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Artikel Tagged ‘interkulturelle Kommunikation’

e-Post: Interkulturelles Vertrauen gewinnen

13. Februar 2017

In der interkulturellen Kommunikation Vertrauen gewinnen

Haben Sie schon einmal von «Guanxi» oder «Ijjat» gehört? Viele westliche Unternehmen begehen im asiatischen Kulturraum den groben Fehler davon auszugehen, dass ihr Weltbild universell sei. Das dem nicht so ist und welche interkulturellen Hürden beim Netzwerken mit indischen oder chinesischen Partnern warten, weiss unser Asienexperte Christoph Rentsch.

e-Post: Interkulturelle Kommunikation in Asien – TRANSLATION-PROBST AG

Asien, geheimnisvoller Kontinent? Vermeiden Sie Fallen in der Kommunikation, denken Sie an Guanxi!

關係 Guanxi bezeichnet das persönliche Netzwerk von Beziehungen im chinesischen Kulturraum. Man kann es auch als «persönliche Verbindung» oder «Gegenseitigkeitsverhältnis» verstehen. «Guanxi aufbauen» bedeutet, mit einem Geschäftspartner eine Beziehung aufzubauen, die auf Gegenseitigkeit beruht, jedoch nicht darauf beschränkt ist. Mittels Gesten wie Geschäftsessen und symbolträchtigen Geschenken wird dem Gegenüber signalisiert, dass man ihn oder sie schätzt und deren Vertrauen gewinnen möchte. Guanxi aufzubauen dauert seine Zeit. Ohne ein Verständnis der subtilen Aspekte von Guanxi ist es unmöglich, im chinesisch-kulturellen Raum langfristig ein Geschäft zu entwickeln.

इज्जत Ijjat ist ein Begriff in Hindi/Urdu und bedeutet im weitesten Sinn «Respekt, Ehre»: Auf dem indischen Subkontinent ist man grundsätzlich jedem gegenüber, auch sich selbst, Ijjat schuldig. Man schuldet es sich selbst, der eigenen Familie sowie der eigenen «community» und den Mitarbeitern in einer Firma, das eigene Gesicht sowie die Ehre des anderen zu wahren. Dies bedeutet vor allem, im sozialen Umgang die richtigen Gepflogenheiten beizubehalten, nie allzu direkt zu werden und keine Grenze zu überschreiten, bei der die Ehre des Gegenübers in Frage gestellt würde.

In der interkulturellen Kommunikation rücken kulturelle Grundhaltungen wie Guanxi und Ijjat heute ins Zentrum und rücken auch zunehmend in den Fokus der akademischen Forschung, wo unter anderem folgende Dimensionenen im Hinblick auf unterschiedliche Kulturen der Kommunikation erkennbar geworden sind:

Direktes negatives Feedback vs. indirektes negatives Feedback

Beispielsweise spricht man im deutschsprachigen Raum und in westlichen Kulturen tendenziell direkter über geschäftliche Probleme. In asiatischen Kulturen werden Probleme hingegen eher diplomatisch und indirekt über den Kontext vermittelt.

Strukturierte Zeit vs. flexible Zeit

Ein Zeitplan wird in Deutschland oder in der Schweiz als Richtlinie (als «soll» oder gar ein «muss») gesehen, während in den meisten asiatischen Kulturen die Beziehung wichtiger ist als der Zeitplan (der Zeitplan ist ein «darf») und ein Projektverlauf muss nicht linear erfolgen.

Hohes Sicherheitsbedürfnis vs. hohe Risikobereitschaft

In westlichen Kulturen werden Geschäftsprojekte tendenziell mit einer starken sicherheitsorientierten Grundhaltung gestartet. In asiatischen Kulturen hingegen ist man viel eher bereit, etwas Neues zu versuchen, solange die Beziehungsebene stimmig ist.

Aufgaben-orientierte Netzwerke vs. Beziehungs-orientierte Netzwerke

Ein Beispiel: Der indische Departmentschef einer globalen Firma begrüsst seinen niederländischen Kollegen zum ersten Mal. Nach einem kurzen Austausch sagt der niederländische Kollege: «It was very nice speaking with you. I have heard many good things about you. But sorry, I’d love to continue this conversation later. I have a lot to do and customers to call.» Der indische Kollege ist ab diesem Verhalten eher irritiert.

Schwacher Kontextbezug («Sachebene») vs. starker Kontextbezug («durch die Blume»)

Ein Beispiel eines Dialogs zwischen einem US-amerikanischen Produktionschef Mr Taylor und seinem chinesischen Kollegen Mr Wei:

Mr Taylor: «It looks like we’re going to have to keep the production line running on Saturday.»
Mr Wei: «I see.»
Mr Taylor: «Can you come on Saturday?»
Mr Wei: «Yes, I think so.»
Mr Taylor: «That’ll be a great help.»
Mr Wei: «Yes, Saturday is a special day.»
Mr Taylor: «How do you mean?»
Mr Wei: «It’s my son’s birthday.»
Mr Taylor: «How nice, I hope you all enjoy it.»
Mr Wei: «Thank you, I appreciate your understanding.»

Ein mögliches Ergebnis dieses Dialogs: Mr Wei kommt am Samstag nicht zur Arbeit und Mr Taylor wundert sich, weshalb.

Nicht nur das Verständnis für die fremde Kultur, sondern auch ein Mass an Wissen über lokale Gepflogenheiten sind elementar, um im asiatischen Kulturraum nachhaltig Fuss zu fassen. Da die sprachlichen Hürden oft schon höher sind als erwartet, empfiehlt es sich, kulturelle Fettnäpfchen durch einen Experten oder durch entsprechende Fachliteratur schon im Vorfeld sichtbar zu machen. Es bleibt jedoch ein Balanceakt: treten Sie zu selbstsicher auf, wirken Sie rüpelhaft. Sind Sie aber vorsichtig und zurückhaltend, kann Ihnen Ihr Verhalten als Schwäche ausgelegt werden – und Sie können auch später Ihre Interessen nur mit grösserer Mühe durchsetzen.

Ihre TRANSLATION-PROBST AG

Wort der Woche «Interkulturell»

6. Juli 2015

Das Wort «interkulturell» steht seit elf Jahren im Duden und ist eines der rund 2‘300 Stichwörter des Zertifikats Deutsch, das u.a. beim Goethe-Institut erworben werden kann. Tatsächlich hat das Wort einiges auf dem Kasten und tritt in verschiedenen Zusammenhängen auf. Ein paar davon möchten wir Ihnen nicht vorenthalten.

Interkulturelle Kompetenz
Wer interkulturell kompetent ist, schafft es, mit Individuen und Gruppen anderer Kulturen erfolgreich zu interagieren. Dafür muss sich die Person in fremde Konzepte der Wahrnehmung, des Denkens, des Fühlens und des Handelns hineindenken können. Ganz einfach ist das nicht. Schnell sind Vorurteile gebildet, und über den eigenen Tellerrand zu schauen, fällt auch nicht immer leicht. Neugierde, Einfühlungsvermögen sowie Erfahrungen betreffend andere Kulturen sind einige der Grundvoraussetzungen für die interkulturelle Kompetenz. Ebenso gehört die Fähigkeit dazu, den eigenen Standpunkt transparent zu übermitteln.

Bei Verhandlungen ist es wichtig, dass man die Kultur seines Verhandlungspartners bestens kennt.

Bei Verhandlungen ist es wichtig, dass man die Kultur seines Verhandlungspartners bestens kennt.

Interkulturelles Dolmetschen
Interkulturelles Dolmetschen findet in einer Trialogsituation statt – einem Dialog zu Dritt – und ist besonders im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen ein Thema. Für Personen mit sprachlichen und/oder kulturellen Verständigungsschwierigkeiten kommen interkulturelle Dolmetscher wie gerufen, denn sie helfen zugewanderten Personen, sich in den schweizerischen Strukturen zurechtzufinden und sich zu integrieren. Bei der mündlichen Übertragung des Gesprochenen von einer Sprache in die andere tritt die Berücksichtigung des sozialen und kulturellen Hintergrunds der Gesprächsteilnehmenden besonders in den Vordergrund. Gerade bei komplexen oder emotionalen Gesprächen sowie bei wichtigen Entscheidungen sind interkulturelle Dolmetscher das A und O für ein erfolgreiches Verständnis.

Interkulturelle Adaption
Eine unserer Projektmanagerinnen brachte es letztens auf den Punkt: Sprachen verbinden Kulturen. Allein durch die Umstellung einzelner Buchstaben entsteht nämlich eine völlig andere Sprache. Auch bei der Übersetzung einer Website spielt Interkulturalität eine Rolle. Länder wie Japan, China oder Brasilien mögen beispielsweise animierte Grafiken und viele verschiedenen Farben viel mehr als wir in der Schweiz, die klar strukturierte Seiten ohne viel Bling-Bling bevorzugen. Die verschiedenen Vorlieben wie auch die Keywords, nach denen User in unterschiedlichen Ländern suchen, erfordern eine interkulturelle Adaption bei der Website-Übersetzung. Einfach eins zu eins zu übersetzen reicht nicht, damit Sie mit Ihrer Website mehr Umsatz machen können.

Sie sehen, das Wort «interkulturell» sollte nicht unterschätzt werden. Bei uns können Sie jederzeit einen Fachübersetzer buchen, der sich bestens mit diesem Thema auskennt. Berechnen Sie den Preis für Ihre Übersetzung in gerade mal 20 Sekunden.