Learning» – wenn eine Maschine neuronal arbeitet
In Zukunft wird uns der Bereich des maschinellen Lernens am meisten beeinflussen. Das «Deep Learning» basiert auf einer Methode, die mit künstlichen neuronalen Netzen arbeitet. Diese sind auf mehrere Schichten aufgeteilt. Vorstellen kann man sich das wie einen Filter vom Groben zum Feinen – eine ähnliche Arbeitsweise, nach der auch unser Gehirn funktioniert. Dank immer besseren Hardware schreitet diese Technologie bereits rasant voran.
Im Sammelfeld der Artificial Intelligence «AI» unterscheiden Fachleute zwischen der starken und der schwachen künstlichen Intelligenz. Von einer starken AI sprechen sie, wenn die Maschine zu gleichem fähig ist wie auch der Mensch. Was Filmemacher momentan am meisten fasziniert, ist aber über die philosophische Ebene bisher nicht hinausgekommen. Die Fortschritte der schwachen AI finden wir dagegen, wie bereits oben erwähnt, in unseren alltäglichen Digitalgeräten.

Google und Skype arbeiten schon länger daran
Das grösste Update seit zehn Jahren hat Google mit seiner Übersetzungs-App umgesetzt, die ebenfalls auf eine neuronale Maschinenübersetzung zugreift und Texte jetzt flüssiger und verständlicher übersetzt. Kleinere Texte können bereits in über 100 Sprachen übersetzt werden. Die verbesserte Technologie schafft es gegenüber der früheren, komplette Sätze zu übersetzen, statt nur einzelner Wörter. Dabei suchen sich die neuronalen Algorithmen einen breiteren Kontext als Hilfe.

Skype verfügt über eine weitere interessante Umsetzung der maschinellen Übersetzung: Das Programm für Videotelefonie hat einen Echtzeitübersetzer in seine Software integriert, der inzwischen auch für Gespräche mit dem Handy oder über das Festnetz freigeschalten werden soll. Für die Videotelefonie gibt es dieses Feature bereits seit zwei Jahren, wenn auch nur für Windows. Vor dem Chat muss die gewünschte Sprachkombination eingestellt werden. Hier sind bis jetzt zirka zehn verschiedene Sprachen verfügbar, darunter die wichtigsten westlichen, aber auch Chinesisch, Arabisch und Russisch.

Ein Auslandsflirt mit dem Mann im Ohr
Für eine andere spannende Erfindung wird derzeit mittels Crowdfunding Geld gesammelt – es sind bereits gut vier Millionen Franken zusammengekommen. Die Erfindung soll einem zum Beispiel das Flirten im Ausland vereinfachen. Bei der Erfindung handelt es sich um einen Ohrstöpsel, den zwei Gesprächspartner jeweils tragen, während sie sich in unterschiedlichen Sprachen miteinander unterhalten. Der Ohrstöpsel übersetzt mit einer sehr geringen Zeitverzögerung. Nebst den kleinen Hörgeräten sind noch eine dazugehörige App sowie eine Internetverbindung nötig; An einer Offline-Version wird momentan noch gearbeitet. Komplett aufgeladene Akkus sollen bis zu vier Stunden halten und in der Aufbewahrungsbox, mit der die Geräte geliefert werden, ist eine zusätzliche Batterie als Strombackup eingebaut. Gesprochen wird dann in das eigene Smartphone. Im Standardangebot sind die wichtigsten westlichen Sprachen enthalten, weitere Sprachen sind gegen eine Extragebühr erhältlich. So sollen zukünftig unter anderem auch Türkisch, Griechisch, aber auch Hindi und Koreanisch verfügbar sein.
Trotz vielversprechender und interessanter Entwicklungen im Bereich der maschinellen Übersetzungen, ersetzen diese professionelle Übersetzer, Dolmetscher oder Texter aber nicht: Denn diese können ihren Fachwortschatz gezielt einsetzen, auf kulturelle oder regionale Besonderheiten eingehen oder – beim Dolmetschen – auch aus Mimik und Gestik die dahinterliegenden Emotionen lesen, um diese dann elegant in die Übersetzung zu integrieren.

Ihr Team der TRANSLATION-PROBST AG

Vom Wandel zum Handeln – ein Ausblick für 2017

9. Januar 2017

Für manch einen bedeutet der Jahreswechsel – neben dem Wiedereintritt ins Fitnessstudio – die Chance, durch eigenes Handeln einen Wandel herbeizuführen. Die Translation-Probst AG hat 2016 bereits einen Wandel vollzogen, weshalb sie nun zum Handeln übergeht. Im Ausblick für das Jahr 2017 zeigen wir Ihnen, was bei uns alles neu wird und auf welche Trends Sie in Zukunft achten sollten.

Die digitale Wandlung eines Übersetzungsbüros – TRANSLATION-PROBST AG

2017 als Jahr der Tatkraft – unser Blick in die Zukunft

Als Erstes verwandeln wir unseren Firmenblog in einen Themen- und Aktualitätenblog – als ergänzendes Medium zu unserer Unternehmenszeitung Translation-Post: Während früher das Wort der Woche den Blog prägte, setzen wir uns neu mit globalen und digitalen Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen auseinander, in denen Technologien, Sprachen und Übersetzungslösungen eine wichtige Rolle spielen. Die neue «E-Post» wird jeweils zweimal im Monat erscheinen – zunächst noch im bisherigen Kleid, ab dem Frühjahr dann in einem neuen Look.

Die Digitalisierung kommt – auch zu uns

Strategisch schreiten wir mit grossen Schritten Richtung Digitalisierung, was mit einem neuen Web- und Firmenauftritt verbunden ist. Aber nicht nur: Während sich unser Äusseres digital verändert, bauen wir intern an digitalen Sprachlösungen, die Ihnen in Zukunft Ihre internationale Kommunikation erleichtern werden. Mehr dazu erfahren Sie ebenfalls im Frühjahr/Sommer.

Im Zusammenhang mit dem Megatrend Digitalisierung nimmt der Mensch vermehrt die Rolle des Regisseurs und Ideengebers ein, während selbstlernende IT-Systeme lästige und komplexe Arbeiten in Windeseile erledigen. Ob Roboter, selbstfahrende Autos oder die Smartwatch, die Ihnen den Bewegungsmangel während der Festtage penibel aufzeigt, – all diese vernetzten und autonomen Helferlein bedingen eine Revolution unserer künftigen Arbeit und Bildung: weg vom Auswendiglernen und von repetitiven Arbeiten hin zum Kreieren, Programmieren und Erfinden.

Im Zuge unseres digitalen Umbaus werden wir uns intensiv mit Arbeits-, Bildungs- und Technologiethemen beschäftigen – die ersten Resultate dazu lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe der Translation-Post im Frühjahr, die alles um die Digitalisierung herum beleuchtet und dabei mit internen und externen Experten spricht.

Blick in die Zukunft

2017 wird für viele Unternehmen ein Jahr der technologischen Weichenstellung. Denn in Zukunft wird sich die Individualisierung der Gesellschaft weiterhin verstärken. Auf die Produkt-, Dienstleistungs- und Kommunikationsebene übertragen bedeutet dies einen Wandel vom Massen- zum selbst mitgestalteten Einzelprodukt sowie von der Massenwerbung hin zu individuellen Angeboten, die den Konsumenten aufgrund einer umfassenden Datenanalyse über die vernetzten Dinge direkt ausgespielt werden.

Die Mediabudgets werden sich ebenfalls Richtung Konsumenten bewegen, indem diese erst bestimmte Werbeangebote akzeptieren, wenn sie dafür eine Gegenleistung bekommen. Werbe- und Mediaagenturen werden sich auflösen und entweder auf der Unternehmensseite eingebettet oder direkt bei den Verbreitungsmedien angesiedelt sein. Sowohl Unternehmen als auch Verbreitungsmedien werden über eine Art «News und Content Creator» sämtliche Kommunikationsinhalte mehrsprachig über intelligente digitale Lösungen produzieren und verbreiten können. Und daran arbeiten auch wir.

Für 2017 wünschen wir Ihnen viel Mut, Tatendrang und Freude bei allem, was Sie tun und erreichen wollen.

Ihr Team der Translation-Probst AG

Wort der Woche «Familienrecht»

19. Dezember 2016

Bundesrätin und Justizministerin Simonetta Sommaruga sprach vor zehn Tagen mit dem Tagesanzeiger über das Familienrecht – unser Wort der Woche. Genauer über dessen Modernisierung bzw. die Anpassung an die gesellschaftlichen Verhältnisse. Das Familienrecht müsse laut Sommaruga die Realität abbilden. Dazu gehöre auch die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.

Alternative Familienmodelle sind längst keine Seltenheit mehr.

Ist die klassische Familie bedroht?

Ehe ich die «Ehe für alle» ergründe, werfe ich zuerst einen Blick auf den Begriff «Familienrecht». Was Recht ist, ist allen klar: Regeln, Verordnungen, Gesetze. Beim Begriff Familie jedoch scheinen sich die Geister in den Kommentarspalten des Tagis zu scheiden – wie übrigens jede zweite Ehe in der Schweiz, die derzeit exklusiv zwischen heterosexuellen Paaren geschlossen wird, aus deren Verbindung dann die neuzeitliche Definition der Familie – Vater, Mutter, Kind(er) – hervorgeht.

Familie – was ist das?

Entgegen der Meinung vieler Traditionalisten ist die Familie im modernen Kontext ein Konstrukt der Neuzeit, das es erst seit gut zweihundert Jahren gibt. Ursprünglich stammt das Wort Familie vom Lateinischen «famulus» bzw. «famula», was übersetzt «Hausdiener/Sklave» bzw. «Hausdienerin/Sklavin» bedeutet. Denn in der Antike war der «Pater familias» nicht etwa der biologische Miterzeuger der Kernfamilie, sondern der Gutsbesitzer, dem alle darin lebenden und arbeitenden Individuen sowie Sachen und Tiere gehörten, weil er die Herrschaft über das gesamte Gut innehatte.

Selbst im Mittelalter gab es den Begriff Familie im Alltagsgebrauch nicht. Vielmehr war damit ein Rahmenhaushalt gemeint, der wiederum selbst aus vielen unter- und übergeordneten Hausgemeinschaften bestand und damit ebenfalls eine Herrschaftsbezeichnung war und nicht das, was heute allgemein als Familie verstanden wird.

Mehr zur Begriffsgeschichte der Familie auf Wikipedia nachzulesen.

Besorgte Bürger

Weil das junge Konstrukt Familie der Meinung vieler besorgter Bürger nach zum Verschwinden verurteilt ist, wehren sie sich mit Händen und Füssen gegen die «Aufweichung der Familie» oder die «Zerstörung der Gesellschaft», die ihrer Ansicht nach anlässlich der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare samt der freien Adoption in Gang käme*. Sorgen, die gemäss einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Schwulenorganisation Pink Cross gar keine sind: 69 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer befürworten eine Ehe für alle.

* Partner gleichgeschlechtlicher Paare dürfen derzeit nur das leibliche Kind des Partners bzw. der Partnerin adoptieren, nicht aber ein gemeinsames Kind, das von der Adoptionsbehörde vermittelt wird, weil sie nur ihre Partnerschaft eintragen, aber nicht heiraten dürfen.

Dennoch möchte ich die Stimmen der besorgten Bürger aufgreifen und ihren Vorbehalten auf den Grund gehen: Da ist die These, dass die Familie geschützt werden müsse – mittels heterosexuellen Ehen, was das freie Adoptionsrecht ebenfalls einschliesst. Die Begründung: Kinder brauchen einen Vater und eine Mutter. Könnten folglich Schwule und Lesben wie heterosexuelle Paare heiraten und gemeinsam ein Kind adoptieren, würde das Kindswohl darunter leiden, weil dann ein gegengeschlechtlicher Elternteil fehlen würde.

«Die werden doch bloss selbst schwul»

Kinder von Schwulen werden auch schwul?

Auch Männer sind gute Eltern.

Manche gehen in ihren Befürchtungen so weit, dass Kinder in Regenbogenfamilien selbst schwul oder lesbisch «werden» könnten. Nun ja, dieses Argument kann ich beileibe widerlegen: Ich bin in einer heterosexuellen Familie aufgewachsen und trotzdem nicht heterosexuell «geworden», obschon ich zwei «Vorbilder» dazu hatte, die obendrein immer noch bilderbuchkonform verheiratet sind.

Warum?

Weil man(n) eben nicht schwul «wird», sondern es «ist». Und zwar von Geburt an. Daran können selbst die Umerziehungscamps diverser Freikirchen und politischer Gruppierungen nichts ändern, weil es nichts mit Erziehung zu tun hat. Das wäre so, als ob ich ein Camp für Braunäugige besuchen müsste, nur weil ich blaue Augen habe. Deswegen werden meine Augen noch lange nicht braun.

Betrachten wir darüber hinaus die Scheidungsquote des Bundesamtes für Statistik, hat sich diese seit den 1960er Jahren verdreifacht und mittlerweile bei jeder zweiten Ehe eingependelt. Analog dem Argumentarium der besorgten Bürger würde den Kindern selbst in der klassisch-bürgerlichen Ehe bzw. Familie der gegengeschlechtliche Elternpart ebenfalls fehlen.

Was also tun? Die «Ehe für alle» allen verbieten?

Wohl kaum. Aber den (bürgerlichen) Horizont erweitern: Das Kindswohl hängt am meisten davon ab, ob das Kind Liebe, Respekt und Fürsorge von Erwachsenen bekommt, und nicht davon, in welcher Geschlechts- oder Partnerschaftskonstellation seine Erzieher bzw. Erzeuger zueinander stehen. Zudem gibt es auch glückliche Kinder von alleinerziehenden Vätern und Müttern, nicht verheirateten Paaren oder aus Patchwork- und Regenbogenfamilien.

Vielmehr brauchen Kinder den Rückhalt ihres gesamten sozialen Umfelds: (Schwule) Göttis, Gotte, Oma, Opa, (lesbische) Tanten, Onkel, (bisexuelle) Cousins, Freunde, Lehrpersonen und Bezugspersonen in Vereinen – alle diese Personen haben Einfluss auf das Kindswohl und stützen die Kernfamilie, indem sie die Aufgaben und Pflichten der biologischen Erzeuger bzw. Erziehungsberechtigten auffangen – wie das unsere Ahnen seit der Steinzeit gemacht haben. Bis das Bürgertum kam …

Das bürgerliche Ideal der Kernfamilie scheint gerade aus Sicht der Kinder nicht zukunftsfähig zu sein, weil es in seinen engen Grenzen zur Überforderung der Elternteile führt und dem Kind Einfalt statt Vielfalt bietet, was wiederum der Zukunft des Kindes nicht zuträglich ist.

Darum freue ich mich als Götti in spe, einen wertvollen Beitrag zur Familie UND Gesellschaft zu leisten, indem ich meinem Göttimeitli oder -bub (ist noch geheim) vielseitige Erfahrungen bieten möchte. Und darauf, dass wir die Ehe künftig für alle öffnen, zumal ich meine eingetragene Partnerschaft gerne «upgraden» möchte, was nach Artikel 8, Absatz 1 der Bundesverfassung nur fair und (geltendes) «Recht» wäre – denn: «Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.»
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Liebsten besinnliche Festtage, beste Gesundheit und einen besonders gelungenen Start ins neue Jahr. Es leben die Familien! Egal, welcher aller Art.

Predrag Jurisic mit dem Team der bunten TRANSLATION-PROBST-Familie

Wort der Woche «Virtual Reality»

31. Oktober 2016

Diese Woche werfen wir einen Blick in die Zukunft bzw. in die virtuelle Realität: 2016 scheint nämlich das Jahr der Virtual Reality Technology zu sein. Was mit dieser Technologie alles möglich ist und wozu sie künftig nützlich sein kann, lesen Sie in unserem aktuellen Wort der Woche: Virtual Reality.

Virtual Technology – sitzen wir künftig zu Hause, während wir im virtuellen Büro arbeiten?

Virtual Technology – sitzen wir künftig zu Hause, während wir im virtuellen Büro arbeiten?

Die VR-Brillen erinnern im ersten Moment an die versiegelten Taucherbrillen aus «Wetten, dass …?» – fehlt nur noch Thomas Gottschalk mit seinen wilden Gestikulationen, um zu prüfen, ob die Brillenträger auch was sehen. Bei VR-Brillen eröffnen sich den Trägern in der Tat neue Welten, die neben visuellen Projektionen auch den Raum sowie die eigenen Bewegungen einbeziehen und damit das Gaming auf eine neue Stufe bringen.

 

Vom Spiel bis zum virtuellen Kaufhaus

Wegen der 360-Grad-Projektionen eignet sich die virtuelle Realität besonders für eingefleischte Gamer, die sich so mittendrin im Spiel, und nicht mehr vor dem PC oder der Konsole befinden. Doch die VR-Brillen könnten nicht nur die Welt der Gamer verändern, sondern auch die des Kinos und der Spielfilme: Mit der VR-Technologie könnte das Medium Film eine komplett neue Erfahrung bieten, an die eine Leinwand oder ein Fernsehgerät nie herankommen kann, weil die Distanz zwischen dem Medium und dem Publikum aufgelöst wird.

Ein weiteres Beispiel, wie die VR-Brillen das Einkaufsverhalten der Zukunft verändern könnten, liefert Cadillac mit seinem virtuellen Autohaus: Kaufinteressenten von Autos könnten so die neuesten Modelle von allen Seiten betrachten, ohne dabei das Wohnzimmer zu verlassen. Oder sie könnten in einem Onlineshop die Produkte in ihrer echten Grösse und Form betrachten, ehe sie sie bestellen.

Interessant wird es, wenn es um Ferien geht: Hätten Reisebüros schon VR-Brillen, könnten sie für die Urlaubsreifen alle Destinationen der Welt in Kürze erlebbar machen und müssten keine schweren Kataloge mehr drucken. Die Frage ist, ob die Urlaubsreifen sich dann nicht einfach ein 360-Grad-Video ihres nächsten Urlaubs auf ihre VR-Brille laden, ohne wirklich zu verreisen. Aus Umweltsicht wäre dies ein erheblicher Vorteil, denn der CO2-Ausstoss liesse sich so massiv reduzieren. Aber ob wir damit auch richtig glücklich werden, bleibt zweifelhaft.

 

Potenzial für die Medizinaltechnik

Anders dagegen könnte die VR-Technologie die Medizinaltechnik revolutionieren: «MindMaze», ein Spin-off der ETH Lausanne, hat hier schon die ersten grossen Schritte gemacht und Anwendungsmöglichkeiten entwickelt, die hirngeschädigten Patienten bei der Rehabilitation helfen können. Das Prinzip dahinter ist einfach: Nach einem Hirnschlag oder einer Hirnverletzung müssen die Patienten oft warten, bis sie mit der Rehabilitation beginnen können – sei es weil zu wenig Betreuungspersonal vorhanden ist, sei es weil sie schlicht körperlich nicht dazu in der Lage sind. Und hier kommt MindMaze ins Spiel: Dank der VR-Technologie können Patienten bereits im Bett mit ihrer Therapie beginnen, indem ihnen die VR-Software vorgaukelt, dass sie ihre Gliedmassen so bewegen können, als hätten sie gar keine Schädigung ihres Nervensystems erlitten. Offenbar lassen sich Hirnregionen schneller aktivieren und der Heilungsprozess deutlich verbessern. Zudem lassen sich die Fortschritte aus der Ferne überwachen, sodass Übungen individuell an die Patienten angepasst werden können.

Homeoffice und trotzdem präsent

Wenn wir die Gedanken der VR-Technologie weiterspinnen, so könnten wir volks- und betriebswirtschaftlich eine neue Dimension erreichen und uns unzählige Bürogebäude und Firmensitze sparen, Staus vermeiden und trotzdem im virtuellen Büro einander begegnen, Besprechungen führen oder Kunden empfangen, ohne die eigene Wohnung je verlassen zu müssen. Was wir dazu bräuchten, wäre nur ein zweites virtuelles Ich.

Damit könnte der Film «Surrogates» rasch Wirklichkeit werden: Schliesslich tüftelt die Menschheit nicht nur an der virtuellen Realität, sondern auch an Robotern, die mittlerweile in Aktion mit Menschen treten. Im Film «Surrogates» sind es eben diese humanoiden Roboter, die von ihrem echten Ich ferngesteuert werden, das währenddessen auf dem Sofa liegt.

Mark Zuckerberg spricht schon von «Virtual Reality als der sozialsten Plattform», die unsere Art, zu leben und zu interagieren, komplett verändern werde. Ob wir das wirklich wollen? Wir werden es sehen. Abgesehen von den Gaming-Nerds, die sich gerne von der realen Welt abkoppeln, weil ihnen das Soziale nicht so behagt, ist der Mensch an und für sich ein soziales Wesen, das nicht lange alleine sein kann. Fazit: Wie jede neue Errungenschaft wird auch die VR-Technologie am Anfang mit viel Getöse eingeläutet. Dennoch muss sie sich erst noch bewähren – schliesslich hat die AR-Technologie (=Augmented Reality, englisch für erweiterte Realität, die z. B. via Smartbrille möglich ist) bisher auch noch nicht den Durchbruch geschafft, obwohl sie seit Längerem besteht und als das nächste grosse Ding bezeichnet wurde.

Unsere Texte und Übersetzungen jedenfalls gibt es für Sie nach wie vor von Menschen aus Fleisch und Blut, die Emotionen und Inhalte authentisch transportieren können.

Ihr Team von der TRANSLATION-PROBST AG