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Archiv für die Kategorie ‘Texter’

Wort der Woche «Texten»

19. Oktober 2015

Texte sind im beruflichen Alltag ausschlaggebend, um in der Geschäftswelt erfolgreich zu sein. Geht Ihnen diese Arbeit nicht so leicht von der Hand? Prof. Dr. Daniel Perrin, der Leiter des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft an der ZHAW in Winterthur, hat für Sie einige Tipps zum Texten.

Prof. Dr. Daniel Perrin, der Leiter des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft an der ZHAW in Winterthur.

Prof. Dr. Daniel Perrin, der Leiter des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft an der ZHAW in Winterthur

TRANSLATION-PROBST AG: Weshalb sind treffsichere Texte im Berufsleben wichtig?
Prof. Dr. Daniel Perrin: Weil leichter ans Ziel kommen kann, wer ins Schwarze trifft. Das heisst, wenn Sie Ihre Zielgruppe erreichen und aus der Masse herausstechen wollen, müssen Sie deren Geschmack und Sprache genau treffen. Dies gelingt durch treffsichere Texte.

Im Alltag muss man oftmals unter Druck schreiben. Wie geht man am besten damit um?
Wichtig ist, dass man sich voll und ganz auf den Schreibauftrag konzentriert und nicht noch an fünf anderen Pendenzen rumstudiert. Das verursacht nur zusätzlichen Stress und hilft nicht weiter. Räumen Sie sich ein Zeitfenster ein, während dessen Sie ungestört schreiben können. Kurz gesagt: Die Zeit gut einteilen – und gelassen bleiben.

Wie weiss man, ob der eigene Text gut ist?
Gut ist ein Text, wenn er Testleser der Zielgruppe in die gewünschte Richtung bewegt. Dies können Sie ausprobieren, indem Sie den Text einer Person zu lesen geben, die die Zielgruppe vertritt oder ihr sehr nahe kommt. Ist dies nicht möglich, geben Sie ihn einer Person, die sich gut in die Zielgruppe hineinversetzen kann. Vier Augen sehen auf jeden Fall immer mehr als zwei.

Welche Tricks helfen beim Texten?
Wissen, was man will, und sich vor dem Schreiben mit einer kurzen Lektüre guter Sprache einstimmen. Das steckt an. Was gute Sprache ist? Für mich: mit gewöhnlichen Wörtern ungewöhnliche Dinge sagen.

Wie überwindet man eine Schreibblockade?
Bei Schreibblockaden lesen viele immer und immer wieder, was sie schon geschrieben haben. Das hilft nichts. Ein Tapetenwechsel hingegen kann sehr wirkungsvoll sein. Wie dieser genau aussieht, muss jeder für sich selber entscheiden. Meiner zum Beispiel: Apfel essen, dann zurück an den Computer gehen, abdecken, was ich schon geschrieben habe, und genau dort weiterschreiben, wo ich war.

Möchten Sie noch etwas ergänzen?
Etwas klar und einfach schreiben zu können, heisst, es verstanden zu haben. Schreiben ist also ein Werkzeug nicht nur des Mitteilens, sondern auch des Denkens. Das macht Schreibforschung und Schreibberatung so spannend für mich – und bedeutsam für alle, die gut und gern schreiben wollen.

Ein klarer Fokus und ein Apfel können beim Schreiben also wahre Wunder bewirken. Fühlen Sie sich doch noch nicht ganz sicher, erhalten Sie bei der Lektüre des Buches „Schreiben im Beruf“ von Prof. Dr. Daniel Perrin (www.danielperrin.net) viele weitere hilfreiche Tipps.

Wort der Woche: «Online-Text»

7. September 2015

Diese Woche berichten wir ausnahmsweise über zwei Wörter: «Online» und «Text». Otto Waalkes würde «Online» wohl mit «an der Leine» übersetzen. Ganz Unrecht hätte er dabei nicht. Schliesslich hängen wir an der Leine oder Linie, die uns mit dem weltweiten Internet verbindet. Beim Text ist es etwas einfacher: Das Wort stammt vom lateinischen «texere» ab, was «weben» bedeutet. Ein Text ist somit ein Geflecht aus Informationen − passend zum weltweiten Gewebe namens Internet. Doch worauf gilt es bei «Online-Texten» zu achten? Auf ein Wort.

Oder Keyword. Suchmaschinenoptimierte Texte sind heute in aller Munde. Es gilt, nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Suchmaschinen zu schreiben und dabei die richtigen Stichworte oder Keywords zu treffen. Doch ist ein «Online-Text» bzw. ein Text für die digitalen Medien etwas anderes als ein «Offline-Text»? Ja und nein. Zum einen ist das Leseverhalten an Bildschirmen anders als bei Printmedien; dieser Unterschied gilt es daher zu berücksichtigen. Zum anderen gelten dennoch dieselben Regeln wie im klassischen Journalismus.

Online bis zu 30 Prozent langsamer
Lesen wir Texte online, sind wir bis zu 30 Prozent langsamer, als wenn wir ein Buch aufschlagen. Für die Autoren bedeutet dies kurze und prägnante Texte. Für die Webdesigner ansprechende Webdesigns, die den Text auflockern und den Usern gut portioniert servieren. Neben einem guten Online-Text und nutzerfreundlichen Design helfen wie im klassischen Journalismus die folgenden Elemente:

  • Aussagekräftige Titel im Schlagzeilen-Stil
  • Prägnante Überschriften und fett markierte Schlagwörter
  • Das Relevante und Wichtige zuerst: W-Fragen wie «Wer bietet was, wann, für wie viel, wo, für wen und warum an?», Nutzen, Vorteil, News gleich zu Beginn
  • Geeignete Bilder, Infografiken oder Aufzählungen
  • Ein Gedanke pro Satz
  • Leserliche Schrift
Online-Texte entscheiden über Erfolg oder Niederlage.

Online-Texte entscheiden über Erfolg oder Niederlage.

Je übersichtlicher ein Online-Text ist und je mehr Ankerpunkte wie Überschriften, fett markierte Keywords oder Infografiken und Bilder er bietet, desto leichter besteht er den «Scan Blick» der Nutzer. Denn diese schauen zunächst nur oberflächlich die relevanten Informationen an, ehe sie sich entscheiden, sich zu vertiefen. Ausserdem nehmen Online-Nutzer nur 50 Prozent aller Informationen wahr.

Wie viele Keywords dürfen es denn sein?
Etwa 4 Prozent der Gesamtzahl der Wörter in einem Text. Sonst strafen einen die Suchmaschinen ab. Die relevanten Suchbegriffe sollten auf den folgenden Ebenen eingesetzt werden:

  • URL (wenn möglich) und Browsertitel
  • Suchmaschinen-Beschreibung (bekannt auch als Google Description)
  • Überschriften
  • Am Anfang und Ende eines Abschnitts
  • In Listen oder Beschriftungen für Bilder, Infografiken, Videos oder Links

Daneben ist es ratsam, eigene Online-Texte mit weiteren ähnlichen Artikeln oder Unterseiten zu verlinken. Auch Backlinks verbessern die Suchmaschinen-Performance, sollten aber vom Inhalt her demjenigen Ihrer Website entsprechen: Es nützt Ihnen nichts, wenn Sie Schraubenschüssel verkaufen wollen und via Social Media Portale von irgendwelchen Bananenseiten empfohlen oder verlinkt werden. Alles muss also im Kontext stehen. Und bei den Keywords bedeutet dies auch, Synonyme und Umschreibungen zu verwenden, weil die Suchmaschinen kontextbezogen die Websites bewerten.

Unser SEO-Texter Pre textet Ihre Website so, dass Google und Ihre Kunden Sie gut finden.

Unser SEO-Texter Pre textet Ihre Website so, dass Google und Ihre Kunden Sie gut finden.

Relevanz entscheidet
Keywords hin oder her: Am Ende entscheidet die Relevanz Ihrer Online-Texte, ob Sie Aufträge gewinnen oder verlieren. Und Relevanz (= Bedeutung, Wichtigkeit, Gewicht) erreichen Sie nicht durch ein Sammelsurium an Keywords, sondern durch das Entdecken der Fragen, die Ihren Kunden unter den Fingernägeln brennen. Ihre Online-Texte müssen zeigen, dass Sie es sind, die die Probleme Ihrer Kunden kompetent lösen können. Sie müssen Bedürfnisse oder Sehnsüchte ansprechen. Das, was bewegt oder beunruhigt. Das Ganze unterstreichen Sie mit Belegen und Beispielen − ob mit Kundenaussagen, erfolgreichen Projekten oder Tests, z. B. vom Kassensturz oder TÜV.

Versetzen Sie sich dabei in Ihre Kunden und überlegen Sie, wie deren Tagesablauf sich gestaltet, welche Sorgen sie plagen, was sie zwischen acht und zwölf Uhr machen, welche Medien sie konsumieren oder was für Hobbys sie haben (könnten). Dann kommen Sie der Relevanz rasch näher und verstehen Ihre Kunden auch besser.

Am Ende entscheidet der Inhalt Ihres Online-Textes darüber, ob sich Ihre Kunden tatsächlich damit auseinandersetzen möchten. Wohlgemerkt freiwillig und gerne. Wenn Sie das geschafft haben, funktioniert Ihre Werbung.

Unser Wort der Woche: Dieses Mal von unserem Gastautor, Texter und PR-Berater, Predrag Jurisic. Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen im Bereich Online-Texte: Wie erleben Sie die Herausforderungen? Was können Sie unserer Community mitgeben? Was stört Sie am ganzen Suchmaschinen-Kram? Wir wollen es wissen und darüber berichten. Darum sind wir über IHREN Kommentar froh. Bis nächste Woche.

Wort der Woche «Arbeitszeugnis»

13. Juli 2015

Sie sind Arbeitgeber und einer Ihrer Mitarbeiter hat gekündigt oder muss entlassen werden? Sowohl für Sie als auch für Ihren Mitarbeiter stellt das bevorstehende Arbeitszeugnis eine Herausforderung dar: Für Sie beim Verfassen, für Ihren Mitarbeiter beim Lesen. Wir machen Sie in diesem Gebiet sattelfest, so dass Ihnen niemand ein X für ein U vormachen kann.

Ein gutes Arbeitszeugnis ist schon die halbe Miete. Zwar ist es nicht das Arbeitszeugnis, das bei einer Bewerbung von den Personalverantwortlichen zuerst ins Visier genommen wird, sondern der Lebenslauf. Im Blog von Adecco erfahren Sie, wie der perfekte CV aufgebaut ist. Enthält der jedoch Unklarheiten, z. B. aufgrund häufiger Jobwechsel, hat das Arbeitszeugnis seine Sternstunde. In den meisten Fällen wollen Arbeitgeber ihre ehemaligen Mitarbeitenden auf ihrer weiteren beruflichen Laufbahn mit einem guten Arbeitszeugnis unterstützen. Doch wie schreibt man ein gutes Zeugnis? Und für die Arbeitnehmer stellt sich hier die Frage, wie man es richtig interpretiert.

Manche erleben beim Lesen ihres Arbeitszeugnisses ihr blaues Wunder.

Manche erleben beim Lesen ihres Arbeitszeugnisses ihr blaues Wunder.

Versteckte Codes
Die berühmt-berüchtigten Codierungen, sprich positiv formulierte negative Qualifikationen, sind eigentlich verboten, da sie gegen den Grundsatz der Wahrheit und Klarheit verstossen. Trotzdem tauchen sie hie und da auf. Es muss nicht mal eine böse Absicht hinter den Codierungen stecken, aber sobald man Standardsätze blind übernimmt, legt man dem Arbeitnehmer unter Umständen ungewollt Steine in den Weg. Ist dies der Fall, hat der Arbeitnehmer das Recht, sie durch unverdächtigere Sätze ersetzen zu lassen. Steht in einem Arbeitszeugnis z. B., der Arbeitnehmer habe sich «stets bemüht» oder «sein Bestes gegeben», sollten die Alarmglocken läuten. Denn das heisst nichts weniger, als dass die Leistung mangelhaft war. Achten Sie deshalb darauf, dass im Zeugnis das Verhalten als «Er/Sie erledigte die Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit» oder «Ihre Leistungen waren überdurchschnittlich» beschrieben wird – vorausgesetzt natürlich, dass der Arbeitnehmer während der Arbeit nicht ständig die Füsse auf den Tisch gelegt hat (auch wenn das die Durchblutung fördert). Im Tagesanzeiger können Sie prüfen, wie gut Sie sich mit Codierungen auskennen.

Recht auf Arbeitszeugnis
Ein Arbeitszeugnis sollte zwar wohlwollend formuliert sein, was aber nicht heisst, dass ein Anspruch auf ein rundum positives Arbeitszeugnis besteht. Negative Äusserungen im Zeugnis sind erlaubt, sofern sie der Wahrheit entsprechen und nicht den Leistungswillen, sondern die Leistung und das Verhalten bewerten. Wurden seitens des Arbeitnehmers z. B. mehrmals Weisungen missachtet oder schränkt eine aktuelle Krankheit oder eine Sucht die Arbeitsleistung erheblich ein, darf bzw. sollte dies erwähnt werden. Seltenes Zuspätkommen oder einzelne schlechte Arbeitsleistungen haben in einem Arbeitszeugnis jedoch nichts zu suchen. Fakt ist, dass jeder Arbeitnehmer jederzeit das Recht auf ein Arbeits- bzw. auf ein Zwischenzeugnis hat – ein Grund ist nicht erforderlich. Falls Sie als Arbeitgeber gerade überhaupt keine Zeit haben, kann Ihnen der Arbeitnehmer durchaus einen selbst verfassten Text vorschlagen. Falls das nicht klappt und Sie weiterhin kein Zeugnis ausstellen, hilft es dem Arbeitnehmer, schriftlich eine Frist von ca. zwei Wochen zu setzen. Nach Ablauf dieser Frist wäre der nächste Schritt das Einschalten des Friedensrichters und, falls nötig, des Arbeitsgerichts – denn führt ein ungerechtfertigt schlechtes oder hinausgeschobenes Zeugnis dazu, dass der Arbeitnehmer keine neue Stelle findet, kann das Unternehmen schadenersatzpflichtig werden.

Als Arbeitnehmer und -geber ist es wichtig, die Arbeitsrechte zu kennen.

Als Arbeitnehmer und -geber ist es wichtig, die Arbeitsrechte zu kennen.

Von hinten nach vorne
Doch was muss alles ins Arbeitszeugnis rein? Wichtige Personalien wie Name, Geburtsdatum und Heimatort sowie der Tätigkeitsbereich und die Positionsbeschreibung dürfen auf keinen Fall fehlen. Anschliessend soll der Fokus auf die Arbeitsleistung und das Verhalten des Beurteilten gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und dem Vorgesetzten gelegt werden. Je persönlicher und individueller Ihr Schreibstil dabei ist, desto mehr Wertschätzung bringen Sie dem Zeugnisempfänger entgegen. Fällt das Zeugnis eher wortkarg aus und strotzt es vor Standardsätzen, werten Sie es dadurch automatisch ab. Allgemein ist es so, dass Personalverantwortliche beim Arbeitszeugnis so vorgehen wie die Japaner bei einem Buch: Sie lesen es von hinten nach vorne. Der Schlusssatz ist deshalb von besonderer Wichtigkeit, da er darüber informiert, wie das Arbeitsverhältnis geendet hat. Ein Austritt «im gegenseitigen Einvernehmen» deutet darauf hin, dass der Mitarbeiter entlassen wurde. Wenn Sie hingegen Dank und Bedauern ausdrücken, hinterlässt der Angestellte wohl eine grosse Lücke in Ihrem Betrieb. Gut zu wissen: Gegen den Willen des Arbeitnehmers dürfen Sie den Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht nennen.

Sie müssen ein Arbeitszeugnis schreiben und sind total überfordert? Die TRANSLATION-PROBST AG bietet Ihnen einen professionellen Texter an, der sich in der HR-Branche sehr gut auskennt. Falls Sie auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter mit dem passenden Potenzial sind, erfahren Sie hier, wie Sie Ihr Stelleninserat auf Vordermann bringen können.

Wort der Woche «Komma»

29. Juni 2015

Stehen Ihnen die Haare zu Berge, wenn Sie das Wort «Komma» nur schon hören? Oder finden Sie die Kommasetzung so überflüssig wie «Pro Bahn Schweiz» die neue Uniform der SBB? Nun, wir zeigen Ihnen, weshalb es sich doch lohnt, dem kleinen, aber feinen Satzzeichen Beachtung zu schenken.

Das Komma leitet sich vom Altgriechischen κόμμα ab und bedeutet so viel wie Einschnitt/Abschnitt. So ist es auch seine Aufgabe, bestimmte Elemente voneinander zu trennen, z. B. den Hauptsatz vom Nebensatz. Auch zwischen einzelnen Elementen einer Aufzählung darf ein Komma nicht fehlen. Ebenso bei Appositionen oder nachgestellten Wortgruppen greift ein Komma ein und trennt diese vom Rest des Satzes. Das Komma – ein rabiater Scheidungsanwalt? Keineswegs, denn das Komma bringt Struktur in diejenigen Sätze rein, die ohne dieses Satzzeichen häufig missverstanden würden. Schliesslich macht es einen gewaltigen Unterschied, ob Ihnen Ihr Kind per WhatsApp schreibt: «Komm, wir essen Papi!» oder «Komm, wir essen, Papi!».

Aber vorerst genug der Worte, testen Sie Ihr Kommawissen am besten gleich selbst: PDF

Das Komma ist aufgrund der vielen Spezialfällen das schwierigste aller Satzzeichen.

Das Komma ist aufgrund der vielen Spezialfälle das schwierigste aller Satzzeichen.

Ein Komma vor dem «und»?
Nicht jedes Komma drängt sich auf, manche sind auch freiwillig. Gewisse untrennbare Adverbien oder Konjunktionen schreien jedoch nach einem Komma, z. B. je … , desto; zum einen …, zum anderen; nicht nur …, sondern auch. Ausserdem gilt es hier, mit dem Mythos aufzuräumen, dass vor «und» nie ein Komma steht. Zwar ist seit der neuen Rechtschreibung eine ordentliche Anzahl an Regeln verschwunden, die vor «und» ein Komma verlangten. Es gibt aber immer noch den einen oder anderen Fall, wo ein Komma vor einem «und» ein Muss ist, wie Sie an folgendem Beispiel erkennen können: «Der Zug überfuhr eine Kuh, die auf den Schienen stand und entgleiste.» Nun, damit nicht die ohnehin schon arme Kuh nicht auch noch entgleist, muss hier vor dem «und» ein Komma gesetzt werden – es trennt den eingeschobenen Nebensatz ab.

Lesen mit dem «Holzwegeffekt»
Wie bereits erläutert, tragen Kommas immens zur Verständlichkeit geschriebener Texte bei, da bei diesen im Gegensatz zur gesprochenen Rede die Sprachmelodie und die Sprechpausen verloren gehen. Haben Sie schon einmal vom «Holzwegeffekt» gehört? So nennt man das Phänomen, wenn jemand beim Vorlesen bei einem sprachlichen Ausdruck mit mehreren Lesearten zuerst die falsche wählt und sich im weiteren Verlauf korrigiert, da er oder sie den Fehler aus dem Kontext erkannt hat. Ein Beispiel, das einen solchen Holzwegeffekt erzeugen kann: «Kurt las das Buch auf den Knien zu Ende.» bzw. «Kurt las, das Buch auf den Knien, zu Ende.» Während Kurt im ersten Satz das Buch bis ganz zum Schluss liest, beendet er im zweiten Satz einen Abschnitt, aber nicht zwingend das ganze Buch. Ob der Satz auch noch andere Interpretationen zulässt, wollen wir hier nicht weiter erörtern. Passen Sie ausserdem bei Adverbien am Satzanfang auf, da dort relativ häufig Kommafehler passieren.

Die Kommaregeln sind zwar nicht schwierig, sobald man sie einmal intus hat, da sie den Gesetzen der Grammatik und der Syntax entsprechen. Mit der neuen Rechtschreibung haben sie sich jedoch geändert, was vielen Leuten nach wie vor Probleme bereitet. Schauen Sie deshalb besser einmal zu viel im Duden nach, um auf Nummer sicher zu gehen. Denn: Gerade bei Bewerbungen oder Geschäftsbriefen zählt jedes Komma. Oder Sie lassen Ihren Text von uns korrigieren oder redigieren, um nicht nur sicher, sondern auch treffsicher zu sein.

Wort der Woche «Geschäftsbrief»

15. Juni 2015
Gabriela Baumgartner

Gabriela Baumgartner

Bestimmt kennen Sie diese Situation: Sie sitzen vor dem Computer und der Cursor blinkt auf dem leeren, weissen Word-Dokument. Ein Geschäftsbrief soll her. Und zwar einer, der die eigene Firma professionell aussehen lässt. Doch wie geht das genau? Gabriela Baumgartner, Redaktorin der Sendungen «Kassensturz» und «Espresso» bei Schweizer Radio und Fernsehen und Leiterin von Schreibseminaren, gibt Ihnen Tipps, wie Sie mit Ihrem Geschäftsbrief punkten können.

TRANSLATION-PROBST AG: Wie sieht das Layout eines perfekten Geschäftsbriefes aus?
Gabriela Baumgartner: Ein perfekt gestalteter Brief ist optisch übersichtlich und entsprechend gestaltet. Das heisst: eine einfache, gut lesbare Schrift und genug Weissraum. Verschiedene Schriftarten und -grössen sind ebenso unvorteilhaft wie unterschiedliche Hervorhebungen. Weniger ist mehr, lautet das Motto bei der Gestaltung. 

Was wird in Geschäftsbriefen häufig falsch gemacht?
Sehr häufig sind die Briefe optisch überladen, viel zu lang und nicht leserfreundlich aufgebaut. In vielen Briefen erkennt man keine eigentliche Struktur. Doch gerade das wäre für die Verständlichkeit wichtig.

Welche Floskeln sind total veraltet?
Jede Aussage, die keinen Sinn oder keine eigenständige Information transportiert, ist eine Floskel und damit völlig unnötig. «Wir bitten Sie um Kenntnisnahme» gehört in diese Kategorie, ebenso «Wir sehen Ihrer Antwort mit Freude entgegen …» oder «… zu unserer Entlastung senden wir Ihnen …».

Welche Angaben sind in einem Geschäftsbrief Pflicht?
Neben den inhaltlich notwendigen Informationen sind Angaben über die Erreichbarkeit des Absenders wichtig, ebenso Angaben über das weitere Vorgehen.

Professioneller Auftritt dank treffsicheren Geschäftsbriefen.

Professioneller Auftritt dank treffsicheren Geschäftsbriefen.

Wie sollte ein Geschäftsbrief textlich aufgebaut sein?
An die erste Stelle gehört die Kernaussage des Briefes. Worum geht es? Was ist zu tun? Langfädige, floskelhafte Einleitungen sind ebenso unnötig wie Zusammenfassungen oder Wiederholungen.

Wie kann man den Empfänger eines Geschäftsbriefes begeistern?
Mit Kürze und sprachlicher Prägnanz. Das heisst: kurze, klare Sätze, klare Aussagen, keine Fremdwörter und kein Fachchinesisch.

Inwiefern unterscheidet sich ein Geschäftsbrief von einer Geschäfts-E-Mail?
Bei der E-Mail gibt es mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Oft lenkt dieser ganze Schnickschnack aber vom Lesen ab. Zudem ist ein Brief vom Umfang her sofort fassbar. Bei einer E-Mail ist das oft nicht der Fall, der Leser muss erst mal scrollen, um zu sehen, wieviel Text ihn erwartet.

Welche drei Tipps geben Sie unseren Lesern?

  1. Sich überlegen, wem man etwas schreibt? Welchen Wissenstand hat mein Empfänger? Welche Bedürfnisse? Wie steht er zu mir?
  2. Ein kurzes Konzept erstellen. Welches ist meine Hauptaussage? Was will ich dem Leser mitteilen? Was erwarte ich danach von ihm?
  3. Kurz und verständlich schreiben.

Ist es wichtig, dass ein Geschäftsbrief in der Muttersprache des Empfängers geschrieben ist?
Je nach Situation ist eine Übersetzung empfehlenswert. Vor allem wenn klar ist, dass der Empfänger die gängige Sprache nicht versteht und auch nicht über ein Umfeld verfügt, das ihm weiterhelfen kann. 

Dank den Expertentipps von Gabriela Baumgartner fällt Ihnen das Texten Ihres Geschäftsbriefes das nächste Mal bestimmt leichter. Möchten Sie sich gar nicht mehr mit dem Verfassen von Geschäftsbriefen herumschlagen? Dann geben Sie uns ein kurzes Briefing, und wir übernehmen das gerne für Sie – auf Wunsch mit der entsprechenden Übersetzung.

Literaturtipps zum Thema Geschäftsbrief schreiben

  • Besser schreiben im Business
    Aktuelle Tipps und Vorlagen für den Geschäftsalltag Die wichtigsten Informationen auf den Punkt bringen? Mit diesem Buch kein Problem mehr. Einfach und schnell lernen Sie den richtigen Stil für die geschäftliche Kommunikation.
  • Besser schreiben im Alltag
    Aktuelle Tipps und Vorlagen für die private Korrespondenz Ein Schnellkurs für die moderne Korrespondenz: Mit 200 Vorlagen für Verträge, Reklamationen, private Briefe oder Einsprachen an Behörden. So finden Sie schnell die richtigen Worte.

Vertiefen Sie Ihr Wissen! Kurse und Workshops des KV Winterthur und KV Ost: 

Workshop «Besser schreiben»
Sie schreiben eigentlich gerne, und doch sind Sie manchmal frustriert, wenn der Geschäftsbrief, der Bericht oder der Artikel fürs Vereinsheft nicht so recht gelingen will. Was ist überhaupt ein guter Text? Sie repetieren und vertiefen die Grundregeln und erfahren, worauf es beim Schreiben ankommt. Sie lernen, sich klar, einfach und verständlich auszudrücken, interessant und abwechslungsreich zu schreiben und die richtigen Stilmittel bewusst einzusetzen.

Ihr Nutzen
Sie erfahren, wodurch sich ein guter Text auszeichnet und wie Sie Leser erreichen: Sie lernen, einen Text leserfreundlich aufzubauen und Ihre Botschaft am richtigen Ort zu platzieren. In verschiedenen Übungen entwickeln Sie Ihre Schreibkompetenz auf spielerische Art weiter und entdecken Wege, die Sie von der täglichen Schreibroutine wegführen.

Weitere Informationen finden Sie beim Kaufmännischen Verband Ostschweiz und beim Schweizerischen Institut für Betriebsökonomie.