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Mit dem Zürcher Werbeclub zu Wikipedia Schweiz

20. Oktober 2014

Jeder kennt sie, jeder braucht sie, jeder weiss mit ihr umzugehen: Wikipedia – die freie Enzyklopädie. Eine Unmenge an Wissen, die allen kostenlos zur Verfügung steht und zu der jeder und jede sein bzw. ihr eigenes Wissen beisteuern kann. Seit der Lancierung 2001 sind 1,7 Mio. Artikel allein in deutscher Sprache entstanden. Aber halt – heute ist doch nichts mehr gratis: Weshalb also bei Wikipedia? Ist das Ganze dann überhaupt vertrauenswürdig? 

Patrick Kenel ist der Mann, der auf diese Fragen die besten Antworten geben kann. Als langjähriger Wikipedia-Autor, Wikimedia-Aktivist und ehrenamtlicher Präsident des Vereins Wikimedia Schweiz hat er sich Wikipedia sozusagen verschrieben. Wikimedia Schweiz ist ein unabhängiger Verein, der mit der Non-Profit-Organisation Wikimedia Foundation, der Betreiberin des Onlinelexikons, zusammenarbeitet und als Mission die Förderung des Freien Wissens hat.

Nächsten Donnerstag hält er in der Liquid Bar in Zürich ein spannendes Gastreferat; der Organisator des Events ist der Zürcher Werbeclub. Wir haben Patrick Kenel bereits vorab ein paar Fragen gestellt:

Wikipedia-Autor Patrick Kenel

Wikipedia-Autor Patrick Kenel

Herr Kenel, wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich so für Wikipedia bzw. Wikimedia engagieren?
Schon als Kind habe ich mich für Nachschlagewerke interessiert. Natürlich war ich dann fasziniert, als ich vor zehn Jahren Wikipedia kennengelernt habe. Es ergab sich ja nun die Möglichkeit, selbst beim Aufbau einer Enzyklopädie mitzumachen. Ich habe damals mein Benutzerkonto (Benutzer: Pakeha) eingerichtet. Anders als andere Wikipedianer habe ich keinen Hintergrund als Technik-Freak bzw. Nerd und bin nicht über die Open-Source-Software zu Wikipedia gekommen. Als ich erstmals in einem Wiki editierte, hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dieser damals noch neuen Web 2.0-Anwendung. Aber schliesslich wurde ich ein geübter Wikipedia-Autor und im Umgang mit der Wiki-Syntax sattelfest. Ich wünsche mir, dass sich wieder vermehrt Leute als Anfänger versuchen, denn die Wikimedia Foundation ist daran, eine einfachere Bearbeitungsoberfläche namens VisualEditor zu entwickeln.

 Und was ist die Vision dahinter?
Ganz einfach: Das gesammelte Wissen der Menschheit soll für alle zugänglich sein. Im Mittelpunkt steht dabei die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia (in rund 280 Sprachen) – es existiert aber auch eine Reihe von kleineren Wikimedia-Wissensprojekten (z.B. Mediendatenbank, Reiseführer, Zitatensammlung, Lernplattform). Alle Wikimedia-Projekte werden von der Wikimedia Foundation, einer Stiftung aus San Francisco, betrieben. Im letzten Jahrzehnt entstanden unabhängige Länderorganisationen wie Wikimedia CH, die heute anerkannt sind und die Projekte vor Ort unterstützen, aber nicht für die Inhalte haften. Unser gemeinnütziger Verein nimmt Spenden entgegen, die hauptsächlich für die Infrastruktur und zur Unterstützung der Freiwilligen, die sich an den Projekten beteiligen, ausgegeben werden. Wohl nicht zuletzt wegen der schnellen Stichwortsuche im Internet ist Wikipedia schnell bekannt und populär geworden; es braucht aber noch einigen Aufwand, bis die Wikimedia-Bewegung einen vergleichbaren Status erreicht hat. Ich hoffe, dass die digitale Zukunft dieser Vision entgegenkommt. Wir sind nicht gegen Kommerz im Internet, möchten aber für eine kosten- und werbefreie Insel sorgen. So wollen wir etwa auch Kultur- und Gedächtnisinstitutionen aufrufen, ihre Inhalte freizugeben, damit sie frei zugänglich sind und weiterverbreitet werden können.

Wikipedia Logo

Wieso darf man Ihr Gastreferat am 23. Oktober auf keinen Fall verpassen?
Es freut mich, dass ich das hier schon etwas eingeführte Thema in einem Referat vertiefen kann, so dass diese Bewegung rund um kollaborativ gesammelte Inhalte begreifbar wird. Sie werden feststellen, dass innert eines Jahrzehnts in der Wikimedia-Bewegung sehr viel passiert ist. Die wichtigste Errungenschaft war, dass sich die freie Enzyklopädie dank des Engagements einiger Enthusiasten weit vorne in der Rangliste der meistbesuchten Websites weltweit positioniert hat und sich dort halten konnte.

Damit an diesem Abend nicht nur das Wissen der Besucher erweitert, sondern auch der leere Magen gefüllt wird, folgt auf das Referat ein mehrgängiges Apéro-Abendessen. Und − da wir zwar keine Spezialisten sind, was Wikipedia angeht, aber dafür bei suchmaschinenoptimierten Texten und Übersetzungen von Websites die Nase vorne haben – offerieren wir die ersten Weinflaschen.

Möchten Sie gerne beim Zürcher Werbeklub Exklusiv dabei sein? Wir verlosen zwei Tickets. Erzählen Sie uns in einem Kommentar kurz, welches der letzte Begriff war, den Sie in Wikipedia nachgeschlagen haben.

Wort der Woche – Das Schwarze Brett

13. September 2013

schwarzebrettSeit Kurzem geht die folgende Geschichte im Internet um: Ein 71-jähriger Mann suchte seit vielen Jahren seine Tochter, die er fast 30 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Er hängte dazu einen handgeschriebenen Brief ins Fenster eines Ladens – direkt neben Inseraten für Putzhilfen und Gärtnerarbeiten. Ein Passant machte davon ein Foto und stellte es ins Internet. Dank den Social Media Communities verbreitete sich das Bild sehr schnell. Das Foto wurde 100’000 Mal geteilt und selbst Promis halfen, das Bild weiterzuverbreiten. Kurze Zeit später wurde die Tochter tatsächlich gefunden, und der alte Mann konnte seine Tochter endlich in die Arme schliessen. Mithilfe des kleinen Schwarzen Brettes fand also ein Vater seine verloren geglaubte Tochter wieder.

Weil uns die Geschichte so gut gefällt, ernennen wir das «Schwarze Brett» zu unserem Wort der Woche.

Die Erfindung des Schwarzen Bretts ist schon viele Jahrhunderte alt. Früher liessen sich die gewünschten Informationen noch nicht wie heute ganz einfach aus dem Internet kitzeln. Vielmehr musste man sich auf Händler und Reisende verlassen, die Neuigkeiten in die Dörfer und Städte brachten. Und wenn man was suchte oder der Staat eine wichtige Mitteilung zu machen hatte, wurden die Informationen an einen Baum genagelt, so dass möglichst viele Leute informiert werden konnten.

Der Begriff «Schwarzes Brett» stammt vermutlich aus dem Spätmittelalter bzw. aus der Frühen Neuzeit. Der Einzug des Wortes „schwarz“ fand wahrscheinlich über seine mittelalterliche Bedeutung «swartz (schmutzfarbig)» statt. Schon im 16. Jahrhundert wurden Verbrechen in «schwarze Bücher» bzw. «schwarze Register» aufgenommen. 1606 wurde im Lübecker Annenkloster eine «Straf- und Schimpf-Tafel» angebracht, auf der Übeltäter und Verbrecher aufgeschrieben wurden.

Die erste Verwendung des «Schwarzen Brettes» im Bereich der Wissenschaft geht vermutlich auf den deutschen Juristen und Philosophen Christian Thomasius zurück, der 1687 eine Mitteilung über den Einfluss der französischen Sprache an das Schwarze Brett einer deutschen Universität heftete.

[Quelle: Wikipedia.org]

Auch heute wird das Schwarze Brett noch immer gerne an Universitäten verwendet. Dort findet man Anzeigen für WG-Zimmer oder diverse Aktionen. Genauso hat das Schwarze Brett auch Einzug ins Internet gehalten – in Form von Kleinanzeigen oder Foren.

Es ist doch schön zu sehen, wie so eine kleine Erfindung es geschafft hat, die Jahrhunderte zu überstehen und sich an die neuen Möglichkeiten anzupassen.