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Artikel Tagged ‘Schweiz’

Wort der Woche «007»

2. November 2015

4500 James-Bond-Fans konnten den Film «Spectre» bereits an der Premiere vom letzten Dienstag sehen. Für alle anderen öffnen sich die Kino-Tore am 5. November, zumindest in der Deutschschweiz. Haben Sie gewusst, dass James Bond nicht nur treffsicher ist, sondern noch eine weitere Schweizer Tugend in petto hat.

Verschiedene Schweizerinnen und Schweizer haben die James-Bond-Geschichten mitgeschrieben. Sei es als Muse, als Schauspieler/in oder als Regisseur. Angefangen bei Monique Panchaud de Bottens, der Verlobten des James-Bond-Erfinders Ian Fleming. Sie war Schweizerin und diente als Vorbild für Bonds Mutter. Was sich so romantisch anhört, hatte jedoch ein jähes Ende: Die schöne Schweizerin war Ian Flemings Mutter ein Dorn im Auge, und diese drohte ihm kurzerhand mit der Enterbung, sollte er sich ihrem Willen widersetzen. Herr Fleming entschied sich für das Geld und die Gunst seiner Mutter.

Etwas haben James Bond und unser Professor Tell gemeinsam: beide sind ausserordentlich treffsicher.

Etwas haben James Bond und unser Professor Tell gemeinsam: beide sind ausserordentlich treffsicher.

Erstes Bondgirl – eine Schweizerin
Jeder weiss, von wem die Rede ist: Ursula Andress. Die Schweizerin spielte 1962 die weibliche Hauptrolle als Muscheltaucherin Honey Ryder. Die Szene, in der sie in einem weissen Bikini mit Gurt aus dem Meer steigt, ist so legendär wie Ursula Andress selbst: Frau Andress wurde unter anderem mit dem Golden Globe ausgezeichnet und vom Empire Magazin zum besten Bondgirl aller Zeiten gekürt. Sie ist also nicht irgendein Bondgirl, sondern sticht auch heute, im Alter von 79 Jahren, aus der Bondgirl-Masse heraus.

Übrigens: Neben Ursula Andress hatten auch andere Schweizer Schauspieler einen Auftritt in James-Bond-Filmen. So war zum Beispiel Anatole Taubmann in «Quantum of Solace» als Elvis zu sehen, und Carlos Leal, das Testimonial von UPC Cablecom, verkörperte in «Casino Royale» den Chef de Partie.

Idyllische und waghalsige Drehorte
Furkapass, Tankstelle Aurora in Andermatt, Pilatus-Werke in Stans, Schilthorn, Sustenpass, Lauterbrunnen, Tällistock im Berner Oberland, Berninagebiet, Verzasca-Staumauer im Tessin – das alles sind Orte, an denen das Filmteam von James Bond gedreht hat. Dabei wurden die Schweizer Landschaft jedoch oft dazu missbraucht, einen anderen Ort dieser Welt darzustellen. So wird beispielsweise die Staumauer im Verzascatal im Film «GoldenEye» bereitwillig nach Russland verschoben. In «Spectre», dem neuesten Abenteuer von James Bond, wurde übrigens nicht in der Schweiz gedreht, dafür bei unserem östlichen Nachbarn Österreich.

Auch hinter der Kamera schweizerisch
Nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera geht es schweizerisch zu und her. So schnappte sich Marc Forster den Platz auf dem Regie-Stuhl von «Quantum of Solace». Als Regisseur interpretierte er das Drehbuch natürlich so, wie er es für richtig hielt, und verlieh dem Film vielleicht unbewusst einen Schweizer Touch. Zumindest bei der Anzahl James-Bond-Filme, die Marc Forster gedreht hat, spürt man die schweizerische Bescheidenheit: Im Gegenteil zu vielen seiner Vorgänger und Nachfolger hat Forster nur einen einzigen James-Bond-Film gedreht, obwohl er ein Angebot für mindestens ein weiteres Abenteuer hatte.

Man könnte fast sagen, das Erfolgsmodell von James Bond ist Treffsicherheit und Schweizer Qualität. Genauso wie bei der TRANSLATION-PROBST AG, denn auch wir setzen bei unseren Dienstleistungen Übersetzen, Texten und Dolmetschen auf Treffsicherheit und Qualität. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim neuesten James-Bond-Streifen.

Wort der Woche «Welsch»

22. Juni 2015

Mit dem knappsten Ergebnis aller Zeiten sind die Abstimmungsresultate des 14. Juni immer noch in aller Munde. Was auffällt: Der Röstigraben hat sich einmal mehr als eine tiefe Schlucht zwischen die deutschsprachige Schweiz und dem Welschland erwiesen. Doch wieso spricht man eigentlich vom Abstimmungsverhalten der «Welschen»?

«Welsch» bedeutet ursprünglich nichts anderes als «fremd», «andersartig». Mit dem Ausdruck «Welschland» ist zwar hauptsächlich die Romandie gemeint; früher traf die Bezeichnung jedoch auch auf Italien und Frankreich zu. In Tirol und in Südtirol betitelt man heute noch die Italiener als die «Welschen». Auch die Walnuss ist mit dem Wort in Kontakt gekommen, nämlich als «welsche Nuss», die über Frankreich oder Italien ins Deutsche gekommen ist.

Die «welsche» Nuss unter den Nüssen: die Walnuss.

Die «welsche» Nuss unter den Nüssen: die Walnuss.

Das englische «walnut», das vom altenglischen «walhnutu» («fremde Nuss») stammt, spricht ebenfalls auf diese Komponente an. «Welsch» ist ausserdem in diversen Orts- und Familiennamen enthalten, so leiten sich etwa die geographischen Bezeichnungen Wallonien, Walachei oder Wales vom Wort ab.

Das unverständliche Ufer

Wer vermutet, dass auch Walenstadt etwas mit «Welsch» zu tun haben könnte, der liegt vollkommen richtig. Walenstadt beschreibt die Entstehung ihres Namens wie folgt: «Die Sprachen der in unserem Tal lebenden Räter und der Römer, die die Räter unterworfen und lange Zeit beherrscht hatten, vermischten sich zum Rätoromanischen. In dieser Sprache wurde die kleinere, aber lokal bedeutsame Ansiedelung am oberen Ende des Walensees als ‹Riva› (Ufer) bezeichnet. Da der Walensee mit seinen steilen Ufern nur den Wasserweg offen liess, rückten die in Helvetien einwandernden Alemannen nur bis Weesen vor. Diese verstanden die Sprache der Anwohner in Riva nicht und verpassten darum Riva den Namen ‹Vualahastade›: das ‹welsche› bzw. das ‹andersartige, unverständliche› Ufer. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus das heutige Walenstadt.» Eine unverständliche Sprache wird übrigens bis heute als «Kauderwelsch» bezeichnet.

Rösti machen den Graben aus
Ebenfalls spannend ist es, dem anfangs erwähnten Röstigraben auf den Grund zu gehen. Dieser ist neben dem «Chuchichäschtli» und dem «Öpfelbütschgi» ein typisch schweizerdeutscher Ausdruck, der insbesondere das unterschiedliche Abstimmungsverhalten der Deutschschweizer und der Romands wiederspiegelt. Und zwar ist «Rösti» bekannt als klassisches Kartoffelgericht aus der Deutschschweizer Küche, wobei gemunkelt wird, dass die Westschweizer die ebenbürtigen «pommes de terre fricassées» mindestens so lange kennen. Der Einfachheit halber hätten sie sich aber der kürzeren Bezeichnung «Rösti» angepasst. In der Romandie finden übrigens – in Anlehnung an den Eisernen Vorhang – eher die Begriffe «Rideau de rösti» (Röstivorhang) oder «Barrière de rösti» (Röstizaun) Verwendung. Häufig wird der Röstigraben mit dem Lauf der Saane bei Freiburg gleichgesetzt, wofür auch der französische Ausdruck «outre-Sarine» spricht (zu Deutsch «jenseits der Saane»).

Innerhalb der Schweiz sehen die Abstimmungsresultate nicht so harmonisch aus.

Innerhalb der Schweiz sehen die Abstimmungsresultate nicht so harmonisch aus.

Interessanterweise ist der Röstigraben bei den Abstimmungen mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt: Im Bereich der Aussen- und Sozialpolitik ist die Romandie oft dem Ausland (auch der EU) und staatlichen Regulierungen wohlgesinnter als die deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit; in der Drogen-, Gesellschafts-, Verkehrs- und Umweltpolitik hingegen fallen die Unterschiede kaum ins Gewicht. Der Gegensatz zwischen der urbanen und ländlichen Bevölkerung macht dem Röstigraben in der Schweizer Politik ausserdem zunehmend Konkurrenz.

Nun sind Sie Experte, was das Wörtchen «Welsch» wie auch den Röstigraben betrifft. Falls Sie eine Übersetzung benötigen, die den Sprung über den Röstigraben ins Welschland schafft, stellt Ihnen die TRANSLATION-PROBST AG gerne den passenden, muttersprachlichen Fachübersetzer zur Verfügung.

Wort der Woche «Schmotzig»

9. Februar 2015

In drei Tagen ist es soweit: Der Donnerstag wird schmutzig und daher zum «Schmotzigen Donnerstag». Mit Schmutz in diesem Sinn hat er jedoch gar nichts zu tun, auch wenn das häufig angenommen wird.

Ob Schmotziger Dunschtich, Dicker Donnerstag, Unsinniger Donnerstag, Gumpiger Dunschtig oder einfach nur Schmotziga – der Donnerstag vor Aschermittwoch trägt vor allem in Deutschland viele Namen. In der schwäbisch-alemannischen Fasnacht und in den katholischen Orten der Schweiz ist der «Schmotzige Donnschtig» der Startschuss für die Fasnacht. Fasnacht wird übrigens nur im Schweizer Hochdeutschen geschrieben, in Deutschland heisst es «Fastnacht».

Herkunft
Entgegen der verbreiteten Annahme, dass «schmotzig» tatsächlich auf Schmutz und Dreck zurückzuführen sei, findet sich das Wort im alemannischen Begriff für Schmalz bzw. Fett wieder. Der Donnerstag vor Aschermittwoch war nämlich der letzte Schlachttag vor der Fastenzeit und somit für alle Nicht-Vegetarier – die sich damals noch in der Mehrheit befanden – die letzte Gelegenheit, um nochmals in den Genuss von Fleisch zu kommen. Da die Fastenzeit bis Ostern vierzig fleischlose Tage bedeutete, wurde nochmals geschlemmt, was das Zeug hält. So konnte man sich auch genug Fettreserven für die bevorstehende Fastenzeit anfuttern.
Die Kirche freundete sich mit dem teils ausartenden und wollüstigen Treiben vor der Fastenzeit wohl oder übel an und führte den theologisch-pädagogischen Nutzen vor Augen: Die Fasnacht stelle mit den verschiedenen Hexen-, Dämonen- und Teufelsmasken die Herrschaft des Bösen dar und zeige eine gottferne, verkehrte Welt voller Busse. Die Gläubigen seien dadurch eher gewillt für die entbehrungsreiche Fastenzeit.

Der Schmotzige Donnerstag ist auch als Schlacht- und Backtag bekannt.

Der Schmotzige Donnerstag ist auch als Schlacht- und Backtag bekannt.

In Deutschland werden die Schüler am Schmotzigen Donnerstag von der Schule «befreit», und die Narren bekommen vom Bürgermeister symbolisch den Rathausschlüssel in die Hand gedrückt. Diesen dürfen sie bis Fasnachtsdienstag behalten. Umzüge und Strassenfasnachten sind dann natürlich ein Muss. Traditionellerweise werden am Schmotzigen Donnerstag vielerorts im Fett gebackene «Fasnetsküchle» gegessen, zum Beispiel Quarkbällchen (auch bekannt unter Quarkini).

In der Schweiz wird der Schmotzige Donnschtig von Kanton zu Kanton anders gefeiert. Die Luzerner Fasnacht, die zweitgrösste der Schweiz, beginnt um fünf Uhr morgens mit dem «Urknall». Dieser gibt den Guggenmusiken und allen Fasnächtlern das Zeichen, dass nun mit dem fasnächtlichen Treiben begonnen werden darf.

Wie feiern Sie den Schmotzigen Donnerstag? Mit Ohropax im Bett, oder stehen Sie an vorderster Front?

Über die sprachlichen Feinheiten zwischen Romands und Franzosen

19. August 2014

Nicht nur beim Schweizer Hochdeutsch, sondern auch beim westschweizerischen Französisch ist eine Nuance «Swissness» spürbar. Unser Korrektor Christian Treffort, ehemals Dozent für Französisch am Institut für Medienwissenschaften (IAM) und am Institut für Übersetzen und Dolmetschen (IUED) der ZHAW in Winterthur, geht im Interview auf Sprachvarietäten der französischen Sprache ein und erklärt unter anderem, weshalb die Franzosen «quatre-vingts» statt die Zählweise mit «-ante» wie die Schweizer oder die Belgier verwenden.

Redigiert und korrigiert freiberuflich für uns – Christian Treffort.

Herr Treffort, können Sie uns im Rahmen der Sprachvarietäten der Schweiz und Frankreichs einige Substantive nennen, die besonders auffallen, witzig oder originell sind?
Das Wort déçu, bedeutet auf beiden Seiten der Grenze das Gleiche. Die Phrase déçu en bien (wie sie in der Westschweiz verwendet wird) erscheint einem Franzosen auf den ersten Blick als beinahe unverständlich. Natürlich versteht er dann aber mithilfe des Kontextes, dass damit eine positive Überraschung gemeint ist: «J’avais un peu peur, et finalement, j’ai été déçu en bien» = «Ich fürchtete mich ein wenig, doch am Ende war ich positiv überrascht».
Im Welschland gibt es am Morgen das déjeuner, am Mittag das dîner und am Abend das souper. In Frankreich hingegen nimmt man am Morgen das petit déjeuner ein, am Mittag das déjeuner und am Abend das dîner. Souper wird in Frankreich höchstens dann verwendet, wenn man vom Essen spricht, das man am Abend beispielsweise nach einem Theaterbesuch zu sich nimmt. Die Westschweizer sind aber nicht die Einzigen, die souper verwenden: Es ist auch in Quebec geläufig.
Noch etwas Weiteres, das mir gerade einfällt: Wenn ein Westschweizer einen Fehler schreibt, muss er das Wort tracer (durchstreichen). Ein Franzose hingegen würde es rayer oder biffer.

Kann man diese Unterschiede erklären, zumindest bei einzelnen Wörtern?
Die Unterschiede können unterschiedliche Ursachen haben. Dies kann zum einen der mehr oder minder starke konservative Charakter einer Region oder eines Landes sein. So hat das Wort déçu, das im Altfranzösisch trompé (sich geirrt haben) bedeutete, bei den Franzosen die ursprüngliche Bedeutung verloren, während die Westschweiz diese beibehalten hat. Auch das englische Wort to deceive hat diese Idee der Täuschung, Illusion oder List beibehalten. Bei tracer ist ziemlich klar, dass es von streichen aus der Deutschschweiz beeinflusst wurde.

Gibt es auch Unterschiede zwischen dem Schweizer Französisch und demjenigen in Paris auf anderen Ebenen der Sprache: der Grammatik, der Syntax oder der Orthografie?
Man kann nicht wirklich von grammatikalischen Unterschieden zwischen dem schweizerischen und dem französischen Französisch sprechen. Die Syntax und die Morphologie sind das Beständigste, das eine Sprache hat; und Westschweizer und Franzosen sprechen die gleiche Sprache. Ein Deutschsprachiger, der in der Schule Französisch gelernt hat, wird die Leute in Genf genauso gut verstehen, wie diejenigen in Lausanne, Paris, Lyon, Lille, Bordeaux oder Nantes. Er wird sich auch schnell an den Dialekt im Süden gewöhnen. Aber ein Westschweizer oder ein Franzose, der beispielsweise in Berlin Deutsch gelernt hat, wird bei einem Besuch in Zürich das Gefühl haben, dass er weder etwas weiss noch versteht, da der Unterschied zwischen dem Standarddeutsch und dem «Züritütsch» enorm ist. Es stimmt zwar, dass manche Westschweizer das stumme «e» aussprechen, indem sie den vorangehenden Vokal verlängern (zum Beispiel in matinée), aber die Aussprache ändert nichts an der Morphologie des Wortes.

Welche unterschiedlich verwendeten Wörter sagen etwas über die Kultur der jeweiligen Region aus?
Gewisse Wörter widerspiegeln kulturelle Unterschiede, besonders solche, die politische Gegebenheiten aufweisen. Das wohl bekannteste Wort in der Hinsicht ist bourgeois, das in Frankreich mindestens seit Flaubert negativ konnotiert ist («J’appelle bourgeois tout ce qui pense bassement» = «Für mich ist bourgeois [bürgerlich] alles das, was ein geringes Denkvermögen besitzt»). Es bezeichnet im gleichen Zuge eine soziale Schicht und eine eher konservative Einstellung. In der Westschweiz hat être bourgeois de eine politische Bedeutung wie andernorts sein Pendant originaire de, das man in amtlichen Dokumenten findet. Diese Begriffe existieren in Frankreich nicht, so wenig wie der Begriff der commune bourgeoise (Bürgergemeinde). Dieser kulturelle Unterschied politischer und institutioneller Natur findet sich ebenso in den Begriffen conseiller d’Etat, conseiller aux Etats (Regierungsrat, Ständerat). Die Bildung, die Funktion wie auch die Art der Bezeichnung der Ratsperson und der Versammlung, der sie angehört, sind in der Schweiz und in Frankreich total verschieden. In der Schweiz handelt es sich um einen politisch gewählten, administrativen Verwalter, in Frankreich bloss um einen nominierten und nicht gewählten Verwalter. Als 1982 der Film «Espion, lève-toi» von Yves Boisset mit dem Schauplatz Zürich herauskam, spottete die Schweizer Presse darüber, welche Macht Jean-Paul Chance, einem Regierungsrat, im Film zugestanden wurde.

In der Schweiz und in Belgien sagt man «septante» bzw. «nonante». Wie kommt es, dass die beiden Regionen eine gemeinsame Zählweise verwenden, die im Gegensatz zu derjenigen in Paris steht?
Septante, octante (huitante) und nonante sind Teil einer Eigenartigkeit, deren Ursprung man zwar erklären kann, nicht aber deren Verwendung: Es ist gewiss, dass die Kelten nicht nur das Dezimalsystem (Zahlensystem mit der Einheit 10), sondern auch das Vigesimalsystem (Zahlensystem mit der Einheit 20 – also das Total von Fingern und Zehen) verwendeten. Das bekannteste Beispiel, das noch Spuren davon in sich trägt, ist das «Hôpital des Quinze-Vingts» in Paris, dessen Ursprung im Mittelalter liegt und diesen Namen trägt, da es 300 Betten beherbergt (15×20). Warum nun Frankreich dieses System verwendet, weiss man nicht. Es sei aber angemerkt, dass die Zählweise mit «-ante» teilweise auch im Osten Frankreichs verwendet wird.

In der Deutschschweiz ist es noch nicht so lange her, dass man − vor allem in der Schule − dazu tendierte, Helvetismen zu vermeiden. Heute zeigt sich ein gewisser Stolz auf die Sprachvarietäten des Schweizer Hochdeutschen. Gibt es eine solche Entwicklung auch in Bezug auf das Schweizer Französisch?
Das stimmt, in der Deutschschweiz kommt man wieder mehr auf den Dialekt zurück. Dieses Phänomen einer «Renationalisierung» der Sprache entspricht in einem gewissen Mass dem, was ein sprachlicher Verlust, also eine Verarmung der Sprache, genannt wird: Der Dialekt reicht für die alltägliche Sprache aus und Englisch spielt die Rolle der Lingua Franca für die Arbeit. Die Nähe zu Deutschland und die Einstellung Deutscher in Führungspositionen könnten zusätzlich den Wunsch hervorgerufen haben, die eigene Identität zu bewahren. Zum Schluss hat bestimmt auch die Entwicklung von Lokalradios ab Anfang der Achtzigerjahre einen Einfluss gehabt. Sie sprechen das Publikum in ihrer Sprache an. Dieses Phänomen findet man in der Westschweiz nicht: Westschweizer und Franzosen sprechen die gleiche Sprache – mit den Nuancen, die ich bereits zuvor erläutert habe.

Gibt es auch bei der paraverbalen Kommunikation (Laute, Intonation) Unterschiede je nach Region?
Die Leute aus dem Süden sind in ihrer paraverbalen Kommunikation aktiver als die Westschweizer und die Nordfranzosen. Aber es scheint so, dass sich der Affekt eher in den typischen Ausdrücken der Art peuchère, fan de chichourle, bonne mère oder putaing con zeigt als in der entsprechenden Gestik.

Wie sieht es mit non-verbalen Eigenheiten aus, zum Beispiel bei der Begrüssung?
In der Westschweiz begrüsst man sich mit drei Küsschen. In Frankreich sind es – je nach Region zwei bis vier oder sogar nur eines, wie in der Region Poitiers. Bestimmte Regionen beginnen mit der linken Wange, andere mit der rechten. Die Westschweizer donnent oder font un bec (geben ein Küsschen), die Franzosen font la bise.

Gibt es ein Begriffspaar, bei dem die Verwendung der einen Variante zu Missverständnissen führen könnte?
Statt donner oder faire un bec verwenden einige Westschweizer manchmal ein weiteres Wort, nämlich baiser. Die Franzosen sagen ja − wie bereits erwähnt – font la bise. Wenn eine Westschweizerin nun sagt: «Je croyais être fâchée avec Jean mais, quand nous nous sommes revus, il m’a baisée» («Ich dachte, Jean wäre wütend auf mich, aber als wir uns wieder sahen, hat er mich geküsst»), wird ein Franzose vor Lachen weinen, denn baiser ist in Frankreich ein Synonym zu faire l’amour.

Vielen Dank für das Interview, Christian Treffort. Wie das letzte, witzige Beispiel besonders drastisch zeigt, ist es für ein KMU-Unternehmen sehr wohl von Belang, seine konkrete Zielgruppe zu kennen und anzusprechen. Ansonsten ist der Tritt in ein sprachliches Fettnäpfchen schnell gemacht oder aber die Botschaft wird nicht verstanden. Nur eine Übersetzung, die sich an der Zielgruppe orientiert, ist eine treffsichere Übersetzung.

Lesen Sie in einem weiteren Blogartikel von uns mehr über die gezielte Ansprache von Schweizer Kunden.

Referat Roman Probst: Die TRANSLATION-PROBST AG als Best Practice-Beispiel für Terminologie und Corporate Language

28. Februar 2012

Das weltweit führende Software-Unternehmen im Bereich Übersetzungs- und Terminologiemanagement SDL kommt am 16. März mit einer Best Practice-Roadshow für Übersetzungsagenturen nach Basel. Dieses Mal geht es darum, den Schweizer Übersetzungsanbietern die Wichtigkeit von Corporate Language/Terminologie aufzuzeigen. Darüber hinaus geht es um die Frage, wie die Terminologie-Arbeit praktisch umgesetzt werden kann.

Die TRANSLATION-PROBST AG hat sich als erstes und bisher einziges Übersetzungsbüro mit einem kostenlosen Terminologie-Service für Stammkunden einen Namen gemacht. Und zwar derart, dass unser LSP Partner SDL den CEO unseres Unternehmens als Best Practice-Referenten zu seiner Roadshow nach Basel eingeladen hat: Am 16. März 2012 hat Roman Probst dort ein Referat zum Thema «Die Bedeutung der Terminologie im Rahmen der Corporate Language» gehalten. Dabei sprach er darüber, welchen entscheidenden Mehrwert eine einheitliche Terminologie bringt und wie die Terminologie-Arbeit bei der TRANSLATION-PROBST AG gehandhabt wird.

Sehen Sie hier das Video zum Referat!

Die Terminologie ist ein wichtiger Bestandteil der Corporate Identity. Mit einer einheitlichen Terminologie wird diese gestärkt sowie der Wiedererkennungseffekt eines Unternehmens beim Kunden gesteigert. Dadurch kann es sich von der Konkurrenz differenzieren. Weil ausserdem der Bedarf an Fachübersetzungen und die Anzahl der Zielsprachen stetig wachsen, ist eine einheitliche Terminologie unumgänglich und letzten Endes von unschätzbarem Wert. Deswegen bietet die TRANSLATION-PROBST AG einen umfassenden Terminologie-Service – für Stammkunden sogar kostenlos.

Sind Sie Übersetzer oder arbeiten Sie in einem Übersetzungsbüro? Jetzt anmelden!
Hier erfahren Sie mehr über Terminologie und Corporate Language!