Wort der Woche «Welsch»

Mit dem knappsten Ergebnis aller Zeiten sind die Abstimmungsresultate des 14. Juni immer noch in aller Munde. Was auffällt: Der Röstigraben hat sich einmal mehr als eine tiefe Schlucht zwischen die deutschsprachige Schweiz und dem Welschland erwiesen. Doch wieso spricht man eigentlich vom Abstimmungsverhalten der «Welschen»?

«Welsch» bedeutet ursprünglich nichts anderes als «fremd», «andersartig». Mit dem Ausdruck «Welschland» ist zwar hauptsächlich die Romandie gemeint; früher traf die Bezeichnung jedoch auch auf Italien und Frankreich zu. In Tirol und in Südtirol betitelt man heute noch die Italiener als die «Welschen». Auch die Walnuss ist mit dem Wort in Kontakt gekommen, nämlich als «welsche Nuss», die über Frankreich oder Italien ins Deutsche gekommen ist.

Die «welsche» Nuss unter den Nüssen: die Walnuss.

Die «welsche» Nuss unter den Nüssen: die Walnuss.

Das englische «walnut», das vom altenglischen «walhnutu» («fremde Nuss») stammt, spricht ebenfalls auf diese Komponente an. «Welsch» ist ausserdem in diversen Orts- und Familiennamen enthalten, so leiten sich etwa die geographischen Bezeichnungen Wallonien, Walachei oder Wales vom Wort ab.

Das unverständliche Ufer

Wer vermutet, dass auch Walenstadt etwas mit «Welsch» zu tun haben könnte, der liegt vollkommen richtig. Walenstadt beschreibt die Entstehung ihres Namens wie folgt: «Die Sprachen der in unserem Tal lebenden Räter und der Römer, die die Räter unterworfen und lange Zeit beherrscht hatten, vermischten sich zum Rätoromanischen. In dieser Sprache wurde die kleinere, aber lokal bedeutsame Ansiedelung am oberen Ende des Walensees als ‹Riva› (Ufer) bezeichnet. Da der Walensee mit seinen steilen Ufern nur den Wasserweg offen liess, rückten die in Helvetien einwandernden Alemannen nur bis Weesen vor. Diese verstanden die Sprache der Anwohner in Riva nicht und verpassten darum Riva den Namen ‹Vualahastade›: das ‹welsche› bzw. das ‹andersartige, unverständliche› Ufer. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus das heutige Walenstadt.» Eine unverständliche Sprache wird übrigens bis heute als «Kauderwelsch» bezeichnet.

Rösti machen den Graben aus
Ebenfalls spannend ist es, dem anfangs erwähnten Röstigraben auf den Grund zu gehen. Dieser ist neben dem «Chuchichäschtli» und dem «Öpfelbütschgi» ein typisch schweizerdeutscher Ausdruck, der insbesondere das unterschiedliche Abstimmungsverhalten der Deutschschweizer und der Romands wiederspiegelt. Und zwar ist «Rösti» bekannt als klassisches Kartoffelgericht aus der Deutschschweizer Küche, wobei gemunkelt wird, dass die Westschweizer die ebenbürtigen «pommes de terre fricassées» mindestens so lange kennen. Der Einfachheit halber hätten sie sich aber der kürzeren Bezeichnung «Rösti» angepasst. In der Romandie finden übrigens – in Anlehnung an den Eisernen Vorhang – eher die Begriffe «Rideau de rösti» (Röstivorhang) oder «Barrière de rösti» (Röstizaun) Verwendung. Häufig wird der Röstigraben mit dem Lauf der Saane bei Freiburg gleichgesetzt, wofür auch der französische Ausdruck «outre-Sarine» spricht (zu Deutsch «jenseits der Saane»).

Innerhalb der Schweiz sehen die Abstimmungsresultate nicht so harmonisch aus.

Innerhalb der Schweiz sehen die Abstimmungsresultate nicht so harmonisch aus.

Interessanterweise ist der Röstigraben bei den Abstimmungen mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt: Im Bereich der Aussen- und Sozialpolitik ist die Romandie oft dem Ausland (auch der EU) und staatlichen Regulierungen wohlgesinnter als die deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit; in der Drogen-, Gesellschafts-, Verkehrs- und Umweltpolitik hingegen fallen die Unterschiede kaum ins Gewicht. Der Gegensatz zwischen der urbanen und ländlichen Bevölkerung macht dem Röstigraben in der Schweizer Politik ausserdem zunehmend Konkurrenz.

Nun sind Sie Experte, was das Wörtchen «Welsch» wie auch den Röstigraben betrifft. Falls Sie eine Übersetzung benötigen, die den Sprung über den Röstigraben ins Welschland schafft, stellt Ihnen die TRANSLATION-PROBST AG gerne den passenden, muttersprachlichen Fachübersetzer zur Verfügung.

Wort der Woche «Geschäftsbrief»

Gabriela Baumgartner

Gabriela Baumgartner

Bestimmt kennen Sie diese Situation: Sie sitzen vor dem Computer und der Cursor blinkt auf dem leeren, weissen Word-Dokument. Ein Geschäftsbrief soll her. Und zwar einer, der die eigene Firma professionell aussehen lässt. Doch wie geht das genau? Gabriela Baumgartner, Redaktorin der Sendungen «Kassensturz» und «Espresso» bei Schweizer Radio und Fernsehen und Leiterin von Schreibseminaren, gibt Ihnen Tipps, wie Sie mit Ihrem Geschäftsbrief punkten können.

TRANSLATION-PROBST AG: Wie sieht das Layout eines perfekten Geschäftsbriefes aus?
Gabriela Baumgartner: Ein perfekt gestalteter Brief ist optisch übersichtlich und entsprechend gestaltet. Das heisst: eine einfache, gut lesbare Schrift und genug Weissraum. Verschiedene Schriftarten und -grössen sind ebenso unvorteilhaft wie unterschiedliche Hervorhebungen. Weniger ist mehr, lautet das Motto bei der Gestaltung. 

Was wird in Geschäftsbriefen häufig falsch gemacht?
Sehr häufig sind die Briefe optisch überladen, viel zu lang und nicht leserfreundlich aufgebaut. In vielen Briefen erkennt man keine eigentliche Struktur. Doch gerade das wäre für die Verständlichkeit wichtig.

Welche Floskeln sind total veraltet?
Jede Aussage, die keinen Sinn oder keine eigenständige Information transportiert, ist eine Floskel und damit völlig unnötig. «Wir bitten Sie um Kenntnisnahme» gehört in diese Kategorie, ebenso «Wir sehen Ihrer Antwort mit Freude entgegen …» oder «… zu unserer Entlastung senden wir Ihnen …».

Welche Angaben sind in einem Geschäftsbrief Pflicht?
Neben den inhaltlich notwendigen Informationen sind Angaben über die Erreichbarkeit des Absenders wichtig, ebenso Angaben über das weitere Vorgehen.

Professioneller Auftritt dank treffsicheren Geschäftsbriefen.

Professioneller Auftritt dank treffsicheren Geschäftsbriefen.

Wie sollte ein Geschäftsbrief textlich aufgebaut sein?
An die erste Stelle gehört die Kernaussage des Briefes. Worum geht es? Was ist zu tun? Langfädige, floskelhafte Einleitungen sind ebenso unnötig wie Zusammenfassungen oder Wiederholungen.

Wie kann man den Empfänger eines Geschäftsbriefes begeistern?
Mit Kürze und sprachlicher Prägnanz. Das heisst: kurze, klare Sätze, klare Aussagen, keine Fremdwörter und kein Fachchinesisch.

Inwiefern unterscheidet sich ein Geschäftsbrief von einer Geschäfts-E-Mail?
Bei der E-Mail gibt es mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Oft lenkt dieser ganze Schnickschnack aber vom Lesen ab. Zudem ist ein Brief vom Umfang her sofort fassbar. Bei einer E-Mail ist das oft nicht der Fall, der Leser muss erst mal scrollen, um zu sehen, wieviel Text ihn erwartet.

Welche drei Tipps geben Sie unseren Lesern?

  1. Sich überlegen, wem man etwas schreibt? Welchen Wissenstand hat mein Empfänger? Welche Bedürfnisse? Wie steht er zu mir?
  2. Ein kurzes Konzept erstellen. Welches ist meine Hauptaussage? Was will ich dem Leser mitteilen? Was erwarte ich danach von ihm?
  3. Kurz und verständlich schreiben.

Ist es wichtig, dass ein Geschäftsbrief in der Muttersprache des Empfängers geschrieben ist?
Je nach Situation ist eine Übersetzung empfehlenswert. Vor allem wenn klar ist, dass der Empfänger die gängige Sprache nicht versteht und auch nicht über ein Umfeld verfügt, das ihm weiterhelfen kann. 

Dank den Expertentipps von Gabriela Baumgartner fällt Ihnen das Texten Ihres Geschäftsbriefes das nächste Mal bestimmt leichter. Möchten Sie sich gar nicht mehr mit dem Verfassen von Geschäftsbriefen herumschlagen? Dann geben Sie uns ein kurzes Briefing, und wir übernehmen das gerne für Sie – auf Wunsch mit der entsprechenden Übersetzung.

Literaturtipps zum Thema Geschäftsbrief schreiben

  • Besser schreiben im Business
    Aktuelle Tipps und Vorlagen für den Geschäftsalltag Die wichtigsten Informationen auf den Punkt bringen? Mit diesem Buch kein Problem mehr. Einfach und schnell lernen Sie den richtigen Stil für die geschäftliche Kommunikation.
  • Besser schreiben im Alltag
    Aktuelle Tipps und Vorlagen für die private Korrespondenz Ein Schnellkurs für die moderne Korrespondenz: Mit 200 Vorlagen für Verträge, Reklamationen, private Briefe oder Einsprachen an Behörden. So finden Sie schnell die richtigen Worte.

Vertiefen Sie Ihr Wissen! Kurse und Workshops des KV Winterthur und KV Ost: 

Workshop «Besser schreiben»
Sie schreiben eigentlich gerne, und doch sind Sie manchmal frustriert, wenn der Geschäftsbrief, der Bericht oder der Artikel fürs Vereinsheft nicht so recht gelingen will. Was ist überhaupt ein guter Text? Sie repetieren und vertiefen die Grundregeln und erfahren, worauf es beim Schreiben ankommt. Sie lernen, sich klar, einfach und verständlich auszudrücken, interessant und abwechslungsreich zu schreiben und die richtigen Stilmittel bewusst einzusetzen.

Ihr Nutzen
Sie erfahren, wodurch sich ein guter Text auszeichnet und wie Sie Leser erreichen: Sie lernen, einen Text leserfreundlich aufzubauen und Ihre Botschaft am richtigen Ort zu platzieren. In verschiedenen Übungen entwickeln Sie Ihre Schreibkompetenz auf spielerische Art weiter und entdecken Wege, die Sie von der täglichen Schreibroutine wegführen.

Weitere Informationen finden Sie beim Kaufmännischen Verband Ostschweiz und beim Schweizerischen Institut für Betriebsökonomie.

Wort der Woche «Sage»

Eine Sage ist ein «ursprünglich mündlich überlieferter Bericht über eine im Einzelnen nicht verbürgte, nicht alltägliche, oft wunderbare Begebenheit». So definiert es der Duden. Nun, hört her, über welch wunderbare Begebenheit ich euch berichten werde:

«Wir schreiben das Jahr 2005. Die Stimmung im Lande ist gedrückt. Die Bewohner werden von verschiedenen Feinden geplagt: Orthographiefehler nisten sich in Texten ein, Missverständnisse gehen umher und Unverständlichkeiten machen das Leben schwer. Die Unternehmenskommunikation wünscht sich sehnlichst eine einheitliche Firmensprache. Fehlerhafte Übersetzungen hingegen lachen sich ins Fäustchen und transportieren munter falsche Botschaften. Ihr Ziel ist die totale Ausrottung der Sprachen mithilfe sprachlicher Verwirrungen und Irrungen. Doch sie haben nicht mit einem mutigen, jungen Kämpfer gerechnet. Dieser macht sich auf, um das drohende Unheil abzuwenden und das Land zu mehr Einheitlichkeit und Korrektheit zu führen. Das stellt sich nicht als so einfach wie gedacht heraus, denn die fehlerhaften Übersetzungen und ihre Verbündeten sind hartnäckige Gegner. Des Weiteren muss unser Kämpfer gegen Drachen kämpfen, die ihm Feuer in den Weg speien.

Wer setzt sich durch: der Drachen oder unser willenstarker Kämpfer?

Wer setzt sich durch: der Drachen oder unser willensstarker Kämpfer?

Da sind spitzbübische Kobolde, die versuchen, sich seine Ideen unter den Nagel zu reissen. Doch dank seines tapferen Charakters, seines Durchhaltewillens und seiner Schlagkraft ist er bestens gerüstet für den Kampf. Das Schicksal spielt unserem Kämpfer auf seinem Weg oft in die Hände, so auch als er Bekanntschaft mit einem niedergeschlagenen, sechsäugigen Riesen macht. Der Riese erzählt ihm von seiner Misere: die Liebe zu einer fernab lebenden Prinzessin, deren Sprache er nicht spricht und die den weitherum gefürchteten König Anglizismus als Vater hat. Der Riese ist dem beherzten Krieger umgehend sympathisch, und so verspricht er ihm, den Vater seiner Angebeteten mit einem übersetzten Brief treffsicher von seiner ehrbaren Absicht zu überzeugen. Im Gegenzug überlässt ihm der Riese sein Atelier für ein paar Goldmünzen.
Es ist ein nasser und graukalter Morgen im April, als unser furchtloser Kämpfer den Stift ansetzt, um den Vertrag mit dem sechsäugigen Riesen zu unterschreiben. Der Himmel lichtet sich, und Sonnenstrahlen kitzeln die Gesichter der Bewohner. Diese schauen sich mit grossen Augen an, sie spüren die Veränderung, die in der Luft liegt. Mit der Unterschrift allein haben sich die Drachen, die Kobolde und die bösen Feen jedoch nicht in Luft aufgelöst. Die fehlerhaften Übersetzungen wüten weiter. So schliesst unser draufgängerischer Held Freundschaft mit Elfen und Zauberern, die mit ihm in den Kampf ziehen. Gemeinsam bieten sie Flüchtigkeitsfehlern die Stirn und vertrauen die Aufträge aus dem Geschäftsleben der Bewohner nur denjenigen Übersetzern, Dolmetschern und Lektoren an, die Meister in ihrem Fach sind. Von tückischen Sprachen, die vorgeben, die gleichen zu sein, lassen sie sich nicht irreführen. So unterscheiden sie zum Beispiel strikt zwischen dem Deutschen, wie es in ihrem Lande und wie es im grossen Nachbarland gesprochen wird, und entlarven Helvetismen im Handumdrehen. Im Andenken an den sechsäugigen Riesen entwickeln sie das 6-Augen-Prinzip, das eine höchstmögliche Qualität der Übersetzungen und Texte garantiert. Und wenn sie nicht gestorben sind, so übersetzen, texten und dolmetschen sie noch heute mit Qualitätsgarantie.»

Das war sie, meine Sage. Okay, die Form des letzten Satzes gehört wohl eher in ein Märchen. Tatsächlich ist eine Sage dem Märchen ähnlich (so waren es auch die Gebrüder Grimm, die den Begriff der Sage prägten) – nur ist der Realitätsanspruch einer Sage bedeutend höher. Dabei vermischen sich die subjektive Wahrnehmung und das objektive Geschehen so stark, dass übernatürliche, unglaubhafte Begebenheiten zum Wesenskern der Sage werden.

Am Donnerstag steigt die richtige Jubiläumsfeier der TRANSLATION-PROBST AG.

Wie dem auch sei, folgende weitere mündliche Überlieferung möchte ich euch nicht vorenthalten: Das Jahr 2015 zelebriert die Übersetzungsagentur ganz besonders, denn in es fällt ihr Zehn-Jahre-Jubiläum. An dieser Stelle deshalb ein lautes «Happy Birthday» an den CEO Roman Probst und seine Elfen und Zauberer der TRANSLATION-PROBST AG! 

Wort der Woche «Alternativmedizin»

Schul- oder Alternativmedizin? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister wie bei der Frage, ob Sie ein «Migros-» oder «Coop-Chind» sind. Damit Sie besser Bescheid wissen, stelle ich Ihnen drei alternativmedizinische Ansätze vor.

Für viele ist «Homöopathie» ein Stolperwort. Der Name dieser alternativmedizinischen Behandlungsmethode bedeutet, aus dem Altgriechischen übersetzt, in etwa «ähnliches Leiden». Die Methode beruht auf dem «Ähnlichkeitsprinzip», das der deutsche Arzt Samuel Hahnemann Ende des 18. Jahrhunderts formuliert hat: «Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden.» Das heisst, dass homöopathische Arzneimittel in unverdünntem Zustand genau die Symptome auslösen, die sie im verdünnten Zustand heilen. Wenn beispielsweise jemand allergisch gegen Bienengift ist, wird ihm dieses in hohem Masse verdünnt verabreicht. Womit wir gleich bei der Herstellung von homöopathischen Heilmitteln sind: «Potenzierung» (aus dem Lateinischen «potentia» – die Kraft). Das Prinzip der Potenzierung besteht in der schrittweisen Bearbeitung der Grundsubstanzen, deren es mittlerweile über 3000 aus der Welt der Pflanzen, Tiere oder Mineralien gibt. Rein chemisch erfolgt eine zunehmende Verdünnung in einem definierten Mischungsverhältnis. Es ist jedoch genau diese Verdünnung des Wirkstoffes, wegen der die Homöopathie schon vor einiger Zeit ins Feuer der Kritik geraten ist: «Tausendmal gerührt» titelte in etwa Spiegel Online 2010.

«Globuli» – in der Homöopathie am bekanntesten – sind mit der potenzierten Lösung besprühte Milchzuckerkügelchen.

«Globuli» – in der Homöopathie am bekanntesten – sind mit der potenzierten Lösung besprühte Milchzuckerkügelchen.

Im Einklang mit Ying und Yang
Ein weiterer bekannter Vertreter der Naturheilmedizin ist Akupunktur (lat. acus – «Nadel» und punctio – «Stechen») – die traditionelle chinesische Medizin. Sie basiert auf einem System von Akupunkturpunkten und Meridianen (Energiebahnen) im Körper, auf denen die Energie fliesst. Ein gestörter Energiefluss, der zu Erkrankungen führe, soll durch Stiche in Akupunkturpunkte behoben werden, die sich auf den Meridianen befinden. Nach altchinesischer Auffassung fliesst in den Meridianen die Lebensenergie mit ihren Anteilen Ying und Yang. Die Akupressur und die Moxibustion verfolgen das gleiche Therapieziel, nur wird zur Behandlung stumpfer Druck bzw. Wärme eingesetzt. Ist Akupunktur mehr als der vielfach mit alternativer Medizin in Verbindung gebrachte Placebo-Effekt? Nun, viele Patienten mit chronischen Schmerzen sind sich sicher: Akupunktur hilft. So belegen klinische Studien die Wirksamkeit der Akupunktur wie auch der Scheinakupunktur (bei der beliebige Stellen gestochen werden), z. B. bei chronischen Rückenschmerzen oder bei der Vorbeugung von Migräneattacken. In vielen anderen Fällen wurde die Wirksamkeit jedoch noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen.

Sanfter Druck durch die Hände soll Spannungsdifferenzen und Bewegungseinschränkungen korrigieren.

Sanfter Druck durch die Hände soll Spannungsdifferenzen und Bewegungseinschränkungen korrigieren.

Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren
In Deutschland schon länger von den Krankenkassen anerkannt ist die Osteopathie (gr. ostéon «Knochen» und páthos «Leiden»). Die therapeutischen Verfahren, die der Behandler mit blossen Händen ausführt, werden auch in der Schweiz immer beliebter. Die Osteopathie basiert auf fundierten Kenntnissen der Anatomie, Neurologie, Physiologie, Pathologie und Embryologie und geht von der Annahme aus, dass der Mensch sowohl über die Fähigkeit zur Selbstregulation als auch über ein Heilungspotenzial verfügt. Dabei betrachtet der Behandler den Körper ganzheitlich, sprich: er versteht alle Gewebe in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit und ihrem Zusammenwirken. Dazu gehören zum Beispiel Probleme der Organe, des Nervensystems, der Lymphen oder der Blutzirkulation. Die Hände als Werkzeug dienen dazu, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu fördern, so dass der Organismus heilen kann. Bei schweren oder akuten Krankheiten, Brüchen, vor oder nach Operationen reicht dies jedoch nicht aus – eine osteopathische Begleitung als Ergänzung zur Schulmedizin oder anderen Therapieformen ist jedoch häufig sinnvoll.

Bioresonanztherapie, Bachblüten, Fussreflexzonenmassage – die Liste an alternativen Heilverfahren ist noch nicht vollständig. In der Schweiz geht mittlerweile jeder Zweite zum klassischen Arzt und zugleich zu Alternativmedizinern, was in vielen Fällen auch durchaus sinnvoll ist. Manchmal lohnt es sich eben durchaus, einen Abstecher in den Coop bzw. in die Migros zu machen.

Wort der Woche «Phobie»

Helleno… was? Hellenologophobie! Bedeutet nichts weniger als die Angst vor der griechischen Sprache und vor griechischen Fachausdrücken. Nun, witziger- oder für die Betroffenen vielmehr tragischerweise sind alle Phobienamen griechisch. Der Hellenologophobiker meidet also selbst den Fachausdruck für seine eigene Angststörung. Mit dieser ist er wenigstens nicht alleine, denn die Liste der Phobien ist lang.

Das Wort «Phobie», das aus dem Altgriechischen stammt, bedeutet Furcht. So besteht bei den Angststörungen, die man als Phobie bezeichnet, eine konkrete, übermässige Furcht vor bestimmten Objekten oder einer Situation. Umgangssprachlich wird der Begriff «Phobie» jedoch auch allgemeiner als Bezeichnung für eine Abneigung verwendet.

Phobie im Dreierpack

Bei der Störung Phobie unterscheidet man wiederum drei verschiedene Formen: Zum einen die Agoraphobie, bei der die Ängste beispielsweise auf öffentlichen Plätzen, in Menschenmengen oder beim alleinigen Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln auftreten. Typisch ist hier, dass die Betroffenen gar nicht so viel Angst verspüren, da sie die genannten Situationen komplett vermeiden. Eine weitere Form ist die soziale Phobie. Bei dieser fürchten sich die Betroffenen vor Situationen, in denen sie im Mittelpunkt stehen, zum Beispiel beim Halten eines Vortrags. Händezittern, Erröten oder Harndrang sind häufige Symptome. Meistens spielt ein geringes Selbstbewusstsein und die Furcht vor Kritik eine unterschwellige Rolle. Und dann wären da noch die spezifischen Phobien – denken Sie an den Hellenologophobiker vom Anfang.

Angst vor Erdnussbutter am Gaumen

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: die Erdnussbutter.

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: die Erdnussbutter.

Zugegebenermassen: Gewisse spezifische Phobien mögen absurd klingen. Anatidaephobie – Angst vor der Beobachtung durch Enten – oder Arachibutyrophobie – Angst vor Erdnussbutter am Gaumen – sind zwei Paradebeispiele. Bei der Dextrophobie haben die Betroffenen Angst vor Dingen, die sich an der rechten Körperhälfte befinden. Tatsächlich gibt es auch eine Angst vor der Angst, die sogenannte «Phobophobie». Wie man sieht: Eine phobische Reaktion kann sich gegen alles und jeden richten. Auf YouTube existiert ein Video mit dem Titel «100 witzige Phobien und Ängste in 170 Sekunden».

Nicht-Betroffene vermag die Liste mit manchmal unfassbaren Phobien aufzuheitern; gleichzeitig werden diese bei ihnen zu Unverständnis führen. Wie kann man Angst davor haben, sich hinzusetzen? Oder vor dem Himmel? Für die Betroffenen jedoch sind sie sicher alles andere als lustig. Und sie sind sich meistens ihrer übertriebenen Ängste bewusst.

Ursachen der Phobie

Woher kommen diese Phobien? Meistens gibt es nicht eine einzige Ursache. Erziehung, Erfahrungen, Erlebnisse – all diese Faktoren spielen bei der Entstehung mit. Leidet zum Beispiel ein Elternteil an einer Spinnenphobie, ist es denkbar, dass ein Kind diese Furcht übernimmt. Dass Angsterkrankungen manchmal in einer Familie mehrmals auftreten, deutet auf eine bestimmte Vererbbarkeit. Dies ist aber nicht in jedem Fall so. Auch schlechte Erfahrungen oder ungünstige Umstände können zu einer Phobie beitragen. So kann es reichen, in einer harmlosen Situation von etwas zu hören, um fortan diese Situation zu meiden.

Ungelöster Konflikt im Unbewussten

Eine Phobie kann auf einen unbewältigten Konflikt deuten.

Eine Phobie kann auf einen unbewältigten Konflikt deuten.

Einen anderen Ansatz vertritt die Tiefenpsychologie. Laut ihr steckt hinter einer krankhaften Furcht ein innerer Konflikt– sprich unbewusste, verdrängte Gefühle. Wächst ein Mädchen zum Beispiel aufgrund der gescheiterten Ehe ihrer Eltern allein bei der Mutter auf, kann sich eine starke Angst entwickeln, dass es seine Mutter «auch noch verliert». Da es mit dieser Angst aber gar nicht umgehen kann, sprich überfordert ist, weicht es auf eine «einfachere» Phobie aus und fürchtet sich beispielsweise vor Menschenmengen. Diesen kann sie nämlich aus dem Weg gehen. Zugleich bindet sie unbewusst die Mutter an sich, die sie vermehrt begleiten muss.

Es gibt verschiedene Wege, eine Phobie zu überwinden. Schwierig wird es durch den Umstand, dass wir Menschen eine Angst normalerweise mit einer Gefahr verknüpfen. Bei einer Phobie täuscht uns die Angst jedoch. Je nachdem, wie einschränkend sich die Phobie auf den Alltag auswirkt, ist das Aufsuchen eines Fachexperten wie so oft sicher nicht der verkehrteste Weg.