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Archiv für die Kategorie ‘Sprachen’

Wort der Woche «Deutsch»

20. April 2015
Deutsch_TRANSLATION-PROBST AG

Über sprachliche Missverständnisse in der Schweiz weiss Julia Kasig viel zu erzählen.

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Sogar unsere sprachaffine Projektmanagerin Julia Kasig trifft immer wieder auf neue, witzige, überraschende und für sie ungewöhnliche Wörter aus dem Deutschen. Welche Wörter und Anekdoten aus ihrem Alltag in der Schweiz das sind, erzählt sie Ihnen in diesem Artikel. 

Schon in der Schule entdeckte ich meine Faszination für Sprachen: Englisch, Französisch, Latein, Italienisch, Niederländisch, Mittelhochdeutsch – ja sogar im Finnischen versuchte ich mich eine Weile. Ich fand es spannend, die Verwandtschaft zwischen Sprachen zu erkennen, und war gleichzeitig fasziniert von der Differenz zwischen den Sprachen. Ich musste jedoch erst meine norddeutsche Heimat verlassen und mein Studium im Saarland aufnehmen, um mir der imposanten Vielfalt meiner eigenen Muttersprache bewusst zu werden. Natürlich wusste ich schon vorher, dass es verschiedene Dialekte in Deutschland gibt, dass die Schweizer anders sprechen als die Österreicher und beide anders als die Deutschen. Mein Studium im Saarland (wo man übrigens «holen» statt «nehmen» sagt und ich bis zum Ende meiner Studienzeit immer irritiert war, wenn ich gefragt wurde, ob mein Essen zum Mitholen sei) bot mir die Gelegenheit, die Diversität der deutschen Sprache, die verschiedenen Dialekte und Redensarten hautnah und täglich in meinem Freundeskreis zu erleben. Bis dahin hing ich selbst der naiven Idee an, ich als Norddeutsche würde «reines» Hochdeutsch sprechen, völlig dialekt- und akzentfrei.

«Moin» zu jeder Tages- und Nachtzeit
Welch ein Irrtum! Denn im Saarland machten mir meine Freunde klar, ich könne meine norddeutsche Herkunft nie und nimmer leugnen. Der Einfluss des eher in den ländlichen Gebieten und von den älteren Generationen gesprochenen Plattdeutschen färbte sich offensichtlich ab auf meine Sprachmelodie und meine Art und Weise, Silben zu betonen und Endungen auszusprechen oder zu verschlucken. In der Tat herrscht bei uns zum Beispiel die Tendenz, ein «g» am Wortende zu einem «ch» abzuwandeln und so «fahr’n wir nach Hamburch» und «haben’s eilich» zu sagen. Auch einige der mir völlig geläufigen Wörter stiessen bei meinen Freunden aus dem Rheinland, dem Frankfurter Raum oder Süddeutschland auf Unverständnis oder Schmunzeln: Denn meine Heimat ist dort, wo man sich zum «Schnacken» (Duden sagt: reden, sprechen, zwanglos plaudern) mit Bekannten trifft. Wo man sich mit «Moin» (alternativ auch «Moin Moin») begrüsst – und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dort, wo man sich als Kind «‘ne Schlickertüte für ‘ne Mark» (gemischte Tüte) kauft. Wo die Oma sagt, man solle «nicht so einen Flunsch ziehen», wenn man nicht ganz glücklich dreinschaut. Wo die Leute nie betrunken, sondern allenfalls «angeschickert», schlimmstenfalls «duun» sind. Meine Heimat ist dort, wo man seine Küche «feudelt» (Feudel = Wischlappen), wo Kinder mit einem «Tüdelband» spielen und Omas manchmal schon etwas «tüdelig» (durcheinander) sind. Und dort, wo definitiv nicht immer nur «Schietwedder» ist.

Hochdeutsch vs. Schweizer Hochdeutsch
Während des Studiums lernte diese norddeutsche «Deern» (Mädchen), die ich war, einen Mann kennen, der in der Schweiz lebte. Ich war zuversichtlich, das Schweizerdeutsche würde mir keinerlei Probleme bereiten. Immerhin war ich durch den Luzerner «Tatort» bestens mit der Sprache dieses Landes vertraut. Dass der «Tatort» aus Luzern für das deutsche Fernsehen ins Hochdeutsche synchronisiert und der Authentizität halber lediglich ein Schweizer Akzent beibehalten wurde, erfuhr ich dann bei meinem ersten Besuch in der Schweiz. Tatsächlich bereitete mir der Einstieg in die schweizerdeutsche Sprachregion relativ wenige Probleme. Viele schweizerdeutsche Begriffe konnte ich aus dem mir vertrauten Französischen ableiten: Ein Eis ist hier ein Glacé, ein Hühnchen wird Poulet genannt, Wohnungen haben manchmal ein Cheminée, Fahrrad heisst Velo, und die Haare schneidet man beim Coiffeur. Ich stellte ausserdem fest, dass es im Schweizerdeutschen häufig ein eleganter klingendes Pendant zu deutschen Wörtern gibt. «Offerieren» klingt für mich nach einer besonders höflichen Art des Anbietens, und während die Deutschen ihr Auto irgendwo parken, handhaben es die Schweizer deutlich kultivierter: Sie parkieren. Allerdings muss ich auch zugeben, dass es einige Wortpaare gibt, bei denen ich die deutschlanddeutsche Variante treffender finde. Nehmen wir zum Beispiel den Grillabend. Finden Sie nicht auch, dass das spezielle Flair eines geselligen, gemütlichen Grillabends in «wir grillen» besser zum Ausdruck kommt als in «wir grillieren»?

Amüsante Missverständnisse
Obwohl ich mich mittlerweile gut mit Schweizern verständigen kann, kommt es ab und an zu lustigen Missverständnissen. So hatten wir in meinem ersten Monat einmal Besuch zum Abendessen von einem Schweizer Freund. Zum Dessert hatte ich mit viel Liebe einen Butterkuchen gebacken und war sehr gespannt, wie dieser bei unserem Gast ankommen würde. «Mmhh, dä schmöckt fein», war seine Reaktion. Eigentlich ein nettes Kompliment an die Köchin – wenn sein Kuchenstück nicht völlig unangetastet gewesen wäre. Etwas beleidigt sagte ich ihm, er solle ruhig erst einmal ein Stückchen probieren, bevor er sich ein Urteil über den Geschmack erlaube. An diesem Abend lernte ich, dass das schweizerische «schmöcken» nichts mit dem deutschen «schmecken» gemein hat, sondern «riechen» bedeutet. Ein weiteres Missverständnis offenbarte sich, als ich im Büro fragte, wo eine Kollegin denn momentan wohne, wenn sie täglich mit dem Zug fahren müsse. Für mich war völlig selbsterklärend, dass die Aussage «Ich bin zurzeit am Zügeln» nur meinen könne, sie würde derzeit mit dem Zug nach Winterthur und zurück pendeln müssen. Spätestens nach dem Umzug der TRANSLATION-PROBST AG ist mir das Wort «zügeln» mittlerweile absolut vertraut und löst keine Irritationen mehr aus. Wohl aber folgende Szene: In einem Geschäft war das Besteck, das ich mir ausgesucht hatte, nicht mehr komplett vorrätig. Auf Nachfrage «offerierte» mir die Verkäuferin, die fehlenden Teile für mich zu bestellen. Sie verabschiedete sich von mir mit den Worten: «Ich gebe Ihnen ein Telefon, wenn Ihr Besteck vollständig angekommen ist.» Da ich eins und eins zusammenzählen konnte, war mir klar, was sie mit dieser Aussage meinte. Und dennoch: Bis heute habe ich das Bild nicht aus dem Kopf bekommen, wie ich den Laden betrete und die Verkäuferin mir ein Telefon in die Hand drückt.

Aus den amüsanten Anekdoten von Julia Kasig merkt man schnell, dass es bei Sprachen auf Feinheiten ankommt. Genau deshalb ist es so wichtig, dass bei Übersetzungen nur Fachübersetzer eingesetzt werden, die sowohl das Fachgebiet als auch die Sprache der Zielgruppe, die immer ihre Muttersprache ist, exakt kennen. Bei der TRANSLATION-PROBST AG können Sie sich darauf verlassen, dass Ihre Übersetzungen unter Berücksichtigung der Tonalität und sprachlichen Besonderheiten der Zielgruppe treffsicher in die Zielsprache übersetzt werden.

Wort der Woche «Weltfrieden»

23. Februar 2015

Die Miss-Kandidatinnen sprechen es reumütig aus, um die Gunst der Jury zu gewinnen, und viele Grossmächte dieser Welt streben danach: Weltfrieden. Gerade in einer Zeit, in dem der Terror dieser Welt uns täglich einholt, ein grosses Wort.

Jeden Tag erhalten wir Push-Nachrichten mit den neuesten Updates zu den Kriegen, die in dieser Welt geführt werden. Was mit einer friedlichen Demonstration angefangen hat, endet oft in einem blutigen Massaker, das mehrere Monate oder sogar Jahre andauert und bei dem tausende unschuldige Menschen ums Leben kommen. Männer, Frauen und Kinder. In einer solchen Zeit ist der Wunsch nach Weltfrieden besonders gross.

Blog der Translation-Probst AG zum Thema Weltfrieden.

Treffsichere Übersetzer und Dolmetscher können einen Beitrag zum Weltfrieden leisten

Bedeutung
Weltfrieden ist der Ausdruck für den Idealzustand eines weltweiten Friedens. Um diesen zu erreichen, müssten also alle Feindseligkeiten und Kriege bedingungslos begraben werden. Weltfrieden bedeutet dauerhafte Freiheit, Gerechtigkeit und Glück für alle Menschen und Völker. Es scheint ein einfaches Unterfangen zu sein – mit einem Ergebnis, von dem alle profitieren würden. Und doch hat das Streben nach Macht in unserer Welt immer noch die Überhand.

Die Rolle der Dolmetscher
Laut dem Theologen Hans Küng ist Weltfrieden nur durch Frieden, Toleranz und Respekt zwischen den Religionen und durch ethisches Handeln möglich. Was sich so einfach anhört, ist eine richtige Knacknuss. Denn ethisches Handeln wird von Kultur zu Kultur und von Religion zu Religion anders definiert. Was in der einen Kultur als ethisch und moralisch korrekt betrachtet wird, wird in der anderen verpönt. Meistens kommen noch Sprachbarrieren dazu, und die Missverständnisse sind vorprogrammiert. Hier können treffsichere Dolmetscher Abhilfe schaffen. Sie könne Brücken zwischen den Kulturen und Religionen bauen, als Vermittler wirken und so ein gegenseitiges Verständnis aufbauen. Das kann schon im Kleinen beginnen. Beispielsweise in einem Unternehmen, in dem viele Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeiten.

Wie viele Kulturen haben Sie unter Ihrem Dach?
Arbeiten Sie auch in einem Multikulti-Team? Bei der TRANSLATION-PROBST AG arbeiten über 20 Festangestellte mit 10 verschiedenen Nationalitäten. Die kulturellen Unterschiede werden uns täglich vor Augen geführt, was immer in witzigen und lehrreichen Erkenntnissen endet. Deshalb hoffen auch wir, dass die Kulturen und Religionen dieser Welt einen gemeinsamen Nenner finden und wir mit unseren Übersetzungen einen kleinen Teil zum Weltfrieden beitragen können.

Wort der Woche: «Spectre»

11. Dezember 2014

Er fährt die schnellsten Autos, verfügt immer über die neueste Technik, die schönsten Frauen liegen ihm zu Füssen, und die Männer erblassen vor Neid. Er trägt immer einen schwarzen Anzug und trinkt sein Martini geschüttelt, nicht gerührt. Sie wissen, von wem die Rede ist: Bond, James Bond.

«Spectre» heisst der neueste Streifen aus der James-Bond-Reihe. Seitdem diese Information veröffentlicht wurde, ist der Geheimagent wieder in aller Munde. Paradoxerweise, denn ein Geheimagent sollte ja eigentlich unbekannt sein. Aber auch bei der TRANSLATION-PROBST AG ist James Bond ein Thema. Denn er erinnert uns an die Treffsicherheit unseres Professors Tell.

Wegen seiner Treffsicherheit erinnert uns James Bond an unseren Professor Tell.

Wegen seiner Treffsicherheit erinnert uns James Bond an unseren Professor Tell.

Bedeutung «Spectre»

Was heisst Spectre eigentlich? Das Wort Spectre ist im Fall des neuen Bond-Titels ein Akronym, d.h., es ist ein Kurzwort, das aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter zusammengesetzt ist. Es steht für eine fiktive Terroristenorganisation und bedeutet «SPecial Executive for Counterintelligence, Terrorism, Revenge and Extortion». Kommt das Wort Spectre in der deutschen Sprache vor, so ist normalerweise so viel wie Phantom oder Schreckgespenst gemeint. Spectre kam schon in den Büchern des James-Bond-Erfinders Ian Fleming vor. Mit Glatze und weisser Schosskatze trat der Bösewicht Blofeld, der an der Spitze der Geheimorganisation Spectre steht, bereits in mehreren Bondfilmen auf. Haben sich die Macher des neuen Films nun für diesen Namen entschieden, weil sich alles um Blofeld und seine Terroristenorganisation drehen wird? Auch das Titelbild des Filmes deutet darauf hin: Es erinnert stark an Spectres Markenzeichen: einen Oktopus.

Herausforderung Film-Übersetzung

Die Bücher von Ian Fleming wurden in 23 Sprachen übersetzt. Mit den Verfilmungen sieht es vermutlich ähnlich aus. Viele Kinofans schauen sich einen Film jedoch immer in der Originalversion an. Grund dafür ist, dass ihrer Meinung nach bei der Übersetzung wichtige sprachliche Eigenschaften verloren gehen. Beispielsweise Wortspiele oder die Kultur, die immer direkt mit der Sprache verknüpft ist. Oft wird in Filmen auch mit Akzenten oder Dialekten gespielt, was für die Übersetzung natürlich eine besondere Herausforderung darstellt. Für die Übersetzung von Marketing- oder Businesstexten hat die TRANSLATION-PROBST AG deshalb einen besonderen Qualitätssicherungsprozess eingeführt. So werden beispielsweise nur muttersprachliche Fachübersetzer eingesetzt, die sich im entsprechenden Gebiet sehr gut auskennen und sowohl die Ausgangs- als auch die Zielsprache auf einem sehr hohen Niveau beherrschen. So können sprachliche Feinheiten treffsicher in die Zielsprache übersetzt werden.

Bei James Bond gibt es jedoch einen Begriff, den jeder versteht, auch wenn er nicht übersetzt ist: 007.

Die unendliche Liste seltsamer deutscher Wörter

9. Oktober 2014

Erst kürzlich in der Mittagspause suchte meine Arbeitskollegin, die für lange Zeit in Spanien gelebt hatte, ausufernd nach einem Wort: «… und dann schämte ich mich, ähm auf Spanisch gibt es einen Ausdruck dafür…» «Fremd?», versuchte ich auszuhelfen. «Genau! Das sagt man auch auf Deutsch so?»
Ja, seit 2009 sogar offiziell, denn damals wurde das Verb «fremdschämen» in den Duden aufgenommen – zeitgleich mit den Wörtern «Hüftgold» und «Komasaufen». Ein Jahr später hatte es die Ehre, zum «Österreichischen Wort des Jahres» gekürt zu werden. In Spanien ist «sich fremdschämen» offenbar sehr gebräuchlich, während es in der deutschen Sprache als Modewort daherkommt.
 Ist es moralisch richtig, sich für andere fremdzuschämen? Wahrscheinlich nicht. Machen tut man es trotzdem. Meistens, sobald der Fernseher eingeschalten ist und einem unaufhörlich Fluchworte um die Ohren geschrien werden.

Haben Sie sich auch schon für einen Kollegen «fremdgeschämt»?

Haben Sie sich auch schon mal für einen Kollegen «fremdgeschämt»?

Fremdschämen ist nicht das einzige Kuriose im deutschen Wortschatz. Eine andere Teamkollegin ist online auf diesen Artikel gestossen: http://www.fluentu.com/german/blog/weird-german-words-vocabulary/ (Sie sehen, wir beschäftigen uns nicht nur mit Wörtern, wenn wir dafür bezahlt werden.) Wenn man sich diese Liste «merkwürdiger deutscher Wörter» ansieht, wird man sich der Skurrilität der eigenen Sprache bewusst. Ja, wir Deutschsprachigen lieben es, verschiedene Wörter wild miteinander zu kombinieren und so einzigartige Ausdrücke zu schaffen. Diese geben einem die Freiheit, etwas mit einem Wort zu beschreiben, wofür andere mindestens einen Satz brauchen würden. So geschehen beim Beispiel der «Torschlusspanik» – ein Wort, das im Englischen mit «Closing-gate panic» übersetzt sehr abstrus klingt. Es bezeichnet die Panik, ein Lebensziel nicht zu erreichen, bevor es zu spät ist, z.B. eine Frau mit einem unbändigen Kinderwunsch, die Ende dreissig ist und die biologische Uhr ticken hört.

Für mich persönlich auch ein tolles Wort: Schifffahrt. Ja, gleich drei f nebeneinander – ist ja auch ein fantastisch-fröhlicher Buchstabe. Mit dem f wären wir auch gleich wieder beim anfänglichen Fremdschämen. Ist eine Person, die sich für jemanden schämt, besonders empathisch? Oder sollte sie besser vor der eigenen Türe kehren? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung, die Sie hier als Kommentar hinterlassen können. Kommen Sie schon, setzen Sie Ihren «inneren Schweinehund» auf Diät!

Über die sprachlichen Feinheiten zwischen Romands und Franzosen

19. August 2014

Nicht nur beim Schweizer Hochdeutsch, sondern auch beim westschweizerischen Französisch ist eine Nuance «Swissness» spürbar. Unser Korrektor Christian Treffort, ehemals Dozent für Französisch am Institut für Medienwissenschaften (IAM) und am Institut für Übersetzen und Dolmetschen (IUED) der ZHAW in Winterthur, geht im Interview auf Sprachvarietäten der französischen Sprache ein und erklärt unter anderem, weshalb die Franzosen «quatre-vingts» statt die Zählweise mit «-ante» wie die Schweizer oder die Belgier verwenden.

Redigiert und korrigiert freiberuflich für uns – Christian Treffort.

Herr Treffort, können Sie uns im Rahmen der Sprachvarietäten der Schweiz und Frankreichs einige Substantive nennen, die besonders auffallen, witzig oder originell sind?
Das Wort déçu, bedeutet auf beiden Seiten der Grenze das Gleiche. Die Phrase déçu en bien (wie sie in der Westschweiz verwendet wird) erscheint einem Franzosen auf den ersten Blick als beinahe unverständlich. Natürlich versteht er dann aber mithilfe des Kontextes, dass damit eine positive Überraschung gemeint ist: «J’avais un peu peur, et finalement, j’ai été déçu en bien» = «Ich fürchtete mich ein wenig, doch am Ende war ich positiv überrascht».
Im Welschland gibt es am Morgen das déjeuner, am Mittag das dîner und am Abend das souper. In Frankreich hingegen nimmt man am Morgen das petit déjeuner ein, am Mittag das déjeuner und am Abend das dîner. Souper wird in Frankreich höchstens dann verwendet, wenn man vom Essen spricht, das man am Abend beispielsweise nach einem Theaterbesuch zu sich nimmt. Die Westschweizer sind aber nicht die Einzigen, die souper verwenden: Es ist auch in Quebec geläufig.
Noch etwas Weiteres, das mir gerade einfällt: Wenn ein Westschweizer einen Fehler schreibt, muss er das Wort tracer (durchstreichen). Ein Franzose hingegen würde es rayer oder biffer.

Kann man diese Unterschiede erklären, zumindest bei einzelnen Wörtern?
Die Unterschiede können unterschiedliche Ursachen haben. Dies kann zum einen der mehr oder minder starke konservative Charakter einer Region oder eines Landes sein. So hat das Wort déçu, das im Altfranzösisch trompé (sich geirrt haben) bedeutete, bei den Franzosen die ursprüngliche Bedeutung verloren, während die Westschweiz diese beibehalten hat. Auch das englische Wort to deceive hat diese Idee der Täuschung, Illusion oder List beibehalten. Bei tracer ist ziemlich klar, dass es von streichen aus der Deutschschweiz beeinflusst wurde.

Gibt es auch Unterschiede zwischen dem Schweizer Französisch und demjenigen in Paris auf anderen Ebenen der Sprache: der Grammatik, der Syntax oder der Orthografie?
Man kann nicht wirklich von grammatikalischen Unterschieden zwischen dem schweizerischen und dem französischen Französisch sprechen. Die Syntax und die Morphologie sind das Beständigste, das eine Sprache hat; und Westschweizer und Franzosen sprechen die gleiche Sprache. Ein Deutschsprachiger, der in der Schule Französisch gelernt hat, wird die Leute in Genf genauso gut verstehen, wie diejenigen in Lausanne, Paris, Lyon, Lille, Bordeaux oder Nantes. Er wird sich auch schnell an den Dialekt im Süden gewöhnen. Aber ein Westschweizer oder ein Franzose, der beispielsweise in Berlin Deutsch gelernt hat, wird bei einem Besuch in Zürich das Gefühl haben, dass er weder etwas weiss noch versteht, da der Unterschied zwischen dem Standarddeutsch und dem «Züritütsch» enorm ist. Es stimmt zwar, dass manche Westschweizer das stumme «e» aussprechen, indem sie den vorangehenden Vokal verlängern (zum Beispiel in matinée), aber die Aussprache ändert nichts an der Morphologie des Wortes.

Welche unterschiedlich verwendeten Wörter sagen etwas über die Kultur der jeweiligen Region aus?
Gewisse Wörter widerspiegeln kulturelle Unterschiede, besonders solche, die politische Gegebenheiten aufweisen. Das wohl bekannteste Wort in der Hinsicht ist bourgeois, das in Frankreich mindestens seit Flaubert negativ konnotiert ist («J’appelle bourgeois tout ce qui pense bassement» = «Für mich ist bourgeois [bürgerlich] alles das, was ein geringes Denkvermögen besitzt»). Es bezeichnet im gleichen Zuge eine soziale Schicht und eine eher konservative Einstellung. In der Westschweiz hat être bourgeois de eine politische Bedeutung wie andernorts sein Pendant originaire de, das man in amtlichen Dokumenten findet. Diese Begriffe existieren in Frankreich nicht, so wenig wie der Begriff der commune bourgeoise (Bürgergemeinde). Dieser kulturelle Unterschied politischer und institutioneller Natur findet sich ebenso in den Begriffen conseiller d’Etat, conseiller aux Etats (Regierungsrat, Ständerat). Die Bildung, die Funktion wie auch die Art der Bezeichnung der Ratsperson und der Versammlung, der sie angehört, sind in der Schweiz und in Frankreich total verschieden. In der Schweiz handelt es sich um einen politisch gewählten, administrativen Verwalter, in Frankreich bloss um einen nominierten und nicht gewählten Verwalter. Als 1982 der Film «Espion, lève-toi» von Yves Boisset mit dem Schauplatz Zürich herauskam, spottete die Schweizer Presse darüber, welche Macht Jean-Paul Chance, einem Regierungsrat, im Film zugestanden wurde.

In der Schweiz und in Belgien sagt man «septante» bzw. «nonante». Wie kommt es, dass die beiden Regionen eine gemeinsame Zählweise verwenden, die im Gegensatz zu derjenigen in Paris steht?
Septante, octante (huitante) und nonante sind Teil einer Eigenartigkeit, deren Ursprung man zwar erklären kann, nicht aber deren Verwendung: Es ist gewiss, dass die Kelten nicht nur das Dezimalsystem (Zahlensystem mit der Einheit 10), sondern auch das Vigesimalsystem (Zahlensystem mit der Einheit 20 – also das Total von Fingern und Zehen) verwendeten. Das bekannteste Beispiel, das noch Spuren davon in sich trägt, ist das «Hôpital des Quinze-Vingts» in Paris, dessen Ursprung im Mittelalter liegt und diesen Namen trägt, da es 300 Betten beherbergt (15×20). Warum nun Frankreich dieses System verwendet, weiss man nicht. Es sei aber angemerkt, dass die Zählweise mit «-ante» teilweise auch im Osten Frankreichs verwendet wird.

In der Deutschschweiz ist es noch nicht so lange her, dass man − vor allem in der Schule − dazu tendierte, Helvetismen zu vermeiden. Heute zeigt sich ein gewisser Stolz auf die Sprachvarietäten des Schweizer Hochdeutschen. Gibt es eine solche Entwicklung auch in Bezug auf das Schweizer Französisch?
Das stimmt, in der Deutschschweiz kommt man wieder mehr auf den Dialekt zurück. Dieses Phänomen einer «Renationalisierung» der Sprache entspricht in einem gewissen Mass dem, was ein sprachlicher Verlust, also eine Verarmung der Sprache, genannt wird: Der Dialekt reicht für die alltägliche Sprache aus und Englisch spielt die Rolle der Lingua Franca für die Arbeit. Die Nähe zu Deutschland und die Einstellung Deutscher in Führungspositionen könnten zusätzlich den Wunsch hervorgerufen haben, die eigene Identität zu bewahren. Zum Schluss hat bestimmt auch die Entwicklung von Lokalradios ab Anfang der Achtzigerjahre einen Einfluss gehabt. Sie sprechen das Publikum in ihrer Sprache an. Dieses Phänomen findet man in der Westschweiz nicht: Westschweizer und Franzosen sprechen die gleiche Sprache – mit den Nuancen, die ich bereits zuvor erläutert habe.

Gibt es auch bei der paraverbalen Kommunikation (Laute, Intonation) Unterschiede je nach Region?
Die Leute aus dem Süden sind in ihrer paraverbalen Kommunikation aktiver als die Westschweizer und die Nordfranzosen. Aber es scheint so, dass sich der Affekt eher in den typischen Ausdrücken der Art peuchère, fan de chichourle, bonne mère oder putaing con zeigt als in der entsprechenden Gestik.

Wie sieht es mit non-verbalen Eigenheiten aus, zum Beispiel bei der Begrüssung?
In der Westschweiz begrüsst man sich mit drei Küsschen. In Frankreich sind es – je nach Region zwei bis vier oder sogar nur eines, wie in der Region Poitiers. Bestimmte Regionen beginnen mit der linken Wange, andere mit der rechten. Die Westschweizer donnent oder font un bec (geben ein Küsschen), die Franzosen font la bise.

Gibt es ein Begriffspaar, bei dem die Verwendung der einen Variante zu Missverständnissen führen könnte?
Statt donner oder faire un bec verwenden einige Westschweizer manchmal ein weiteres Wort, nämlich baiser. Die Franzosen sagen ja − wie bereits erwähnt – font la bise. Wenn eine Westschweizerin nun sagt: «Je croyais être fâchée avec Jean mais, quand nous nous sommes revus, il m’a baisée» («Ich dachte, Jean wäre wütend auf mich, aber als wir uns wieder sahen, hat er mich geküsst»), wird ein Franzose vor Lachen weinen, denn baiser ist in Frankreich ein Synonym zu faire l’amour.

Vielen Dank für das Interview, Christian Treffort. Wie das letzte, witzige Beispiel besonders drastisch zeigt, ist es für ein KMU-Unternehmen sehr wohl von Belang, seine konkrete Zielgruppe zu kennen und anzusprechen. Ansonsten ist der Tritt in ein sprachliches Fettnäpfchen schnell gemacht oder aber die Botschaft wird nicht verstanden. Nur eine Übersetzung, die sich an der Zielgruppe orientiert, ist eine treffsichere Übersetzung.

Lesen Sie in einem weiteren Blogartikel von uns mehr über die gezielte Ansprache von Schweizer Kunden.