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Artikel Tagged ‘Fussball Weltmeisterschaft 2014’

Die Sprache des Fussballs

4. Juli 2014

Nach drei erfolgreichen Jahren gab er Ende Mai 2014 überraschend seinen Rücktritt als Trainer des FC Aarau bekannt: René Weiler. Dem Fussball selbst kehrt er jedoch nicht den Rücken – und so war er als Zuschauer an der Fussball-WM in Brasilien hautnah dabei. Uns erzählt er exklusiv von seinen Reiseerlebnissen. Dabei sticht eines heraus: Sprache hat die Eigenschaft, Menschen inner- und ausserhalb des Fussballstadions zu vereinen – oder eben halt nicht.

René Weiler startete seine Spielerkarriere vor 13 Jahren beim FC Winterthur – mit Jogi Löw als Teamkollegen.

René Weiler startete seine Spielerkarriere vor 13 Jahren beim FC Winterthur – mit Jogi Löw als Teamkollegen.

René Weiler: «Mein kurzfristiger Abstecher an die WM in Brasilien hat mir wieder einmal gezeigt, dass Fussball einerseits verbindet und andererseits eine einzige Sprache ist – zumindest was das Spiel angeht. Egal, wer eine Partie bestreitet oder leitet, die Stimmung und Stimme auf den Rängen und im Stadion ist dieselbe. Die Laola-Welle verdeutlicht das am besten; diese Massendarbietung wird während der Spiele denn auch oft praktiziert. Dasselbe Verständnis untereinander gilt bei den Spielern und den Schiedsrichtern. Ob die Engländer gegen die Italiener spielen oder ein Japaner ein Spiel zwischen Südamerikanern und Europäern pfeift, alle – auch die Zuschauer – verstehen sich mit oder ohne Worte. Während das im Stadion also einwandfrei funktioniert, waren meine kommunikativen Probleme ausserhalb doch erheblich grösser. Obwohl der englischen und auch französischen Sprache mächtig, stand ich mit meinen nicht vorhandenen Portugiesischkenntnissen im Verkehr, in der Stadt, in den Restaurants und oftmals auch in den Hotels buchstäblich auf verlorenem Posten. Dies bestärkte mich erst recht, die nun freie Zeit, die mir nach meinem Rücktritt als Trainer des FC Aarau zur Verfügung steht, sinnvoll zu nutzen und mir wichtige Fähigkeiten für das Leben und das Weiterkommen im Fussball-Business anzueignen. Dazu gehören die Sprachen. Je perfekter, desto besser. Dialoge sind gewinnbringend und vereinen nicht nur Menschen in einem Fussballstadion, sondern auch ausserhalb. Weltweit!»

Über seine Pläne will René Weiler noch nichts verraten. Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Unser Tipp: Es hat definitiv etwas mit Fussball zu tun. Vielleicht ein Trainerjob in Brasilien?

Wort der Woche – Fussball

18. Oktober 2013

fussball-schweizer-natiDass wir für diese Woche «Fussball» zum Wort der Woche auserkoren haben, liegt auf der Hand: Hat es doch die Schweizer Nati geschafft, sich endgültig für die WM 2014 in Brasilien zu qualifizieren! Trotz des Wermuttropfens, dass Ottmar Hitzfeld nach der WM nächstes Jahr als Nati-Coach aufhört, widmen wir uns diese Woche ganz und gar den mannigfaltigen Begriffen, die Fussballer aus dem deutschsprachigen Raum rund um das runde Leder gebrauchen.

Warum «tschutten» Schweizer eigentlich?

Jeder kennt ihn, jeder braucht ihn – den schweizerischen Begriff für Fussballspielen: «Tschutten». Doch wie schweizerisch ist das Wort wirklich und woher stammt es? Das Variantenwörterbuch des Deutschen nennt das englische Wort «shoot» als Ursprung, das dann als «Schutten» den Weg in die deutsche Sprache fand und sich schliesslich zum breit getretenen «Tschutten» mauserte, so dass es kaum ein Schweizer Tschütteler für ein Fremdwort hält.

Das Fach Germanistik an der Philologisch-Historischen Fakultät der Universität Augsburg verortet die Begriffe «tschutten» und «schutten» in der Schweiz in zwei Regionen: Während die Berner hauptsächlich den Begriff «schutten» verwenden, sagen alle anderen Deutschschweizer «tschutten». Aber auch die Süddeutschen scheinen ab und zu Gefallen am «Tschutten» zu haben.

Es wird auch «gepöhlt» und «gebäbbelt»

Der Fussball ist ein Sport voller Emotionen. Möglicherweise liegt hierin auch die Ursache für die vielfältigen Verben, die sich die Kicker und Tschütteler der deutschsprachigen Welt für ihre Leidenschaft ausgedacht haben. Im Ruhrpott wird nicht «gekickt», sondern «gepöhlt». Ja, Sie haben richtig gelesen: «gepöhlt». Der Begriff hat einen engen Zusammenhang mit «pfählen». Es wird angenommen, dass die Geschwindigkeit beim Schiessen mit dem Fussball mit der Kraft des Einschlagens von Pfählen verglichen wird.

Ganz reizend ist auch das Wort «Bäbbeln» aus Sachsen: Stellen Sie sich nun grad den Sächsischen Dialekt vor – niedlich, nicht wahr? Nicht umsonst wurde das «Bäbbeln» 2010 zum schönsten sächsischen Wort gekürt.

Der am meisten gebrauchte Begriff in Deutschland ist jedoch das «Bolzen», das eine ähnliche Herleitung hat wie das «Pöhlen». Die Österreicher dagegen bevorzugen es hauptsächlich zu «kicken». Und die St. Galler pflegen das Motto: «Hopp, Sanggalle – ine mit em Balle!» In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Spass beim nächsten Anpfiff.