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Archiv für die Kategorie ‘Sprachen’

Die Falschen unter den Wörtern

24. Juli 2014

Wörter sind keineswegs unschuldig. Sie können dir schmeicheln, dich einhüllen und dich an der Nase herumführen. Sie greifen vor allem dort an, wo sie deine Unsicherheit vermuten: nämlich dann, wenn du dich ausserhalb deiner Muttersprache bewegst. Dabei erscheint es dir nur logisch, dich eines Wortes zu bedienen, das dir bekannt vorkommt, das dir vertraut ist. Und schneller, als du ahnen kannst, schlägt er zu, der falsche Freund.  

Als falscher Freund tritt ein fremdsprachiges Wort auf, das einem Wort der Muttersprache in Schrift oder Aussprache zwar sehr ähnelt, jedoch eine deutlich andere Bedeutung hat. Die Wörter können dabei entweder ursprungsverwandt sein, sich aber in eine unterschiedliche Richtung entwickelt haben, oder rein zufällig eine Ähnlichkeit aufweisen. Vor allem beim Übersetzen stellen diese falschen Freunde eine Stolperfalle dar.

falsche Freunde entsorgen

Falsche Freunde gibt es wie Sand am Meer.

Um einem solchen falschen Freund zu begegnen, muss ein Schweizer nicht lange reisen. Ein Ausflug zu unseren deutschen Nachbarn genügt. Erzählt man diesen vom momentanen «Zügeln», wird man vermutlich einen verwirrten bis leicht mitleidigen Blick ernten. Zügeln wird in Deutschland nämlich nur im Zusammenhang mit «bremsen, zurückhalten» gebraucht.

Zur Erheiterung hingegen führt, wenn man in einer rumänischen Runde auf den Geburtstag eines Kollegen anstösst und dabei laut «Prost!» ruft. Das «prost» aus dem Rumänischen heisst übersetzt nämlich so viel wie «doof».Reist man etwas weiter, nach Holland, heisst es noch mehr aufgepasst. Denn durch die enge Verwandtschaft der deutschen mit der niederländischen Sprache gibt es hier auffallend viele Wortpaare, deren Freundschaft doch nicht so aufrichtig ist. Wenn ein Holländer zum Beispiel auf seinen Kopf zeigt und «doof [dof]» sagt, will er damit andeuten, dass er taub ist.

Sehr spannend ist folgende Erkenntnis: Falsche Freunde brauchen es nicht ewig zu sein, es kann auch eine tiefe Verbundenheit entstehen. So hatte zum Beispiel «realisieren» im Deutschen bis vor einiger Zeit nur die Bedeutung von «verwirklichen, umsetzen». Heute wird «realisieren» durch die häufige und wiederholt falsche Verwendung durchaus auch im Sinne von «wahrnehmen, bemerken, erkennen» verwendet, angelehnt an das englische «to realize/realise». Sogar der Duden hat diese Bedeutung mittlerweile übernommen. Zu hoffen bleibt, dass sich diese Erkenntnis nicht auf das wahre Leben übertragen lässt. Zu erschreckend der Gedanke, man könnte sich an einen falschen Freund gewöhnen und ihn sogar den «richtigen» Freunden vorziehen.

Zwar kein falscher Freund, aber trotzdem ins Fettnäpfchen treten kann, wer etwa in Kuba eine hübsche Frau mit einem Kompliment beglücken will. So bedeutet «una chica guapa» in Havanna ein aggressives/wildes Mädchen – ganz im Gegensatz zu Spanien, wo sich dadurch durchaus einer Frau ein Lächeln aufs Gesicht zaubern lässt.

Quelle: wikipedia.org

Die Sprache des Fussballs

4. Juli 2014

Nach drei erfolgreichen Jahren gab er Ende Mai 2014 überraschend seinen Rücktritt als Trainer des FC Aarau bekannt: René Weiler. Dem Fussball selbst kehrt er jedoch nicht den Rücken – und so war er als Zuschauer an der Fussball-WM in Brasilien hautnah dabei. Uns erzählt er exklusiv von seinen Reiseerlebnissen. Dabei sticht eines heraus: Sprache hat die Eigenschaft, Menschen inner- und ausserhalb des Fussballstadions zu vereinen – oder eben halt nicht.

René Weiler startete seine Spielerkarriere vor 13 Jahren beim FC Winterthur – mit Jogi Löw als Teamkollegen.

René Weiler startete seine Spielerkarriere vor 13 Jahren beim FC Winterthur – mit Jogi Löw als Teamkollegen.

René Weiler: «Mein kurzfristiger Abstecher an die WM in Brasilien hat mir wieder einmal gezeigt, dass Fussball einerseits verbindet und andererseits eine einzige Sprache ist – zumindest was das Spiel angeht. Egal, wer eine Partie bestreitet oder leitet, die Stimmung und Stimme auf den Rängen und im Stadion ist dieselbe. Die Laola-Welle verdeutlicht das am besten; diese Massendarbietung wird während der Spiele denn auch oft praktiziert. Dasselbe Verständnis untereinander gilt bei den Spielern und den Schiedsrichtern. Ob die Engländer gegen die Italiener spielen oder ein Japaner ein Spiel zwischen Südamerikanern und Europäern pfeift, alle – auch die Zuschauer – verstehen sich mit oder ohne Worte. Während das im Stadion also einwandfrei funktioniert, waren meine kommunikativen Probleme ausserhalb doch erheblich grösser. Obwohl der englischen und auch französischen Sprache mächtig, stand ich mit meinen nicht vorhandenen Portugiesischkenntnissen im Verkehr, in der Stadt, in den Restaurants und oftmals auch in den Hotels buchstäblich auf verlorenem Posten. Dies bestärkte mich erst recht, die nun freie Zeit, die mir nach meinem Rücktritt als Trainer des FC Aarau zur Verfügung steht, sinnvoll zu nutzen und mir wichtige Fähigkeiten für das Leben und das Weiterkommen im Fussball-Business anzueignen. Dazu gehören die Sprachen. Je perfekter, desto besser. Dialoge sind gewinnbringend und vereinen nicht nur Menschen in einem Fussballstadion, sondern auch ausserhalb. Weltweit!»

Über seine Pläne will René Weiler noch nichts verraten. Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Unser Tipp: Es hat definitiv etwas mit Fussball zu tun. Vielleicht ein Trainerjob in Brasilien?