Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Team’

Wort der Woche: «Software»

14. September 2015

Bei Übersetzungen von Softwares, ERP-Systemen oder anderen technischen Texten ist es wichtig, dass jedes Wort stimmt. Nur so werden fehlerhafte Bedienungen vermieden und Kunden begeistert. Unsere Mitarbeiterin Doris Martin, Stv. Leiterin Projektmanagement, hat selber 10 Jahre lang Softwares übersetzt und weiss genau, worauf es ankommt.

Doris Martin ist unsere Expertin wenn es um technische Übersetzungen geht.

Doris Martin ist unsere Expertin wenn es um technische Übersetzungen geht.

TRANSLATION-PROBST AG: Weshalb muss man eine Software übersetzen? Es können doch fast alle Englisch …
Doris Martin: Für die Lokalisierung von Softwareprogrammen und Websites waren anfangs Marketingstrategien ausschlaggebend. So wollte man Kunden mit bescheidenen oder keinen Englischkenntnissen erreichen. Denn es ist ein Mythos, dass alle Englisch können. Man muss die Sprache des Kunden sprechen. Im Sinne der Globalisierung kommt man heute nicht um eine professionelle Lokalisierung herum. Wer sich heutzutage weltweit «positionieren» und seinen Umsatz steigern möchte, passt seine Produkte auch sprachlich an. Mit der Zeit sind weitere Faktoren dazugekommen. Zum Beispiel verlangen Bestrebungen der EU oder von einzelnen Ländern eine sprachliche Anpassung der Produkte an den jeweiligen Wirtschaftsmarkt. Nehmen wir unsere frankophonen Nachbarn als Beispiel. In Frankreich wurden Sprachgesetze geschaffen, gemäss derer u.a. importierte Software für den französischen Markt vollumfänglich lokalisiert werden soll. Und Frankreich ist nicht das einzige Land mit einer «extremen» Sprachpolitik, die auch dem Schutz der eigenen Sprache dienen soll.

Was ist bei der Übersetzung einer Software wichtig?
Für eine erfolgreiche globale Produkteinführung ist eine frühzeitige Planung der Software wichtig. Eine Software oder App sollte von Anfang an «lokalisierungsfreundlich» entwickelt werden, d.h., es muss von Anfang an klar sein, welche Inhalte, Codes etc. wie exportiert werden, damit diese übersetzt werden. Die zu übersetzenden «Inhalte», auch Strings genannt, werden in einer String-Datei externalisiert und vom Übersetzer wenn immer möglich anhand eines CAT-Tools übersetzt. Wir sprechen hier nicht von maschineller Übersetzung. Diese CAT-Tools unterstützen den Übersetzer bei seiner Arbeit beispielsweise anhand von Translation-Memorys und Terminologie-Datenbanken, was die sprachliche und terminologische Konsistenz gewährleistet. Vom technischen Aspekt her gibt es bei der Entwicklung einer Software, die in der Zukunft übersetzt wird, Verschiedenes im Auge zu behalten. Nicht alle Sprachen lesen sich von links nach rechts und nicht alle Datums- und Zeitformate werden gleich geschrieben, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auch die Zeichencodierung muss beachtet werden, wobei UTF-8 in 99 Prozent der Fälle die richtige Wahl ist. Empfehlenswert ist auch ein enger Austausch zwischen Entwicklern und Übersetzern. Dies ist vor allem in der Testphase der Software wichtig. Wie oft haben sich Benutzer einer lokalisierten Software aufgeregt oder das Programm amüsiert belächelt, weil der Text in einem Dialogfenster abgeschnitten erscheint oder überhaupt keinen Sinn macht. Bei der Lokalisierung sollte man nicht knausrig sein und ein nettes Budget einplanen.

Was unterscheidet die Übersetzung im Bereich Technik von anderen Übersetzungen?
Im Gegensatz zu allgemeinen Übersetzungen wird bei einer technischen Übersetzung (Maschinenbau, Medizin, Computer usw.) vom Übersetzer ein gewisses technisches Know-how vorausgesetzt. Der Übersetzer ist nicht nur ein Sprachvermittler, sondern auch ein «Kenner» der Materie, der die richtige Terminologie am richtigen Ort einsetzt und sich bei technischen Dokumentationen auch bei den erforderlichen ISO-Normen für die Übersetzung auskennt. Ungenaue oder unfachmännische Übersetzungen können zum Beispiel zu einer falschen Handhabung eines Produkts führen und schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Bei der Software-Lokalisierung kann die Übersetzung auch komplexe Aufgabengebiete umfassen, die weit über eine «herkömmliche» Übersetzung hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise die Bearbeitung von Grafiken und diversen Dateiformaten, das Testen der Software und das Desktop Publishing (DTP).

Warum sollte die Übersetzung von einem professionellen Übersetzer gemacht werden?
Würden Sie einem Schreiner eine Herztransplantation anvertrauen? Oder würden Sie Ihren Hausarzt zu Rate ziehen, wenn Ihre Waschmaschine den Geist aufgegeben hat? Für eine hochwertige Übersetzung genügt es nicht, dass man eine Fremdsprache beherrscht. Neben einer umfänglichen sprachlichen und fachlichen Ausbildung verfügt ein professioneller (Fach-) Übersetzer als Muttersprachler auch über das erforderliche Sprachgefühl, um einen Text so in der anderen Sprache wiederzugeben, dass er nicht nach «Übersetzung riecht». Ein Text wird vorab analysiert (Intention des Verfassers, Textsorte, Tonalität/Stil, sprachliche und kulturelle Aspekte des Zielpublikums etc.) und danach fachspezifisch übersetzt. Wenn vom Kunden keine Terminologie-Listen oder Referenztexte vorliegen, muss der Übersetzer selbstständig Recherchen anstellen, damit das Wording und die Corporate Language des Kunden in der Übersetzung reflektiert werden und diese nicht nur als eine «wörtliche Wiedergabe» des Ausgangstextes daherkommt.

Wie wichtig ist ein einheitliches Wording bei Übersetzungen?
Ein einheitliches Corporate Design prägt das Image einer Marke nach aussen. Aber auch Texte beeinflussen das Erscheinungsbild, und oft wird das Corporate Wording als Teil der Corporate Identity vernachlässigt. Ein einheitliches Wording erhöht den Wiedererkennungswert eines Unternehmens oder einer Marke und vermittelt Professionalität und ist daher unverzichtbar. Eine einheitliche, widerspruchsfreie und klare Sprache erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt, eine Marke oder eine Dienstleistung gekauft wird. Und dies sollte sich wie ein roter Faden durch die gesamte Unternehmenskommunikation ziehen, von den E-Mails, Geschäftsbriefen, PR-Texten über Broschüren, technische Dokumentation bis hin zu den Texten für die Website und die Social Media. Für treffsichere Übersetzungen, die technische Fachausdrücke oder die Corporate Language einhalten, setzt dies eine methodische und regelmässige Terminologie-Arbeit und -pflege voraus. Heutzutage gibt es professionelle Terminologie-Management-Systeme, die mit Translation-Memory-Systemen zusammenarbeiten und so den Übersetzern bei ihrer täglichen Arbeit hilfreich zur Seite stehen.

Interview mit einer Fachdolmetscherin aus dem Medizinbereich

7. Juli 2015

Anna M. dolmetscht schon seit vier Jahren für uns im Medizin- und Pharmabereich. Sie lässt uns hinter die Kulissen blicken und erzählt, auf welch originelle Art ein Professor für Urologie das Publikum über Testosteron aufgeklärt hat.

Anna, was ist das Besondere bei der Verdolmetschung eines Arzt-Patient-Gesprächs?
Bei der Verdolmetschung eines Arzt-Patient-Gesprächs achte ich einerseits auf die sprachlichen und kulturellen Unterschiede und andererseits auf eine klare Wiedergabe des Gesagten, damit keine Missverständnisse aufkommen. Gefühle und persönliche Ansichten haben da keinen Platz – ich bin lediglich das Sprachrohr zwischen den beiden Parteien und versuche, mich neutral zu verhalten. Ausserdem passe ich mich situativ der Ausbildung und dem Wissensstand des Patienten an, je nachdem kann es durchaus hilfreich sein, wenn ich «einfache» Begriffe statt des medizinischen Fachjargons bei der Verdolmetschung benutze. Besonders wichtig ist zudem, dass die Schweigepflicht respektiert wird.

Anna M. passt sich bei der Verdolmetschung dem Vorwissen des Patienten an.

Anna M. passt sich bei der Verdolmetschung dem Vorwissen des Patienten an.

Wäre es nicht praktischer, wenn ein Verwandter des Patienten die Verdolmetschung übernehmen würde?
Wie ich vorher bereits erwähnt habe, ist die emotionale Distanz zum Patienten von hoher Bedeutung. Übernimmt ein Verwandter des Patienten die mündliche Übersetzung des Gesprächs, kann dies zu mehreren Problemen führen. Erstens könnte sich der Verwandte von Vorurteilen, Gefühlen oder persönlichen Einstellungen gegenüber dem Arzt oder den vorgeschlagenen Operationen leiten lassen. Ob absichtlich oder ungewollt: Der Verwandte könnte dem Patienten seine eigene Interpretation des Gesagten rüberbringen. Ferner weiss der Verwandte wohl über die Krankheit oder die Probleme des Patienten Bescheid, kennt aber weder die Fachausdrücke noch die Materie. Muss ihm der Arzt zuerst alles erklären, entstehen grosse zeitliche Lücken, in denen der Patient nichts versteht und eventuell ungeduldig oder entmutigt wird. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass der Verwandte aufgrund fehlender Professionalität nicht alles verdolmetscht, was gesagt wird, worauf der Patient jedoch das Recht hat.

Kannst du dich an ein spezielles Erlebnis während des Dolmetschens erinnern?
Nun, Empathie für das Fachpublikum ist nicht nur bei der Verdolmetschung gefragt. Anlässlich eines Workshops im Ausland durfte ich fürs Medizinpersonal mehrere Stunden lang dolmetschen. Was niemand wusste: Der Gastgeber hatte als Überraschung einen Professor für Urologie eingeladen. Und zwar nicht einen älteren Herrn mit Brille und weissem Kittel, wie man denken würde, sondern einen Rockertyp mit zusammengebundenen Haaren à la Karl Lagerfeld. Sogar eine Gitarre hatte er dabei. Zuerst erklärte er mit viel Humor den Einfluss von Testosteron auf das männliche Wesen – in allen Details und mit einer Vielfalt von Bildern. Im Anschluss daran bat er das Publikum, mit ihm zusammen Lieder der Beatles zu singen. Das war sehr ungewohnt, aber eine willkommene Abwechslung zur eher trocken vorgetragenen Materie während des übrigen Workshops, die das Publikum mit einer Standing Ovation honoriert hat!

Haben Sie einen wichtigen Anlass geplant, für den Sie einen Dolmetscher brauchen? Dann profitieren Sie von unserer langjährigen Erfahrung als Organisationspartner für Dolmetscher-Einsätze. Gerne unterbreiten wir Ihnen eine schnelle, unverbindliche Offerte.

Wort der Woche «Sage»

8. Juni 2015

Eine Sage ist ein «ursprünglich mündlich überlieferter Bericht über eine im Einzelnen nicht verbürgte, nicht alltägliche, oft wunderbare Begebenheit». So definiert es der Duden. Nun, hört her, über welch wunderbare Begebenheit ich euch berichten werde:

«Wir schreiben das Jahr 2005. Die Stimmung im Lande ist gedrückt. Die Bewohner werden von verschiedenen Feinden geplagt: Orthographiefehler nisten sich in Texten ein, Missverständnisse gehen umher und Unverständlichkeiten machen das Leben schwer. Die Unternehmenskommunikation wünscht sich sehnlichst eine einheitliche Firmensprache. Fehlerhafte Übersetzungen hingegen lachen sich ins Fäustchen und transportieren munter falsche Botschaften. Ihr Ziel ist die totale Ausrottung der Sprachen mithilfe sprachlicher Verwirrungen und Irrungen. Doch sie haben nicht mit einem mutigen, jungen Kämpfer gerechnet. Dieser macht sich auf, um das drohende Unheil abzuwenden und das Land zu mehr Einheitlichkeit und Korrektheit zu führen. Das stellt sich nicht als so einfach wie gedacht heraus, denn die fehlerhaften Übersetzungen und ihre Verbündeten sind hartnäckige Gegner. Des Weiteren muss unser Kämpfer gegen Drachen kämpfen, die ihm Feuer in den Weg speien.

Wer setzt sich durch: der Drachen oder unser willenstarker Kämpfer?

Wer setzt sich durch: der Drachen oder unser willensstarker Kämpfer?

Da sind spitzbübische Kobolde, die versuchen, sich seine Ideen unter den Nagel zu reissen. Doch dank seines tapferen Charakters, seines Durchhaltewillens und seiner Schlagkraft ist er bestens gerüstet für den Kampf. Das Schicksal spielt unserem Kämpfer auf seinem Weg oft in die Hände, so auch als er Bekanntschaft mit einem niedergeschlagenen, sechsäugigen Riesen macht. Der Riese erzählt ihm von seiner Misere: die Liebe zu einer fernab lebenden Prinzessin, deren Sprache er nicht spricht und die den weitherum gefürchteten König Anglizismus als Vater hat. Der Riese ist dem beherzten Krieger umgehend sympathisch, und so verspricht er ihm, den Vater seiner Angebeteten mit einem übersetzten Brief treffsicher von seiner ehrbaren Absicht zu überzeugen. Im Gegenzug überlässt ihm der Riese sein Atelier für ein paar Goldmünzen.
Es ist ein nasser und graukalter Morgen im April, als unser furchtloser Kämpfer den Stift ansetzt, um den Vertrag mit dem sechsäugigen Riesen zu unterschreiben. Der Himmel lichtet sich, und Sonnenstrahlen kitzeln die Gesichter der Bewohner. Diese schauen sich mit grossen Augen an, sie spüren die Veränderung, die in der Luft liegt. Mit der Unterschrift allein haben sich die Drachen, die Kobolde und die bösen Feen jedoch nicht in Luft aufgelöst. Die fehlerhaften Übersetzungen wüten weiter. So schliesst unser draufgängerischer Held Freundschaft mit Elfen und Zauberern, die mit ihm in den Kampf ziehen. Gemeinsam bieten sie Flüchtigkeitsfehlern die Stirn und vertrauen die Aufträge aus dem Geschäftsleben der Bewohner nur denjenigen Übersetzern, Dolmetschern und Lektoren an, die Meister in ihrem Fach sind. Von tückischen Sprachen, die vorgeben, die gleichen zu sein, lassen sie sich nicht irreführen. So unterscheiden sie zum Beispiel strikt zwischen dem Deutschen, wie es in ihrem Lande und wie es im grossen Nachbarland gesprochen wird, und entlarven Helvetismen im Handumdrehen. Im Andenken an den sechsäugigen Riesen entwickeln sie das 6-Augen-Prinzip, das eine höchstmögliche Qualität der Übersetzungen und Texte garantiert. Und wenn sie nicht gestorben sind, so übersetzen, texten und dolmetschen sie noch heute mit Qualitätsgarantie.»

Das war sie, meine Sage. Okay, die Form des letzten Satzes gehört wohl eher in ein Märchen. Tatsächlich ist eine Sage dem Märchen ähnlich (so waren es auch die Gebrüder Grimm, die den Begriff der Sage prägten) – nur ist der Realitätsanspruch einer Sage bedeutend höher. Dabei vermischen sich die subjektive Wahrnehmung und das objektive Geschehen so stark, dass übernatürliche, unglaubhafte Begebenheiten zum Wesenskern der Sage werden.

Am Donnerstag steigt die richtige Jubiläumsfeier der TRANSLATION-PROBST AG.

Wie dem auch sei, folgende weitere mündliche Überlieferung möchte ich euch nicht vorenthalten: Das Jahr 2015 zelebriert die Übersetzungsagentur ganz besonders, denn in es fällt ihr Zehn-Jahre-Jubiläum. An dieser Stelle deshalb ein lautes «Happy Birthday» an den CEO Roman Probst und seine Elfen und Zauberer der TRANSLATION-PROBST AG! 

Wort der Woche «Deutsch»

20. April 2015
Deutsch_TRANSLATION-PROBST AG

Über sprachliche Missverständnisse in der Schweiz weiss Julia Kasig viel zu erzählen.

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Sogar unsere sprachaffine Projektmanagerin Julia Kasig trifft immer wieder auf neue, witzige, überraschende und für sie ungewöhnliche Wörter aus dem Deutschen. Welche Wörter und Anekdoten aus ihrem Alltag in der Schweiz das sind, erzählt sie Ihnen in diesem Artikel. 

Schon in der Schule entdeckte ich meine Faszination für Sprachen: Englisch, Französisch, Latein, Italienisch, Niederländisch, Mittelhochdeutsch – ja sogar im Finnischen versuchte ich mich eine Weile. Ich fand es spannend, die Verwandtschaft zwischen Sprachen zu erkennen, und war gleichzeitig fasziniert von der Differenz zwischen den Sprachen. Ich musste jedoch erst meine norddeutsche Heimat verlassen und mein Studium im Saarland aufnehmen, um mir der imposanten Vielfalt meiner eigenen Muttersprache bewusst zu werden. Natürlich wusste ich schon vorher, dass es verschiedene Dialekte in Deutschland gibt, dass die Schweizer anders sprechen als die Österreicher und beide anders als die Deutschen. Mein Studium im Saarland (wo man übrigens «holen» statt «nehmen» sagt und ich bis zum Ende meiner Studienzeit immer irritiert war, wenn ich gefragt wurde, ob mein Essen zum Mitholen sei) bot mir die Gelegenheit, die Diversität der deutschen Sprache, die verschiedenen Dialekte und Redensarten hautnah und täglich in meinem Freundeskreis zu erleben. Bis dahin hing ich selbst der naiven Idee an, ich als Norddeutsche würde «reines» Hochdeutsch sprechen, völlig dialekt- und akzentfrei.

«Moin» zu jeder Tages- und Nachtzeit
Welch ein Irrtum! Denn im Saarland machten mir meine Freunde klar, ich könne meine norddeutsche Herkunft nie und nimmer leugnen. Der Einfluss des eher in den ländlichen Gebieten und von den älteren Generationen gesprochenen Plattdeutschen färbte sich offensichtlich ab auf meine Sprachmelodie und meine Art und Weise, Silben zu betonen und Endungen auszusprechen oder zu verschlucken. In der Tat herrscht bei uns zum Beispiel die Tendenz, ein «g» am Wortende zu einem «ch» abzuwandeln und so «fahr’n wir nach Hamburch» und «haben’s eilich» zu sagen. Auch einige der mir völlig geläufigen Wörter stiessen bei meinen Freunden aus dem Rheinland, dem Frankfurter Raum oder Süddeutschland auf Unverständnis oder Schmunzeln: Denn meine Heimat ist dort, wo man sich zum «Schnacken» (Duden sagt: reden, sprechen, zwanglos plaudern) mit Bekannten trifft. Wo man sich mit «Moin» (alternativ auch «Moin Moin») begrüsst – und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dort, wo man sich als Kind «‘ne Schlickertüte für ‘ne Mark» (gemischte Tüte) kauft. Wo die Oma sagt, man solle «nicht so einen Flunsch ziehen», wenn man nicht ganz glücklich dreinschaut. Wo die Leute nie betrunken, sondern allenfalls «angeschickert», schlimmstenfalls «duun» sind. Meine Heimat ist dort, wo man seine Küche «feudelt» (Feudel = Wischlappen), wo Kinder mit einem «Tüdelband» spielen und Omas manchmal schon etwas «tüdelig» (durcheinander) sind. Und dort, wo definitiv nicht immer nur «Schietwedder» ist.

Hochdeutsch vs. Schweizer Hochdeutsch
Während des Studiums lernte diese norddeutsche «Deern» (Mädchen), die ich war, einen Mann kennen, der in der Schweiz lebte. Ich war zuversichtlich, das Schweizerdeutsche würde mir keinerlei Probleme bereiten. Immerhin war ich durch den Luzerner «Tatort» bestens mit der Sprache dieses Landes vertraut. Dass der «Tatort» aus Luzern für das deutsche Fernsehen ins Hochdeutsche synchronisiert und der Authentizität halber lediglich ein Schweizer Akzent beibehalten wurde, erfuhr ich dann bei meinem ersten Besuch in der Schweiz. Tatsächlich bereitete mir der Einstieg in die schweizerdeutsche Sprachregion relativ wenige Probleme. Viele schweizerdeutsche Begriffe konnte ich aus dem mir vertrauten Französischen ableiten: Ein Eis ist hier ein Glacé, ein Hühnchen wird Poulet genannt, Wohnungen haben manchmal ein Cheminée, Fahrrad heisst Velo, und die Haare schneidet man beim Coiffeur. Ich stellte ausserdem fest, dass es im Schweizerdeutschen häufig ein eleganter klingendes Pendant zu deutschen Wörtern gibt. «Offerieren» klingt für mich nach einer besonders höflichen Art des Anbietens, und während die Deutschen ihr Auto irgendwo parken, handhaben es die Schweizer deutlich kultivierter: Sie parkieren. Allerdings muss ich auch zugeben, dass es einige Wortpaare gibt, bei denen ich die deutschlanddeutsche Variante treffender finde. Nehmen wir zum Beispiel den Grillabend. Finden Sie nicht auch, dass das spezielle Flair eines geselligen, gemütlichen Grillabends in «wir grillen» besser zum Ausdruck kommt als in «wir grillieren»?

Amüsante Missverständnisse
Obwohl ich mich mittlerweile gut mit Schweizern verständigen kann, kommt es ab und an zu lustigen Missverständnissen. So hatten wir in meinem ersten Monat einmal Besuch zum Abendessen von einem Schweizer Freund. Zum Dessert hatte ich mit viel Liebe einen Butterkuchen gebacken und war sehr gespannt, wie dieser bei unserem Gast ankommen würde. «Mmhh, dä schmöckt fein», war seine Reaktion. Eigentlich ein nettes Kompliment an die Köchin – wenn sein Kuchenstück nicht völlig unangetastet gewesen wäre. Etwas beleidigt sagte ich ihm, er solle ruhig erst einmal ein Stückchen probieren, bevor er sich ein Urteil über den Geschmack erlaube. An diesem Abend lernte ich, dass das schweizerische «schmöcken» nichts mit dem deutschen «schmecken» gemein hat, sondern «riechen» bedeutet. Ein weiteres Missverständnis offenbarte sich, als ich im Büro fragte, wo eine Kollegin denn momentan wohne, wenn sie täglich mit dem Zug fahren müsse. Für mich war völlig selbsterklärend, dass die Aussage «Ich bin zurzeit am Zügeln» nur meinen könne, sie würde derzeit mit dem Zug nach Winterthur und zurück pendeln müssen. Spätestens nach dem Umzug der TRANSLATION-PROBST AG ist mir das Wort «zügeln» mittlerweile absolut vertraut und löst keine Irritationen mehr aus. Wohl aber folgende Szene: In einem Geschäft war das Besteck, das ich mir ausgesucht hatte, nicht mehr komplett vorrätig. Auf Nachfrage «offerierte» mir die Verkäuferin, die fehlenden Teile für mich zu bestellen. Sie verabschiedete sich von mir mit den Worten: «Ich gebe Ihnen ein Telefon, wenn Ihr Besteck vollständig angekommen ist.» Da ich eins und eins zusammenzählen konnte, war mir klar, was sie mit dieser Aussage meinte. Und dennoch: Bis heute habe ich das Bild nicht aus dem Kopf bekommen, wie ich den Laden betrete und die Verkäuferin mir ein Telefon in die Hand drückt.

Aus den amüsanten Anekdoten von Julia Kasig merkt man schnell, dass es bei Sprachen auf Feinheiten ankommt. Genau deshalb ist es so wichtig, dass bei Übersetzungen nur Fachübersetzer eingesetzt werden, die sowohl das Fachgebiet als auch die Sprache der Zielgruppe, die immer ihre Muttersprache ist, exakt kennen. Bei der TRANSLATION-PROBST AG können Sie sich darauf verlassen, dass Ihre Übersetzungen unter Berücksichtigung der Tonalität und sprachlichen Besonderheiten der Zielgruppe treffsicher in die Zielsprache übersetzt werden.

Wort der Woche «Osterbrauch»

30. März 2015

Sie können sich Ostern ohne Schokoladeosterhasen und Eier nicht vorstellen? Nun, andere Länder, andere Sitten. Um mehr über die verschiedenen Osterbräuche herauszufinden, reicht im Falle der TRANSLATION-PROBST AG eine Umfrage im Team – denn dieses ist nicht nur treffsicher, sondern auch international.

Ich kenne Ostern ja vor allem so: Am Ostersonntag versteckt der Osterhase Eier und/oder Schokolade, die von den Kindern (oder Erwachsenen) gesucht und gefunden werden müssen. Beim anschliessenden «Eiertütschen» heisst es Treffsicherheit beweisen: Je zwei Spieler schlagen mit der Spitze eines hartgekochten Eis auf die Eispitze des Gegenspielers – mit der Absicht, dessen Schale zu zerbrechen. In meiner Familie wird dies jeweils reihum am Tisch gespielt, als Sieger geht derjenige mit dem am Schluss einzigen unversehrten Ei hervor. Diesen alten Osterbrauch gibt es übrigens nicht nur in der deutschsprachigen Schweiz, sondern vor allem auch in der bayerischen Oberpfalz, im Südtirol, in vielen österreichischen Regionen über den Balkan bis nach Russland. Dabei variieren auch die Ausdrücke dafür, z. B. «Oarhiartn» (Eierhüten) in Bayern, «Aalan tuatschn» in Kärnten oder «Ostereier kippe» in Köln.

Text über Osterbräuche

Kein Ei gleicht dem anderen. So ist es auch mit den Osterbräuchen.

Ostereier geworfen und gerollt
Mein deutscher Arbeitskollege, der viele Jahre in München gelebt hat, erzählt mir von einer etwas unsanfteren Methode. So haben sie die Eier nicht etwa «getütscht», sondern im Garten geworfen. Dieses Ostereierwerfen wird eigentlich vor allem im Norden Deutschlands zelebriert. Derjenige mit dem besten «Eierwerfgefühl», sprich: wer das hart gekochte Ei am höchsten und weitesten wirft, ohne es zu zerbrechen, gewinnt. Auch hier gibt es regionale Unterschiede, manche werfen die Ostereier über das eigene Hausdach.

Auch in den USA geht es bunt zu und her, wie die traditionelle «Easter Parade» auf der 5th Avenue in New York City zeigt. Verkleidete Personen ziehen mit farbig geschmückten Wagen durch die Strassen. Auch Barack Obama kommt um Ostern nicht herum: Im Weissen Haus findet «The White House Easter Eggs Roll» (Eierrollen) statt, bei dem am Schluss jeder Teilnehmer ein vom Präsidenten und seiner Gattin signiertes Holzei erhält.

In Bulgarien hingegen werden Ostereier nicht bemalt, sondern die Bewohner der Städte bewerfen sich mit rohen Eiern. Sieger ist wiederum der, dessen Ei nicht zerbricht. Dieser soll das erfolgreichste Familienmitglied im kommenden Jahr werden. Hartgekochte Eier werden, wie übrigens auch in Griechenland, Russland, Serbien und Schweden, rot bemalt als Symbol für das neue Leben, das durch das Opfer Christi erworben wurde. Ältere Hausfrauen werden traditionellerweise mit dem ersten rot gefärbten Ei eingestrichen, dies soll ihnen Gesundheit und Stärke verleihen.

Kindheitserinnerung aus Italien
Etwas weiter im Süden kennt man zum Teil ganz andere Ostertraditionen. Ein Arbeitskollege lässt mich an einer seiner Kindheitserinnerungen von Ferien in Italien teilhaben (Angaben ohne Gewähr): «Zwei grosse Menschentrauben gingen vor der Kirche in der Stadt Notto aufeinander zu. Jede Gruppe hatte eine mindestens drei Meter hohe Holzstatue dabei – getragen von ca. 20 Mann auf einer Art Sänfte. Eine Statue stellte Maria dar, die andere Jesus. Als sie beieinander angekommen waren, kippten sie die schweren Statuen so, dass sie sich küssen konnten. Dies sah nach einem brutalen Kraftakt für die Träger aus. Danach stürmten die Statuenträger Seite an Seite mitsamt den Statuen absolut halsbrecherisch die Kirchentreppe hinauf. Was danach geschah, weiss ich nicht mehr genau. Die Statuen wurden wohl besungen und gefeiert.» So findet am Karfreitag in vielen Orten Italiens eine Prozession statt, bei der jedoch meistens das Kreuz schweigend durch die Strassen getragen wird. Die Auferstehung Christi wird am zweiten Feiertag im Kreise der Familie und Freunde gefeiert.

Schön finde ich folgende Geschichte aus Australien. An Ostern schöpfen verliebte Paare Wasser aus einem Bach, das sie bis zu ihrem Hochzeitstag aufbewahren. Bevor sie in die Kirche treten, bespritzen sie sich gegenseitig damit. Dies soll Glück bringen.

Ungewohnte Stille in Frankreich
Und während in so ziemlich allen christlichen Ländern die Kirchenglocken zu Ostern kräftig geläutet werden, um die Gläubigen in die Kirche zu bitten, bleiben die französischen Glocken merkwürdig still, wie ich von unserer französischen Leiterin des Dolmetschermanagements erfahre. Tatsächlich, von Karfreitag bis Ostersonntag hört man in Frankreich keine einzige Kirchenglocke. Den Kindern erklärt man diese Stille wie folgt: Nach dem Gründonnerstag flögen die Kirchenglocken nach Rom, um sich dort vom Papst segnen zu lassen. In Rom bekämen sie auch Süssigkeiten, die sie auf dem Rückflug in die Glockentürme hie und da verlieren würden. Es sei die Aufgabe der Kinder, diese dann aufzuspüren. Erst beim Auffinden aller Süssigkeiten erklingen die Glocken am Ostersonntag wieder und läuten den ganzen Vormittag lang. Typische Süssigkeiten sind kleine Zuckereier und Schokolade in Form von Meeresfrüchten, Muscheln und Fischen. Ein weiterer Unterschied zur Schweiz: Der Karfreitag ist kein gesetzlicher Feiertag.

Hot cross buns

Das Kreuz auf den Buns hat einen religiösen Ursprung.

Das Kreuz auf den Buns hat einen religiösen Ursprung.

Zu Ostern gehört auch Essen. In deutschsprachigen Ländern und den Niederlanden gibt es als Ostergebäck traditionellerweise einen Kuchen in Hasen- oder Lammform. In Neuseeland, wo eine Mitarbeiterin aus dem Projektmanagement ihr Studium absolviert hat, isst man während der Osterzeit «hot cross buns», die «mit Butter bestrichen und noch warm gegessen besonders lecker sind». Nun, bevor ich meine eigene Treffsicherheit an Ostern unter Beweis stellen werde, möchte ich Ihnen noch einen Tipp für Ihr erfolgreiches «Eiertütschen» auf den Weg geben: Suchen Sie sich ein Ei von einem möglichst jungen Huhn aus. Diese Eier verfügen über eine Extraportion Proteine in der Schale und sind dadurch stabiler als andere. In diesem Sinne – viel Erfolg und ein egg-cellentes Osterfest!