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Artikel Tagged ‘Kommunikation’

Wort der Woche «Unternehmenspublikationen»

29. August 2016

Der Wettbewerb wird immer härter, die eigene Markenpositionierung immer schwieriger. Abhilfe dabei schafft die Unternehmenskommunikation − und zwar mit guten Geschichten in einem schön aufgemachten Mitarbeiter- oder Kundenmagazin. Darum widmen wir unser Wort der Woche den Unternehmenspublikationen. Natürlich nur den gedruckten. Alles andere ist ja schon digital.

Um dem Wert und der Wirkung von Unternehmenspublikationen auf den Grund zu gehen, haben wir einen mehrfach ausgezeichneten Experten und Magazinmacher aufgesucht: Michael Haller, den Leiter Unternehmenskommunikation bei Brüggli.

TRANSLATION-PROBST AG: Welchen Stellenwert nimmt die Unternehmenskommunikation in der modernen Unternehmensführung ein?

Michael Haller: Einen immer wichtigeren: Unternehmen dürfen sich nicht mehr mit leeren Marketingphrasen verkaufen, sondern sollten im Dialog Vertrauen zu ihren Bezugsgruppen aufbauen. Denn Vertrauen bildet die Basis für den Markterfolg. Dazu braucht es transparente Informationen nach innen wie aussen sowie den Einbezug von Mitarbeitenden und Kunden. Dadurch fühlen sich Mitarbeitende wie Kunden wertgeschätzt, was sie mit ihrer langfristigen Loyalität gegenüber dem Unternehmen honorieren. Wesentlich auch: Produkte und Leistungen sind austauschbar, vergleichbar. Die Unternehmenskultur macht den Unterschied. Es ist eine zentrale Aufgabe der Unternehmenskommunikation, diese Werte erlebbar und nachvollziehbar zu machen. Die Unternehmenskommunikation wird so zum Reputationstreiber und Motor der Unternehmensentwicklung.

Ein Mittel der Unternehmenskommunikation sind Unternehmenspublikationen wie ein Mitarbeiter- und Kundenmagazin. Controller würden an dieser Stelle fragen: «Was bringt das finanziell?»

Eine ganze Menge, auch wenn sich die monetäre Auswirkung eines Mitarbeiter- und Kundenmagazins erst auf lange Sicht zeigt. Währenddessen neigen Controller dazu, den Ist-Zustand zu bewerten, was kurzfristig sicher wichtig ist. Doch mit Zahlen allein können sie die Zukunft auch nicht vorhersagen. Sonst bräuchte es die Unternehmenskommunikation ja gar nicht.

Fakt ist: Unternehmenspublikationen machen eine Marke erst richtig erlebbar − ungeachtet der Form und des Kanals. Wichtig ist es, die Kultur und den Hintergrund eines Unternehmens zu vermitteln. Ob das nun als gedrucktes Magazin, im Social-Media-Auftritt oder in Form des Intranets geschieht, ist zweitrangig. Die Themen und Geschichten sind entscheidend, nicht die Medien.

Apropos Themensetzung: Wie lassen sich gute Geschichten finden, die intern wie extern begeistern?

Indem man die üblichen Verdächtigen ignoriert − also weg von der Teppichetage hin zur Basis: Es ist viel interessanter, einen Produktionsmitarbeiter zu einem Produkt zu befragen oder dazu, was es ihm bedeutet, an diesem Produkt zu arbeiten, als den Produktmanager, der dann mit rundgeschliffenen Marketingfloskeln ins Leere plappert.

Neben dem Perspektivenwechsel ist auch der journalistische Anspruch zentral: Transparenz, Hintergrundgeschichten und Analysen mit Tiefgang sind gefragt. Dabei ist es wichtig, authentische Geschichten zu erzählen. Und diese hat jedes Unternehmen: Man braucht nur die Augen aufzumachen − auch im Alltag. Denn Geschichten, die ausserhalb des Unternehmens stattfinden, können in irgendeiner Form auch einen direkten Bezug zum Unternehmen haben − ob das nun Umweltthemen sind, ein Abstimmungsresultat, das unmittelbaren Einfluss auf die eigene Branche hat, oder ein interessantes Engagement einer Mitarbeiterin in ihrer Freizeit.

Wo gibt es Hindernisse oder gar Tabus, wenn du Geschichten entdeckst und darüber berichten möchtest?

Zunächst muss die betroffene Person, die in der Geschichte die Hauptrolle einnimmt, auch ein gutes Gefühl dabei haben, wenn sie etwas von sich preisgibt und sich einem breiteren Publikum zeigt. Falls das nicht der Fall ist, lieber die Geschichte ganz bleiben lassen. Manchmal gibt es auch den umgekehrten Fall, in dem ich jemanden schützen muss, sich nicht unvorteilhaft zu exponieren.

Ein wesentliches Hindernis beim Aufspüren und Niederschreiben von Geschichten entsteht dann, wenn zu viele Interessen und Meinungen von mehreren Personen plötzlich Einfluss darauf nehmen und das Ganze dann rundschleifen, bis alles an Aussagekraft verliert. Hier rate ich: Mehr Mut zu Akzenten, zum Ungehobelten und Kantigen.

Was sind die Vorteile einer gedruckten Unternehmenspublikation? Schliesslich könnte der Inhalt auch digital schön aufbereitet und günstig online erstellt sein.

Die Vorteile eines gedruckten Mitarbeiter- und Kundenmagazins im Vergleich zu digitalen Kommunikationsmitteln liegen einerseits in der Haptik: Die Leserinnen und Leser haben etwas in der Hand, was physisch und emotional spürbar ist. Andererseits kann ein gedrucktes Magazin im eigenen Umfeld technologieunabhängig weitergereicht werden, was einen zusätzlichen Multiplikationseffekt erzeugt: Plötzlich ist das Unternehmen nicht nur bei den Kunden und Mitarbeitenden zuhause, sondern besucht auch gleich deren grösseres Umfeld. Und weil gute Geschichten darin stehen, werden sie auch gelesen.

Womit lässt sich ein Mitarbeiter- und Kundenmagazin ergänzen?

Prinzipiell kommt es darauf an, wie der Themen-Mix aussieht und welche Kanäle sich dann zur Publikation am besten eignen: Während zeitlose Themen, Hintergrundgeschichten und eine eingehende Analyse von Herausforderungen eines Unternehmens ideal in einem Mitarbeiter- und Kundenmagazin aufgehoben sind, sind aktuelle News und Fakten über die digitalen Kanäle zu kommunizieren – ob via Intranet, Website oder Social-Media-Kanal.

Interessant wird das Wechselspiel dann, wenn aus einem aktuellen Thema, das getwittert wurde, eine Hintergrundreportage für das Unternehmensmagazin wird. Oder wenn die Printversion des Magazins plötzlich auf ein Video mit einem Mitarbeitenden verweist, das im Intranet oder der elektronischen Magazinversion geschaltet ist. So können sich verschiedene Medien ergänzen und inhaltlich gegenseitig befruchten.

Wort der Woche «Unternehmenspublikationen»

Michael Haller: «Unternehmenskommunikation wird zum Motor der Organisationsentwicklung.»

Michael Haller leitet die Unternehmenskommunikation des Ausbildungs- und Integrationsunternehmens Brüggli in Romanshorn. Mit einem Team, das kleiner nicht sein könnte, verwirklicht er das Mitarbeiter- und Kundenmagazin «unterwegs» – jedes Mal unter Einbezug von Lernenden mit körperlichen und psychischen Schwierigkeiten. «unterwegs» hat mehrere Auszeichnungen für den gestalterischen und journalistischen Anspruch verliehen bekommen – darunter eine Goldene Feder und eine Silberne Feder des Schweizerischen Verbandes für Interne Kommunikation SVIK sowie einen internationalen Sonderpreis der European Association for Internal Communication FEIEA.

Michael Haller verfügt über einen Master in Communication Management & Leadership, ist ausgebildeter Typograf, Absolvent der Kreativschule des Art Directors Club und arbeitete unter anderem als Journalist und Texter/Konzepter. Bei Brüggli leitet er seit 2008 die Unternehmenskommunikation und betreut daneben – im Namen von Brüggli Medien – auch externe Kunden, die zu Brügglis Mission passen.

Wort der Woche «Networking»

3. August 2015

Social Media, internationale Dienstleistungen, Arbeiten in der Cloud – immer mehr wird dezentral organisiert. Dazu hat vor allem eines beigetragen: Networking.

So läuft Networking in der modernen Welt.

So läuft Networking in der modernen Welt.

Networking kommt seit jeher in Verbindung mit wirtschaftlicher Tätigkeit daher. Durch Networking sollen Kontakte geknüpft, Beziehungen gepflegt und so das nötige Vertrauen aufgebaut werden. Denn ohne Vertrauen läuft auch in der geschäftlichen Beziehung nichts.

Griechisch-europäische Tradition
«Networking» – ein Begriff von heute? Keineswegs, schon die Phönizier, ein semitisches Volk der Antike um 1000 v. Chr., wussten, wie man Geschäfte macht: Ihr Handelsnetz, das sich im ganzen mediterranen Raum ausgedehnt hatte, bauten sie mithilfe eines Austauschs von Beziehungen und Informationen auf eine ausgeklügelte Art und Weise aus. Die Griechen erweiterten ab 500 v. Chr. diesen Gedanken und schufen Handelsposten, dezentrale Netzwerke von Bürgern, Städte und informelle Netzwerke. Die Karthager und Römer – die direkten kulturellen Erben der Phönizier und Griechen – vollendeten die Idee des Networking zu einer Form, die dem heutigen Networking in nichts nachsteht. Berufsgenossenschaften, private Salons, wissenschaftliche Kongresse und Messen mit Mitgliedern von überallher sind nur einige Beispiele dafür, wie sie Gelegenheiten für die Kontaktaufnahme schufen. Wie man sieht: Das moderne «Networking» ist eine der wenigen kulturellen Handlungen des Menschen, die sich seit ihrem Entstehen nur wenig verändert hat.

Der Karriere-Trumpf
Heute sind wir so vernetzt wie nie zuvor. Gerade online spielt Vernetzung eine wichtige Rolle: Mit wem sind wir auf Facebook befreundet, wer folgt uns auf Twitter, wer bewertet uns auf XING. Für die eigene Karriere kann Networking ein entscheidender Vorteil sein.

«Vitamin B» – nicht nur für die Gesundheit, sondern auch im beruflichen Vorankommen nicht zu unterschätzen.

«Vitamin B» – nicht nur für die Gesundheit, sondern auch im beruflichen Vorankommen nicht zu unterschätzen.

Oft wird dafür ein vitaminreicherer Begriff verwendet: «Vitamin B». «Vetternwirtschaft» oder «Seilschaft» – eine Gruppe von Personen, die im politischen Bereich zusammenarbeitet und sich gegenseitig begünstigt – sind weitere Ausdrücke, bei denen jedoch eine negative Assoziation mitschwingt. Zurück zum gebilligten Networking: 80 Prozent der Stellen werden über persönliche Empfehlungen besetzt, wie Matthias Mölleney, der Leiter des Center for Human Resources Management & Leadership an der HWZ, im personal erklärt. Schreibt ein Unternehmen eine Stelle aus, prüfen die potenziellen Bewerber erst einmal, ob sie auf Facebook, XING oder LinkedIn mit jemandem verknüpft sind, den sie bezüglich der Stelle befragen könnten. Dies zeigt: Employer Branding fängt bei den eigenen Mitarbeitern an.

Networking for Business
Oft wird auch der Begriff «Business Networking» gebraucht, um dem Networking einen geschäftlichen Rahmen zu geben. Wobei es fast unmöglich ist, die Nutzung privater Kontakte für den Beruf auszuklammern. Bei der hohen Bedeutung von Networking verwundert es kaum, dass sich auch an der SuisseEMEX’15 alles um den Aufbau und die Pflege von beruflichen Kontakten dreht. So feiert in diesem Jahr die EMEX Night, ein neuer Networking Event, Premiere, und die Besucher können in speziellen Zonen Business-Speed-Networking betreiben, wie Ewa Ming erzählt.

Lassen Sie sich von den Phöniziern, Karthagern und Römern inspirieren und knüpfen Sie Kontakte an der SuisseEMEX’15 am 25. und 26. August – dank Professor Tell kostenlos. Schreiben Sie ihm dazu eine Mail mit dem Betreff «SuisseEMEX‘15» und ein paar wohlgesinnten Worten, und er wird Ihnen Ihre Gratis-Tickets subito zustellen.

Referate Roman Probst
In Zeiten, in denen das Budget knapp ist, ist nicht nur Networking, sondern auch eine gezielte Kundenansprache wichtig. Erfahren Sie mehr darüber an den Referaten unseres CEOs, Roman Probst:

25.08.2015, 13.15-14.00 LiveCom Forum Kundengewinnung in Zeiten knapper Budgets
25.08.2015, 14.30-15.15 Google Praxis Forum, Halle 6 10 Praxistipps für eine bessere Online-Kundengewinnung

Auch hier können Sie uns per E-Mail kontaktieren, um einen Sitzplatz für das gewünschte Referat zu sichern – natürlich sind auch beide möglich.

Über die sprachlichen Feinheiten zwischen Romands und Franzosen

19. August 2014

Nicht nur beim Schweizer Hochdeutsch, sondern auch beim westschweizerischen Französisch ist eine Nuance «Swissness» spürbar. Unser Korrektor Christian Treffort, ehemals Dozent für Französisch am Institut für Medienwissenschaften (IAM) und am Institut für Übersetzen und Dolmetschen (IUED) der ZHAW in Winterthur, geht im Interview auf Sprachvarietäten der französischen Sprache ein und erklärt unter anderem, weshalb die Franzosen «quatre-vingts» statt die Zählweise mit «-ante» wie die Schweizer oder die Belgier verwenden.

Redigiert und korrigiert freiberuflich für uns – Christian Treffort.

Herr Treffort, können Sie uns im Rahmen der Sprachvarietäten der Schweiz und Frankreichs einige Substantive nennen, die besonders auffallen, witzig oder originell sind?
Das Wort déçu, bedeutet auf beiden Seiten der Grenze das Gleiche. Die Phrase déçu en bien (wie sie in der Westschweiz verwendet wird) erscheint einem Franzosen auf den ersten Blick als beinahe unverständlich. Natürlich versteht er dann aber mithilfe des Kontextes, dass damit eine positive Überraschung gemeint ist: «J’avais un peu peur, et finalement, j’ai été déçu en bien» = «Ich fürchtete mich ein wenig, doch am Ende war ich positiv überrascht».
Im Welschland gibt es am Morgen das déjeuner, am Mittag das dîner und am Abend das souper. In Frankreich hingegen nimmt man am Morgen das petit déjeuner ein, am Mittag das déjeuner und am Abend das dîner. Souper wird in Frankreich höchstens dann verwendet, wenn man vom Essen spricht, das man am Abend beispielsweise nach einem Theaterbesuch zu sich nimmt. Die Westschweizer sind aber nicht die Einzigen, die souper verwenden: Es ist auch in Quebec geläufig.
Noch etwas Weiteres, das mir gerade einfällt: Wenn ein Westschweizer einen Fehler schreibt, muss er das Wort tracer (durchstreichen). Ein Franzose hingegen würde es rayer oder biffer.

Kann man diese Unterschiede erklären, zumindest bei einzelnen Wörtern?
Die Unterschiede können unterschiedliche Ursachen haben. Dies kann zum einen der mehr oder minder starke konservative Charakter einer Region oder eines Landes sein. So hat das Wort déçu, das im Altfranzösisch trompé (sich geirrt haben) bedeutete, bei den Franzosen die ursprüngliche Bedeutung verloren, während die Westschweiz diese beibehalten hat. Auch das englische Wort to deceive hat diese Idee der Täuschung, Illusion oder List beibehalten. Bei tracer ist ziemlich klar, dass es von streichen aus der Deutschschweiz beeinflusst wurde.

Gibt es auch Unterschiede zwischen dem Schweizer Französisch und demjenigen in Paris auf anderen Ebenen der Sprache: der Grammatik, der Syntax oder der Orthografie?
Man kann nicht wirklich von grammatikalischen Unterschieden zwischen dem schweizerischen und dem französischen Französisch sprechen. Die Syntax und die Morphologie sind das Beständigste, das eine Sprache hat; und Westschweizer und Franzosen sprechen die gleiche Sprache. Ein Deutschsprachiger, der in der Schule Französisch gelernt hat, wird die Leute in Genf genauso gut verstehen, wie diejenigen in Lausanne, Paris, Lyon, Lille, Bordeaux oder Nantes. Er wird sich auch schnell an den Dialekt im Süden gewöhnen. Aber ein Westschweizer oder ein Franzose, der beispielsweise in Berlin Deutsch gelernt hat, wird bei einem Besuch in Zürich das Gefühl haben, dass er weder etwas weiss noch versteht, da der Unterschied zwischen dem Standarddeutsch und dem «Züritütsch» enorm ist. Es stimmt zwar, dass manche Westschweizer das stumme «e» aussprechen, indem sie den vorangehenden Vokal verlängern (zum Beispiel in matinée), aber die Aussprache ändert nichts an der Morphologie des Wortes.

Welche unterschiedlich verwendeten Wörter sagen etwas über die Kultur der jeweiligen Region aus?
Gewisse Wörter widerspiegeln kulturelle Unterschiede, besonders solche, die politische Gegebenheiten aufweisen. Das wohl bekannteste Wort in der Hinsicht ist bourgeois, das in Frankreich mindestens seit Flaubert negativ konnotiert ist («J’appelle bourgeois tout ce qui pense bassement» = «Für mich ist bourgeois [bürgerlich] alles das, was ein geringes Denkvermögen besitzt»). Es bezeichnet im gleichen Zuge eine soziale Schicht und eine eher konservative Einstellung. In der Westschweiz hat être bourgeois de eine politische Bedeutung wie andernorts sein Pendant originaire de, das man in amtlichen Dokumenten findet. Diese Begriffe existieren in Frankreich nicht, so wenig wie der Begriff der commune bourgeoise (Bürgergemeinde). Dieser kulturelle Unterschied politischer und institutioneller Natur findet sich ebenso in den Begriffen conseiller d’Etat, conseiller aux Etats (Regierungsrat, Ständerat). Die Bildung, die Funktion wie auch die Art der Bezeichnung der Ratsperson und der Versammlung, der sie angehört, sind in der Schweiz und in Frankreich total verschieden. In der Schweiz handelt es sich um einen politisch gewählten, administrativen Verwalter, in Frankreich bloss um einen nominierten und nicht gewählten Verwalter. Als 1982 der Film «Espion, lève-toi» von Yves Boisset mit dem Schauplatz Zürich herauskam, spottete die Schweizer Presse darüber, welche Macht Jean-Paul Chance, einem Regierungsrat, im Film zugestanden wurde.

In der Schweiz und in Belgien sagt man «septante» bzw. «nonante». Wie kommt es, dass die beiden Regionen eine gemeinsame Zählweise verwenden, die im Gegensatz zu derjenigen in Paris steht?
Septante, octante (huitante) und nonante sind Teil einer Eigenartigkeit, deren Ursprung man zwar erklären kann, nicht aber deren Verwendung: Es ist gewiss, dass die Kelten nicht nur das Dezimalsystem (Zahlensystem mit der Einheit 10), sondern auch das Vigesimalsystem (Zahlensystem mit der Einheit 20 – also das Total von Fingern und Zehen) verwendeten. Das bekannteste Beispiel, das noch Spuren davon in sich trägt, ist das «Hôpital des Quinze-Vingts» in Paris, dessen Ursprung im Mittelalter liegt und diesen Namen trägt, da es 300 Betten beherbergt (15×20). Warum nun Frankreich dieses System verwendet, weiss man nicht. Es sei aber angemerkt, dass die Zählweise mit «-ante» teilweise auch im Osten Frankreichs verwendet wird.

In der Deutschschweiz ist es noch nicht so lange her, dass man − vor allem in der Schule − dazu tendierte, Helvetismen zu vermeiden. Heute zeigt sich ein gewisser Stolz auf die Sprachvarietäten des Schweizer Hochdeutschen. Gibt es eine solche Entwicklung auch in Bezug auf das Schweizer Französisch?
Das stimmt, in der Deutschschweiz kommt man wieder mehr auf den Dialekt zurück. Dieses Phänomen einer «Renationalisierung» der Sprache entspricht in einem gewissen Mass dem, was ein sprachlicher Verlust, also eine Verarmung der Sprache, genannt wird: Der Dialekt reicht für die alltägliche Sprache aus und Englisch spielt die Rolle der Lingua Franca für die Arbeit. Die Nähe zu Deutschland und die Einstellung Deutscher in Führungspositionen könnten zusätzlich den Wunsch hervorgerufen haben, die eigene Identität zu bewahren. Zum Schluss hat bestimmt auch die Entwicklung von Lokalradios ab Anfang der Achtzigerjahre einen Einfluss gehabt. Sie sprechen das Publikum in ihrer Sprache an. Dieses Phänomen findet man in der Westschweiz nicht: Westschweizer und Franzosen sprechen die gleiche Sprache – mit den Nuancen, die ich bereits zuvor erläutert habe.

Gibt es auch bei der paraverbalen Kommunikation (Laute, Intonation) Unterschiede je nach Region?
Die Leute aus dem Süden sind in ihrer paraverbalen Kommunikation aktiver als die Westschweizer und die Nordfranzosen. Aber es scheint so, dass sich der Affekt eher in den typischen Ausdrücken der Art peuchère, fan de chichourle, bonne mère oder putaing con zeigt als in der entsprechenden Gestik.

Wie sieht es mit non-verbalen Eigenheiten aus, zum Beispiel bei der Begrüssung?
In der Westschweiz begrüsst man sich mit drei Küsschen. In Frankreich sind es – je nach Region zwei bis vier oder sogar nur eines, wie in der Region Poitiers. Bestimmte Regionen beginnen mit der linken Wange, andere mit der rechten. Die Westschweizer donnent oder font un bec (geben ein Küsschen), die Franzosen font la bise.

Gibt es ein Begriffspaar, bei dem die Verwendung der einen Variante zu Missverständnissen führen könnte?
Statt donner oder faire un bec verwenden einige Westschweizer manchmal ein weiteres Wort, nämlich baiser. Die Franzosen sagen ja − wie bereits erwähnt – font la bise. Wenn eine Westschweizerin nun sagt: «Je croyais être fâchée avec Jean mais, quand nous nous sommes revus, il m’a baisée» («Ich dachte, Jean wäre wütend auf mich, aber als wir uns wieder sahen, hat er mich geküsst»), wird ein Franzose vor Lachen weinen, denn baiser ist in Frankreich ein Synonym zu faire l’amour.

Vielen Dank für das Interview, Christian Treffort. Wie das letzte, witzige Beispiel besonders drastisch zeigt, ist es für ein KMU-Unternehmen sehr wohl von Belang, seine konkrete Zielgruppe zu kennen und anzusprechen. Ansonsten ist der Tritt in ein sprachliches Fettnäpfchen schnell gemacht oder aber die Botschaft wird nicht verstanden. Nur eine Übersetzung, die sich an der Zielgruppe orientiert, ist eine treffsichere Übersetzung.

Lesen Sie in einem weiteren Blogartikel von uns mehr über die gezielte Ansprache von Schweizer Kunden.

Die Falschen unter den Wörtern

24. Juli 2014

Wörter sind keineswegs unschuldig. Sie können dir schmeicheln, dich einhüllen und dich an der Nase herumführen. Sie greifen vor allem dort an, wo sie deine Unsicherheit vermuten: nämlich dann, wenn du dich ausserhalb deiner Muttersprache bewegst. Dabei erscheint es dir nur logisch, dich eines Wortes zu bedienen, das dir bekannt vorkommt, das dir vertraut ist. Und schneller, als du ahnen kannst, schlägt er zu, der falsche Freund.  

Als falscher Freund tritt ein fremdsprachiges Wort auf, das einem Wort der Muttersprache in Schrift oder Aussprache zwar sehr ähnelt, jedoch eine deutlich andere Bedeutung hat. Die Wörter können dabei entweder ursprungsverwandt sein, sich aber in eine unterschiedliche Richtung entwickelt haben, oder rein zufällig eine Ähnlichkeit aufweisen. Vor allem beim Übersetzen stellen diese falschen Freunde eine Stolperfalle dar.

falsche Freunde entsorgen

Falsche Freunde gibt es wie Sand am Meer.

Um einem solchen falschen Freund zu begegnen, muss ein Schweizer nicht lange reisen. Ein Ausflug zu unseren deutschen Nachbarn genügt. Erzählt man diesen vom momentanen «Zügeln», wird man vermutlich einen verwirrten bis leicht mitleidigen Blick ernten. Zügeln wird in Deutschland nämlich nur im Zusammenhang mit «bremsen, zurückhalten» gebraucht.

Zur Erheiterung hingegen führt, wenn man in einer rumänischen Runde auf den Geburtstag eines Kollegen anstösst und dabei laut «Prost!» ruft. Das «prost» aus dem Rumänischen heisst übersetzt nämlich so viel wie «doof».Reist man etwas weiter, nach Holland, heisst es noch mehr aufgepasst. Denn durch die enge Verwandtschaft der deutschen mit der niederländischen Sprache gibt es hier auffallend viele Wortpaare, deren Freundschaft doch nicht so aufrichtig ist. Wenn ein Holländer zum Beispiel auf seinen Kopf zeigt und «doof [dof]» sagt, will er damit andeuten, dass er taub ist.

Sehr spannend ist folgende Erkenntnis: Falsche Freunde brauchen es nicht ewig zu sein, es kann auch eine tiefe Verbundenheit entstehen. So hatte zum Beispiel «realisieren» im Deutschen bis vor einiger Zeit nur die Bedeutung von «verwirklichen, umsetzen». Heute wird «realisieren» durch die häufige und wiederholt falsche Verwendung durchaus auch im Sinne von «wahrnehmen, bemerken, erkennen» verwendet, angelehnt an das englische «to realize/realise». Sogar der Duden hat diese Bedeutung mittlerweile übernommen. Zu hoffen bleibt, dass sich diese Erkenntnis nicht auf das wahre Leben übertragen lässt. Zu erschreckend der Gedanke, man könnte sich an einen falschen Freund gewöhnen und ihn sogar den «richtigen» Freunden vorziehen.

Zwar kein falscher Freund, aber trotzdem ins Fettnäpfchen treten kann, wer etwa in Kuba eine hübsche Frau mit einem Kompliment beglücken will. So bedeutet «una chica guapa» in Havanna ein aggressives/wildes Mädchen – ganz im Gegensatz zu Spanien, wo sich dadurch durchaus einer Frau ein Lächeln aufs Gesicht zaubern lässt.

Quelle: wikipedia.org

Komplexe Kommunikation: Der Lauteste ist nicht unbedingt der Beste

23. Dezember 2013

kommunikationSobald Produkte oder Dienstleistungen austauschbar werden, steigt der Preis- und Werbedruck: Das gnadenlose Buhlen um Kunden setzt ein. Doch der Preis allein ist nicht ausschlaggebend. Warum sich ein Kunde für ein bestimmtes Produkt entscheidet, hängt hauptsächlich von Werten und von der individuellen Ansprache ab, weniger von Äusserlichkeiten oder mächtigem Werbegehabe.

Gängige Premium-Produkte grosser Detaillisten verkaufen sich einem gerne mit einem vermeintlich neuen, noch nie dagewesenen Geschmackserlebnis, das sich dann jedoch grossenteils auf die Verpackung des jeweiligen Produkts beschränkt. Wofür der Konsument letztlich viel bezahlt, aber nicht viel bekommt: Was übrig bleibt, ist kein aussergewöhnliches Erlebnis, sondern der fahle Nachgeschmack, hinters Licht geführt worden zu sein.

Die Verpackung fliegt früher oder später auf

Die Enttäuschung ist gross – wie bei einem Flirt, der von aussen zwar nett ausschaut, sich später in irgendeiner Form dann aber doch als Niete entpuppt. Die Verpackung fliegt früher oder später auf. In der Beziehung zum Kunden ist es nicht anders: Es geht um Einfühlungsvermögen, Ehrlichkeit und Echtheit. Unternehmen müssen ihre Kunden verstehen, um sie erfolgreich und langfristig für sich zu gewinnen. Denn Werte wie Transparenz und persönliche Ansprache sind die einzigen Orientierungspfeiler in der Informations- und Angebotsüberflutung des Wettbewerbs.

Von der Zielgruppe zur Zielperson

Wenn wir schon dabei sind und die Beziehung zu Kunden mit derjenigen eines Flirts vergleichen, so leuchtet es ohne Weiteres ein: Die individuelle Ansprache führt zu mehr Erfolg, als wenn ein Unternehmen pauschal alle erreichen will. Beim Flirten zeigt man sich nicht nur von seiner besten Seite, sondern versucht das Gegenüber auch zu verstehen.

In Zeiten der Medienvielfalt, der Online-Vergleichsmöglichkeiten und der selektiven Wahrnehmung der Konsumenten reicht es nicht mehr, der Lauteste auf dem Markt zu sein. Aufmerksamkeit heisst noch lange nicht Werbewirksamkeit. Und darauf muss sich die klassische Werbung künftig einstellen: Die Zielgruppe ist nämlich längst geschrumpft –auf einzelne Zielpersonen. Die personalisierte Werbung wird dank Big Data zunehmen.

Werbung als Türöffner – Data Mining als Kundenbinder

Will ein Unternehmen der Schnelllebigkeit, dem Hyperwettbewerb und der steigenden Medienvielfalt trotzen, muss es den Fokus auf das richten, was ein Kunde möchte – ob mit persönlichen Gesprächen, Loyalitätsprogrammen oder personalisierter Werbung, die dank eines professionellen Datenmanagements aufbereitet wird. Die Massenwerbung wird der individuellen weichen. Dass personalisierte Werbung erfolgreich ist, hat Amazon schon früh erkannt und auf die Karte des Data Minings gesetzt, um den Kunden gezielt Produktevorschläge zu unterbreiten. Viele Unternehmen verschlafen noch immer den Umstand, dass die eigene Kundendatenbank den grössten Schatz für ein Unternehmen birgt: Wer die Informationen der Kundendatenbank geschickt nutzt, kann auch in gesättigten Märkten überleben. Gekoppelt mit cleveren Strategien und kreativen Ideen kann die klassische Werbung als Türöffner zum Neukunden dienen, das Data Mining jedoch den Kunden für lange Zeit binden.