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Archiv für die Kategorie ‘Sprachen’

Wort der Woche «Redewendungen»

21. Dezember 2015

Wenn Hunde in der Pfanne verrückt werden oder Schweine nicht lesen können, wird’s Zeit, alle Register zu ziehen und Ihnen eine Erklärung für den bunten Strauss an deutschen Redewendungen zu geben. Im Wort der Woche gehen wir der Frage nach, warum wir Redewendungen so lieben und was einige davon bedeuten.

Der Mensch ist ein bequemes Tier. Darum liebt er Analogien. Und Redewendungen. Denn diese vereinfachen bestimmte Situationen und Sachverhalte, indem sie ihnen eine metaphorische Bedeutung zuweisen. Zum Beispiel, wenn Eltern ihre Kinder mit abgedroschenen Phrasen nerven wie «Wenn andere von der Brücke springen, tust du es dann auch?». Oder wenn wir bestimmte Gefühle und Emotionen ausdrücken möchten, etwa mit der Bezeichnung «Sisyphos-Arbeit» für eine mühselige, komplizierte und nie enden wollende Arbeit. Oder wenn wir uns über unser Glück freuen und sagen, wir hätten Schwein gehabt.

Pfeifende Schweine können nicht lesen

Schweine können nicht lesen, soviel steht fest. Doch woher kommt die Redensart «Das kann doch kein Schwein lesen»? Bei unseren Recherchen dazu gelangten wir in den hohen Norden Deutschlands: Vor 300 Jahren gab es noch viele Analphabeten und wenige Gelehrte, die lesen konnten. Eine der wenigen gelehrten Familien in Norddeutschland damals hiess «Swyn». Sie las den Bürgern jeweils Briefe oder Urkunden vor. Und wenn Schriftstücke komplett unlesbar waren, kreierte der Volksmund die Redewendung: «Dat kann keen Swyn lesen!» Und weil im Plattdeutschen «Swyn» Schwein bedeutet, kam das Schwein in den Literaturclub.

Menschen scheinen Schweine zu mögen. Zumindest, wenn sie Redewendungen mit ihnen erschaffen. So auch mit dem pfeifenden Schwein, das gar nicht pfeifen kann. Und genau darin liegt die Bedeutung der Redewendung: Wenn nämlich etwas Unmögliches geschieht, sagen wir: «Ich glaube, mein Schwein pfeift.» Diese Redewendung stammt jedoch nicht wie die meisten aus dem Mittelalter, sondern aus der Sponti-Bewegung der 70er- und 80er-Jahre, die aus der politisch linken Studentenbewegung der 68er entstanden ist.

Verrückte Hunde in der Pfanne

Hunde sind ebenfalls prominente Figuren unserer Redewendungen. So auch, wenn wir einen Hund in die Pfanne klopfen. Denn die Redewendung stammt aus genau dieser Situation – genauer aus einer alten Geschichte von Till Eulenspiegel, der mal bei einem Bierbrauer arbeitete. Dieser hatte einen Hund namens «Hopf». Eines Tages, als Eulenspiegel vom Bierbrauer beauftragt wurde, Bier zu brauen und dabei den Hopfen zu sieden, verstand Eulenspiegel, er solle den Hund «Hopf» in die Braupfanne hauen. Entsetzt darüber entliess ihn der Bierbrauer. Heute verwenden wir die Redensart, wenn wir über etwas Besonderes erstaunt sind. Warum der Hund nun in der Pfanne verrückt wird, wissen wir auch nicht, können es uns jedoch angesichts der Geschichte aber denken.

Ein weiterer Ausdruck, in dem sich der Hund wiederfindet, ist «der bunte Hund». Verwenden wir diese Redensart, meinen wir eine äusserst bekannte oder auffällige Person. Der Ausdruck rührt daher, dass Hunde in der Regel ein ein- oder zweifarbiges Fell haben. Wenn früher ein Hund jedoch mehrfarbig gescheckt war, galt er als eine Ausnahmeerscheinung und wurde somit zum bunten Hund. Neben auffälligen Äusserlichkeiten waren mit diesem Ausdruck früher auch auffallend negative Charaktereigenschaften gemeint.

Wenn es Ihnen nun unter den Nägeln brennt, warum wir einander manchmal auf den Keks gehen oder jemandem einen Storch braten, erfahren Sie Näheres auf GEO.de. Uns interessiert nun, was Ihre Lieblingsredewendung ist. Oder haben Sie gar eigene Kreationen? Reichen Sie uns diese ein!

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Wenn der Hund in der Pfanne verrückt wird

Wort der Woche «Anglizismen»

16. November 2015

Empowerment, Goal und Helpdesk. Heutzutage werden deutsche Wörter oftmals durch englische Ausdrücke ersetzt. Klar, Fremdsprachen können die eigene Sprache bereichern, aber ist das immer notwendig? Ich habe einen Selbstversuch gestartet und versuche, in meinem Alltag nur noch deutsche oder schweizerdeutsche Ausdrücke zu gebrauchen. Gar nicht so einfach!

Anglizismen kommen der Autorin nicht mehr in die Tüte.

Anglizismen kommen der Autorin nicht mehr in die Tüte.

Ich habe kürzlich einen Wochenend-Ausflug nach Dänemark unternommen. Sofort war ich fasziniert von der Sprache. In der gesprochenen Form für mich sehr unverständlich, habe ich in der schriftlichen Form doch einiges verstanden. Fremdsprachen fesseln mich, weshalb ich meine eigene Sprache oft mit Anglizismen oder anderen fremdsprachigen Ausdrücken schmücke. Bis ich gemerkt habe, dass es eine echte Herausforderung geworden ist, nur noch deutsche oder schweizerdeutsche Ausdrücke zu verwenden. Und schon war der Selbstversuch geboren.

Ausdrücke der Empörung
Bereits nach einem Tag ist mir aufgefallen, dass ich mein Entsetzen oftmals mit Anglizismen zum Ausdruck bringe. Unschöne Äusserungen wie «What the fuck» purzeln automatisch aus meinem Mund. Sobald mir auffällt, dass ich wieder ein englisches Wort benutzt habe, kommentiere ich dies mit «Shit». Dabei ist es doch ganz einfach, ein schönes deutsches Pendant dazu zu finden: «Wieso zum Geier …?» oder «Mist» unterstreichen meine Empörung genauso gut – nur hört es sich halt nicht so fancy bzw. schick an.

Den Schlauchapfel hänseln
Speziell spannend finde ich es, bedrohten oder vergessenen Wörtern und Ausdrücken wieder Leben einzuhauchen. So bin ich in einem Gespräch mit meiner, wohlgemerkt holländischen Kollegin auf das Wort «Schlauchapfel» für Banane gestossen. Meine Recherchen im Internet haben ergeben, dass dieses Wort angeblich während der Nazizeit eingeführt wurde, in der krampfhaft eine reine deutsche Sprache geschaffen werden sollte. Das Wort steht in der 12. Auflage des Rechtschreibduden aus dem Jahr 1941. Ob tatsächlich die Nazis die Urheber davon sind ist nicht eindeutig belegt.

Als ich vor Kurzem das Wort «hänseln» anstatt bullying benutzte, brachen am Mittagstisch alle in schallendes Gelächter aus. Obwohl es eine sehr ähnliche Bedeutung hat. Das Wort «hänseln» war sogar passender, den bullying bedeutet «tyrannisieren» oder «einschüchtern», das war zu viel des Guten. Die Rede war von «sich über eine Person ohne Rücksicht auf deren Gefühle lustig zu machen, ohne dass sie sich wehren kann.» So steht es übrigens im Duden. Und der schlägt auch gleich noch andere deutsche Wörter vor, die mir gut gefallen: foppen, uzen oder anpflaumen.

Arbeitsalltag als Herausforderung
Besonders schwierig sind die Fachbegriffe im Arbeitsalltag. Benutze ich beispielsweise den Ausdruck «Stärkung der Arbeitgebermarke» anstatt «Stärkung des Employer Branding» oder «Unternehmenssprache» anstelle von «Corporate Language», gucken mich meine Kollegen mit grossen Augen an. Spannend wäre hier eine Studie, wie meine Fachkompetenzen eingeschätzt werden, wenn ich nicht die englischen Fachbegriffe, sondern deutsche Entsprechungen benutze.

Es gibt jedoch auch Verdeutschungen, die meiner Meinung nach sehr unschön klingen. So beispielsweise «Plauderstube» für «Chatroom» oder «Kennwortknacker» für «Hacker». Doch die Geschmäcker sind eben verschieden und so auch die Wünsche unserer Kunden. Deshalb legen unsere Dolmetscher, Übersetzer und Texter ein besonderes Augenmerk auf die Wortwahl.

Welche Anglizismen finden Sie total unnötig? Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Erfahrungsberichte!

Interview mit einer Fachdolmetscherin aus dem Medizinbereich

7. Juli 2015

Anna M. dolmetscht schon seit vier Jahren für uns im Medizin- und Pharmabereich. Sie lässt uns hinter die Kulissen blicken und erzählt, auf welch originelle Art ein Professor für Urologie das Publikum über Testosteron aufgeklärt hat.

Anna, was ist das Besondere bei der Verdolmetschung eines Arzt-Patient-Gesprächs?
Bei der Verdolmetschung eines Arzt-Patient-Gesprächs achte ich einerseits auf die sprachlichen und kulturellen Unterschiede und andererseits auf eine klare Wiedergabe des Gesagten, damit keine Missverständnisse aufkommen. Gefühle und persönliche Ansichten haben da keinen Platz – ich bin lediglich das Sprachrohr zwischen den beiden Parteien und versuche, mich neutral zu verhalten. Ausserdem passe ich mich situativ der Ausbildung und dem Wissensstand des Patienten an, je nachdem kann es durchaus hilfreich sein, wenn ich «einfache» Begriffe statt des medizinischen Fachjargons bei der Verdolmetschung benutze. Besonders wichtig ist zudem, dass die Schweigepflicht respektiert wird.

Anna M. passt sich bei der Verdolmetschung dem Vorwissen des Patienten an.

Anna M. passt sich bei der Verdolmetschung dem Vorwissen des Patienten an.

Wäre es nicht praktischer, wenn ein Verwandter des Patienten die Verdolmetschung übernehmen würde?
Wie ich vorher bereits erwähnt habe, ist die emotionale Distanz zum Patienten von hoher Bedeutung. Übernimmt ein Verwandter des Patienten die mündliche Übersetzung des Gesprächs, kann dies zu mehreren Problemen führen. Erstens könnte sich der Verwandte von Vorurteilen, Gefühlen oder persönlichen Einstellungen gegenüber dem Arzt oder den vorgeschlagenen Operationen leiten lassen. Ob absichtlich oder ungewollt: Der Verwandte könnte dem Patienten seine eigene Interpretation des Gesagten rüberbringen. Ferner weiss der Verwandte wohl über die Krankheit oder die Probleme des Patienten Bescheid, kennt aber weder die Fachausdrücke noch die Materie. Muss ihm der Arzt zuerst alles erklären, entstehen grosse zeitliche Lücken, in denen der Patient nichts versteht und eventuell ungeduldig oder entmutigt wird. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass der Verwandte aufgrund fehlender Professionalität nicht alles verdolmetscht, was gesagt wird, worauf der Patient jedoch das Recht hat.

Kannst du dich an ein spezielles Erlebnis während des Dolmetschens erinnern?
Nun, Empathie für das Fachpublikum ist nicht nur bei der Verdolmetschung gefragt. Anlässlich eines Workshops im Ausland durfte ich fürs Medizinpersonal mehrere Stunden lang dolmetschen. Was niemand wusste: Der Gastgeber hatte als Überraschung einen Professor für Urologie eingeladen. Und zwar nicht einen älteren Herrn mit Brille und weissem Kittel, wie man denken würde, sondern einen Rockertyp mit zusammengebundenen Haaren à la Karl Lagerfeld. Sogar eine Gitarre hatte er dabei. Zuerst erklärte er mit viel Humor den Einfluss von Testosteron auf das männliche Wesen – in allen Details und mit einer Vielfalt von Bildern. Im Anschluss daran bat er das Publikum, mit ihm zusammen Lieder der Beatles zu singen. Das war sehr ungewohnt, aber eine willkommene Abwechslung zur eher trocken vorgetragenen Materie während des übrigen Workshops, die das Publikum mit einer Standing Ovation honoriert hat!

Haben Sie einen wichtigen Anlass geplant, für den Sie einen Dolmetscher brauchen? Dann profitieren Sie von unserer langjährigen Erfahrung als Organisationspartner für Dolmetscher-Einsätze. Gerne unterbreiten wir Ihnen eine schnelle, unverbindliche Offerte.

Wort der Woche «Komma»

29. Juni 2015

Stehen Ihnen die Haare zu Berge, wenn Sie das Wort «Komma» nur schon hören? Oder finden Sie die Kommasetzung so überflüssig wie «Pro Bahn Schweiz» die neue Uniform der SBB? Nun, wir zeigen Ihnen, weshalb es sich doch lohnt, dem kleinen, aber feinen Satzzeichen Beachtung zu schenken.

Das Komma leitet sich vom Altgriechischen κόμμα ab und bedeutet so viel wie Einschnitt/Abschnitt. So ist es auch seine Aufgabe, bestimmte Elemente voneinander zu trennen, z. B. den Hauptsatz vom Nebensatz. Auch zwischen einzelnen Elementen einer Aufzählung darf ein Komma nicht fehlen. Ebenso bei Appositionen oder nachgestellten Wortgruppen greift ein Komma ein und trennt diese vom Rest des Satzes. Das Komma – ein rabiater Scheidungsanwalt? Keineswegs, denn das Komma bringt Struktur in diejenigen Sätze rein, die ohne dieses Satzzeichen häufig missverstanden würden. Schliesslich macht es einen gewaltigen Unterschied, ob Ihnen Ihr Kind per WhatsApp schreibt: «Komm, wir essen Papi!» oder «Komm, wir essen, Papi!».

Aber vorerst genug der Worte, testen Sie Ihr Kommawissen am besten gleich selbst: PDF

Das Komma ist aufgrund der vielen Spezialfällen das schwierigste aller Satzzeichen.

Das Komma ist aufgrund der vielen Spezialfälle das schwierigste aller Satzzeichen.

Ein Komma vor dem «und»?
Nicht jedes Komma drängt sich auf, manche sind auch freiwillig. Gewisse untrennbare Adverbien oder Konjunktionen schreien jedoch nach einem Komma, z. B. je … , desto; zum einen …, zum anderen; nicht nur …, sondern auch. Ausserdem gilt es hier, mit dem Mythos aufzuräumen, dass vor «und» nie ein Komma steht. Zwar ist seit der neuen Rechtschreibung eine ordentliche Anzahl an Regeln verschwunden, die vor «und» ein Komma verlangten. Es gibt aber immer noch den einen oder anderen Fall, wo ein Komma vor einem «und» ein Muss ist, wie Sie an folgendem Beispiel erkennen können: «Der Zug überfuhr eine Kuh, die auf den Schienen stand und entgleiste.» Nun, damit nicht die ohnehin schon arme Kuh nicht auch noch entgleist, muss hier vor dem «und» ein Komma gesetzt werden – es trennt den eingeschobenen Nebensatz ab.

Lesen mit dem «Holzwegeffekt»
Wie bereits erläutert, tragen Kommas immens zur Verständlichkeit geschriebener Texte bei, da bei diesen im Gegensatz zur gesprochenen Rede die Sprachmelodie und die Sprechpausen verloren gehen. Haben Sie schon einmal vom «Holzwegeffekt» gehört? So nennt man das Phänomen, wenn jemand beim Vorlesen bei einem sprachlichen Ausdruck mit mehreren Lesearten zuerst die falsche wählt und sich im weiteren Verlauf korrigiert, da er oder sie den Fehler aus dem Kontext erkannt hat. Ein Beispiel, das einen solchen Holzwegeffekt erzeugen kann: «Kurt las das Buch auf den Knien zu Ende.» bzw. «Kurt las, das Buch auf den Knien, zu Ende.» Während Kurt im ersten Satz das Buch bis ganz zum Schluss liest, beendet er im zweiten Satz einen Abschnitt, aber nicht zwingend das ganze Buch. Ob der Satz auch noch andere Interpretationen zulässt, wollen wir hier nicht weiter erörtern. Passen Sie ausserdem bei Adverbien am Satzanfang auf, da dort relativ häufig Kommafehler passieren.

Die Kommaregeln sind zwar nicht schwierig, sobald man sie einmal intus hat, da sie den Gesetzen der Grammatik und der Syntax entsprechen. Mit der neuen Rechtschreibung haben sie sich jedoch geändert, was vielen Leuten nach wie vor Probleme bereitet. Schauen Sie deshalb besser einmal zu viel im Duden nach, um auf Nummer sicher zu gehen. Denn: Gerade bei Bewerbungen oder Geschäftsbriefen zählt jedes Komma. Oder Sie lassen Ihren Text von uns korrigieren oder redigieren, um nicht nur sicher, sondern auch treffsicher zu sein.

Wort der Woche «Welsch»

22. Juni 2015

Mit dem knappsten Ergebnis aller Zeiten sind die Abstimmungsresultate des 14. Juni immer noch in aller Munde. Was auffällt: Der Röstigraben hat sich einmal mehr als eine tiefe Schlucht zwischen die deutschsprachige Schweiz und dem Welschland erwiesen. Doch wieso spricht man eigentlich vom Abstimmungsverhalten der «Welschen»?

«Welsch» bedeutet ursprünglich nichts anderes als «fremd», «andersartig». Mit dem Ausdruck «Welschland» ist zwar hauptsächlich die Romandie gemeint; früher traf die Bezeichnung jedoch auch auf Italien und Frankreich zu. In Tirol und in Südtirol betitelt man heute noch die Italiener als die «Welschen». Auch die Walnuss ist mit dem Wort in Kontakt gekommen, nämlich als «welsche Nuss», die über Frankreich oder Italien ins Deutsche gekommen ist.

Die «welsche» Nuss unter den Nüssen: die Walnuss.

Die «welsche» Nuss unter den Nüssen: die Walnuss.

Das englische «walnut», das vom altenglischen «walhnutu» («fremde Nuss») stammt, spricht ebenfalls auf diese Komponente an. «Welsch» ist ausserdem in diversen Orts- und Familiennamen enthalten, so leiten sich etwa die geographischen Bezeichnungen Wallonien, Walachei oder Wales vom Wort ab.

Das unverständliche Ufer

Wer vermutet, dass auch Walenstadt etwas mit «Welsch» zu tun haben könnte, der liegt vollkommen richtig. Walenstadt beschreibt die Entstehung ihres Namens wie folgt: «Die Sprachen der in unserem Tal lebenden Räter und der Römer, die die Räter unterworfen und lange Zeit beherrscht hatten, vermischten sich zum Rätoromanischen. In dieser Sprache wurde die kleinere, aber lokal bedeutsame Ansiedelung am oberen Ende des Walensees als ‹Riva› (Ufer) bezeichnet. Da der Walensee mit seinen steilen Ufern nur den Wasserweg offen liess, rückten die in Helvetien einwandernden Alemannen nur bis Weesen vor. Diese verstanden die Sprache der Anwohner in Riva nicht und verpassten darum Riva den Namen ‹Vualahastade›: das ‹welsche› bzw. das ‹andersartige, unverständliche› Ufer. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus das heutige Walenstadt.» Eine unverständliche Sprache wird übrigens bis heute als «Kauderwelsch» bezeichnet.

Rösti machen den Graben aus
Ebenfalls spannend ist es, dem anfangs erwähnten Röstigraben auf den Grund zu gehen. Dieser ist neben dem «Chuchichäschtli» und dem «Öpfelbütschgi» ein typisch schweizerdeutscher Ausdruck, der insbesondere das unterschiedliche Abstimmungsverhalten der Deutschschweizer und der Romands wiederspiegelt. Und zwar ist «Rösti» bekannt als klassisches Kartoffelgericht aus der Deutschschweizer Küche, wobei gemunkelt wird, dass die Westschweizer die ebenbürtigen «pommes de terre fricassées» mindestens so lange kennen. Der Einfachheit halber hätten sie sich aber der kürzeren Bezeichnung «Rösti» angepasst. In der Romandie finden übrigens – in Anlehnung an den Eisernen Vorhang – eher die Begriffe «Rideau de rösti» (Röstivorhang) oder «Barrière de rösti» (Röstizaun) Verwendung. Häufig wird der Röstigraben mit dem Lauf der Saane bei Freiburg gleichgesetzt, wofür auch der französische Ausdruck «outre-Sarine» spricht (zu Deutsch «jenseits der Saane»).

Innerhalb der Schweiz sehen die Abstimmungsresultate nicht so harmonisch aus.

Innerhalb der Schweiz sehen die Abstimmungsresultate nicht so harmonisch aus.

Interessanterweise ist der Röstigraben bei den Abstimmungen mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt: Im Bereich der Aussen- und Sozialpolitik ist die Romandie oft dem Ausland (auch der EU) und staatlichen Regulierungen wohlgesinnter als die deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit; in der Drogen-, Gesellschafts-, Verkehrs- und Umweltpolitik hingegen fallen die Unterschiede kaum ins Gewicht. Der Gegensatz zwischen der urbanen und ländlichen Bevölkerung macht dem Röstigraben in der Schweizer Politik ausserdem zunehmend Konkurrenz.

Nun sind Sie Experte, was das Wörtchen «Welsch» wie auch den Röstigraben betrifft. Falls Sie eine Übersetzung benötigen, die den Sprung über den Röstigraben ins Welschland schafft, stellt Ihnen die TRANSLATION-PROBST AG gerne den passenden, muttersprachlichen Fachübersetzer zur Verfügung.