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Artikel Tagged ‘Wort der Woche’

Wort der Woche «Dr. Google»

11. Mai 2015

Mit dem Web 2.0 verloren die Ärzte ihre Vormachtstellung. Viele Internetuser googeln selbst nach ihren Symptomen. Eine korrekte Diagnose ist jedoch mindestens so wichtig wie eine fehlerlose Übersetzung in der Pharma- und Medizinalbranche.

Bestimmt suchten auch Sie schon im Internet nach den Symptomen und Ursachen einer Krankheit. Damit sind Sie nicht allein: Jede zwanzigste Suchanfrage auf Google steht in Zusammenhang mit Gesundheit.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Dr. Google

Ein Ziehen in der Bauchgegend, häufige Kopfschmerzen oder Übelkeit – in Zeiten von Beschwerden wird häufig nicht zuerst der reale Arzt konsultiert, sondern Dr. Google. Denn der weiss immer und auf alles eine Antwort. Nur bleibt es meistens nicht bei einer Antwort, sondern der Internetuser wird mit einer Fülle an Informationen überschüttet, etwa in Krankheitsforen oder Gesundheitsblogs. Dies kann einerseits zu «Cyberchondrie» führen (ein Wort, das sich aus «Cyber» und «Hypochondrie» zusammensetzt). Hypochonder sind der festen Überzeugung, dass sie krank sind. Obwohl ihr Körper an und für sich gesund ist, leiden sie an Ängsten, die krank machen. Im spannenden Beitrag des Beobachters erfahren Sie mehr über die krankhafte Angst vor der Erkrankung.

Wer wissen will, woher seine Kopfschmerzen kommen, kann schnell Panik bekommen.

Wer wissen will, woher seine Kopfschmerzen kommen, kann schnell Panik bekommen.

Mit Cyberchondrie ist somit gemeint, dass Informationen aus dem Internet hypochondrische Tendenzen auslösen oder verstärken können. Wird z. B. nach dem relativ unspezifischen Symptom «Kopfschmerzen» gegoogelt, können die medizinischen Informationen aus dem Web die Angst schüren, an einem Gehirntumor zu leiden – obwohl Kopfweh bei einer Unmenge an Erkrankungen auftreten kann. Meist hilft die Beruhigung eines Arztes nur kurzfristig; die Betroffenen müssen sich immer wieder selbst im Internet rückversichern, dass sie wirklich nicht krank sind.

Andererseits ist der frei zugänglichen Information im Internet auch durchaus Positives abzugewinnen: Weil die Patienten so gut informiert sind wie nie zuvor, ist das Gespräch zwischen Arzt und Patient ausgeglichener. Der Arzt wird so unter Umständen sogar als glaubwürdiger betrachtet. Informierte Patienten sind also nicht das Problem, jedoch falsch informierte. Auch Google ist sich dessen bewusst und lässt die Resultate von einem Ärzteteam überprüfen. So soll sichergestellt werden, dass die User auf relevante Informationen stossen, wie Google auf seinem offiziellen Blog im Februar verkündete.

Falsche Behandlungen durch Übersetzungsfehler

Genauso wichtig wie eine korrekte Diagnose ist jedoch auch eine fehlerlose Übersetzung in der Medizin und Pharmazeutik. Egal ob es um Packungsbeilagen, Studien oder Gebrauchsanleitungen geht – die Fachbegriffe müssen einwandfrei übersetzt sein. Ansonsten sind Missverständnisse oder gar schwerwiegende Fehler vorprogrammiert. So ergab eine amerikanische Untersuchung, dass 1‘500 von 30‘000 falschen Behandlungen missverständliche Abkürzungen als Ursache haben.

Nur mit einer korrekten Übersetzung kriegen Sie auch die richtigen Tabletten verschrieben.

Nur mit einer korrekten Übersetzung kriegen Sie auch die richtigen Tabletten verschrieben.

In der Schweiz erlebte in den vergangenen zwei Jahren jeder neunte Patient einen Behandlungsfehler – die zum Teil auch auf fehlerhafte Übersetzungen zurückzuführen sind. In der Studie der Linguistin Dr. Anna-Katharina Hüging sticht folgender Fall als Beispiel heraus: Für «medullary thyroid cancer» wählte einer der Probanden die Übersetzung «Rückenmarkkrebs». Korrekt wäre aber «medulärer Schilddrüsenkrebs» gewesen. Ein Fall wie dieser ist zwar selten, macht jedoch deutlich, wie wichtig die Wahl der Übersetzer ist. Diese müssen im Bereich Medizin zu Hause sein und die verschiedenen Fachbegriffe sowie Abkürzungen kennen.

Falls Sie im Medizin- oder Pharmabereich tätig sind, zögern Sie nicht, das Team der TRANSLATION-PROBST AG zu kontaktieren. Wir stehen Ihnen gerne mit unseren professionellen Übersetzungsdienstleistungen zur Seite und verschreiben Ihnen den für Sie passenden Fachübersetzer – ohne Risiken und Nebenwirkungen.

Wort der Woche «Osterbrauch»

30. März 2015

Sie können sich Ostern ohne Schokoladeosterhasen und Eier nicht vorstellen? Nun, andere Länder, andere Sitten. Um mehr über die verschiedenen Osterbräuche herauszufinden, reicht im Falle der TRANSLATION-PROBST AG eine Umfrage im Team – denn dieses ist nicht nur treffsicher, sondern auch international.

Ich kenne Ostern ja vor allem so: Am Ostersonntag versteckt der Osterhase Eier und/oder Schokolade, die von den Kindern (oder Erwachsenen) gesucht und gefunden werden müssen. Beim anschliessenden «Eiertütschen» heisst es Treffsicherheit beweisen: Je zwei Spieler schlagen mit der Spitze eines hartgekochten Eis auf die Eispitze des Gegenspielers – mit der Absicht, dessen Schale zu zerbrechen. In meiner Familie wird dies jeweils reihum am Tisch gespielt, als Sieger geht derjenige mit dem am Schluss einzigen unversehrten Ei hervor. Diesen alten Osterbrauch gibt es übrigens nicht nur in der deutschsprachigen Schweiz, sondern vor allem auch in der bayerischen Oberpfalz, im Südtirol, in vielen österreichischen Regionen über den Balkan bis nach Russland. Dabei variieren auch die Ausdrücke dafür, z. B. «Oarhiartn» (Eierhüten) in Bayern, «Aalan tuatschn» in Kärnten oder «Ostereier kippe» in Köln.

Text über Osterbräuche

Kein Ei gleicht dem anderen. So ist es auch mit den Osterbräuchen.

Ostereier geworfen und gerollt
Mein deutscher Arbeitskollege, der viele Jahre in München gelebt hat, erzählt mir von einer etwas unsanfteren Methode. So haben sie die Eier nicht etwa «getütscht», sondern im Garten geworfen. Dieses Ostereierwerfen wird eigentlich vor allem im Norden Deutschlands zelebriert. Derjenige mit dem besten «Eierwerfgefühl», sprich: wer das hart gekochte Ei am höchsten und weitesten wirft, ohne es zu zerbrechen, gewinnt. Auch hier gibt es regionale Unterschiede, manche werfen die Ostereier über das eigene Hausdach.

Auch in den USA geht es bunt zu und her, wie die traditionelle «Easter Parade» auf der 5th Avenue in New York City zeigt. Verkleidete Personen ziehen mit farbig geschmückten Wagen durch die Strassen. Auch Barack Obama kommt um Ostern nicht herum: Im Weissen Haus findet «The White House Easter Eggs Roll» (Eierrollen) statt, bei dem am Schluss jeder Teilnehmer ein vom Präsidenten und seiner Gattin signiertes Holzei erhält.

In Bulgarien hingegen werden Ostereier nicht bemalt, sondern die Bewohner der Städte bewerfen sich mit rohen Eiern. Sieger ist wiederum der, dessen Ei nicht zerbricht. Dieser soll das erfolgreichste Familienmitglied im kommenden Jahr werden. Hartgekochte Eier werden, wie übrigens auch in Griechenland, Russland, Serbien und Schweden, rot bemalt als Symbol für das neue Leben, das durch das Opfer Christi erworben wurde. Ältere Hausfrauen werden traditionellerweise mit dem ersten rot gefärbten Ei eingestrichen, dies soll ihnen Gesundheit und Stärke verleihen.

Kindheitserinnerung aus Italien
Etwas weiter im Süden kennt man zum Teil ganz andere Ostertraditionen. Ein Arbeitskollege lässt mich an einer seiner Kindheitserinnerungen von Ferien in Italien teilhaben (Angaben ohne Gewähr): «Zwei grosse Menschentrauben gingen vor der Kirche in der Stadt Notto aufeinander zu. Jede Gruppe hatte eine mindestens drei Meter hohe Holzstatue dabei – getragen von ca. 20 Mann auf einer Art Sänfte. Eine Statue stellte Maria dar, die andere Jesus. Als sie beieinander angekommen waren, kippten sie die schweren Statuen so, dass sie sich küssen konnten. Dies sah nach einem brutalen Kraftakt für die Träger aus. Danach stürmten die Statuenträger Seite an Seite mitsamt den Statuen absolut halsbrecherisch die Kirchentreppe hinauf. Was danach geschah, weiss ich nicht mehr genau. Die Statuen wurden wohl besungen und gefeiert.» So findet am Karfreitag in vielen Orten Italiens eine Prozession statt, bei der jedoch meistens das Kreuz schweigend durch die Strassen getragen wird. Die Auferstehung Christi wird am zweiten Feiertag im Kreise der Familie und Freunde gefeiert.

Schön finde ich folgende Geschichte aus Australien. An Ostern schöpfen verliebte Paare Wasser aus einem Bach, das sie bis zu ihrem Hochzeitstag aufbewahren. Bevor sie in die Kirche treten, bespritzen sie sich gegenseitig damit. Dies soll Glück bringen.

Ungewohnte Stille in Frankreich
Und während in so ziemlich allen christlichen Ländern die Kirchenglocken zu Ostern kräftig geläutet werden, um die Gläubigen in die Kirche zu bitten, bleiben die französischen Glocken merkwürdig still, wie ich von unserer französischen Leiterin des Dolmetschermanagements erfahre. Tatsächlich, von Karfreitag bis Ostersonntag hört man in Frankreich keine einzige Kirchenglocke. Den Kindern erklärt man diese Stille wie folgt: Nach dem Gründonnerstag flögen die Kirchenglocken nach Rom, um sich dort vom Papst segnen zu lassen. In Rom bekämen sie auch Süssigkeiten, die sie auf dem Rückflug in die Glockentürme hie und da verlieren würden. Es sei die Aufgabe der Kinder, diese dann aufzuspüren. Erst beim Auffinden aller Süssigkeiten erklingen die Glocken am Ostersonntag wieder und läuten den ganzen Vormittag lang. Typische Süssigkeiten sind kleine Zuckereier und Schokolade in Form von Meeresfrüchten, Muscheln und Fischen. Ein weiterer Unterschied zur Schweiz: Der Karfreitag ist kein gesetzlicher Feiertag.

Hot cross buns

Das Kreuz auf den Buns hat einen religiösen Ursprung.

Das Kreuz auf den Buns hat einen religiösen Ursprung.

Zu Ostern gehört auch Essen. In deutschsprachigen Ländern und den Niederlanden gibt es als Ostergebäck traditionellerweise einen Kuchen in Hasen- oder Lammform. In Neuseeland, wo eine Mitarbeiterin aus dem Projektmanagement ihr Studium absolviert hat, isst man während der Osterzeit «hot cross buns», die «mit Butter bestrichen und noch warm gegessen besonders lecker sind». Nun, bevor ich meine eigene Treffsicherheit an Ostern unter Beweis stellen werde, möchte ich Ihnen noch einen Tipp für Ihr erfolgreiches «Eiertütschen» auf den Weg geben: Suchen Sie sich ein Ei von einem möglichst jungen Huhn aus. Diese Eier verfügen über eine Extraportion Proteine in der Schale und sind dadurch stabiler als andere. In diesem Sinne – viel Erfolg und ein egg-cellentes Osterfest!

Wort der Woche «Windowdressing»

2. März 2015

Italienisch oder Französisch? Was wie ein Salatdressing klingt, hat nur entfernt etwas mit Essen zu tun. Dann nämlich, wenn auch im Restaurant etwas schöner hergerichtet ist, als es tatsächlich schmeckt.

Bilanzkosmetik, Silvesterputz – diese Begriffe treffen ziemlich genau, was in der Bilanzpolitik mit Windowdressing gemeint ist. Um vor dem Bilanzstichtag, sprich dem letzten Tag des Wirtschaftsjahres, an dem die Jahresabschlüsse des Unternehmens aufgestellt werden, in einem möglichst günstigen Licht zu erscheinen, wird die Bilanz aufgeputzt. Die Massnahmen, die die Fondsmanager dafür durchführen, befinden sich im Grenzbereich des Zulässigen: Es handelt sich vor allem um die Umschichtung von Beständen.

Um für glückliche Gesichter bei den Anlegern zu sorgen, greift so mancher Fondsmanager in die Trickkiste.

Um für glückliche Gesichter bei den Anlegern zu sorgen, greift so mancher Fondsmanager in die Trickkiste.

Liquidität verbessern
Damit beispielsweise die mangelnde Liquidität eines Unternehmens vorübergehend nicht sichtbar wird, werden kurz vor dem Bilanzstichtag Vermögensgegenstände veräussert mit der Verpflichtung, sie wieder zurückzukaufen. Dies ist eine durchaus zulässige Liquiditätsbeschaffung. Oft veräussert eine Bank auch Devisen oder nimmt kurzfristig Geld auf. Eine andere Methode von Fondsmanagern besteht darin, kurz vor dem Ende des Quartals nochmals besonders die Aktien des von ihnen gemanagten Fonds zu kaufen, um so den eigenen Kurs hochzutreiben. Denn wie sagt man so schön? Die Hausse nährt die Hausse (mehr dazu auf unserem Blog). Langfristig wirken sich solche Käufe überteuerter Fonds jedoch negativ auf die Performance aus. Unzulässig ist diese Methode ausserdem, wenn sie von der festgelegten Anlagestrategie abweicht.

Unterschied zu früher
Interessanterweise setzte man früher Bilanztricks genau für das Gegenteil ein: Um Steuern zu sparen, wurde das Ergebnis schlechtgerechnet. Mitte der 1990er Jahre führten die Vorgaben des Shareholder Value, zu Deutsch: Aktionärswert, jedoch zu einer Beschönigung der Bilanzen. So können die Unternehmen stetige Gewinnsteigerungen präsentieren. Der Shareholder Value entspricht, vereinfacht gesagt, dem Unternehmenswert, von dem wiederum der Kurswert der jeweiligen Aktien abhängt. Und schliesslich werden Investmentfonds mit einer besseren Performance, das heisst der innerhalb eines oder mehrerer Jahre erwirtschafteten Rendite, von den Anlegern gelinde gesagt bevorzugt.

Auf Deutsch übersetzt macht das originale «window dressing» mit «Schaufensterdekoration» einen ziemlich wertneutralen Eindruck. Aber nehmen Sie sich Winston Churchills Worte zu Herzen und trauen Sie keiner Statistik, die Sie nicht selber gefälscht haben.

Wort der Woche «Bullen- und Bärenmarkt»

16. Februar 2015

An der Börse steppt der Bär? Und was hat ein Bulle mit dem Aktienmarkt zu tun? Wer die Begriffe «Bullenmarkt» bzw. «Bärenmarkt» zum ersten Mal in Verbindung mit der Börse hört, der tappt wahrlich im Dunkeln.

Dabei ist es ganz einfach: Der Begriff Bullenmarkt bezeichnet anhaltend steigende Aktienkurse, während Bärenmarkt einen anhaltenden Kursrückgang meint. Dabei kann es sich sowohl um Wertpapiere eines Marktes (z. B. eines Landes oder einer Region) als auch nur um die einer bestimmten Branche handeln. Auch die entsprechenden französischen Begriffe, «Hausse» und «Baisse», finden in der deutschen Sprache Verwendung. So spricht der Marktteilnehmer in Hinblick auf wahrscheinlich steigende Kurse von «à la hausse», oder von «à la baisse», wenn er mit sinkenden Kursen spekuliert. Überhaupt steht und fällt im Aktienmarkt viel mit den Erwartungen der Anleger auf zukünftige Gewinne. Der Bär nimmt dabei eine pessimistische Rolle ein, während der Bulle ein optimistischer Geselle ist.

Der Bär und der Bulle im direkten Duell.

Der Bär und der Bulle im direkten Duell.

Der Salami-Crash
Geht man weiter in die sprachlichen Tiefen des Aktienmarktes, wird man schnell mit den Begriffen «Boom» und «Crash» konfrontiert. Auch diese sind mit dem jetzigen Wissen schnell erklärbar, und zwar steht «Boom» für eine starke Hausse, also eine Phase stark ansteigender Aktien, während «Crash» genau das Gegenteil, namentlich eine starke Baisse, bedeutet. Einem langsamen, aber anhaltenden Abschwung wird oft scherzhaft der Namen «Salami-Crash» verpasst. Dieser bezieht sich auf die Salamitaktik, bei der grössere Ziele in kleine, erreichbare Zwischenschritte geteilt und so «Scheibe für Scheibe» abgearbeitet werden.

«Die Hausse stirbt in der Euphorie»
In Zusammenhang mit Hausse und Baisse gibt es zahlreiche Redewendungen. «Die Hausse nährt die Hausse» ist sogar ein empirisch belegbarer Börsengrundsatz, der aussagt, dass ein Bewegungshoch als Lockmittel für neue Anleger dient. Verschlechterte wirtschaftliche Umstände werden von den Marktteilnehmern lange Zeit ausser Acht gelassen. Dass mit «Die Baisse nährt die Baisse» jedoch auch genau die umgekehrte Situation eintreffen kann, liegt auf der Hand. Ein normaler Börsenzyklus besteht aus einer Hausse und einer Baisse. Die Redewendung «Die Hausse stirbt in der Euphorie» deutet ein weiteres Phänomen an: Durch übertriebene Ertragserwartungen kann ein übermässiger Bullenmarkt zu einer Spekulationsblase führen. Bei dieser liegen die Werte einer Aktie bei hohen Umsätzen über ihrem inneren, sprich angemessenen Wert, was wiederum zu einem Kurseinbruch führen kann. Der Begriff «Korrektur» kommt nicht nur bei Übersetzungen und im Textservice vor. Im Aktienmarkt wird so eine zeitlich eng begrenzte Gegenbewegung der Kurse genannt, z. B. wenn der Kurs im übergeordneten Bullenmarkt kurzfristig sinkt.

Bullen- oder Bärenmarkt?
Allen, die sich immer noch schwer tun, die beiden Begriffe Bullen- und Bärenmarkt auseinanderzuhalten, dient diese Eselsbrücke als Merkhilfe: «Der Bär baisst.» Auch vom Verhalten der Tiere lässt sich ein Rückschluss auf die Aktien ziehen: Während der Bulle mit den Hörnern nach oben stösst, schlägt der Bär mit seiner Pranke nach unten. Bleibt zu hoffen, dass die Anleger nicht in die Bullen- oder Bärenfalle tappen. Dabei kaufen bzw. verkaufen sie Wertpapiere aufgrund der Kursentwicklung, während der Kurs jedoch nur kurz nach oben bzw. nach unten schnellt.

Wort der Woche «Schmotzig»

9. Februar 2015

In drei Tagen ist es soweit: Der Donnerstag wird schmutzig und daher zum «Schmotzigen Donnerstag». Mit Schmutz in diesem Sinn hat er jedoch gar nichts zu tun, auch wenn das häufig angenommen wird.

Ob Schmotziger Dunschtich, Dicker Donnerstag, Unsinniger Donnerstag, Gumpiger Dunschtig oder einfach nur Schmotziga – der Donnerstag vor Aschermittwoch trägt vor allem in Deutschland viele Namen. In der schwäbisch-alemannischen Fasnacht und in den katholischen Orten der Schweiz ist der «Schmotzige Donnschtig» der Startschuss für die Fasnacht. Fasnacht wird übrigens nur im Schweizer Hochdeutschen geschrieben, in Deutschland heisst es «Fastnacht».

Herkunft
Entgegen der verbreiteten Annahme, dass «schmotzig» tatsächlich auf Schmutz und Dreck zurückzuführen sei, findet sich das Wort im alemannischen Begriff für Schmalz bzw. Fett wieder. Der Donnerstag vor Aschermittwoch war nämlich der letzte Schlachttag vor der Fastenzeit und somit für alle Nicht-Vegetarier – die sich damals noch in der Mehrheit befanden – die letzte Gelegenheit, um nochmals in den Genuss von Fleisch zu kommen. Da die Fastenzeit bis Ostern vierzig fleischlose Tage bedeutete, wurde nochmals geschlemmt, was das Zeug hält. So konnte man sich auch genug Fettreserven für die bevorstehende Fastenzeit anfuttern.
Die Kirche freundete sich mit dem teils ausartenden und wollüstigen Treiben vor der Fastenzeit wohl oder übel an und führte den theologisch-pädagogischen Nutzen vor Augen: Die Fasnacht stelle mit den verschiedenen Hexen-, Dämonen- und Teufelsmasken die Herrschaft des Bösen dar und zeige eine gottferne, verkehrte Welt voller Busse. Die Gläubigen seien dadurch eher gewillt für die entbehrungsreiche Fastenzeit.

Der Schmotzige Donnerstag ist auch als Schlacht- und Backtag bekannt.

Der Schmotzige Donnerstag ist auch als Schlacht- und Backtag bekannt.

In Deutschland werden die Schüler am Schmotzigen Donnerstag von der Schule «befreit», und die Narren bekommen vom Bürgermeister symbolisch den Rathausschlüssel in die Hand gedrückt. Diesen dürfen sie bis Fasnachtsdienstag behalten. Umzüge und Strassenfasnachten sind dann natürlich ein Muss. Traditionellerweise werden am Schmotzigen Donnerstag vielerorts im Fett gebackene «Fasnetsküchle» gegessen, zum Beispiel Quarkbällchen (auch bekannt unter Quarkini).

In der Schweiz wird der Schmotzige Donnschtig von Kanton zu Kanton anders gefeiert. Die Luzerner Fasnacht, die zweitgrösste der Schweiz, beginnt um fünf Uhr morgens mit dem «Urknall». Dieser gibt den Guggenmusiken und allen Fasnächtlern das Zeichen, dass nun mit dem fasnächtlichen Treiben begonnen werden darf.

Wie feiern Sie den Schmotzigen Donnerstag? Mit Ohropax im Bett, oder stehen Sie an vorderster Front?