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Artikel Tagged ‘sprachliche Missverständnisse’

Wort der Woche «Deutsch»

20. April 2015
Deutsch_TRANSLATION-PROBST AG

Über sprachliche Missverständnisse in der Schweiz weiss Julia Kasig viel zu erzählen.

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Sogar unsere sprachaffine Projektmanagerin Julia Kasig trifft immer wieder auf neue, witzige, überraschende und für sie ungewöhnliche Wörter aus dem Deutschen. Welche Wörter und Anekdoten aus ihrem Alltag in der Schweiz das sind, erzählt sie Ihnen in diesem Artikel. 

Schon in der Schule entdeckte ich meine Faszination für Sprachen: Englisch, Französisch, Latein, Italienisch, Niederländisch, Mittelhochdeutsch – ja sogar im Finnischen versuchte ich mich eine Weile. Ich fand es spannend, die Verwandtschaft zwischen Sprachen zu erkennen, und war gleichzeitig fasziniert von der Differenz zwischen den Sprachen. Ich musste jedoch erst meine norddeutsche Heimat verlassen und mein Studium im Saarland aufnehmen, um mir der imposanten Vielfalt meiner eigenen Muttersprache bewusst zu werden. Natürlich wusste ich schon vorher, dass es verschiedene Dialekte in Deutschland gibt, dass die Schweizer anders sprechen als die Österreicher und beide anders als die Deutschen. Mein Studium im Saarland (wo man übrigens «holen» statt «nehmen» sagt und ich bis zum Ende meiner Studienzeit immer irritiert war, wenn ich gefragt wurde, ob mein Essen zum Mitholen sei) bot mir die Gelegenheit, die Diversität der deutschen Sprache, die verschiedenen Dialekte und Redensarten hautnah und täglich in meinem Freundeskreis zu erleben. Bis dahin hing ich selbst der naiven Idee an, ich als Norddeutsche würde «reines» Hochdeutsch sprechen, völlig dialekt- und akzentfrei.

«Moin» zu jeder Tages- und Nachtzeit
Welch ein Irrtum! Denn im Saarland machten mir meine Freunde klar, ich könne meine norddeutsche Herkunft nie und nimmer leugnen. Der Einfluss des eher in den ländlichen Gebieten und von den älteren Generationen gesprochenen Plattdeutschen färbte sich offensichtlich ab auf meine Sprachmelodie und meine Art und Weise, Silben zu betonen und Endungen auszusprechen oder zu verschlucken. In der Tat herrscht bei uns zum Beispiel die Tendenz, ein «g» am Wortende zu einem «ch» abzuwandeln und so «fahr’n wir nach Hamburch» und «haben’s eilich» zu sagen. Auch einige der mir völlig geläufigen Wörter stiessen bei meinen Freunden aus dem Rheinland, dem Frankfurter Raum oder Süddeutschland auf Unverständnis oder Schmunzeln: Denn meine Heimat ist dort, wo man sich zum «Schnacken» (Duden sagt: reden, sprechen, zwanglos plaudern) mit Bekannten trifft. Wo man sich mit «Moin» (alternativ auch «Moin Moin») begrüsst – und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dort, wo man sich als Kind «‘ne Schlickertüte für ‘ne Mark» (gemischte Tüte) kauft. Wo die Oma sagt, man solle «nicht so einen Flunsch ziehen», wenn man nicht ganz glücklich dreinschaut. Wo die Leute nie betrunken, sondern allenfalls «angeschickert», schlimmstenfalls «duun» sind. Meine Heimat ist dort, wo man seine Küche «feudelt» (Feudel = Wischlappen), wo Kinder mit einem «Tüdelband» spielen und Omas manchmal schon etwas «tüdelig» (durcheinander) sind. Und dort, wo definitiv nicht immer nur «Schietwedder» ist.

Hochdeutsch vs. Schweizer Hochdeutsch
Während des Studiums lernte diese norddeutsche «Deern» (Mädchen), die ich war, einen Mann kennen, der in der Schweiz lebte. Ich war zuversichtlich, das Schweizerdeutsche würde mir keinerlei Probleme bereiten. Immerhin war ich durch den Luzerner «Tatort» bestens mit der Sprache dieses Landes vertraut. Dass der «Tatort» aus Luzern für das deutsche Fernsehen ins Hochdeutsche synchronisiert und der Authentizität halber lediglich ein Schweizer Akzent beibehalten wurde, erfuhr ich dann bei meinem ersten Besuch in der Schweiz. Tatsächlich bereitete mir der Einstieg in die schweizerdeutsche Sprachregion relativ wenige Probleme. Viele schweizerdeutsche Begriffe konnte ich aus dem mir vertrauten Französischen ableiten: Ein Eis ist hier ein Glacé, ein Hühnchen wird Poulet genannt, Wohnungen haben manchmal ein Cheminée, Fahrrad heisst Velo, und die Haare schneidet man beim Coiffeur. Ich stellte ausserdem fest, dass es im Schweizerdeutschen häufig ein eleganter klingendes Pendant zu deutschen Wörtern gibt. «Offerieren» klingt für mich nach einer besonders höflichen Art des Anbietens, und während die Deutschen ihr Auto irgendwo parken, handhaben es die Schweizer deutlich kultivierter: Sie parkieren. Allerdings muss ich auch zugeben, dass es einige Wortpaare gibt, bei denen ich die deutschlanddeutsche Variante treffender finde. Nehmen wir zum Beispiel den Grillabend. Finden Sie nicht auch, dass das spezielle Flair eines geselligen, gemütlichen Grillabends in «wir grillen» besser zum Ausdruck kommt als in «wir grillieren»?

Amüsante Missverständnisse
Obwohl ich mich mittlerweile gut mit Schweizern verständigen kann, kommt es ab und an zu lustigen Missverständnissen. So hatten wir in meinem ersten Monat einmal Besuch zum Abendessen von einem Schweizer Freund. Zum Dessert hatte ich mit viel Liebe einen Butterkuchen gebacken und war sehr gespannt, wie dieser bei unserem Gast ankommen würde. «Mmhh, dä schmöckt fein», war seine Reaktion. Eigentlich ein nettes Kompliment an die Köchin – wenn sein Kuchenstück nicht völlig unangetastet gewesen wäre. Etwas beleidigt sagte ich ihm, er solle ruhig erst einmal ein Stückchen probieren, bevor er sich ein Urteil über den Geschmack erlaube. An diesem Abend lernte ich, dass das schweizerische «schmöcken» nichts mit dem deutschen «schmecken» gemein hat, sondern «riechen» bedeutet. Ein weiteres Missverständnis offenbarte sich, als ich im Büro fragte, wo eine Kollegin denn momentan wohne, wenn sie täglich mit dem Zug fahren müsse. Für mich war völlig selbsterklärend, dass die Aussage «Ich bin zurzeit am Zügeln» nur meinen könne, sie würde derzeit mit dem Zug nach Winterthur und zurück pendeln müssen. Spätestens nach dem Umzug der TRANSLATION-PROBST AG ist mir das Wort «zügeln» mittlerweile absolut vertraut und löst keine Irritationen mehr aus. Wohl aber folgende Szene: In einem Geschäft war das Besteck, das ich mir ausgesucht hatte, nicht mehr komplett vorrätig. Auf Nachfrage «offerierte» mir die Verkäuferin, die fehlenden Teile für mich zu bestellen. Sie verabschiedete sich von mir mit den Worten: «Ich gebe Ihnen ein Telefon, wenn Ihr Besteck vollständig angekommen ist.» Da ich eins und eins zusammenzählen konnte, war mir klar, was sie mit dieser Aussage meinte. Und dennoch: Bis heute habe ich das Bild nicht aus dem Kopf bekommen, wie ich den Laden betrete und die Verkäuferin mir ein Telefon in die Hand drückt.

Aus den amüsanten Anekdoten von Julia Kasig merkt man schnell, dass es bei Sprachen auf Feinheiten ankommt. Genau deshalb ist es so wichtig, dass bei Übersetzungen nur Fachübersetzer eingesetzt werden, die sowohl das Fachgebiet als auch die Sprache der Zielgruppe, die immer ihre Muttersprache ist, exakt kennen. Bei der TRANSLATION-PROBST AG können Sie sich darauf verlassen, dass Ihre Übersetzungen unter Berücksichtigung der Tonalität und sprachlichen Besonderheiten der Zielgruppe treffsicher in die Zielsprache übersetzt werden.