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Archiv für die Kategorie ‘Unkategorisiert’

Wort der Woche «Werbung im Tourismus»

27. Juni 2016

Sennenhund Barry, Heidi, Lord Byron und Wilhelm Tell – sie alle sind Repräsentanten einer Schweiz, die wir alle lieben und auf die wir stolz sind. Klare Seen, schneebestäubte Bergspitzen und pittoreske Städtchen werden weltweit durch aufwendige Marketingmassnahmen angepriesen. Diese sollen Reisenden die Lust vergällen, jemals ein anderes Land besuchen zu wollen. Und es funktioniert leidlich gut: Allein im Jahr 2014 nahm die gesamte Branche 38,5 Milliarden Franken ein.  

Zauberhafte Bergkulisse, Fahne im Wind – doch wo bleibt die moderne Schweiz in der Werbung?

Zauberhafte Bergkulisse, Fahne im Wind – doch wo bleibt die moderne Schweiz in der Werbung?

Trotz des stetigen Wachstums der touristischen Gesamtnachfrage sind längst nicht alle in der Branche erfreut über die greifenden Marketingmassnahmen: Während knapp zwei Drittel der Gelder in die Bewerbung ländlicher und alpiner Regionen fliessen, sind es die urbanen Kulturzentren, denen die Positionierung finanziell erschwert wird. Städte wie Basel, Genf oder Zürich streichen die bemerkenswert hohe Dichte an Kulturinstitutionen, wie Theater, Festivals und Museen, hervor. Vor lauter Alpenromantik kämen die urbanen Elemente bei der Vermarktung zu kurz, monieren sie. Und dies nicht zu Unrecht: Während mehr als einer Dekade nehmen Hotelübernachtungen in den grossen Städten im gleichen Umfang zu, wie sie in den Bergen stagnieren oder sinken.

Einseitige Positionierung

Daniela Bär, die Leiterin Unternehmenskommunikation bei Schweiz Tourismus, erklärt, der Zwist zwischen den urbanen und den ruralen Regionen bestünde seit Anbeginn des Tourismusmarketings. Dennoch unterstreicht sie in einem Interview mit der NZZ: «Das international absolut differenzierende Erlebnis, das die Schweiz zu bieten hat, ist die einzigartige Bergkulisse.» Und um diese Tatsache wissend, inszenieren sich auch die grossen Städte gern vor dem Alpenfirn – und gestehen, dass ihre klare Positionierung bisher noch unausgereift sei. Dies wiederum nutzt Schweiz Tourismus schamlos für eine Kampagne und titelt: «Auf unsere Gipfel schaffen es auch Städter. Dank 670 Bergbahnen.»

Und wie wirbt das nahe Ausland?

Apropos schamlos – Ferienland Schwarzwald besinnt sich auf eine altbekannte Verkaufsformel und bewirbt sich selbst so: «Grosse Berge, feuchte Täler & jede Menge Wald.» Betont (politisch) korrekt hingegen gibt sich die Landeshauptstadt München: Auf Plakaten sitzen bewusst zusammenkomponierte Pärchen auf Treppen und hören sich gemeinsam einen Audio-Guide an – Sie nehmen sich «Zeit für München. Zeit für Kultur.» Allemal selbstsicher präsentiert sich die deutsche Hauptstadt – schlicht mit: «Visit Berlin».

Es geht auch anders

Zürich, das Enfant terrible der Schweiz, bekannte sich in einer Reihe von Spots zu seinen Lastern und versuchte in einer Online-Kampagne, sich als Party-Stadt zu positionieren. Zürich Tourismus wollte versuchen, eine andere Klientel anzusprechen und eine unbekanntere Perspektive aufzuzeigen: «Eine Seite für die, die es mal wieder krachen lassen möchten. Eine Seite für die zwei Tage im Jahr, von denen man noch Jahre lang [sic!] spricht.»

Und immer mehr erkennt die Marketingindustrie, dass auch der Tourismus – eine doch finanzkräftige Branche – von den Klischees Abstand nehmen und auf echten Content und Kundennutzen setzen muss, um sich international von der riesigen Konkurrenz abzusetzen. So entstehen zunehmend Clips und Spots und Hollywood-würdige Filmchen, die alle das Ziel haben, viral zu gehen und die so eroberte Welt in unseren kleinen Alpenstaat zu locken. In diesem Sinne: Dobrodošli, Witaj, Bem-Vindo, Tervetuloa und welcome to Switzerland.

Public Viewing Rumänien – Schweiz

21. Juni 2016

Networking in vergnüglicher Atmosphäre und dabei Fussball schauen – es gibt nur wenig Angenehmeres. Gemeinsam mit dem KMU-Verband, der Fabrikkirche Winterthur und Probst Rechtsanwälte lud die TRANSLATION-PROBST AG Entscheidungsträger und Marketers ein, die Schweizer Nati im Gruppenspiel zu unterstützen.

Gemütliches Beisammensein mit bester Sicht auf die Leinwand.

Gemütliches Beisammensein mit bester Sicht auf die Leinwand.

Mittwochabend, 15. Juni 2016 – der Dauerregen gönnt sich eine kurze Pause. Gegen 17 Uhr treffen sich knapp hundert Gäste vor den Büroräumlichkeiten des Winterthurer Übersetzungsbüros, um in geschlossener Formation zur nahegelegenen Fabrikkirche zu flanieren. Dort werden sie bereits erwartet: Haldengut und Coca-Cola stellen die Getränke und Subway frische Sandwiches bereit. Die Leinwand flimmert seit dem Russlandspiel, der Kommentator ist schon leise zu vernehmen. Bei den Ankömmlingen macht sich nicht erst mit dem ersten kühlen Bier aus der Bügelflasche eine gewisse Vorfreude auf einen gemütlichen und – hoffentlich – spannenden Abend bemerkbar.

Nach einer kurzen Begrüssung durch die Gastgeber, repräsentiert durch Roman Probst und Nik Gugger, folgt auch bereits der Anpfiff zur Partie. Als das erste Tor für Rumänien fällt, geht ein Raunen durch die Zuschauerränge. Ein Raunen: Die Contenance wird gewahrt.

In der Pause weiss der geladene Winterthurer Kult-Stürmer Patrick Bengondo im Interview mit Roman Probst die Gäste mit erfrischenden Anekdoten aus seiner Sportlerlaufbahn zu amüsieren. Für ihn sei Lichtsteiner, trotz des Fauxpas, der beste Spieler auf dem Platz, berichtet er und erntet Lacher und Beifall zugleich. Auch während der zweiten Halbzeit mischt er sich unter die Zuschauer und plaudert ungezwungen, die Leinwand im Auge behaltend.

Roman Probst mit Patrick Bengondo beim Interview in der Halbzeit.

Roman Probst mit Patrick Bengondo beim Interview in der Halbzeit.

Jetzt erlöst Mehmedi die Besucher des Public Viewings durch seinen Ausgleichstreffer, und die Stimmung wird schlagartig gelöst. Liegt für die eigentlich dominierenden Schweizer gar ein Sieg drin? Doch als der Schlusspfiff ertönt und alle irgendwie erleichtert sind, zieht es die Mehrheit nach Hause, wo auf manche das Neun-Uhr-Spiel wartet. Höflich und herzlich bedanken sich Viele für den gelungenen Abend, loben die Organisation und versichern, sie liessen sich den nächsten Anlass bestimmt nicht entgehen.

Wort der Woche «Rumänien»

13. Juni 2016

Was wissen Sie über Rumänien? Dass deren Nationalmannschaft an der EM in der Schweizer Gruppe spielt. Und dass Taschendiebe und Kommunisten von dort kommen. Und sonst nichts? Wir finden, dass es an der Zeit ist, diese Wissenslücke zu schliessen und Rumänien die Ehre zu erweisen.

Public Viewing ROU:SUI mit der TRANSLATION-PROBST AG

Mehr Wissen über Rumänien dank der Euro2016

Kaum bekanntes Juwel der Tourismusbranche
Rumänien liegt im Grenzraum zwischen Okzident und Orient – eingebettet zwischen fünf Ländern, am Fusse der Karpaten und an den Ufern des Schwarzen Meeres. Die Tourismusbranche nennt den Küstenabschnitt der «Perle des Ostens» mit seinen traumhaften Sandstränden die rumänische Riviera. Auch sonst wartet Rumänien mit unzähligen Sehenswürdigkeiten auf: einem eigenen Mount Rushmore, Draculas Schloss, dem «kleinen Wien», dem «kleinen Paris» und dem Donaudelta.

Lebendige Kultur und Sprachenvielfalt
Bedingt durch seine Geschichte, die von der antiken Besetzung durch die Römer über den Einfall der Osmanen bis zum Niedergang der sozialistischen Diktatur reicht, verfügt Rumänien über eine reichhaltige und lebendige Kultur. Von den knapp 21 Millionen Rumänen spricht die deutliche Mehrzahl Rumänisch (Limba Românǎ), gefolgt von Ungarisch und – je nach Region – Englisch und Französisch. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts machten die deutschsprachigen Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben einen hohen Anteil an der Bevölkerung aus; ihre Zahl sank aber stetig bis auf heute 2,2 Prozent. Zu Unrecht berüchtigt ist das Land auch der Roma wegen – denn diese machen lediglich 3,3 Prozent der Bevölkerung aus.

Sichere Züge und andere Verkehrsteilnehmer
Wegen der ineffizienten Verwaltung verursacht die Infrastruktur gewisse Probleme, obwohl Rumänien als Mitglied der EU Gelder zum Ausbau und zur Verbesserung beantragen könnte. Einzig die Bahn- und Autobahnnetze wurden renoviert und ausgebaut. Der Zustand der Haupt- und Nebenstrassen sei mit westeuropäischen Verhältnissen in keiner Weise vergleichbar, berichten Reisende. Gewarnt wird aber nicht nur vor maroden Strassen, sondern auch vor der beherzten Fahrweise der Einheimischen – und vor langsamen und unbeleuchteten Pferdefuhrwerken.

Politisch verkannt
Politisch ist Rumänien im Wandel begriffen: einst ambitionsloses Schlusslicht der Reformstaaten Ostmitteleuropas, heute stabiles Vorbild in Sachen Strukturwandel. In einer gewaltlosen Bürgerrevolution, die von allen Generationen, vor allem aber von den Jungen, getragen wurde, stürzten die Rumänen ihre äusserst korrupte Regierung. Heute ist Rumänien eine Bürgergesellschaft und ein Rechtsstaat mit einer schlagkräftigen Justiz und einer gefürchteten Antikorruptionsbehörde.

Fussballerisch ambitioniert
Im Sport sind die Rumänen nicht zu unterschätzen. Sie durften im Tennis, Rugby und vor allem im Turnen grosse Erfolge feiern. Und im Fussball? Bisher kämpfte die rumänische Nationalmannschaft an sieben Welt- und an vier Europameisterschaften, wobei sie je einmal den Viertelfinal erreichten. Bestimmt erinnern Sie sich an Gheorghe Hagi? Er wurde kürzlich zum besten rumänischen Spieler der letzten fünfzig Jahre gekürt.
Der Schweizer Janco Pascar, der einen Teil seiner Karriere im Land Draculas bestritt, berichtet: «In Rumänien wird etwas härter gespielt als in der Schweiz. Doch die Mannschaften sind auf dem Platz weniger gut organisiert; als Spieler fühlt man sich manchmal ziemlich auf sich alleine gestellt.»

Trotz des gewonnenen Wissens über diese Perle des Ostens und des daraus wachsenden Respekts wünschen wir uns am Mittwoch ein spannendes Spiel – das am Ende die Schweiz für sich entscheiden möge.

Wort der Woche «Swiss Economic Forum»

6. Juni 2016

Diesen Donnerstag und Freitag treffen sich, wie jedes Jahr um diese Zeit, 1350 Entscheidungsträger aus Politik, Medien, Wirt- und Wissenschaft im malerischen Interlaken, um die Geschicke der Schweiz – und die eigenen – heiss zu schmieden. Der Aufwand für ein solches Treffen ist enorm, und dementsprechend die Kosten. Und der Nutzen?

Am SEF networken Start-ups mit CEOs.

Am SEF trifft sich die Elite, um Trends in der Wirtschaft zu erkennen.

Ein Wellness-Weekend 4 Two im traumhaften Südtirol kostet Sie, alles inklusive, rund 1300.– Franken. Wäre da nicht die lange Heimfahrt, Sie würden sich nach zwei Tagen als Kaiser fühlen. Auch eine lange Fahrt haben und auch kaiserlich fühlen sich die Teilnehmer am SEF, dem Swiss Economic Forum – die zahlen dafür aber zwei, drei Foifliiber mehr. Ihnen wird aber auch einiges geboten: Mittagessen, «Networkingabend» und zweitägige Konferenz, auch all inclusive. Und alle sind sie da: Bundes-, Nationalrats- und Ministerpräsidenten, Kapitäne der Handelsmarine, Nobelpreis- und andere Bürdenträger/innen – und der CEO der SBB, wie überall.

Breakout Session SEF.2016

An den Weiterbildungskursen in Dialogform lernen die Entscheidungsträger, sich Entwicklungen nicht entgegenzustemmen, Erfolgsfaktoren nicht zu ignorieren – aber Trends frühzeitig zu erschnuppern. Die Kurse können, mit Fantasie, als Krimi gelesen werden: «Kill your darlings», «gestern war gut – morgen wird anders.» Oder als Sci-Fi-Utopie: «Computer wird immer intelligenter», «Vertrauen in die Cyber-Zukunft.» Wie auch immer – auch ohne viel Imagination lässt sich ausrechnen, dass die Entscheidungsträger den finanziellen Nutzen, den ihnen das Forum bietet, kaum auszuschlagen versuchen.

Jungunternehmerpreis mit Bedeutung

Unternehmerisches Gedankengut und innovative Ideen bekommen beim Swiss Economic Award nicht nur ein fundiertes Feedback von qualifizierten Experten und ein ansehnliches Preisgeld von 25‘000.– Franken, sondern ebenfalls die von Andy Warhol proklamierten «15 minutes of fame» in Web, Funk und Fernsehen. Und «eine einzigartige Motivation für das ganze Team», Zitat SEF.

Massvolles Sicherheitsdispositiv

Im Gegensatz zum WEF in Davos, das Peter Stähli, noch-CEO des SEF, als «Festung mit Stacheldraht und Maschinengewehren» tituliert, treten die Sicherheitskräfte am SEF so diskret auf, dass sich die Massentouristen weder auf dem Höheweg noch beim Stadtflanieren gestört fühlen. Und das trotz hochrangigen Teilnehmern aus dem In- und Ausland. Das übliche Dispositiv besteht aus der dorfeigenen Feuerwehr, einer Ärztin mit dreiköpfigem Team, der Kapo und der Securitas. Kostenpunkt: 50‘000.– Franken. Walter Schneeberger, Chef Sicherheit, behauptet aus Erfahrung, dass am SEF kein grosses Risiko bestehe, «da es sich um einen Anlass für KMU» und nicht um einen politischen handle. Daher würde das Forum von den Leuten als «grundsätzlich eine gute Sache» gesehen.

Medien in der Kritik

Naturgemäss ist eine Veranstaltung wie das SEF auf Partner angewiesen. Diese Partner erhalten im Gegenzug zu ihrer Unterstützung Logopräsenz in Web und Medien. Schade, wenn die Medien selber zu den Hauptpartnern gehören – das lässt an einer unabhängigen und kritischen Berichterstattung zweifeln. In einer langen, detaillierten und teils gehässigen Analyse kreidet Medienbeobachter Infosperber genau dies als Tatsache an. Er zeigt auf, wie nah sich SRG und NZZ an die Wirtschaft wagen, ihr gar ungeniert das Du anbieten. Aber glauben Sie nichts blind – gehen Sie ans SEF und fragen Sie Roger de Weck oder Veit Dengler, zwei vom Advisory Board!

Wort der Woche «Blechhirn»

28. September 2015

Sie haben richtig gelesen. Unser Wort der Woche widmet sich dem «Blechhirn». Oder anders ausgedrückt: dem Computer. Einem Gerät, das uns täglich begleitet − ob in Form eines Smartphones, eines Tablets oder unserer PC-Station am Arbeitsplatz. Das Blechhirn oder auf Plattdeutsch «Bleckbrägen» (vgl. ideesamkeit.de) hat seinen Ursprung wie viele revolutionäre Dinge im Lateinischen: Das Wort Computer stammt vom Verb «computare» ab, was «berechnen» bedeutet, stellvertretend für die Funktion des Computers als «Rechner».

Längst dominiert der Computer verschiedene unserer Lebensbereiche: beim Handy, im Auto, beim E-Shopping, während der Arbeit, wenn wir die Waschmaschine einschalten oder auf die Anzeigetafel im Bahnhof blicken. Viele der alltäglichen Dinge sind computergesteuert. Und wir halten sie für selbstverständlich. Dass wir uns dabei enorm abhängig machen, ist uns nicht klar.

Was, wenn der Strom ausfällt?
Wir haben das alle schon erlebt: Wir sitzen an einer wichtigen Arbeit, und plötzlich bleibt der Computer hängen oder stürzt ab. Die Daten gehen verloren, wir können nicht weiter arbeiten und drehen Däumchen. Das sind noch die harmloseren Dinge, die uns mit Computern zustossen können.

Was aber, wenn der Strom mehrere Tage oder Wochen ausfällt?

Unser Leben hängt dann sprichwörtlich daran: Denn alle lebensnotwendigen Kanäle sind an Strom und damit an Computer und Internet geknüpft − seien es die Logistik und Warenversorgung der Detailhändler, die Stromzufuhr für Heizungen oder die Wasserzufuhr. Mit einem grösseren Blackout wären wir mit einem Mal um mehrere Jahrhunderte in unserer Zeitgeschichte zurückversetzt und komplett offline (Buchempfehlung: Thomas Grüter: Offline! Das unvermeidliche Ende des Internets und der Untergang der Informationsgesellschaft).

Ohne Strom läuft gar nichts mehr.

Ohne Strom läuft gar nichts mehr.

Mit einem Schlag müssten wir uns wieder analog verhalten und sprichwörtlich zurück zu den Wurzeln finden. Die Überschwemmung, welche 2011 Thailand heimsuchte, zeigte, wie verwundbar unsere ICT-Gesellschaft ist: Es kam zu einem weltweiten Engpass bei Festplatten. Mehrere solcher Ereignisse können unser komfortables und computergesteuertes Leben rasch aus den Bahnen werfen.

Blechhirn vs. menschliches Gehirn
Was Thomas Grüter in seinem Buch «Offline!» beschreibt, klingt wie die Situation nach der Apokalypse. Allerdings sind einige Passagen aus dem Buch durchaus realistisch und plausibel. Darum ist es notwendig, trotz unserer Blechhirne immer noch unser eigenes Gehirn zu benutzen. Denn es kann die Informationen wesentlich länger abspeichern als bestimmte digitale Speichermedien.

Wussten Sie, dass z. B. ein Buch ca. 100 Jahre lang hält? Im Vergleich dazu hat ein USB-Stick mit Flash-Speicher eine Lebensdauer von ca. zehn bis dreissig Jahren. CDs und DVDs halten im Schnitt zwanzig bis fünfzig Jahre, während Festplatten gerade mal auf maximal zehn Jahre kommen. Sie sehen schon: Unsere schöne Computerwelt ist zwar bequem, aber auch kurzlebig und anfällig. Grosse Internetkonzerne gehen sogar dazu über, wichtige Daten wieder in Printform zu sichern.

Computer früher und heute
Während in den Anfangsjahren des Computers die Rechner ganze Hallen füllten, schrumpften sie im Laufe der Zeit auf Armbanduhrgrösse. Der Computer hat sich seit seiner Erfindung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts massiv weiterentwickelt: Er fand den Weg von klobigen Geräten zu handlichen, ja fast schon menschenähnlichen Devices, die wir nun täglich benutzen und sehr nah am Körper tragen: Während wir in den 80er Jahren noch ein Monstrum als Computer auf dem Tisch hatten, nähert er sich heute gefährlich nahe unserem Gehirn. Zuerst als Laptop, dann als Smartphone und Tablet und schliesslich als Smartwatch und Google-Brille. Doch Google ging noch einen Schritt weiter und entwickelte intelligente Computerlinsen für Diabetiker, die bereits auf Tuchfühlung mit dem menschlichen Körper gehen.

Der Trend ist klar: Computer und Mensch wachsen immer mehr zusammen. Geht es nach Science-Fiction-Autoren, werden wir uns zum Cyborg weiterentwickeln − also halb Mensch, halb Maschine. Ob das positiv ist, wage ich zu bezweifeln. Doch es gibt auch positive Anwendungsbeispiele, z. B. die computergesteuerten Prothesen, die Behinderten wieder mehr Mobilität und Unabhängigkeit ermöglichen.

Bei all diesen Entwicklungen rund um den Computer wird es wichtig sein, dass sich der Mensch treu bleibt und seine Existenz nicht allzu arg auf die Maschinen abstützt. Denn sollten uns die Ressourcen mal ausgehen − und das werden sie − dann stehen wir da wie bestellt und nicht abgeholt.

Unser Wort der Woche. Wieder mal von unserem Gastautor, Texter und PR-Berater Predrag Jurisic. Wie ist Ihr Verhältnis zum Computer? Was löst die Vorstellung einer Cyborg-Gesellschaft bei Ihnen aus? Welche Aspekte − positiv oder negativ − sehen Sie in Computern? Wir wollen es wissen und darüber diskutieren. Darum sind wir über IHREN Kommentar froh. Bis nächste Woche.