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Artikel Tagged ‘Wort der Woche’

Wort der Woche: Olympische Spiele

3. Februar 2014

Das bedeutungslabile Wortfeld der Olympischen Spiele

Am Freitag ist es wieder soweit: Mit der Eröffnungsfeier vom 7. Februar, die wohl noch gigantischer sein wird als alle vorherigen, werden die Olympischen Winterspiele in Sotschi offiziell begonnen. Für uns Grund genug, die olympischen Spiele zum Wort dieser Woche machen.

Es handelt sich dabei um die XXII. Spiele. Der Zeitpunkt der I. Olympischen Spiele scheint also eine leichte Rechnung zu sein. Weit gefehlt: Die Zählung bezieht sich auf die Modernen Olympischen Spiele, und diese fanden erstmals 1896 statt – allerdings nur im Sommer. Olympische Winterspiele gibt es erst seit 1924; die lautesten Fans werden jedoch erst diejenigen des Jahres 1936 gelten lassen, weil es erst da Skiwettbewerbe gab. Der Ursprung der Olympischen Spiele liegt selbstverständlich viel weiter in der Vergangenheit. Man spricht vom 2. Jahrtausend v. Chr.; Siegerlisten sind bis ins Jahr 776 v. Chr. belegt. Doch die heutigen Olympischen Spiele haben sich unendlich weit davon entfernt; geblieben ist der Name.

© Ch_Alexandr / FotoliaDessen Herkunft ist einfach: Die vor der Tür stehenden Spiele heissen «Olympische», weil sie zuerst in «Olympia» stattfanden. Olympia war das Heiligtum des Zeus in Elis, im Nordwesten der Halbinsel Peloponnes. Allerdings hätten sie auch die Pythischen (Delphi), die Nemëischen (Nemea) oder die Isthmischen (Isthmus von Korinth) Spiele heissen können. Pierre de Coubertin 1896 wählte Olympia zum Namensgeber für die Olympischen Spiele der Neuzeit, weil die entsprechenden Spiele die bekanntesten gewesen waren. Die vier griechischen Spiele bildeten zusammen eine «Olympiade», d.h. einen Zeitraum von vier Jahren.

Dennoch werden die Journalisten und Kommentatoren auch diesmal wieder von Sportlern sprechen, die bereits an der dritten «Olympiade» teilnehmen. Das sie den Begriff falsch verwenden, hängt nicht allein mit fehlender Bildung zusammen, sondern mit dem Wortfeld der Olympischen Spiele, das äusserst labil ist. Die «Olympischen Spiele» selber sind ein aufschlussreiches Beispiel für Bedeutungsverschiebungen bzw. Bedeutungsverlust. Denn mit dem Ort Olympia haben sie längst nichts mehr zu tun, die heutige Weinbauregion Olympia wäre gar nicht mehr in der Lage, Olympische Spiele zu organisieren. Die Bedeutung des Wortes hat sich vom Ort auf eine Tradition, eine Ideologie verschoben, die noch im Begriff «der olympische Gedanke» weiterlebt, der sich jedoch inzwischen fast vollständig entleert hat und nur noch den Festrednern wichtig ist. Noch deutlicher zeigt sich der Bedeutungsverlust des Begriffs «Spiele»: Was sich in nächster Zeit in Sotschi zutragen wird, hat überhaupt nichts Spielerisches an sich – es sind knallharte Wettkämpfe, bei denen es um Hundertstelsekunden, um Ehre und viel Geld geht – und hauptsächlich um den Beweis, dass Russland wieder ein mächtiger Staat und Putin ein grosser Politiker ist.

Sportler und Sportlerinnen aus über 90 Nationen werden an den Olympischen Spielen in Sotschi teilnehmen. Das gibt eine «Babylonische Sprachverwirrung», und es wird von Übersetzern und Dolmetschern wimmeln. Übrigens ist auch die TRANSLATION-PROBST AG vor Ort. Wenn Sie nicht bloss an Ranglisten und grossen Namen interessiert sind, sollten Sie unbedingt zuweilen einen Blick auf unseren Blog werfen: Die Reportagen unserer Korrespondentin sind sicher lesens- und sehenswert.

Wort der Woche – Final

24. Januar 2014

Das wär ein Ding: Zwei Schweizer spielen um den Sieg in einem Grand Slam, einem der vier grossen Turniere des Welttennis. Das wär ein Final! Und so machen wir eben «Final» zu unserem Wort der Woche.

Swiss flagStan the Man hat seinen Teil schon geleistet, jetzt (Freitagmorgen, 9 Uhr) muss es nur noch King Roger tun. Dann heisst es am Sonntag mit Sicherheit: Game, Set und Match für einen Schweizer! Das wär ein Final! Dafür, dass beim Tennis so oft englische Begriffe verwendet werden, liegt für einmal weder an der Globalisierung noch am Internet. Diesmal ist es ganz einfach die Herkunft des Sports (die Sprachgeschichte geht eben verschlungene Wege!): Mit der Sache werden auch die Begriffe übernommen. Das machten schon die alten Germanen: Sie sahen, dass es in den römischen Behausungen hell war, machten auch ein Loch in die Wand und nannten es wie die Römer «fenestra», woraus später «Fenster» wurde. Auch beim «Final» haben die alten Römer die Hand im Spiel; das Wort ist eine Weiterentwicklung des lateinischen «finis» (Ende, Grenze, Ziel). Und das passt beim Tennis ausgezeichnet: Nach fünf Sätzen, wenn dann dem einen Spieler beim Stand von 30 zu 29 nach Deuce und Advantage endlich ein Break gelingt (bei einem Grand Slam gibt es ja im fünften Satz kein Tie-Break), dann sind die beiden wirklich am Ende!

Übrigens zeigt sich beim Tennis deutlich, dass Deutsch eben nicht Deutsch ist. Die Deutschen sagen nicht «der Final», sondern «das Finale» (eher in der Musik als beim Tennis), häufiger aber «Endspiel» («Endspiel» gibt es in der Schweiz nur auf dem Theater, doch Samuel Beckett hat sein Theaterstück auch nicht «Final», sondern «Fin de partie» bzw. «Endgame» genannt). Auch sonst verwenden die Deutschen häufiger deutschsprachige Begriffe: «Aufschlag», «Einstand», «Vorteil» usw. Die Schweizer, die sich sonst eher am Französischen orientieren, fahren beim Tennis ganz aufs Englische ab – ausser bei «Satz», ausgerechnet bei dem Wort, das wir in erster Linie nicht mit Tennis, sondern mit Sprache assoziieren (die Sprache ist zuweilen auch nicht besonders logisch).

Wie werden übrigens die beiden Schweizer, der Romand und der Basler, bei der Feier zum Final miteinander sprechen? Brauchen Sie einen Dolmetscher? Die TRANSLATION-PROBST AG hat ihre Dienste bereits angeboten. Allerdings wird das wohl kein Geschäft − die beiden werden sich problemlos unterhalten können: auf Englisch!

Wort der Woche – König

3. Januar 2014

3-koenigskuchenAm 6. Januar ist Dreikönigstag: Sternsinger sammeln dann Spenden für arme Kinder und segnen die Häuser mit den drei Buchstaben «C+M+B» (einer traditionellen Segensbitte). In der Schweiz ist es Brauch, einen Dreikönigskuchen zu geniessen und darauf zu hoffen, den kleinen König aus Plastik zu ergattern. Denn der Glückliche darf dann für einen Tag König oder Königin sein und bestimmen, was unternommen werden soll. Im ersten Wort der Woche des Jahres 2014 gehen wir deshalb dem Begriff «König» nach.

Zuerst zur Klärung der Bedeutung: König ist die Amtsbezeichnung für den höchsten monarchischen Würdenträger in der Rangfolge eines souveränen Staates. Nun zur Klärung der Wortherkunft: Das Wort «König» ist germanischen Ursprungs, allerdings sind die Wortquellen umstritten.

1. Erklärung: König als einer, der einem vornehmen Geschlecht entstammt

Das Wort «König» ist in älteren deutschen Sprachstufen (ahd. kuning, mhd. künic) sowie in den meisten altgermanischen Sprachen (altengl. cyning, altnord. konungr) bezeugt. Die zugrundeliegende Form von König ist *kuninga-z. Darin enthalten ist das Suffix –ing/-ung, was Zugehörigkeit und Abstammung bezeichnet. Der Begriff *kuninga-z bedeutet also «der zum kuni/kunja-Gehörige» oder «der von einem kuni/kunja-Abstammende». Als weiterer Ausgangspunkt der Wortbildung ist auch das altgermanische Wort *kunja = «Sippe/Geschlecht» akzeptiert.

Dem Ausdruck *kuninga liegt das Wort «Adliger» zugrunde, was «vornehmer Mann» bedeutet. Dementsprechend wäre der *kuningaz «der einem (edlen) Geschlecht Entstammende» beziehungsweise eine Person von vornehmer Herkunft.

2. Erklärung: König als Wissender

Eine andere Annahme besagt, dass*gnə– = «Wissen» die Quelle des Wortes «König» ist. Demnach wäre der König als «Wissender» bezeichnet worden. Diese These kann dadurch gestützt werden, dass die Germanen ihren Königen grosse Weisheit und umfangreiches Wissen zusprachen.

Ob adliger oder wissender König, wir wünschen Ihnen viel Glück bei der Suche nach dem kleinen Kuchenkönig und natürlich «en Guätä».

Wort der Woche – Silvester

27. Dezember 2013

silvesterIm Jahr 2013 gab es viele schöne, spannende und schreckliche Geschichten: Zum Beispiel die Jahrhundertflut in Deutschland, das «Royal Baby» von Kate und William, den Taifun auf den Philippinen oder den Tod von Nelson Mandela. Nun neigt sich ein aufregendes Jahr dem Ende zu, und viele fiebern dem Silvesterabend entgegen. Wir fragen uns deshalb, woher das Wort «Silvester» stammt, und erküren es zum letzten Wort der Woche des Jahres 2013.

Die Assoziation des Jahresendes mit dem Namen Silvester geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals verlegte die Gregorianische Kalenderreform den letzten Tag des Jahres vom 24. auf den 31. Dezember, den Todestag des Papstes Silvester I im Jahr 335. (www.wikipedia.org) Dieser Papst prägte die Geschichte und Entwicklung der Kirche im 4. Jahrhundert massgeblich, indem er sie neu organisierte. Unter seinem Pontifikat vollzog sich die Einführung des Christentums als Staatsreligion und die Errichtung grosser römischer Kirchen, wie die Basilika St. Peter. Seit dem 5. Jahrhundert wird er als Heiliger verehrt und gilt als Tagesheiliger des 31. Dezembers.

Auf Deutsch: Waldmensch

Der Begriff Silvester gilt als Feiertag, Gedenktag und Vorname und ist lateinischer Herkunft. Silvester geht auf den Wortstamm «silva» zurück, was «Wald» bedeutet. Ins Deutsche übersetzt heisst der Name Silvester somit «Waldbewohner», «der zum Wald Gehörende» oder «Waldmensch».

Wenn vom Tag vor Neujahr gesprochen wird, gilt die Schreibweise mit i (Silvester). Wenn es hingegen um die Schreibweise des Vornamens geht, ist auch Sylvester mit y anerkannt. Die bekanntesten Beispiele für den Vornamen Sylvester sind der amerikanische Actionstar Sylvester Stallone und die glücklose Cartoon-Katze.

Wort der Woche – Weihnachten

20. Dezember 2013

weihnachtenWeihnachten ist das Fest der Liebe; es sind die Tage, an denen die Geburt Jesu Christi gefeiert wird. Im Zentrum von Weihnachten stehen heute aber auch: Zeit mit der Familie, köstliches Essen, Geschenke auspacken und Weihnachtslieder singen. Doch woher stammt das Wort «Weihnachten»? Kurz vor dem grossen Ereignis gehen wir der Wortherkunft auf den Grund.

Die ersten Belege für das Wort «Weihnachten» stammen aus dem 12. Jahrhundert. In der Predigtsammlung Speculum ecclesiae von 1170 kommt der Begriff «Weihnachten» zum ersten Mal vor. Darin heisst es: «Die Gnade (Gottes) kam zu uns in dieser Nacht: Deshalb heisst diese nunmehr Weihnacht.» («Diu gnâde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu wîhe naht.») Zusammengesetzt wird «Weihnachten» aus den Teilen der adjektivischen Wendung «ze wihen nahten». «Wîhen naht» wird dabei als Übertragung des lateinischen «nox sancta» im Sinne von «heilige, geweihte Nacht» verstanden. In den romanischen Sprachen entwickelte sich daraus natale, navidad oder noël.

Das erste Wortglied «weih» wird von germanisch wīʒja, wīha ‹heilig›, aus der Grundform des Verbs *wīʒjan ‹weihen›, und des Weiteren aus der indogermanischen Wortwurzel *ueik ‹aus-, absondern, weihen› abgeleitet. Das zweite Wortglied «-naht» setzt hier an die alte Zeiteinteilung vom Tag mit Beginn der Nacht an. Der Ausdruck kann also mit «heilige Nacht» bzw. «heilige Nächte» übersetzt werden. Der Plural weist auf die altkirchliche Tradition der zwölf Weihnachtstage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar hin.

Christlicher oder heidnischer Ursprung?

Aufgrund der beschriebenen Wortherkunft nehmen viele Forscher an, dass der Begriff christlichen Ursprungs ist. Selbstverständlich gibt es auch hier Quellen, die das bestreiten. Sebastian Franck zum Beispiel schreibt in seiner Germaniae chronicon von 1538 über den heidnischen Ursprung: «Das dieser heydnisch nam [Ostern] und standt nicht von Petro, sonder von den heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch die fasznacht, weinnacht etc. » Martin Luther hingegen dachte an den Ausdruck «wiegen» (das Kind wiegen) und bildete daraus Wygenachten. Des Weiteren bildete Theodor Strom aus dem Substantiv ein Verb. In seinem Gedicht von Knecht Ruprecht heisst es in den Anfangs- und Schlusszeilen: «Von drauss’ vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.»

300 Jahre Verspätung

Generell wird im Christentum der Tod bemerkenswerter Personen statt deren Geburt gefeiert. Deshalb etablierte sich das Fest zur Erinnerung an die Geburt Christi auch erst im vierten Jahrhundert. Die Römische Kirche feierte erst 300 Jahre nach Christus das heilige Fest. Im fünften Jahrhundert wurde dann befohlen, dass Weihnachten im ganzen Reich als offizielle Festlichkeit zur Ehre Christi einzuhalten sei.