Archiv

Artikel Tagged ‘Finanzen’

Wort der Woche «Finanz»

1. Februar 2016

So unterschiedlich die verschiedenen Länder dieser Welt sind, so unterschiedlich ist auch ihre Finanzlage. Einige sind tief verschuldet, andere geniessen Prosperität. Doch woher stammt das Wort «Finanz» eigentlich, und womit wird es in Verbindung gebracht? Wir haben in unserem Team eine kleine Umfrage gemacht.

«Finanz» ist zum ersten Mal im 17. Jahrhundert aufgetaucht. Damals noch in der französischen Version «finances», das vom lateinischen «finis» entlehnt wurde. «Finis» heisst zu gut Deutsch «Grenze» und im übertragenen Sinn «Zoll». Na, ist der Groschen gefallen? Mit Finanzen wurden früher die Zollabgaben betitelt. Eine eher unschöne Sache. Ist das Wort auch heute noch negativ konnotiert?

Alles ist gut, solange der Rubel rollt.

Alles ist gut, solange der Rubel rollt.

Langweilige Abzocker
Ja. Zumindest teilweise. Auf die Frage «Welches Wort kommt Dir in den Sinn, wenn Du ‹Finanzen› hörst?» antworteten in unserem Team einige mit «langweilig», «Abzocker» oder «engstirnig». Wir haben auch ein paar neutrale Antworten erhalten wie «Geld», «Buchhaltung», «UBS», «Konto», «Bank», «Zahlen» oder «XTRF» (Anmerkung d. R.: das XTRF ist unser neues Projektmanagement-Tool). Was jedoch gänzlich fehlt, sind positiv konnotierte Wörter. Schliesslich können Finanzen auch Türöffner sein oder Wohlstand bedeuten und damit Möglichkeiten bieten, die man ohne Finanzen nicht hätte.

FINANZ‘16
Der Ort, an dem das Thema Finanzen sicherlich positiv wahrgenommen wird, ist die Schweizer Finanzmesse FINANZ’16, die am 3./4. Februar 2016 im Kongresshaus Zürich stattfindet. Und selbstverständlich ist die Finanzwelt auch für uns interessant, denn sie ist wohl die einzige Branche, die sich auf die gemeinsame Sprache Englisch geeinigt hat. Aus diesem Grund dürfen wir oft die unterschiedlichsten Unterlagen aus der Finanzbranche übersetzen. Dank unserem Netzwerk aus über 300 geprüften Fachübersetzen können wir auch garantieren, dass jeder finanzspezifische Fachbegriff korrekt übersetzt wird.

Haben auch Sie Finanztexte, die sie übersetzen müssen? Dann berechnen Sie den Preis auf unserem Online-Preisrechner oder holen Sie eine Offerte ein unter info@translation-probst.com.

Wort der Woche «Fünfräppler»

23. März 2015

Man könnte den Fünfräppler auch als Stehaufmännchen betiteln. Schon mehrmals wollte man ihn aus der Schweizer Währung verbannen, aber immer wieder hat er sich durchgesetzt. Wir erläutern Ihnen einige Fakten zu dieser kleinen, charismatischen Münze.

Die Sammler lieben ihn, die Automaten akzeptieren ihn nicht, und im Portemonnaie erscheint er uns auch eher lästig. Früher noch silbern, unterschied er sich auf den ersten Blick nur durch die Grösse von den anderen Schweizer Münzen. Heute glänzt er goldig im Portemonnaie und zieht so die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Sieht fast aus wie Gold, ist aber weniger Wert: Fünfräppler auf dem Bundesplatz.

Sieht fast aus wie Gold, ist aber weniger Wert: Fünfräppler auf dem Bundesplatz.

Wortherkunft
Für die Herkunft des Wortes Rappen gibt es verschiedene Versionen. Keine davon kann jedoch belegt werden. Die einen vermuten, dass die Bezeichnung Rappen auf einen Pfennig aus Freiburg im Breisgau zurückgeht. Im 13. Jahrhundert wurde dort eine Münze mit einem Adler geprägt. Man vermutet, dass dieser Adler als Rabe verspottet wurde. Im Laufe der Zeit wurde der Adler tatsächlich durch einen Raben ersetzt.

Eine andere Vermutung besteht darin, dass die Bezeichnung Rappen ursprünglich Schwarzpfennig bedeutete. Denn der Pfennig hatte nur einen geringen Silberanteil und wurde daher schneller schwarz.

Geschichte des Fünfräpplers
Der Fünfräppler wurde erstmals 1850 aus Billon, einer Legierung aus Kupfer und Silber, mit 5 Prozent Silberanteil geprägt. In diesem Jahr wurde übrigens das erste Geld der Schweizerischen Eidgenossenschaft geprägt. Der Fünfräppler war also von Anfang an mit dabei. Erst seit 1981 glänzt der Fünfräppler in einem gelb-goldenen Ton, was auf die Kupfer-Aluminium-Nickel-Legierung zurückzuführen ist. Für diesen Wechsel gibt es zwei Gründe: Einerseits wollte man ihn stärker von dem fast gleich grossen Fünfzigrappenstück unterscheiden, andererseits überstiegen die Produktionskosten den Nennwert des Fünfräpplers.

Im politischen Kreuzfeuer
Aus dem gleichen Grund haben Politiker schon mehrmals versucht, den Fünfräppler aus dem Zahlungsverkehr zu ziehen. Damals kostete der Zwerg unter den Münzen in der Herstellung ca. 6 Rappen, heute sind es noch deren 4. Der Bundesrat hat sich jedoch gegen diesen Schritt ausgesprochen, unter anderem weil der Fünfräppler neben dem Nennwert auch einen kulturellen Wert besitzt.

Vielleicht sehen Sie den Fünfräppler beim nächsten Blick in Ihr Portemonnaie ja auch mit anderen Augen. Und denken Sie immer daran: Wer den Rappen nicht ehrt, ist den Franken nicht wert.

Wort der Woche «Pi-Tag»

9. März 2015

«Pi» ist ein Buchstabe und eine Zahl zugleich. Es braucht sie, um den Umfang eines Kreises zu berechnen, und am 14. März lassen wir ihn/sie am internationalen Jahrestag hochleben.

Unsere Kernkompetenzen sind zwar Texte und Übersetzungen und nicht Zahlen. Bei Pi machen wir aber eine Ausnahme, denn er/sie steht sogar im Duden.

Pi hat unendlich viele Kommastellen.

Pi hat unendlich viele Kommastellen.

Rückblick
Pi ist der 16. Buchstabe des griechischen Alphabets (π) und steht gleichzeitig für die Zahl, die das Verhältnis zwischen Kreisumfang und Kreisdurchmesser darstellt. Kluge Köpfe waren Pi schon lange auf den Fersen und wussten, dass die gesuchte Zahl eine Konstante, das heisst eine reelle, nicht-ganzzahlige Zahl ist. Doch weder die alten Ägypter noch die Babylonier kamen des Rätsels Lösung näher. Erst Archimedes berechnete Pi annähernd genau.

Wie feiert man den Pi-Tag?
Pi hat unendlich viele Kommastellen. Der Weltrekordhalter, ein Franzose, hat sie auf 12,1 Billionen Dezimalen genau berechnet und brauchte dafür nicht weniger als 82 Tage. Heute wird sie meistens auf zwei Stellen gerundet: 3,14. Es ist also kein Zufall, dass der Pi-Tag am 14.03. gefeiert wird. Besondere Bewunderer der Zahl feiern Pi gar um 1 Uhr 59 und 26 Sekunden, da sie so die Kreiszahl bis zur siebten Nachkommastelle erreichen (3,1415926). Jetzt ist auch klar, woher die Redewendung Pi mal Daumen rührt: Umgangssprachlich bedeutet sie «grob geschätzt», denn die Zahl Pi kann nicht genau bestimmt werden. Zudem wurde der Daumen der ausgestreckten Hand früher als Hilfsmittel zur ungefähren Entfernungsbestimmung genutzt.

Auch beim traditionellen Festmahl des Pi-Tages wird mit dem Wort Pi gespielt. Im Englischen wird der griechische Buchstabe π lautgleich wie das englische Wort «pie» (Kuchen) ausgesprochen. Am 14. März wird deshalb ein ansehnlicher, grosser Kuchen verschlungen. Dass er rund ist, erklärt sich von selbst.

Der Pi-Tag wurde übrigens vom US-Kongress zum offiziellen Nationaltag ernannt. Und schliesslich muss man die Feste feiern, wie sie fallen. Der Pi-Tag ist also die ideale Gelegenheit, eine kleine Feier mit Kuchen zu veranstalten. Wir wünschen Ihnen viel Spass und «e Guete»!

Wort der Woche «Windowdressing»

2. März 2015

Italienisch oder Französisch? Was wie ein Salatdressing klingt, hat nur entfernt etwas mit Essen zu tun. Dann nämlich, wenn auch im Restaurant etwas schöner hergerichtet ist, als es tatsächlich schmeckt.

Bilanzkosmetik, Silvesterputz – diese Begriffe treffen ziemlich genau, was in der Bilanzpolitik mit Windowdressing gemeint ist. Um vor dem Bilanzstichtag, sprich dem letzten Tag des Wirtschaftsjahres, an dem die Jahresabschlüsse des Unternehmens aufgestellt werden, in einem möglichst günstigen Licht zu erscheinen, wird die Bilanz aufgeputzt. Die Massnahmen, die die Fondsmanager dafür durchführen, befinden sich im Grenzbereich des Zulässigen: Es handelt sich vor allem um die Umschichtung von Beständen.

Um für glückliche Gesichter bei den Anlegern zu sorgen, greift so mancher Fondsmanager in die Trickkiste.

Um für glückliche Gesichter bei den Anlegern zu sorgen, greift so mancher Fondsmanager in die Trickkiste.

Liquidität verbessern
Damit beispielsweise die mangelnde Liquidität eines Unternehmens vorübergehend nicht sichtbar wird, werden kurz vor dem Bilanzstichtag Vermögensgegenstände veräussert mit der Verpflichtung, sie wieder zurückzukaufen. Dies ist eine durchaus zulässige Liquiditätsbeschaffung. Oft veräussert eine Bank auch Devisen oder nimmt kurzfristig Geld auf. Eine andere Methode von Fondsmanagern besteht darin, kurz vor dem Ende des Quartals nochmals besonders die Aktien des von ihnen gemanagten Fonds zu kaufen, um so den eigenen Kurs hochzutreiben. Denn wie sagt man so schön? Die Hausse nährt die Hausse (mehr dazu auf unserem Blog). Langfristig wirken sich solche Käufe überteuerter Fonds jedoch negativ auf die Performance aus. Unzulässig ist diese Methode ausserdem, wenn sie von der festgelegten Anlagestrategie abweicht.

Unterschied zu früher
Interessanterweise setzte man früher Bilanztricks genau für das Gegenteil ein: Um Steuern zu sparen, wurde das Ergebnis schlechtgerechnet. Mitte der 1990er Jahre führten die Vorgaben des Shareholder Value, zu Deutsch: Aktionärswert, jedoch zu einer Beschönigung der Bilanzen. So können die Unternehmen stetige Gewinnsteigerungen präsentieren. Der Shareholder Value entspricht, vereinfacht gesagt, dem Unternehmenswert, von dem wiederum der Kurswert der jeweiligen Aktien abhängt. Und schliesslich werden Investmentfonds mit einer besseren Performance, das heisst der innerhalb eines oder mehrerer Jahre erwirtschafteten Rendite, von den Anlegern gelinde gesagt bevorzugt.

Auf Deutsch übersetzt macht das originale «window dressing» mit «Schaufensterdekoration» einen ziemlich wertneutralen Eindruck. Aber nehmen Sie sich Winston Churchills Worte zu Herzen und trauen Sie keiner Statistik, die Sie nicht selber gefälscht haben.