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Archiv für die Kategorie ‘Redigieren’

Wort der Woche «Textum»

18. Januar 2016

Wissen Sie, was es für einen guten Marketing-Text braucht? Er muss die Aufmerksamkeit des Lesers wecken, Lust auf mehr machen und die gewünschte Handlung auslösen. Damit dies gelingt, muss er logisch aufgebaut sein, den Leser in seinen Bann ziehen und ihn elegant durch den Text führen. Wie das gelingt und was ein Text und ein Pullover gemeinsam haben, erklären wir Ihnen in unserem Wort der Woche.

Bei Texten ist der rote Faden des Pudels Kern.

Bei Texten ist der rote Faden des Pudels Kern.

Stricken fasziniert mich, weil man aus einem einzigen Faden verschiedenste Textilien wie Mützen oder eben Pullover herstellen kann. Man muss nur den Faden nach einem bestimmten Muster verweben, und schon ist das Werk vollbracht. Genauso ist es auch bei Texten. Auch sie unterliegen einer bestimmten Struktur, und die Sätze müssen miteinander verwoben werden, damit ein logischer Aufbau entsteht. Möglicherweise gehen deshalb sowohl das Wort «Textil» als auch «Text» auf den lateinischen Begriff «Textum» zurück, was «Gewebe» bedeutet.

Mit Konnektoren zur Logik
Genau wie beim Pullover hält auch bei Texten ein (roter) Faden das ganze Konstrukt zusammen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Kohärenz. Kohärenz bedeutet der inhaltliche Zusammenhalt in einem Text. Ist dieser nicht gegeben, wirkt der Text unlogisch und wird schlimmstenfalls missverstanden. Eine einfache Lösung, um dies zu vermeiden, ist die Verwendung von Konnektoren wie «obwohl», «sogar», «nämlich», «ohne dass» usw. Sie verknüpfen die Sätze auf logische Art und Weise miteinander. Ich gebe Ihnen ein Beispiel:

  • Weil ich viel Erfahrung habe, bekomme ich den Auftrag.
  • Wenn ich viel Erfahrung habe, bekomme ich den Auftrag.

Bei diesen Sätzen werden zwei unterschiedliche Konnektoren verwendet («weil» und «wenn»), und mit dem Konnektor verändert sich auch der Sinn des Satzes. Werden sie falsch verwendet, vermittelt ein Text nicht das, was der Schreiber intendiert hat. Dies ist nur einer von vielen Gründen, weshalb Texte professionell verfasst sein müssen.

Falls Sie Hilfe beim Texten brauchen oder Ihren eigenen Text gegenlesen lassen wollen, sind wir Ihnen gerne behilflich unter 0840 123 456 oder info@translation-probst.com.

Wort der Woche «Geschäftsberichte»

4. Januar 2016
Geschäftsberichte produzieren

Ein Geschäftsbericht ist mehr als eine Anhäufung von Kennzahlen.


Nach dem Geschäftsjahr ist vor dem Geschäftsbericht: Wer Geschäftsberichte schreibt, redigiert oder gestaltet, arbeitet derzeit auf Hochtouren. Beginnt doch mit dem Jahreswechsel die Zeit der Generalversammlungen und damit der Geschäftsberichte. Darum widmen wir unser Wort der Woche dem Geschäftsbericht.

Wer denkt, ein Geschäftsbericht sei eine Anhäufung von Kennzahlen mit ein paar netten Worten aus der Geschäftsleitung, hat sich verkalkuliert: Ein Geschäftsbericht informiert und unterhält, dient als Nachschlagewerk und Imageinstrument, verkörpert Unternehmenswerte und vermittelt Glaubwürdigkeit anhand von authentischen Unternehmensgeschichten. Geschäftsberichte betreffen nicht nur die Finanzkommunikation, sondern erreichen gleich mehrere Stakeholder. Darum müssen sie gezielt getextet und ansprechend gestaltet sein.

Für wen ist der Geschäftsbericht?
Einerseits figuriert ein Geschäftsbericht als juristisches Dokument und ist für juristische Personen wie Aktiengesellschaften, GmbHs oder Vereine und Stiftungen obligatorisch; andererseits fungiert er als vielseitiges Imageinstrument, das verschiedene Stakeholder anspricht und darüber informiert, wie ein Unternehmen auf dem Markt aufgestellt ist und welche Werte es vertritt.

Was beinhaltet ein Geschäftsbericht?
Zum Geschäftsbericht gehören der Jahresbericht, die Jahresrechnung sowie die Konzernrechnung (sofern es sich beim Unternehmen um einen Konzern handelt). Eine übersichtliche Checkliste zur Geschäftsberichtstruktur bietet die Steuerberatungskanzlei. Neben der Bilanz und Erfolgsrechnung sind die folgenden Inhalte relevant:

  • Ziele und Visionen des Unternehmens bezüglich neuer Produkte, Dienstleistungen sowie Mitarbeiter- und Umweltpolitik
  • Meilensteine des vergangenen Jahres
  • Geschichten aus dem Firmenalltag – von Mitarbeitenden, Lieferanten, Kunden und Partnern
  • Besondere Entwicklungen wie neue Produkte oder Patente, Auszeichnungen, Akquisitionen, Engagements oder Innovationen

Wie soll ein Geschäftsbericht aussehen?
Ein guter Inhalt erfordert auch eine gute Form. Darum ist ein Geschäftsbericht als Gesamtwerk zu betrachten, das über Zahlen und Tabellen hinausgeht. Die Gestaltung folgt dabei einer einheitlichen Linie und entspricht der Corporate Identity. Die Bildsprache vermittelt die Unternehmenswerte, während leserfreundliche Texte und Infografiken komplexe Geschäftszusammenhänge aufschlüsseln.

Wer sein Unternehmen als glaubwürdig und qualitätsbewusst darstellen möchte, achtet bei der Produktion des Geschäftsberichts auf alle Produktionskomponenten – von den korrekten Zahlen über zielführende Texte und Übersetzungen bis hin zum professionell gestalteten Druckerzeugnis. Bei Letzterem entscheiden Format, Papier und Druckverfahren darüber, ob jemand Ihren Geschäftsbericht (und damit Ihr Unternehmen) als hochwertig und innovativ einstuft oder nicht.

Auch beim Texten und Übersetzen eines Geschäftsberichts ist es dienlich, auf höchste Qualität zu setzen und die folgenden Elemente zu beachten:

  • Einwandfreie Orthografie, Grammatik und Interpunktion
  • Einhalten der Corporate Language und der damit verbundenen Firmen- bzw. Fachterminologie
  • Logische Textstruktur und Argumentation
  • Sprachliche Konsistenz trotz verschiedener Autoren innerhalb des Geschäftsberichts
  • Seriosität und zielgruppengerechte Tonalität

Brauchen auch Sie jemanden, der Ihren Geschäftsbericht präzis korrigiert oder redigiert? Dann sind wir Ihr Ansprechpartner: 0840 123 456/info@translation-probst.com.

Wort der Woche «Komma»

29. Juni 2015

Stehen Ihnen die Haare zu Berge, wenn Sie das Wort «Komma» nur schon hören? Oder finden Sie die Kommasetzung so überflüssig wie «Pro Bahn Schweiz» die neue Uniform der SBB? Nun, wir zeigen Ihnen, weshalb es sich doch lohnt, dem kleinen, aber feinen Satzzeichen Beachtung zu schenken.

Das Komma leitet sich vom Altgriechischen κόμμα ab und bedeutet so viel wie Einschnitt/Abschnitt. So ist es auch seine Aufgabe, bestimmte Elemente voneinander zu trennen, z. B. den Hauptsatz vom Nebensatz. Auch zwischen einzelnen Elementen einer Aufzählung darf ein Komma nicht fehlen. Ebenso bei Appositionen oder nachgestellten Wortgruppen greift ein Komma ein und trennt diese vom Rest des Satzes. Das Komma – ein rabiater Scheidungsanwalt? Keineswegs, denn das Komma bringt Struktur in diejenigen Sätze rein, die ohne dieses Satzzeichen häufig missverstanden würden. Schliesslich macht es einen gewaltigen Unterschied, ob Ihnen Ihr Kind per WhatsApp schreibt: «Komm, wir essen Papi!» oder «Komm, wir essen, Papi!».

Aber vorerst genug der Worte, testen Sie Ihr Kommawissen am besten gleich selbst: PDF

Das Komma ist aufgrund der vielen Spezialfällen das schwierigste aller Satzzeichen.

Das Komma ist aufgrund der vielen Spezialfälle das schwierigste aller Satzzeichen.

Ein Komma vor dem «und»?
Nicht jedes Komma drängt sich auf, manche sind auch freiwillig. Gewisse untrennbare Adverbien oder Konjunktionen schreien jedoch nach einem Komma, z. B. je … , desto; zum einen …, zum anderen; nicht nur …, sondern auch. Ausserdem gilt es hier, mit dem Mythos aufzuräumen, dass vor «und» nie ein Komma steht. Zwar ist seit der neuen Rechtschreibung eine ordentliche Anzahl an Regeln verschwunden, die vor «und» ein Komma verlangten. Es gibt aber immer noch den einen oder anderen Fall, wo ein Komma vor einem «und» ein Muss ist, wie Sie an folgendem Beispiel erkennen können: «Der Zug überfuhr eine Kuh, die auf den Schienen stand und entgleiste.» Nun, damit nicht die ohnehin schon arme Kuh nicht auch noch entgleist, muss hier vor dem «und» ein Komma gesetzt werden – es trennt den eingeschobenen Nebensatz ab.

Lesen mit dem «Holzwegeffekt»
Wie bereits erläutert, tragen Kommas immens zur Verständlichkeit geschriebener Texte bei, da bei diesen im Gegensatz zur gesprochenen Rede die Sprachmelodie und die Sprechpausen verloren gehen. Haben Sie schon einmal vom «Holzwegeffekt» gehört? So nennt man das Phänomen, wenn jemand beim Vorlesen bei einem sprachlichen Ausdruck mit mehreren Lesearten zuerst die falsche wählt und sich im weiteren Verlauf korrigiert, da er oder sie den Fehler aus dem Kontext erkannt hat. Ein Beispiel, das einen solchen Holzwegeffekt erzeugen kann: «Kurt las das Buch auf den Knien zu Ende.» bzw. «Kurt las, das Buch auf den Knien, zu Ende.» Während Kurt im ersten Satz das Buch bis ganz zum Schluss liest, beendet er im zweiten Satz einen Abschnitt, aber nicht zwingend das ganze Buch. Ob der Satz auch noch andere Interpretationen zulässt, wollen wir hier nicht weiter erörtern. Passen Sie ausserdem bei Adverbien am Satzanfang auf, da dort relativ häufig Kommafehler passieren.

Die Kommaregeln sind zwar nicht schwierig, sobald man sie einmal intus hat, da sie den Gesetzen der Grammatik und der Syntax entsprechen. Mit der neuen Rechtschreibung haben sie sich jedoch geändert, was vielen Leuten nach wie vor Probleme bereitet. Schauen Sie deshalb besser einmal zu viel im Duden nach, um auf Nummer sicher zu gehen. Denn: Gerade bei Bewerbungen oder Geschäftsbriefen zählt jedes Komma. Oder Sie lassen Ihren Text von uns korrigieren oder redigieren, um nicht nur sicher, sondern auch treffsicher zu sein.

Das Einmaleins für treffsichere Geschäftsberichte

15. Dezember 2014

Erst noch haben wir das Jahr 2014 eingeläutet, nun neigt es sich schon wieder dem Ende zu. Der Jahreswechsel ist auch die Zeit des Rückblicks. Wie sehen die Zahlen aus? Gibt es eine fette Weihnachtsgans zum Weihnachtsessen oder nur ein kleines Poulet-Minifilet? Die Zahlen werden nach den Festtagen in einem Geschäftsbericht festgehalten und kommentiert. Christoph ist Vizepräsident für Nachhaltigkeit und Kommunikation bei einem internationalen Konzern. Zudem bearbeitet er für die TRANSLATION-PROBST AG regelmässig Geschäftsberichte. Deshalb weiss er, worauf die Leser Wert legen und was beim Verfassen und Übersetzen wichtig ist.

Du hast bestimmt schon Dutzende von Geschäftsberichten gelesen. Was macht für Dich ein guter Geschäftsbericht aus?
Ein Geschäftsbericht ist sehr wichtig, da er die Firma als Ganzes betrachtet. Daher erfordert er eine klare Struktur und eine einfache Sprache, die sich am Leser bzw. an der Leserin orientiert. Zudem ist bei einer klaren Darstellung nicht nur die Gesamtstruktur gut ersichtlich, sondern auch die detaillierten Mikrostrukturen des Textes sind klar erkennbar. Einen solchen Text zu übersetzen oder zu korrigieren wird dann zu einem richtigen Genuss.

Bei einem Geschäftsbericht kommt es auf jedes Wort an.

Bei einem Geschäftsbericht kommt es auf jedes Wort an.

Was ist beim Texten und Übersetzen von Geschäftsberichten wichtig?
Hier geht es um die Frage der Äquivalenz. Wollen wir eine pragmatische Äquivalenz erreichen, d.h. wollen wir versuchen, die dem Text zugrundeliegende kommunikative Wirkkraft in die Übersetzung zu transportieren? Oder geht es uns eher darum, dass die Übersetzung sich sehr nah am Ausgangstext orientiert oder diesen sogar wo immer möglich wörtlich wiedergibt? Gerade Letzteres ist oft bei jenen Geschäftsberichten der Fall, die sich starr an Paragraphen oder Vorschriften orientieren. Am wichtigsten ist es, den Kontext des Berichts zu spüren. Geht es nur um eine «Matter-of-Fact»-Kommunikation? Wird eine Vision bzw. ein neuer Motivationshorizont kommuniziert? Eine ganz wichtige Frage ist auch: Was sagt der Text nicht? Welche kommunikativen oder narrativen Aspekte werden unterdrückt oder in den Hintergrund gerückt?

Welche besonderen Herausforderungen stellen sich bei der Übersetzung eines Geschäftsberichts?
Zuweilen kann die richtige buchhalterische Terminologie zu einer grossen Herausforderung werden. Ferner sind über mehrere Zeilen verteilte, verschachtelte Sätze Schnee von gestern, und trotzdem tauchen sie immer wieder auf. Wenn ein Bericht keine gute Struktur oder eine schlecht organisierte Sprache aufweist, wird es schwierig. Als Übersetzer oder Übersetzerin hat man die Pflicht, präzise zu arbeiten. Es gibt zwar keinen hippokratischen Eid für Übersetzer, jedoch hat jeder gute Übersetzer und jede gute Übersetzerin ein Pflichtgefühl, auch einem wenig organisierten Text eine verständliche Struktur abzuringen. Ein Geschäftsbericht will ja von seinem Zweck her Klarheit vermitteln, um den weiteren Verlauf des Unternehmens in die Kommunikation mit verschiedenen Stakeholdern einzubetten. Wenn der Autor dieses Ziel selbst nicht erreicht hat, wird es für den Übersetzer oder die Übersetzerin mühsam. Am besten ist es dann, sich wenigstens im Kopf vorzustellen, wie die Struktur eigentlich hätte sein können. Dies bringt einem manchmal selbst Klarheit, auch wenn es dem Text an sich nur ansatzweise hilft. Beispielsweise kann man dann in der Übersetzung eine sprachliche Kohärenz sicherstellen, die der Ausgangstext vielleicht nur lückenhaft verwirklichen konnte.

Auf was für sprachliche Komponenten (Stil, Tonalität usw.) achtest Du beim Text eines Geschäftsberichts?
Wie bereits angedeutet, ist für mich die Einfachheit wichtig. Nicht nur Top-Experten sollen einen Geschäftsbericht verstehen können, sondern alle Beteiligten und Interessierten. Ein gutes Kriterium ist z. B. die Frage: Ist der Text klar und einfach genug, dass ein Student oder eine Studentin des jeweiligen Wirtschaftssektors diesen Text gut verstehen und dann das «Executive Summary» verfassen könnte? Wenn nicht, sollte er vereinfacht werden.

Neben der sachlichen Tonalität befürworte ich hin und wieder sprachliche Bilder, damit die Leser wach und munter bleiben. Das sogenannte «Sandwich-Prinzip» hilft dabei. Man kann auch eine trockene Materie in eine gut verdauliche Struktur mit verschiedenen Schichten (eben wie ein Sandwich) einbetten.

Welche technischen Mittel und Hilfestellungen bietet Dir die TRANSLATION-PROBST AG, um die Qualität der Übersetzung zu garantieren?
Die TRANSLATION-PROBST AG bietet dem Kunden eine ideale Kombination von ausgezeichneten, mit Trados und anderen Programmen gewappneten Übersetzer/innen und erfahrenen Korrektoren und Korrektorinnen. Mit vereinten Kräften knacken sie auch die schwierigsten Nüsse. Das qualitätsorientierte Terminologie-Management wiederum ermöglicht die sprachliche Kohärenz und trägt zum Aufbau einer kohärenten Corporate Identity bei.

Welches war für Dich das schwierigste Projekt bei Geschäftsberichten?

Kein Projekt bei der TRANSLATION PROBST AG, was auch etwas über die hohe Qualität ihrer Kunden aussagt. Ich erinnere mich jedoch gut an den Bericht eines multinationalen Mischkonzerns, der derart unorganisiert war, dass teilweise sogar Umsatz und Assets verschiedener Geschäftsjahre vermischt wurden. Dies war aber kein Projekt der TRANSLATION PROBST AG. Als Übersetzer bzw. Korrektor hat man die Pflicht, in solchen Fällen unbedingt mit der Auftraggeberin Rücksprache zu nehmen.

Korrektor Christoph

Geschäftsberichte werden von einem spezialisierten Fachübersetzer in seine Muttersprache übersetzt und von einem Dozenten mit der Expertise im Finanzwesen nachkorrigiert.

Christoph hat Unternehmenskommunikation studiert, das Lizenziat in Theologie abgelegt und seine anschliessenden Doktorats-Studien im Bereich Organisationspsychologie mit Schwerpunkt Kommunikation absolviert. Christoph ist auf den Bereich Finanzwesen spezialisiert Er arbeitet als Vizepräsident für Nachhaltigkeit und Kommunikation bei einem diversifizierten internationalen Konzern mit 75’000 Angestellten, die in elf verschiedenen Sektoren über 25 Mrd. $ Umsatz generieren. In dieser Rolle wie auch in seiner Rolle als Mitarbeiter der TRANSLATION-PROBST AG hat er dieses Jahr einige Geschäftsberichte bearbeitet. Eine weitere Rolle als Dozent für Wirtschaftsenglisch an einem Weiterbildungszentrum ermöglicht es ihm, ein wertvolles Verständnis der «Gaps» zwischen deutschsprachigen und englischsprachigen Geschäftsberichten zu erarbeiten.

Wort der Woche «Einheitlichkeit»

1. Juni 2014

Jeden Tag wird die Website der TRANSLATION-PROBST AG von Besuchern durchstöbert. Manchmal kommt es allerdings vor, dass ein Begriff nicht sofort gefunden wird. Dann wird in der Such-Box gesucht. Einer der am häufigsten gesuchten Begriffe ist «einheitlich» bzw. «Einheitlichkeit». Gemeint ist dabei die «Einheitlichkeit» der Sprache bzw. des Textes – ein wichtiger Teil der Corporate Language. Deshalb machen wir es hier zu unserem Wort der Woche.

shutterstock_173282471Die Einheitlichkeit des Textes hat eine sehr lange Geschichte, vor allem in der Literatur. Für das Theater wurden im 16. Jahrhundert im Rückgriff auf Aristoteles die Einheit von Zeit, Raum und Handlung proklamiert. Ein Theaterstück sollte lediglich die Zeit der Aufführung bzw. eines Tages umfassen, am gleichen Ort spielen und alle Aktionen sollten dem Fortgang einer Handlung dienen. Diese Regel hatte bis weit in die Neuzeit hinein Gültigkeit. Der Roman, vor allem in seiner Blütezeit im 19. Jahrhundert, setzte sich zum Ziel, ein Weltmodell zu schildern, «das die Komplexität und Fülle der Lebenserfahrungen und Diskurse einer Zeit abbilden und/oder in sich aufnehmen kann» (Basislexikon zur literaturwissenschaftlichen Terminologie). Diese Idee war eng mit der Einheitlichkeit der Romangestaltung verbunden. In der Moderne, d.h. vor allem in der Zeit um 1900, begann der Zweifel an der Möglichkeit, die Lebenserfahrungen und Diskurse einer Zeit in ihrer Ganzheit zu erfassen und darzustellen. Wahrnehmung wurde zunehmend als fragmentarisch, perspektivisch betrachtet. So entstanden Romane, die aus einer engen Sichtweise, etwa eines erfolglosen Annoncenakquisiteurs oder eines Kindes, das nicht erwachsen werden will, erzählt wurden. Andere Romane wurden aus unterschiedlichen Perspektiven und so auch auf verschiedenen Stilebenen erzählt. Einheitlichkeit ist seither kein Kriterium für die Qualität eines Romans mehr.

Damit haben wir uns aber sehr weit von den Bedürfnissen derer entfernt, die auf der Website der TRANSLATION-PROBST AG nach dem Begriff «Einheitlichkeit» suchen. Ihnen geht es vielleicht in der Freizeit um Literatur, doch bei ihrer Arbeit haben sie mit Fachtexten aus den Bereichen Marketing, Technik oder Jurisprudenz zu tun. Wie steht es denn hier mit der Einheitlichkeit der Texte?

Viele haben in der Schule gelernt, zu einem guten Stil gehöre, Wörter möglichst nicht zu wiederholen. Auch Stilisten sprechen sich dagegen aus, sie nennen es dann Redundanz. So findet man eben Texte, denen man ansieht, dass in ihnen krampfhaft immer wieder andere Begriffe für die gleiche Sache gesucht wurden. Das tönt aber nicht nur gezwungen, sondern hat bei Fachtexten auch verheerende Auswirkungen. Denn in Fachtexten haben Wörter nicht bloss eine annähernd umschriebene Bedeutung, sondern die zentralen Begriffe sind eindeutig definierte Fachausdrücke. Sie durch Synonyme – die Bedeutung von Synonymen ist nie vollständig deckungsgleich – zu ersetzen, macht einen Fachtext äusserst unpräzis.

Dass in einem Fachtext identische Fachbegriffe verwendet werden müssen, leuchtet denen, die in ihrer täglichen Arbeit mit solchen Texten zu tun haben, relativ schnell ein. Doch «Einheitlichkeit» bezieht sich auf verschiedene Ebenen eines Textes. Damit die Corporate Language einem Unternehmen Identität verleihen kann, ist auch Einheitlichkeit auf der orthografischen und grammatikalischen Ebene nötig. Das scheint auf den ersten Blick problemlos, denn um diese Einheitlichkeit zu erreichen, müssen doch nur die geltenden Regeln angewendet werden. Das stimmt zwar im grossen Ganzen, doch seit einigen Jahren ist auf die Regeln nicht mehr unbedingt Verlass. Bei der Rechtschreibreform ist es zu einem eigentlichen orthografischen Paradigmenwechsel gekommen. Der Duden – nach wie vor das verbindliche Regelwerk – gibt für sehr viele Wörter und Situationen nicht mehr die richtige Form vor, sondern lässt Wahlmöglichkeiten offen. Verwendet ein Unternehmen in seinen Texten nun einmal die eine, ein andermal die andere Form, so schafft diese Uneinheitlichkeit den Eindruck von Fehlerhaftigkeit, was für deren Image kein Vorteil sein kann. Dazu kommt etwas anderes: Hauptsächlich die Globalisierung hat zu einer eigentlichen Überschwemmung des deutschen Sprachraums mit englischen Sprachelementen gebracht. Somit stehen die Verantwortlichen für die Corporate Language eines Unternehmens vor der der Frage, ob sie nun «Geschäftsführer» oder «Manager» oder gar «Chief Operating Officer» schreiben sollen. Und wie schreibt sich «Chief Operating Officer» in einem deutschsprachige Text? Klein wie auf Englisch oder gross, weil es ja nun «auf Deutsch» geschrieben wird, und braucht es Bindestriche, wie man sie auf Deutsch eigentlich machen würde?

Eine andere Ebene der sprachlichen Einheitlichkeit ist der Stil. Hier geht es nicht allein um die Einheitlichkeit innerhalb eines Textes, sondern auch um die Einheitlichkeit einer Textsorte: Tönt eine einfache interne Mitteilung, sagen wir über neue Telefonnummern, wie eine Laudatio bei der Verleihung des Literaturnobelpreises, so reagieren die Adressaten zumindest mit Befremden. Für die stilistische Einheitlichkeit innerhalb eines Textes sind viele Elemente verantwortlich: Wortwahl, Satzgestaltung, Angemessenheit, Originalität usw.

Also ein komplexes Thema. Und auch ein wichtiges: Bei den Korrekturarbeiten der TRANSLATION-PROBST AG nehmen Massnahmen zur Vereinheitlichung eines Texten einen recht grossen Anteil ein. Er ist jedenfalls grösser als die Korrektur falsch geschriebener Wörter.